Wie steige ich möglichst schnell in höhere Limits auf?
Einleitung
Ich spiele nun seit gut einem Jahr Poker. In dieser Zeit habe ich mich von 0,02$/0,04$ Fixed Limit auf NL200 hochgearbeitet und spiele mittlerweile auch die NL400 FR Tische, falls mal welche offen sind. Mit diesem Aufstieg (Fixed Limit Spieler würden den Umstieg auf NL vielleicht auch als Abstieg bezeichnen ;)) bin ich eigentlich recht zufrieden. Trotzdem denke ich, dass ein Aufstieg auch schneller möglich gewesen wäre, wenn ich ein paar Tipps konsequent und von Anfang an befolgt hätte. In dieser Kolumne möchte ich euch vier Tipps geben, die aus meiner Sicht einen schnelleren Aufstieg ermöglichen.
Die Regeln
Keine Cashouts
Die meisten von uns spielen Poker, weil es Spaß macht. Ein angenehmer Nebeneffekt ist, dass man, wenn man ordentlich spielt, damit auch etwas Geld gewinnt. Wer hat sich nicht gefreut, als die Bankroll das erste Mal die 100$, 500$ oder 1000$ Marke überschritten hat? Viele Spieler cashen sich dann mal etwas Geld aus, um sich von den Gewinnen etwas zu gönnen. Wer schnell aufsteigen möchte, sollte dies aus meiner Sicht nicht tun. Wenn ihr das Geld als Teil Eurer BR behaltet, investiert ihr in Eure Fähigkeit. Durch die größere BR kann man früher in höhere Limits aufsteigen. Wenn man dann mal ein hohes Limit erreicht, macht ein Cashout desselben Betrags nur noch ein Bruchteil der BR aus und man kann kleinere Summen schnell wieder erspielen. Ein Beispiel: ihr spielt auf NL25 und habt eine BR von 1000$. Wenn man hier 500$ auscasht bedeutet das, dass ihr 20 Stacks erspielen müsst, um Eure BR wieder auf 1000$ anzuheben. Bei einer guten Winrate von 4 PTBB/100 dauert dies etwa 25000 Hände. Entscheidet ihr Euch gegen einen frühen Cashout und spielt Euch in den Limits auf NL200 hoch, so bedeuten 500$ nur noch 2,5 Stacks. Selbst bei einer kleineren Winrate von 2,5 PTBB/100 müsst ihr hier nur noch 5000 Hände spielen. Insofern lohnt es sich mit dem Cashout zu warten, bis man auf einem höheren Limit spielt.
Gutes Spiel zählt – alles andere ist irrelevant!
Als ich angefangen habe, hatte ich immer Sessions mit einer überdurchschnittlich guten Winrate. Und trotzdem hat es sehr lang gedauert, bis ich von NL25 aufsteigen konnte. Der Grund hierfür war vor allem einzelne Sessions, in denen ich sehr schlecht gespielt und entsprechend viel Geld verloren habe. Oft kamen ein, zwei Suckouts und das Tilt-Programm im Kopf wurde gestartet. Darauf folgte dummes mitgehen und noch dümmere Pushes – von solidem Spiel konnte keine Rede mehr sein. Das schlimme war, dass ich das schlechte Spiel selbst gemerkt habe, aber die Session nicht beenden wollte – ich war ja im Minus und eigentlich wollte ich gewinnen, nicht verlieren. Genau das ist die falsche Denkweise. Das Ziel einer jeden Poker-Session sollte ein gutes Spiel, nicht ein großer Gewinn sein. Heute ärgere ich mich über Drilling-über-Drilling Situationen nicht – sie passieren und es bringt nichts, sich darüber zu ärgern. Ich weiß, dass ich bei einem Drilling am Flop mein Geld in die Mitte bringen will und mache das – ob der Gegner nun einen höheren Drilling hat oder der Poker-Gott mir einen Suckout bringt: ich habe richtig gespielt und brauche mich nicht darüber zu ärgern. In ganz seltenen Fällen passiert es mir heute noch, dass ich mich über einen Gegner/eine Hand aufrege und dies mein Spiel beeinflusst. Passiert das, so beende ich sofort alle Sessions und lasse das Pokerspielen bleiben – es bringt nichts hier weiterzuspielen, da man nicht mehr sein bestes Spiel zeigt.
Vorsicht bei Abweichungen vom Standard-Spiel
Poker ist ein sehr komplexes Spiel mit unendlich vielen möglichen Situationen. Um Anfängern die Grundzüge des Spiels beizubringen gibt PS.de einfache Mechanismen an die Hand, die eine profitable Spielweise ermöglichen, jedoch nicht immer jeden kleinsten Vorteil ausnutzen. Beispiele hierfür sind der Starting Hand Chart oder die Call-15 Regel. Als fortgeschrittener Spieler schaut man weder auf den Chart, noch handelt man immer strikt nach der Call-15-Regel, da man die einzelnen Faktoren, auf denen diese Werkzeuge basieren, kennt und somit evtl. bessere Entscheidungen treffen kann. Das Problem daran ist, dass es oft viel Erfahrung braucht, um sinnvolle Abweichungen zu erkennen und ins Spiel zu integrieren. Teilweise habe ich früher z.B. mehr Starthände gespielt, „da es öfter geklappt hat“. Da waren einige total unsinnige Hände dabei, die dann auch mittelfristig mehr Geld gekostet haben, als sie eingebracht haben. Insofern warne ich davor, eigene Abweichungen direkt ins Spiel zu integrieren. Wenn ihr Euch Gedanken macht und Hände anders spielen würdet als der Standard vorgibt, ist das eine gute Sache – allerdings würde ich solche Abweichungen erst im Forum diskutieren oder in einem Coaching ansprechen. Hier können erfahrene Spieler meist direkt erkennen, ob und in welchen Situationen eine entsprechende alternative Spielweise Sinn macht und wann sie –EV ist.
Poker lernen heißt nicht nur Artikel lesen und spielen
Mittlerweile habe ich alle PS.de Artikel und etwa 18 Poker-Bücher gelesen. Ich denke, es ist interessant zu lesen, wie andere Leute über das Spiel denken und was sie vorschlagen. Das wichtigste ist meines Erachtens aber, sich selbst Gedanken zu machen und nicht nur vorgefertigte Regeln zu konsumieren. Manche von Euch sehe ich regelmäßig in den Beispielforen Hände posten und auch beantworten. Man erkennt direkt, dass sich manche recht intensiv Gedanken machen und ich bin der festen Überzeugung, dass diese Spieler schneller aufsteigen werden, als diejenigen, die nur an den Tischen sitzen und spielen. Früher habe ich auch nur Artikel gelesen und gespielt – eine richtige Verbesserung meines Spiels konnte ich aber erst beobachten, als ich kritische Hände gepostet oder in Coachings angesprochen habe. Neben den von PS.de angebotenen Möglichkeiten (Coachings, Foren) habe ich mich mit zwei anderen Handbewertern zusammengetan und eine „Lerngruppe“ gebildet. Wir diskutieren über grundsätzliche Strategien, Artikel, einzelne Hände oder machen User2User-Coaching. Beim letzten Mal haben wir 2 Stunden über nur kritische 6 Hände diskutiert – das zeigt, wie intensiv man über eine Hand nachdenken kann und ich habe hierbei einige alternative Spielweisen gesehen, die ich mittlerweile als vorteilhaft ansehe, aber davor nie in Betracht gezogen habe. Natürlich solltet ihr auch Zeit und Spaß an den Tischen verbringen, aber vernachlässigt das kritische Auseinandersetzen mit dem eigenen Spiel nicht.