Aktualisiert am 12 März 26 von

Objektivität II

Einleitung

Letzte Woche haben wir uns bereits mit zwei, von Pokerspielern oft getroffenen, Aussagen beschäftigt. Diese Woche habe ich weitere zwei ausgesucht. Ich hoffe, auch diesesmal ist für euch wiedermal etwas dabei.
Wieder stecken in beiden Aussagen markante Denkfehler, die aus fehlender Objektivität gründen. Ich werde wie letztesmal erneut versuchen, euch eine andere Sichtweise der Dinge aufzuzeigen. Fangen wir gleich an:

Ich verdiene 2000$ mit Bonuswhoring pro Monat. Jeder, der das nicht tut, ist dumm!

Auf den ersten Blick sieht es vielleicht tatsächlich so aus. Und wie so oft sträuben sich viele, einen Schritt zurück zumachen und das Ganze zu betrachten. Spieler A verdient sich sein Geld durch Bonuswhoring. Das bedeutet, dass er von Pokerseite zu Pokerseite wechselt und Boni erbettelt. Zwar hat er durch die ständig wechselnden Gegner und die oft nicht ausreichende Software kein profitables Spiel, allerdings gleicht er ein leichtes Minus locker mit seinen Boni-Gewinnen wieder aus. Er verdient mehr als Spieler B, welcher auf Bonuswhoring verzichtet.

Nun gehen wir aber einen Schritt zurück. Wenn wir die Gesamtsituation betrachten, sehen wir folgendes. Realistischerweise müssen wir davon ausgehen, dass früher oder später Poker nicht mehr das selbe wie heute sein wird. Nehmen wir an, dass in 10 Jahren (diese Zahl ist rein fiktiv) das Pokern seinen letzten Atemzug hat. Spieler A hat in dieser Zeit 24.000$ im Jahr und damit 240.000$ in 10 Jahren gemacht. Hört sich nicht schlecht an? Ist es aber!
Spieler B hat auf Ablenkungen wie ständiges Seitengewechsle, Ein- und Ausgecashe und die damit oft verbundenen Probleme verzichtet: Er konzentrierte sich auf seinen Lernfortschritt und damit sein Spiel. Wärend des ersten Jahres fuhr er keine nennenswerten Gewinne ein. Dann aber erreichte er 5/10$ und hatte auf einmal einen monatlichen Durchschnittslohn von ~5000$. Dies war aber, aufgrund der richtigen Lerneinstellung von Spieler B noch nicht das Ende seiner Karriere. Er lernte weiter und spielte schließlich das Limit 30/60. Sagen wir für die Rechnung, dies hat ein weiteres Jahr gedauert. Dort verdient Spieler B auf 1000 Hände etwa 1000$. Wir haben also nun einen durchschnittlichen Tageslohn von 1000$. Spieler B verdient also im ersten Jahr Quasi nichts, im Zweiten 5000$ (was natürlich normalerweise mit jedem Limit ansteigt, ich wähle hier einen einfacheren Weg) und ab dem dritten Jahr 20.000$ pro Monat. Und das sieben weitere Jahre lang. Im großen und ganzen sehen wir also, welcher Weg erfolgversprechender ist.

Verdammt, wieso schaffe ich es nur bis 05/1?

In dieser Aussage sind zwei Denkfehler versteckt. Zum einen das "nur": Die wenigsten schaffen es überhaupt bis auf .50/1. Seid stolz auf den Weg, den ihr zurückgelegt habt, und seid euch dennoch bewusst, dass ihr noch einen weiten vor euch habt! Ich denke, dass beides möglich ist und ihr solltet diese Art der Objektivität auch anstreben.
Zum zweiten: Das "wieso": Ich denke, im grunde ist es jedem klar, warum er es nicht schafft: Entweder er lernt nicht genug, er hat nicht die psychologischen Voraussetzungen oder nicht genügend mathematisch-logisches Feingefühl. An jedem Punkt kann man arbeiten. Man sollte in solchen Situationen (wie sie durch die Aussage beschrieben werden) keinen Sündenbock suchen oder sich selbst schlecht machen.

Man sollte den Weg aus der Situation suchen, und wer gedacht hat, Poker wäre "leichtes Geld", den muss ich leider enttäuschen. Zwar ist es wesentlich leichter als in anderen Jobs. Aber für einen angemessenen Lohn müsst ihr auch hier einiges an Arbeit hineinstecken.

Sagt euch einfach immer wieder selbst: "Ich kann es schaffen, ich will es schaffen, ich werde es schaffen!. Das sind im Grunde genommen die drei elementaren Punkte einer jeden Aufgabenbewältigung. Die Möglichkeit, ein Problem zu lösen, der strikte Wille selbiges zu tun und zuletzt die nötigen Schritte auch zu unternehmen.

Wenn ihr bereit seid, hart zu arbeiten und die oben genannten Schritte zu erfüllen, so stehen euch - nicht nur im Poker - alle Türen offen.