Contibets gegen einen Gegner
Einleitung
Die Situation hat jeder Spieler schon viele Male erlebt. Man hält AKs, raist preflop, hat einen Caller und verpasst den Flop. Das Board ist allerdings nicht gerade gefährlich und man insta-C-bettet. Was gerade auf niedrigen und mittleren Buyins durchaus erfolgversprechend ist, ist gegen bestimmte Gegner auf höheren Buyins keineswegs immer der richtige Move. Während die typischen Gegner auf niedrigen und mittleren Buyins mit einer sehr weiten Range eine preflop Raise callen, trifft dies ab einem gewissen Niveau nicht mehr so häufig zu.
Betrachten wir die folgende Situation aus einem 55$ Speed SNG.
Die Hand
Party Poker 55$ Speed
No Limit Holdem Tournament
Blinds: t50/t100
8 players
Stack sizes:
UTG: t1910
UTG+1: t2840
Hero: t4230
MP2: t2200
CO: t3170
Button: t2070
SB: t1680
BB: t1900
Pre-flop: (8 players) Hero is MP1 with A

2 folds, Hero raises to t300, MP2 folds, CO calls t300 (pot was t450), 3 folds.
Flop: 9


Einschätzung
Ich kenne viele Regulars, die in einem solchen Spot fast automatisch eine C-Bet machen, ohne weiter darüber nachzudenken. In der Beispielsituation habe ich mich dazu entschieden, auf eine C-Bet zu verzichten. Der Grund liegt in meinen Reads auf den Gegner. Über eine allerdings nicht allzu große Samplesize an Händen (<200) hatte ich einen sehr tighten Read in der frühen bis mittleren Phase eines SNG. Um hier eine C-Bet zu machen, muss ich zunächst versuchen, die Calling Range des Gegners einzuschätzen, der ebenfalls tighte Reads auf mich haben sollte. Ich würde vermuten, dass er meine Raise mit seinem Stack mit 99 – JJ, AKo, AQs+ called. QQ+ würde er wohl in den meisten Fällen reraisen bzw. pushen.
Interessant wird es, wenn man die Intention des Callers mit berücksichtigt: Er wird bei diesem Flop wohl keine Hand wie 99 – JJ auf eine CB folden. Bei AK + AQ rechne ich dagegen mit einer sehr guten Chance, durch eine C-Bet den Pot zu gewinnen.
Für 99 – JJ gibt es 15 Kombinationen.
Für AK und AQs gibt es 9 mögliche Kombinationen.
In 37,5% der Fälle (9 von 24 wahrscheinlichen Kombinationen) sichere ich mir durch eine 400er Bet den Pot. In 62,5% der Fälle verliere ich die 400$ gegen einen Reraise oder Push.
Analyse
Laut ICM ist meine Equity nach einer erfolgreichen C-Bet 0,2219. Im Falle des Verlusts der 400 Chips und des Pots beträgt meine Equity 0,1608.
Die ICM-Rechnung für die C-Bet sieht demnach folgendermaßen aus:
EV (C-Bet) = (0,375 * 0,2219) + (0,625 * 0,1608)
EV (C-Bet) = 0,0832 + 0,1005
EV (C-Bet) = 0,1837
EV (C-Bet) = 18,37% Anteil am Preisgeld
Dazu im Vergleich die Rechnung für den Fall, wenn man auf eine C-Bet verzichtet. Vereinfachend gehen wir davon aus, dass Villain in 100% der Fälle den Pot durch eine Bet am Flop gewinnt.
EV (Check) = 0,1850
EV (Check) = 18,50% Anteil am Preisgeld
Berücksichtigt man, dass Villain nicht in 100% der Fälle eine Bet am Flop macht und Hero durch Checkdown den Pot gewinnt oder teilt, fällt das Ergebnis noch deutlicher aus.
Fazit
Ab bestimmten Buyins und bei entsprechenden Reads sollte man sich eine routinemäßige C-Bet gut überlegen. Nicht immer ist eine solche C-Bet die beste Wahl.
Ein anderer Ansatz könnte sein, C-Bets niedriger als 1/2 Potsize anzusetzen.