	{"id":52626,"date":"2010-08-31T11:30:00","date_gmt":"2010-08-31T11:30:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pokerstrategy.com\/de\/strategy\/downswing-psychologische-betrachtung\/"},"modified":"2026-03-12T09:17:59","modified_gmt":"2026-03-12T09:17:59","slug":"downswing-psychologische-betrachtung","status":"publish","type":"strategy","link":"https:\/\/www.pokerstrategy.com\/de\/strategy\/poker-psychology\/downswing-psychologische-betrachtung\/","title":{"rendered":"Downswing \u2013 eine psychologische Betrachtung"},"content":{"rendered":"<?xml encoding=\"utf-8\" ?><h1>Downswing &ndash; eine psychologische Betrachtung<\/h1><h1>Einleitung<\/h1><p>Dieser Artikel befasst sich mit dem Downswing-Ph&auml;nomen von einem psychologischen Standpunkt aus. Es wird auf m&ouml;gliche negative Lerneffekte hingewiesen und daraus werden Empfehlungen und Ratschl&auml;ge zu Verhaltensweisen abgeleitet. Das daraus entwickelte Drei-Phasen-Modell kann als Leitfaden f&uuml;r den Umgang mit einem Downswing dienen. Es funktioniert &uuml;brigens am Besten, wenn man es anwendet \ud83d\ude09<\/p><h1>Die spontane Einstellung zum Downswing<\/h1><p> Viele fragen sich w&auml;hrend eines Downswings, was schief l&auml;uft. Manche er&ouml;ffnen einen Thread in der <a href=\"https:\/\/www.pokerstrategy.com\/de\/wbb_de\/board.php?boardid=1350&amp;sid=\" target=\"_blank\">Sorgenhotline<\/a>. Hierbei gibt es u.a. zwei Arten von Threads: <\/p><p> 1. Ich mache alles richtig, nur diese dummen Ami-Fische bescheren mir einen Bad Beat nach dem anderen.<br> 2. Hilfe, ich bin am Ende, dead, nearly dead, almost dead, dead and gone, das war&acute;s, schlechtester Player oder so was in der Art. <\/p><p> Nach meinem Empfinden haben es diejenigen schwer, die denken &bdquo;Ich bin der Beste und ich heul hier mal nur so rum.&ldquo; Ihnen Tipps zu geben, ist erm&uuml;dend, denn man h&ouml;rt oft: &bdquo;Ach, ich hab jetzt gerade wieder nach 5k H&auml;nden Plus gemacht, das ist schon in Ordnung!&ldquo;. Ich denke ferner, dass die Aufmunterung, so und soviel H&auml;nde seien noch nicht aussagekr&auml;ftig und \"Kopf hoch\", \"wird schon\", allein nicht hilfreich ist. Besonders verwehrt sie jenem Spielertyp den Blick auf das Wesentliche. Die Entwicklung.<\/p><p> Der zweite Spielertyp ist derart verunsichert, dass er &uuml;berhaupt nicht mehr wei&szlig;, wo er steht. Die Verzweiflung steht im Titel. Kein Ausweg, kein Tipp ist eine wirkliche Hilfe. Er hat es ebenfalls schwer. Auch ihm ist der Blick verwehrt.<\/p><p> Legen wir den Blick frei und f&uuml;hren uns vor Augen, was bei einem Downswing passiert (passieren kann):<\/p><p><\/p><h1>Die Downswing-Lernfalle<\/h1><p> Ein Downswing versetzt einen psychologisch in eine recht schwierige Lage. Man ist sich in vielerlei Hinsicht unsicher. Es fehlt die Souver&auml;nit&auml;t, die Zuversicht, das eigene K&ouml;nnen in dieser Situation umzusetzen. Es fehlt auch das gute Gef&uuml;hl, der Spa&szlig; und die Selbstbest&auml;tigung. <br> Wenn ich spiele und verliere, muss ich schon sehr erfahren und wissend sein, um beim Spielen zu beurteilen, ob ich richtig gespielt habe oder nicht. Das Ergebnis ist negativ. Da&szlig; das Spiel demzufolge auch negativ war, dr&auml;ngt sich ungefragt auf und setzt sich gedanklich fest (wenn es Euch gef&auml;llt, meinetwegen auch unterbewusst).<\/p><p><\/p><h2>Was passiert genau?<\/h2><p> Negative Gedanken und Assoziationen haben Auswirkung auf die nachfolgenden Situationen. Man ruft sich in &auml;hnlichen Situationen immer wieder eben diese Gedanken ins Ged&auml;chtnis zur&uuml;ck. Aus diesen Gedanken werden Erkenntnisse (Kognitionen). <br> Auf lange Sicht f&uuml;hrt das zu Leaks, man ver&auml;ndert sein Spiel, um gegenzusteuern. Ein sehr plausibler Vorgang: Du tust etwas und kriegst was auf den Deckel. Du bist wieder in so einer Situation&hellip;hmm, Du willst keinen auf den Deckel kriegen. <br> Beispiel: Du raist eine Hand nicht mehr, um den Gegnern den Draw zu verteuern, weil Du denkst: die folden eh nicht auf mein Raise und treffen am Turn oder River sowieso, da spar ich mir jetzt wenigstens diese eine Bet. <\/p><p> Ein Lerneffekt aus Spiel-Erfahrung. Dem steht ja eigentlich das theoretische Wissen entgegen. Aber: Erfahrung ist fundierter. Wir wenden mehr das an, was wir bereits erfahrend angewandt haben, als das, was wir &bdquo;nur&ldquo; wissen.<\/p><p> Wir bilden Hypothesen &uuml;ber unsere Niederlagen, es sind mitunter irrationale Annahmen &uuml;ber die eigene Spielweise, den Zufallsfaktor, die Gegner usw. <br> Ich gebe mal Beispiele:<br> &bdquo;Immer, wenn ich Pocket Aces habe, treffen meine Gegner am River Two Pair, Set, Straight oder Flush!&ldquo;<br> &bdquo;Pocket Queens brauch ich erst gar nicht zu spielen, auf dem Flop, kommt sowieso ein King oder Ace.&ldquo;<br> &bdquo;Die Fische treffen regelm&auml;&szlig;ig ihre 2-outer, doch mein Flushdraw kommt nie an.&ldquo;<br> &bdquo;Ich spiele zu weak.&ldquo;<br> &bdquo;Mein WTS ist zu hoch.&ldquo;<\/p><p> Die letzten zwei Beispiele irritieren wohl. Das scheinen doch sehr plausible Annahmen &uuml;ber das Spielverhalten zu sein. Wahrscheinlich hat der Spieler seine Stats gepostet und ein erfahrener Spieler hat ihm geschrieben, da&szlig; sein WTS (Went to Showdown) zu hoch sei, sein AF zu niedrig usw.<br> Das mag stimmen, hilft aber nicht in der Downswingphase. Der Spieler greift nach diesem Strohhalm, gerade weil die Situation so komplex ist und verfahren scheint. Die Gedanken an seine &bdquo;schlechten&ldquo; Werte, sein Minus, beeinflu&szlig;en den Spieler in Form von negativen Kognitionen und verschlechtern seine Leistungsf&auml;higkeit. Sie blockieren das Spiel, man ist auf tilt. <\/p><p><\/p><h2>Eine rationale Betrachtung<\/h2><p> Ziehen wir eine rationale Definition des Downswings heran: Ein Downswing ist die zuf&auml;llige H&auml;ufung von Ereignissen\/Bedingungen, die eine Abweichung von dem angenommenen Erwartungswert herbeif&uuml;hren, so da&szlig; &uuml;ber einen unbestimmten Zeitraum negative Resultate erzielt werden. Ein Schwachpunkt der Definition ist der Erwartungswert, denn dieser ist unbekannt. Kontaminiert wird dieser Mechanismus noch von Leaks, sie vergr&ouml;&szlig;ern die Varianz zus&auml;tzlich bzw. sie sind unbekannte Faktoren, die den Erwartungswert herabsetzten.<br> Einen Downswing kann man nicht abwenden. Wir k&ouml;nnen die Faktoren, die ihn bedingen, nicht beeinflu&szlig;en, aber er beeinflu&szlig;t uns. <br> Verst&auml;rkt treten Lerneffekte wie oben beschrieben ein, sie verringern unseren Erwartungswert zus&auml;tzlich. Daran m&uuml;ssen wir ansetzen.<\/p><p><\/p><h2>Was kann ich tun?<\/h2><p> W&auml;hrend eines Downswings stehen wir unter besonderer psychologischer Belastung. Unser Spielverhalten ver&auml;ndert sich und auch unser Lernverhalten &auml;ndert sich. Wir haben einen gewissen Leidensdruck, der uns motiviert, Ver&auml;nderungen herbeizuf&uuml;hren. Wir wollen gegensteuern. Wenn ich mich in genau dieser Situation blindlings in verst&auml;rkte Lernarbeit st&uuml;rze, habe ich zwei Probleme. Mir fehlt einerseits meine optimale Leistungsf&auml;higkeit, andererseits schw&auml;cht sich mit dem n&auml;chsten Upswing die Motivation, an mir zu arbeiten.<br> Deswegen m&uuml;ssen wir planvoll mit dieser Situation umgehen. <\/p><p><\/p><h2>Das Drei-Phasen-Modell im Downswing<\/h2><p> Aus unseren bisherigen &Uuml;berlegungen heraus teile ich den Umgang mit dem Downswing in drei Phasen ein. Alle Tipps der jeweiligen Phasen k&ouml;nnen nat&uuml;rlich unabh&auml;ngig angewandt werden und empfehlen sich auch au&szlig;erhalb eines Downswings. Die Einteilung in Phasen hilft bei der Bew&auml;ltigung des Downswings, da sie eine Struktur vorgeben, wenn man ansonsten das Gef&uuml;hl hat, den Boden unter den F&uuml;&szlig;en zu verlieren. <\/p><p> In der <b>ersten Phase<\/b> des Downswings empfiehlt es sich, die Konzentration darauf zu lenken, Gedanken und Verhaltensweisen zu vermeiden, die das eigene psychische Befinden belasten. Fragen wie: &bdquo;Woran erkennt man, dass ich ein schlechter Spieler bin?&ldquo; sind Warnsignale. Die hierin zum Ausdruck kommende depressive Haltung muss unterbrochen werden, bevor sie sich verst&auml;rkt. <\/p><p> Hierzu einige Regeln:<\/p><p> - Beende w&auml;hrend eines Downswings eine Session niemals mit dem Gedanken: &bdquo;Ich h&ouml;re besser mal auf, damit es nicht noch schlimmer wird.&ldquo; Am besten spielst Du zeitlich fixierte Sessions und h&ouml;rst einfach auf, wenn die Zeit um ist. Wenn es allerdings sehr gut l&auml;uft, spielst Du nat&uuml;rlich weiter.<br> - Unterbreche jedwede Art von Gedanken, die negativ zu deinem Spiel oder Dir selbst gerichtet sind durch aktiven <b>Gedankenstopp<\/b>. Das ist eine Technik aus der Psychotherapie, in der Du bei aufkommenden, negativen Kognitionen Dir selbst den Befehl &bdquo;Stop&ldquo; sagst und dadurch den Gedankengang aktiv unterbrichst. Entlarve sodann diesen Gedanken als irrational und kontraproduktiv. (Gilt auch f&uuml;r Wutausbr&uuml;che bei Bad Beats, unterbrich die Wut und entlarve sie, sie n&uuml;tzt Dir nicht, sie schadet nur)<br> - Wenn es nicht gelingt, die negativen Gedanken zu unterbrechen, brich die Session ab.<br> - Wenn Du angespannt, nerv&ouml;s oder deprimiert bist, brich ebenfalls die Session ab.<br> - Suche nicht nach Selbstbest&auml;tigung durch das Gewinnen einzelner H&auml;nde.<br> - Vergleiche Dich nicht mit den Erfolgen anderer Spieler, die z.B. ein Limit schneller erreicht haben. <br> - Setze Dich nicht unter Druck mit kurzfristigen Zielen (Bonus freispielen, schneller ein Limit wechseln, usw.). Hier mu&szlig;t Du, wenn es schlechter f&uuml;r Dich l&auml;uft, gut abw&auml;gen, ob es unter diesen Bedingungen noch +EV ist, den Bonus freizuspielen. <br> - Halte Dich konsequent an die Regeln zum Bankrollmanagement.<br> - Spiele strikt nach bestem Wissen, unter bestm&ouml;glichen Bedingungen und &auml;ndere Deine Spielweise nicht.<\/p><p> H&auml;lt der Downswing weiter an, gehst Du zur <b>zweiten Phase<\/b> &uuml;ber. Hier geht es ausschlie&szlig;lich darum, da&szlig; es <b>Dir<\/b> gut geht! Vergi&szlig; in dieser Phase Deine Winrate, den Stand Deiner Bankroll, das bisherige Minus, Deine Leaks... <\/p><p><\/p><h2>Mach eine Poker-Pause!<\/h2><p> Eine Pause ist sicher die st&auml;rkste Empfehlung, sie unterbricht fehlerhafte Lerneffekte und die Bildung stabiler, negativer Kognitionen. Du solltest Dir &uuml;ber Deine Situation klar werden und Entlastung suchen. Angestaute Anspannungen m&uuml;ssen abgebaut werden (Stressph&auml;nomene), treibe vermehrt Sport, mache Waldl&auml;ufe oder Fahrradtouren, je nachdem was Dir liegt. <\/p><p> Lass PokerTracker aus, schaue Dir Deine Statistiken nicht an. <\/p><p> Lass Dich aufbauen. In der Sorgenhotline des Pokerstrategy-Forums kannst Du lesen, dass es anderen auch so geht wie Dir. Besch&auml;ftige Dich nicht mit dem was Du m&ouml;glicherweise falsch machst, in dieser Phase ist das v&ouml;llig unwichtig! Die Leaks und Spielfehler sind n&auml;mlich auch noch nach dem Downswing und w&auml;hrend eines Upswings da, sie wirken sich nur nicht so stark aus.<\/p><p> Es geht in dieser Phase wirklich nur darum, da&szlig; Du Dich wieder gut f&uuml;hlst.<br> Aus diesem Grund ist auch eine Auseinandersetzung mit den eigenen Schw&auml;chen und Spielfehlern in dieser Phase nicht zu empfehlen. Die konkrete Fehleranalyse, die Formulierung von Lernzielen sowie das Planen von Trainingsmethoden sollte in seiner Notwendigkeit zwar erkannt werden, aber bis zu einem Zeitpunkt verschoben werden, an dem wir auch effektiv an unserem Spiel arbeiten k&ouml;nnen.<\/p><p> Damit gehen wir zur <b>dritten Phase<\/b> &uuml;ber. In dieser Phase setzt Du Dich abstrakt wieder mit Poker auseinander. Frage Dich nach Deinen Motiven und was Du bereit bist, in Zukunft zu investieren.<br> Das Erlernen des Pokerspiels verlangt eine gute Abstraktionsf&auml;higkeit, es geht spielstrategisch um langfristig wirksame Zusammenh&auml;nge. Mache Dir bewu&szlig;t, da&szlig; Poker zu erlernen, Arbeit ist. Wenn Du ein guter Spieler werden willst, bist Du hier auf dem richtigen Weg.<br> Setze Dir Ziele und mache Dir einen Lernplan, wie Du sie erreichen kannst. Du musst Dich damit auseinandersetzen, wie Du Poker erlernst. <br> Wenn Du Dich befreit und leistungsf&auml;hig f&uuml;hlst, kannst Du Dich an die Arbeit machen.<\/p><p> Ein wichtiger Hinweis, wenn Du wieder spielst: Gehe niemals an den Tisch und denke dabei &bdquo;Mal sehen ob ich noch im Downswing bin.&ldquo; oder &bdquo;Jetzt mu&szlig; ich erstmal das ganze Minus aufholen!&ldquo;. Oder auch, wenn Du wieder einen Bad Beat verpasst bekommst und denkst: &bdquo;Shit(!), wieder alles beim Alten.&ldquo;<br> Gehe dann wieder zur ersten Phase zur&uuml;ck, so nervend es auch sein mag, da musst Du durch. <\/p><p> Ich w&uuml;nsche Dir viel Erfolg! <br> Shark Attack!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieser Artikel befasst sich mit dem Downswing-Ph\u00e4nomen von einem psychologischen Standpunkt aus. Es wird auf m\u00f6gliche negative Lerneffekte hingewiesen und daraus werden Empfehlungen und Ratschl\u00e4ge zu Verhaltensweisen abgeleitet. 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