Bankrollmanagement - Wie steige ich die Limits auf?
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Bankrollmanagement – Wie steige ich die Limits auf?
von LuigiKwaysser
Wahrscheinlich haben viele schon beim Lesen der Überschrift das Interesse verloren, weil sie automatisch davon ausgegangen sind, dass dieser Artikel nichts Neues für sie parat hält. Dabei gibt es noch immer viele Spieler, die am Tisch nervös und leicht reizbar sind, die herumschreien, ihre Gegner beleidigen, nur schwer über Bad Beats hinwegkommen und sich lautstark über die Ungerechtigkeiten im Poker auslassen.
Ich kann daraus nur schließen, dass sie auf Limits spielen, auf denen sie mehr verlieren als ihre Bankroll verträgt. Und genau deshalb ist es extrem wichtig, noch einmal auf dieses Thema einzugehen. Schiebe deinen Stolz und deine Illusionen beiseite und lies weiter.
- Jedes mal, wenn du dich an einen Tisch setzt, musst du dein Ziel für das Spiel klar vor Augen haben.
Ich habe eine schlechte Nachricht für dich: Du hast dir wohl eines der teuersten Hobbies ausgesucht, die es überhaupt gibt. Wenn du nicht aufpasst, wirst du nicht nur eine riesige Menge an Geld, sondern auch deine Arbeit, deine Familie, Freunde, Gesundheit, ja sogar den Spaß am Leben verlieren.
Ich sage das nicht, um dir Angst einzujagen, aber vor allem Einsteigern und Neulingen muss klar sein, dass Poker süchtig machen kann – genau wie jedes andere Spiel, bei dem Glück eine Rolle spielt. Spielst du auf den falschen Stakes, kannst du von einer Sekunde auf die nächste den Boden unter den Füßen verlieren. Ich habe in meinem jungen Alter schon viele Leute gesehen, deren Leben völlig aus der Bahn geriet, weil sie zu viel Zeit an den Tischen verbrachten. Es ist schlimm, so etwas mit ansehen zu müssen.
- Als Hobbyspieler solltest du zunächst davon ausgehen, dass du das Geld, das du auf den Tisch legst, fast immer verlieren wirst. Entsprechend vorsichtig solltest du dein Limit auswählen.
Selbst wenn du davon überzeugt bist, dass der einzige Grund, warum du den Tisch nicht als Gewinner verlässt, fehlendes Glück ist.
Vielleicht handelt es sich tatsächlich um fehlendes Glück; viel wahrscheinlicher ist allerdings, dass dein Spiel unzählige Leaks aufweist und viele zum Erfolg notwendige Elemente noch fehlen, die du alleine gar nicht ausfindig machen kannst, doch genau dazu müsstest du in der Lage sein, um Bad Beats zu verhindern.
Auch wenn du ab und an gewinnen solltest, wenn du schon von Anfang an mit Bad Beats rechnest, dann wirst du letztendlich vom Erfolg überrascht werden. Wenn du allerdings anfängst, Gewinne wie selbstverständlich zu erwarten, dann wirst du am Ende der meisten Sessions enttäuscht sein.
Selbst wenn du eine Zeit lang nur gewinnst, belüge dich nicht selbst. Nur weil du es in den letzten zwei Monaten an acht Final Tables geschafft oder x-tausend Dollar in Cash Games gewonnen hast, so heißt dies noch lange nicht, dass du ein Pro bist. Das Schlimmste, was einem Spieler passieren kann, ist es, am Anfang eine gute Hand nach der anderen zu bekommen. Das gibt ihm nämlich den Eindruck, dass er ein wahrlich starker Spieler ist. Wenn daraufhin die gewünschten Ergebnisse über einen längeren Zeitraum hinweg ausbleiben, verstehen die meisten nicht, was schief gelaufen ist.
Sieh es also als besondere Herausforderung an, wenn das Deck nicht besonders günstig für dich ist. Zumindest musst du für deine ersten Erfolge dann wirklich kämpfen. Dies wiederum bedeutet, dass du dir eine stabilere Grundlage erarbeitest als die Glückspilze, die sich schon am Anfang über den schnellen Ruhm freuen dürfen.
- Poker kann eine großartige Erfahrung sein, aber auf lange Sicht wird dir das Spiel nur Freude bereiten, wenn du lediglich einen Betrag setzt, den du auch mit einem Lächeln auf dem Gesicht wieder verlieren kannst.
Wenn du zusammen mit deinen Freunden Poker spielst, ist es dir am Anfang vielleicht unangenehm, auf niedrigeren Stakes zu spielen als die anderen. Aber merke dir eines: Das ist bei weitem weniger schmerzhaft und peinlich als ein paar Monate später daheim bleiben oder oder dich vor Gläubigern verstecken zu müssen.
Aber auch wenn es nicht soweit kommt, wirst du dich auf niedrigeren Limits einfach wohler fühlen. Dort kannst du über Bad Beats lachen und auch mal in Situationen bluffen, in denen du dich auf den höheren Stakes nie trauen würdest. Auf den niedrigeren Limits ist die Atmosphäre entspannter, das Spiel ist lockerer, die Gegner sind schwächer und du kannst eine Session öfter erfolgreich abschließen. Kurzum: Du bekommst ein umfassenderes Spielerlebnis für dein Geld.
- Vergiss nie, dass du als Freizeitspieler zu deinem Vergnügen spielst und nicht, um dich zu stressen oder aufzuregen. Versuche stets, der fröhlichste Spieler am Tisch zu sein.
Hier ein guter Rat von mir: Lass dir von einem guten Freund eine Ohrfeige geben. Vielleicht ist dein Blick dann nicht mehr so vernebelt und du realisierst, dass du mit dieser Einstellung im Poker genauso erfolgreich sein wirst wie an der Slotmachine oder beim Lotto. Die Gewinnchancen sind minimal, aber die Wahrscheinlichkeit, dass du viele Jahre später immer noch mit leeren Taschen durch die Casinos läufst und dich vor alten Gläubigern versteckst, ist groß.
Noch schlimmer ist es, wenn solch ein Glückspilz dann tatsächlich einen großen Jackpot absahnt. Da ihm das Glücksspiel-Blut durch die Adern fließt, wird er nach kürzester Zeit wieder pleite sein und der Kampf gegen die Windmühlen beginnt von vorne.
Eine Sache sollte man sich aber merken: Wenn man über Jahre hinweg am Ball bleibt, fleißig und kontinuierlich lernt, bestimmt spielt und sich diszipliniert an die Regeln des Bankrollmanagements hält, dann ist es tatsächlich möglich, sehr viel Geld zu verdienen.
Wenn du allerdings ein “Glücksspieler” bist, wirst du immer versuchen, deinen Pfad zum Erfolg abzukürzen. Eine solche Taktik führt unvermeidlich zu Misserfolg.
Ich glaube, ich kann dir in dieser Hinsicht ein paar nützliche Tipps geben.
Einer der wichtigsten Punkte lautet: Wenn du einen Job hast, dann solltest du ihn auf jeden Fall behalten. Kündige erst, wenn du seit mehr als einem Jahr ein stabiler Winning Player bist (das impliziert natürlich auch, dass du schon seit vielen Jahren Live-Turniere spielst) und genug Geld gespart hast, um einen möglichen Downswing über mehrere Monate hinweg zu überbrücken. Hast du keinen regulären Job, dann suche dir einen – zumindest einen Teilzeitjob. Bis sich der Erfolg in deinem neuen Job am Pokertisch eingestellt hat, solltest du dich unbedingt um ein gesichertes Einkommen bemühen.
Halte statistische Daten zu deinem Spiel so detailliert wie möglich fest. Dadurch kannst du am Ende viel leichter erkennen, wie erfolgreich dein Spiel tatsächlich ist. Außerdem verhinderst du, dass deine Erinnerungen von deinem Unterbewusstsein verfälscht werden. Die Wahrung unserer Selbstachtung und unseres Selbstbewusstseins ist eine wichtige Funktion des menschlichen Gehirns, daher nimmt es jede Gelegenheit wahr, uns schöner, besser und schlauer darzustellen, als wir es wirklich sind. Für Letzteres bietet Poker tausende Möglichkeiten. Wenn du also eine realistische Einschätzung deines Spiels möchtest, solltest du dich nur auf tatsächliche Zahlen und Daten verlassen.
Schnall den Gürtel enger und versuche, mit so wenig Geld wie möglich auszukommen, minimiere den finanziellen Druck, der jeden Monat auf dir lastet.
Setze fest, wie lange du pro Woche pokern möchtest und kannst. Wenn du dich an deinen Plan hältst und deine Zeit effektiv nutzt, können pro Woche schon 10-15 Stunden ausreichen. Betrachte es als eine Art berufliche Weiterbildung: Du investierst Zeit, um etwas zu lernen, das dir ein paar Jahre später zu einem besseren Job und somit auch zu mehr Geld verhilft.
Wenn du kein Englisch sprichst, dann fang am besten sofort an es zu lernen. Du brauchst keine Angst zu haben, die meisten Pokervideos und -bücher bedienen sich einer sehr simplen und schematischen Sprache, so dass du nach ein paar wenigen Monaten keine Probleme mehr haben wirst. Grundlegende Englischkenntnisse sind für deine Pokerkarriere unerlässlich. Wenn du das nicht einsiehst, kannst du eigentlich gleich aufhören, diesen Artikel zu lesen, und solltest dich besser wieder deinem regulären Job widmen.
Ich würde dir raten, zunächst SnGs oder Cash Games auszuprobieren, da sie es dir leichter machen, die Zeit, die du am Pokertisch verbringst, gut einzuteilen. Außerdem sind die Swings dort kleiner. Cash Games sind zudem komplizierter als Turniere, d.h. du lernst hier mehr wertvolle Lektionen.
Kompletten Neueinsteigern würde ich raten, zunächst $1.000 zu sparen. Das sind auf 5c/10c 100 Buy-Ins – ein Betrag, mit dem du in der Junior-Poker-Sektion sehr gut mithalten kannst. Es ist aber kein Untergang, wenn du mit weniger Geld einsteigst. Du kannst auch mit $100 anfangen, obwohl der Aufstieg damit etwas schwerer sein wird. An deiner Stelle würde ich versuchen, das Geld von externen Quellen zu beziehen, z.B. könntest du die kostenlosen $50 Startkapital von PokerStrategy.com nutzen. Oder du sparst es dir mit etwas Mühe selbst zusammen, indem du Freerolls spielst. Sobald du aber genug Geld gespart hast, solltest du mit den Freerolls wieder aufhören, um schlechte Angewohnheiten zu vermeiden.
Vergiss nicht: Das Lernen steht zu jeder Zeit im Vordergrund. Mit Lernen meine ich nicht Üben (also Spielen), sondern theoretisches Training und die Weiterentwicklung deiner Fähigkeiten.
Ich schlage folgenden Lehrplan vor:
- Starte mit klassischer Pokerliteratur in Buchform. David Sklansky: Theory of Poker und No Limit Hold’em Theory and Practice sind ein Muss für Beginner (aus meiner Sicht ist Letzteres das beste Pokerbuch für Einsteiger); Dan Harringtons “Harrington on Holdem I-III”, und “Harrington on Cash Games” sind ebenfalls wichtige Werke; auch Doyle Brunsons “Super System” ist in diesem Zusammenhang interessant (zumindest das Kapitel zu NLH).
Es handelt sich dabei keineswegs um neue Werke, aber sie sind bis dato wohl die besten Einsteigerbücher auf dem Markt. Neben diesen Standardwerken gibt es natürlich auch andere gute Bücher zum Thema. Ich persönlich habe jedes der zuvor erwähnten Bücher dreimal gelesen, um alle Gedankengänge komplett zu verstehen und sie in mein Denken zu integrieren (Neben diesen drei Büchern habe ich weitere 10-15 Bücher gelesen, allerdings nur ein- bis zweimal).
Die Bücher von Dusty Schmidt haben auch einen guten Ruf und sind wahrscheinlich ebenfalls einen Blick wert. Während du sie liest, solltest du dir stets Notizen machen. Wenn etwas unklar ist, sei nicht zu schüchtern, z.B. im PokerStrategy.com-Forum Fragen zu stellen.
- Nachdem du die Bücher gelesen hast, solltest du ca. 50 Stunden spielen (auf einem Limit, auf dem dein Startkapital für 10,000 BB reicht, z.B. $1,000 - 5c/10c). Mit “Spielen” meine ich aber nicht, dass du wild auf alle Knöpfe drücken sollst. Spiele ein bis zwei Stunden, eine oder zwei Sessions, die du mit höchster Konzentration angehst und in der du jede Entscheidung sorgfältig abwägst. Kopiere bzw. speichere die Hand Histories jeder einzelnen Hand, bei der du Probleme hattest. Am besten nimmst du deine Sessions auf und siehst sie dir später noch einmal an, dies wird dir am besten helfen, dich schnell weiterzuentwickeln.
- Nachdem du 50 Stunden an den Tischen verbracht hast, gehe die Bücher erneut durch. Hast du erst einmal ein bisschen Spielerfahrung gesammelt, wirst du die Theorien aus den Büchern noch besser anwenden können.
- Danach solltest du deine gespeicherten HHs (bzw. deine Videos) so genau wie möglich analysieren. Es ist wichtig, dass du die Evaluierung deiner Spielentscheidungen dabei nicht allein auf die Endresultate stützt. Versuche bei deiner Analyse einen langfristigen Ansatz zu finden und alle Informationen zu berücksichtigen, die du im Moment deiner Entscheidung zur Verfügung hattest. Habe keine Angst davor, schwierige Hände in Foren zu posten und die Meinung anderer Spieler einzuholen.
- Nun folgen weitere 50 Stunden an den Tischen (unter den Bedingungen aus Punkt 2).
- Nun ist es Zeit für Poker-Videos. Eine riesige Auswahl findest du auf PokerStrategy.com, aber auch auf anderen Webseiten kannst du fündig werden. Bei manchen musst du dich erst registrieren und ca. $25 pro Monat bezahlen, aber solch eine Investition zahlt sich aus. Mache dir zu den Videos immer Notizen und schaue sie mit höchster Konzentration an. Ein Poker-Lehrvideo ist kein Film, den man sich vor dem Zubettgehen ansehen kann. Sobald du etwas Neues hörst, einen neuen Gedankengang hast oder auch nur der Ansatz einer Idee durch deinen Kopf geht, pausiere das Video und mach dir eine Notiz.
- Nimm dein Spiel regelmäßig auf (Camstudio ist zum Beispiel eine Software, die du dazu kostenlos herunterladen kannst). Sieh es dir nach ein paar Tagen oder einer Woche noch mal an und versuche, die Lücken in deinem Spiel aufzudecken.
- Wenn du dann wieder spielst, teile dir die Zeit, die du mit Poker verbringst, wie folgt ein: 2/3 Spiel, 1/3 Video - vorausgesetzt, du bist gut genug. Ist dies nicht der Fall, dann gilt 2/3 Video, 1/3 Spiel.
- Hast du 10.000 BB oder mehr, kannst du auf die höheren Limits aufsteigen.
Du spielst immer weiter, in der Hoffnung deinen Downswing so bald wie möglich hinter dir zu lassen. Du grindest fleißig, aber hast sein Monaten Angst, mehr als die Höhe des Rakebacks zu verlieren. Du veränderst ständig deinen Spielstil und glaubst, dass du mit dieser “Strategie” womöglich erfolgreicher sein wirst. Aber die Schulden häufen sich an und die Probleme wachsen. Du bist jetzt gezwungen, Turniere zu spielen, und hoffst, dass du damit wieder Boden unter den Füßen gewinnst.
Du bist dir sogar darüber bewusst, dass dieser Plan viele Leaks hat, doch das ist dir egal. Turniere weisen die höchste Standardabweichung aller Pokervarianten auf und es ist sehr wahrscheinlich, dass du dich vom Geld, das du investierst, für lange Zeit verabschieden musst. Um in Turnieren erfolgreich zu sein, darfst du dich nicht von der Auszahlungsstruktur beeinflussen lassen. Das ist allerdings unmöglich, wenn man unter finanziellem Druck steht. Aber es kann noch schlimmer kommen.
Wenn du nämlich mit viel Glück einen Turniersieg einheimst, ohne wirklich dafür gearbeitet zu haben, findest du dich viele Jahre später in deiner selbstgebauten Falle wieder.
Du musst ständig lernen und dich weiterentwickeln. Tust du dies nicht, wirst du dabei zusehen müssen, wie die restliche Pokerwelt dich einholt und an dir vorbeizieht.
Ich würde dir empfehlen, zurück zu Schritt 3 zu gehen und die Regeln zu befolgen, die ich allen Anfängern ans Herz lege, die professionell spielen möchten. Aber das reicht nicht: Du musst deinen Stolz beiseite schieben, deine gewohnten Limits vergessen und anfangen, mit endloser Bescheidenheit zu spielen.
Wähle das Spiel aus, in dem du am besten bist. Konzentriere dich zunächst auf einen einzigen Spieltyp.
Widme höchstens ein Drittel deiner Zeit dem Spielen selbst und konzentriere dich während der verbleibenden zwei Drittel auf die Entwicklung deiner Fähigkeiten.
Steige zwei, besser noch drei Limits ab. Mache dir nicht zu viele Gedanken ums Geld, sogar auf kleinen Limit ist es möglich, das Vielfache eines Durchschnittsgehalts zu verdienen, wenn du gut spielst. Darüber hinaus hast du auf den niedrigen Limits eine bessere Chance, zu gewinnen, und dein Selbstbewusstsein wird schneller zurückkehren als auf höheren Limits.
Evaluiere deine Hand Histories, auch wenn du dafür viel Zeit investieren musst. Schaue dabei aber nicht nur auf die großen Pots, die du verloren hast, eventuell hast du diese nur aufgrund von Fehlern verloren, die du regelmäßig auch in kleinen Pots begehst.
Folge dem Lernplan, den ich unter Fall 3 vorgeschlagen habe, und steige die Limits nicht übereilt auf.
Dann gibt es nur eine Sache: Lernen, lernen, lernen. Halte dich dabei an die Empfehlungen aus Fall 3.
Dies mag auf den jetzigen Augenblick zutreffen, aber der Rest der Welt schläft nicht. Wenn du nicht alles daran setzt, deinen Vorsprung zu behalten, werden die anderen dich früher oder später einholen. Es lohnt sich für dich zu pokern, aber trotzdem solltest du dich stets an den erwähnten Lernprozess halten.
Ich hoffe, dieser Artikel hatte ein paar nützliche Lektionen für dich parat. Viel Glück an den Tischen und immer fleißig lernen.
