	{"id":52676,"date":"2009-07-27T18:44:00","date_gmt":"2009-07-27T18:44:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pokerstrategy.com\/de\/strategy\/fundamental-poker-theorem\/"},"modified":"2026-03-12T09:20:04","modified_gmt":"2026-03-12T09:20:04","slug":"fundamental-poker-theorem","status":"publish","type":"strategy","link":"https:\/\/www.pokerstrategy.com\/de\/strategy\/fixed-limit\/fundamental-poker-theorem\/","title":{"rendered":"Fundamental Theorem of Poker"},"content":{"rendered":"<?xml encoding=\"utf-8\" ?><h1>Fundamental Theorem of Poker<\/h1><h1>1. Einleitung<\/h1><p>\nDer bedeutende amerikanische Pokerspieler, -theoretiker und -buchautor David Sklansky stellt in seinem Buch <i>The Theory of Poker<\/i> den seiner Meinung nach wichtigsten Lehrsatz f&uuml;r das Pokerspiel auf, sein <i>Fundamental Theorem of Poker<\/i> (FToP). <\/p><h2>Das Fundamental Theorem of Poker<\/h2><p><\/p><div align=\"center\">\n<table border=\"1\" cellpadding=\"2\" cellspacing=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td bgcolor=\"#e9f47b\">Jedes Mal, wenn man seine Hand in einer anderen Weise spielt, als man sie spielen w&uuml;rde, k&ouml;nnte man die Karten der Gegner sehen, profitieren die Gegner; und jedes Mal, wenn man seine Hand in der gleiche Weise spielt, wie man sie auch spielen w&uuml;rde, kenne man die Karten der Gegner, profitiert man selbst. <\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/div><p>\nIm Umkehrschluss bedeutet das: Jedes Mal, wenn die Gegner ihre H&auml;nde in anderer Weise spielen, als sie mit ihnen spielen w&uuml;rden, w&uuml;ssten sie um unsere Karten, profitieren wir; und jedes Mal, wenn sie ihre H&auml;nde in der gleichen Weise spielen, wie sie diese spielten, wenn sie unsere Karten kennen w&uuml;rden, profitieren sie.<\/p><p>Dieser Artikel beleuchtet die Implikationen und die Schlussfolgerungen aus Sklanskys FToP und zeigt auf, wie es in Spiel selbst und der Wahl der eigenen Spielweise zum Tragen kommt. Er geht ein auf verschiedene Standardsituationen wie den Semibluff oder das Freecard-Raise und erkl&auml;rt, worin die Relevanz und die nutzbare Anwendung des FToP in diesen Situationen liegt.<\/p><h1>2. Die Relevanz des FToP f&uuml;r das eigene Spiel<\/h1><p>Als ich Sklanskys Lehrsatz zum ersten Mal las, gingen mir zwei Gedanken durch den Kopf: Zum einen war mir die Bedeutung f&uuml;r das unmittelbare Spielen unklar, denn Poker ist nun mal ein Spiel mit unvollst&auml;ndigen Informationen und damit scheint der Satz auf konkrete Spielsituationen nicht direkt anwendbar zu sein. Ich sah in ihm ein theoretisches Konstrukt ohne praktische Relevanz. Zum zweiten dachte ich, dieser Satz ist derartig trivial und sofort einleuchtend, dass er auch von mir h&auml;tte sein k&ouml;nnen. <\/p><p>Erst viel sp&auml;ter wurde mir bewusst, dass ich mit meinen Einw&auml;nden nicht den Kern der Sache getroffen hatte. Es geht gar nicht darum, den Satz immer in konkreten Situationen direkt anzuwenden. Im Gegenteil, manchmal wird man quasi gezwungen, den Lehrsatz aufgrund von Wahrscheinlichkeiten zu verletzten. L&auml;gen alle Karten offen, g&auml;be es kein Pokerspiel. Man k&ouml;nnte mit Hilfe mathematischer Methoden den EV einer jeden Hand pr&auml;zise berechnen und damit die korrekte Spielweise angeben. Weicht ein Spieler hiervon ab, verringert er seinen eigenen EV und vergr&ouml;&szlig;ert den der Gegner. <\/p><p>Aber um so genau agieren zu k&ouml;nnen, fehlen einem meist die notwendigen Informationen, so dass man auf Wahrscheinlichkeiten angewiesen ist. So kann es zu (unbeabsichtigten) Verst&ouml;&szlig;en gegen das FToP kommen. Ein einfaches Beispiel mag dies demonstrieren. H&auml;lt man KK, sollte man Preflop nat&uuml;rlich erh&ouml;hen. H&auml;lt ein Gegner AA, hat man aber die Hand so gespielt, dass der Gegner profitiert. Denn h&auml;tte man gewusst, dass der Gegner AA h&auml;lt, h&auml;tte man gefoldet. Man ist also von der Linie abgewichen, die Hand so zu spielen, wie man gespielt h&auml;tte, wenn man um die Gegnerkarten w&uuml;sste. <\/p><p>Trotzdem war die gew&auml;hlte Spielweise nat&uuml;rlich richtig. Aufgrund von Wahrscheinlichkeits&uuml;berlegungen ist es sicherlich profitabel, mit KK zu erh&ouml;hen. Das hei&szlig;t also: Befolgung des Lehrsatzes und korrekte Behandlung einer Hand k&ouml;nnen durchaus im Widerspruch zueinander stehen. Der Begriff <i>Fehler<\/i> wird also in diesem Sinne relativiert. Wie wir im Folgenden noch sehen werden, ist es unter gewissen Umst&auml;nden zumindest Erfolg versprechend, wenn nicht sogar notwendig, bewusst gegen das FToP zu versto&szlig;en, um dadurch andere strategische Vorteile zu erlangen. Zudem hat Sklansky auch nicht zuerst seinen Satz aufgestellt und dann daraus Spielweisen abgeleitet, sondern umgekehrt ist dieser Satz die Quintessenz zahlloser Spielstrategien. Er ist quasi die Zusammenfassung, die gemeinsame Grundlage und der <i>theoretische &Uuml;berbau<\/i> f&uuml;r Begriffe wie Bluff, Semibluff, Hand Reading, Value Bet am River usw. Ziel dieses Artikels ist es, derartige Zusammenh&auml;nge aufzuzeigen, d. h. zu verdeutlichen, dass das FToP das verbindende Element, das gemeinsame Band dieser Begriffe ist. Wir werden sehen, dass es sich wie ein roter Faden durch alle zu treffenden Pokerentscheidungen hindurchzieht.<\/p><p>Poker ist ein Nullsummenspiel. Die Gewinne der Einen sind die Verluste der Anderen. Dies ist eine Grundvoraussetzung und muss die Ausgangsbasis f&uuml;r weitere Betrachtungen sein. Spielen alle perfekt, kann auf lange Sicht niemand gewinnen (au&szlig;er der Plattform nat&uuml;rlich, diese gewinnt immer). Das hei&szlig;t also, da&szlig; man beim Pokern nur dann gewinnen kann, wenn andere Fehler machen und zwar so gro&szlig;e oder so viele, dass nach Abzug des Rakes noch etwas &uuml;brig bleibt. Aus dieser Sicht sagt Sklanskys Lehrsatz auch soviel wie: <i>Vermeide eigene Fehler<\/i> und <i>Provoziere Fehler des Gegners<\/i>. <\/p><p>Das ist nat&uuml;rlich ebenfalls eine Binsenweisheit, aber woanders kann das Geld nicht herkommen. Vor diesem Hintergrund seien nun im Folgenden einige strategische Konzepte n&auml;her analysiert, die versuchen, Sklanskys Forderungen <i>Vermeide eigene Fehler<\/i> und <i>Provoziere Fehler des Gegners<\/i> umzusetzen. Dabei kommt es zu zahlreichen &Uuml;berschneidungen. Diese sind aber weder zuf&auml;llig noch beabsichtigt, sondern unvermeidlich, da alle Konzepte sich am FToP orientieren.<\/p><h1>3. Handreading<\/h1><p><i>Vermeide eigene Fehler<\/i> hei&szlig;t, zun&auml;chst zu versuchen, die Hand des Gegners zu bestimmen, um sein Spiel daran auszurichten. Dazu stehen einem erst einmal die gegnerischen Gebote im Verh&auml;ltnis zu den Board-Karten zur Verf&uuml;gung. In der Pokerliteratur finden sich Beispiele, in denen die gegnerische Hand exakt bestimmt wird (z. B. Sklansky, Hold'em Poker, S. 89ff). Das ist im richtigen Leben nat&uuml;rlich meist nicht m&ouml;glich, aber auch gar nicht notwendig. Es ist schon eine gro&szlig;e Hilfe, den Bereich der m&ouml;glichen gegnerischen H&auml;nde eingrenzen zu k&ouml;nnen. Aber das ist ein &auml;u&szlig;erst komplexes Unterfangen, das nahezu beliebig weit perfektioniert werden kann. Beeinflusst die Kenntnis des gegnerischen Handbereichs die eigene Spielweise, versucht man immerhin sich dem FToP anzun&auml;hern. Die F&auml;higkeit eines Spielers, dies zu bewerkstelligen, ist sicherlich ein Kriterium f&uuml;r seine Spielst&auml;rke. An dieser Stelle kann hierauf nicht ausf&uuml;hrlich eingegangen werden. Ein Beispiel mag aber illustrieren, was gemeint ist:<\/p><h2>3.1. Erstes Beispiel f&uuml;r Reaktion auf Gegnereinsch&auml;tzung<\/h2><p>Ein Gegner hat keine besondere St&auml;rke gezeigt, bettet aber Turn und River. H&auml;lt man selbst eine mittelstarke Hand, sollte man Callen eher erw&auml;gen, wenn das Board am Turn einige Draws erm&ouml;glichte. Der Gegner k&ouml;nnte auf einem Draw gewesen sein, der nicht ankam, und nun den River bluff-betten. <\/p><p>Gab es am Turn keine Drawm&ouml;glichkeiten, muss man annehmen, dass der Gegner sowohl am Turn als auch am River einen Pure-Bluff versucht hat. Im ersten Fall ist ein Bluff also wahrscheinlicher, da einem Spieler ein Semi-Bluff wesentlich einfacher von der Hand geht. H&auml;lt man es nun aufgrund von Erfahrungen mit diesem Gegner, sei es aufgrund von direkten Beobachtungen seiner Spielweise, von Analysedaten oder Playernotes f&uuml;r m&ouml;glich, dass er mit einem busted Draw den River blufft, kann man callen, jedenfalls eher, als wenn es am Turn keine Drawm&ouml;glichkeiten gegeben h&auml;tte.<\/p><p>Sind im Pot 5 BB, braucht man auch nur in einem von 5 F&auml;llen vorne zu liegen, um einen positiven EV zu haben (bei f&uuml;nfmaligem Spiel dieser Situation zahlt man 5 BB ein und gewinnt durchschnittlich in einem Fall 6 BB, also durchschnittlich 0,2 BB pro Hand; liegt man in einem von 6 F&auml;llen vorne, ist es egal, ob man callt oder nicht; glaubt man, seltener vorne zu liegen, sollte man folden, da man einen negativen EV hat). <\/p><p>Sch&auml;tzt man also, der Gegner k&ouml;nnte in 20% der F&auml;lle auch einen busted Draw betten, ist es statistisch gesehen egal, ob er eine gute Hand hat oder nicht, da der durchschnittliche Gewinn ja 0,2 BB betr&auml;gt. Verliert man, hat man nat&uuml;rlich gegen das FToP versto&szlig;en, trotzdem ist das Callen auf die Dauer profitabel, weil die H&ouml;he des Gewinns im Fall, dass der Gegner blufft, die vielen Verluste mehr als ausgleicht. Das Setzen der gegnerischen Hand auf einen m&ouml;glichen Draw am Turn und damit auf einen busted Draw am River ist zwar sehr ungenau und oft auch falsch, aber immerhin ein Eingrenzungsversuch, der deutlich besser ist, als sich gar keine Gedanken zu machen.<\/p><h2>3.2. Preflop-Spiel<\/h2><p>Man hat au&szlig;er den Reaktionen des Gegners und dem Board in der Regel weitere Informationen via Pokertracker oder genaues Beobachten. <i>Wei&szlig;<\/i> man, dass er mit 40% seiner H&auml;nde preflop raist (z. B. in Stealposition), hat man z. B. mit 66 einen Equityvorteil und somit ein klares Reraise. Gegen die Mehrzahl seiner H&auml;nde liegt man vorne. Nat&uuml;rlich kann man auch gegen AA oder &Auml;hnliches laufen, was aber unwahrscheinlich ist. Der bekannte Raise-Bereich des Gegners fordert quasi das Reraisen. Ob man selbst gegen das FToP versto&szlig;en hat oder der Gegner, wird sich zeigen. Aufgrund des Reads ist es aber wahrscheinlicher, dass es der Gegner war, der den Fehler begangen hat. <\/p><p>Raist der Gegner preflop hingegen nur 10% seiner H&auml;nde, sollte man schnellstm&ouml;glich folden. Nat&uuml;rlich gibt es in dem Bereich der m&ouml;glichen Gegnerh&auml;nde auch solche, gegen die man einen Equityvorteil hat, aber es sind zu wenige. Es lohnt sich nicht. Die Wahrscheinlichkeit, dass man nun selbst gegen das FToP verst&ouml;&szlig;t, ist zu gro&szlig;. Festzuhalten bleibt aber, dass es hier in erster Linie nicht darum geht, im konkreten Fall das FToP zu verletzen, sondern darum abzusch&auml;tzen, wie gro&szlig; die Wahrscheinlichkeit ist, es zu verletzen. Poker ist und bleibt ein Spiel mit unvollst&auml;ndigen Informationen.<\/p><h2><a title=\"valuebet\" name=\"valuebet\"><\/a>3.3. Value-Bet am River<\/h2><p>In diesen Zusammenhang geh&ouml;rt auch die Value-Bet am River. Hat ein looser Gegner, der oft zum Showdown geht, bis dahin keinerlei St&auml;rke gezeigt, sollte man auch eine mittelstarke Hand for Value betten, z. B. TT bei einem Board J9643. Der Gegner kann nat&uuml;rlich einen J oder ein Set haben. M&ouml;glich w&auml;ren aber auch 9x, 6x, 88, 77, 55, 22, AXx. Da er loose ist und oft zum Showdown geht, callt er dies alles herunter. Aufgrund der Gegneranalyse kommt man zu dem Schluss, dass man innerhalb des Bereiches seiner m&ouml;glichen H&auml;nde wahrscheinlich vorne liegt und der Gegner auch eine schlechtere Hand callen wird. Deshalb sollte man for Value betten. <\/p><p>Sch&auml;tzt man den Gegner aber als tight ein, ist die Gefahr sehr viel gr&ouml;&szlig;er, dass er einen J h&auml;lt. Auch w&uuml;rde er H&auml;nde wie A6 am River wohl nicht mehr callen. Das bedeutet, dass eine Bet sehr viel weniger Aussicht auf Erfolg hat, sei es, weil man hinten liegt, sei es, dass er sowieso foldet. <\/p><p>Die Grundregel lautet: Man soll am River nur for Value betten, wenn man in ca. 55% derjenigen F&auml;lle vorne liegt, in denen der Gegner callt (50% reicht nicht, da man niemals ein Monster beim Gegner ausschlie&szlig;en kann). Die Entscheidung zu Betten h&auml;ngt also von dem Handbereich ab, auf den man den Gegner setzt.<\/p><h1>4. Provoziere Fehler des Gegners<\/h1><h2>4.1. Balancen der Betsequenzen<\/h2><p><i>Provoziere Fehler des Gegners<\/i> setzt voraus, dass man dem Gegner &uuml;berhaupt die Gelegenheit gibt, Fehler zu machen. Dazu ist es notwendig, die St&auml;rke der eigenen Hand zu verschleiern. Hierf&uuml;r gibt es prinzipiell zwei M&ouml;glichkeiten: <\/p><blockquote>\n<ul>\n<li>Eine starke Hand zun&auml;chst so zu spielen, als sei sie schwach (Slowplaying)<\/li>\n<li>Eine schwache Hand so zu spielen, als sei sie stark (Bluffen). <\/li>\n<\/ul>\n<\/blockquote><p>Es ist au&szlig;erordentlich wichtig, beide M&ouml;glichkeiten in sein Spiel einzubeziehen, denn bettet und raist man nur die starken H&auml;nde und checkt und callt nur die schwachen, ist man viel zu leicht auszurechnen. Der Gegner kann sich problemlos darauf einstellen und wird kaum noch gegen das FToP versto&szlig;en. Das bedeutet, dass man verliert. <\/p><p>In welchem Ma&szlig;e man diese M&ouml;glichkeiten nutzt, ist gegnerabh&auml;ngig und eine Frage des eigenen Stils. Der entscheidende Punkt aber ist, dass man sie manchmal nutzt und manchmal nicht. So werden bestimmte Betsequenzen f&uuml;r den Gegner doppeldeutig. Er wei&szlig; nicht, woran er ist, und hat ausreichend Gelegenheit, gegen das FToP zu versto&szlig;en. <\/p><p>Beispiele f&uuml;r die Doppeldeutigkeit von Betsequenzen finden sich in den Empfehlungen zum Heads-Up-Spiel am Flop: Man checkraist den Aggressor am Flop sowohl mit einer Made-Hand wie auch mit einer Drawing-Hand. Der Aggressor wei&szlig; nicht, woran er ist (n&auml;here Erkl&auml;rung siehe Semibluff). Umgekehrt callt man als Aggressor mit einer starken Hand ein Check-Raise am Flop nur, um dann den Turn zu raisen. Nach dem Call wei&szlig; der Check-Raiser nun nicht, wo er steht.<\/p><h2>4.2. Freecard-Raise<\/h2><p>In diesen Zusammenhang geh&ouml;rt auch das Raising for Freecard. Man raist den Flop mit einem Draw &ndash; man hat also in der Regel nichts oder sehr wenig &ndash; in der Hoffnung, dass die Gegner in der anschlie&szlig;enden Turn-Runde zu einem checken, so dass man &ndash; falls der Draw nicht ankommt &ndash; die Riverkarte umsonst sieht. <\/p><p>Das Raise ist also (mindestens) doppeldeutig. Aus der Sicht des Gegners kann er mit einer starken Hand for Value erfolgen oder mit einer schwachen Drawing-Hand. Der gedankliche Ansatz des Raisers ist aber interessant. Er verst&ouml;&szlig;t zun&auml;chst selbst gegen das FToP, indem er gegen&uuml;ber dem Callen einen zus&auml;tzlichen SB investiert. Wei&szlig; der Gegner, dass es sich um einen Versuch handelt, eine Freecard zu erlangen, wird er nat&uuml;rlich reraisen &ndash; und in der Tat ist dies die angemessene Verteidigung gegen ein vermutetes Freecard-Raise. Aber vielleicht gibt es f&uuml;r ihn gute Gr&uuml;nde, nur zu callen &ndash; und schon hat er gegen das FToP versto&szlig;en, weil er nicht geraist hat. <\/p><p>Erh&auml;lt man seine Freecard, hat man am Turn 1 SB gespart (1 BB &ndash; 1SB, die vorher zus&auml;tzlich investiert wurde). Raist der Gegner, wird es teurer. Hieraus folgt, dass man sich genau anschauen muss, gegen welchen Gegnertyp man einen solchen Versuch unternimmt. Aber anhand dieses einfachen Beispiels wird das Prinzip deutlich: Man investiert einen kleinen Betrag, um den Gegner zu einem Fehler zu verleiten. Dass dieser Versuch auch schief gehen kann, spricht nicht prinzipiell gegen ihn. Der Gegner wird unter Druck gesetzt und erh&auml;lt die M&ouml;glichkeit, Fehler zu begehen. Schlie&szlig;lich kann der Raise ja auch for Value gewesen sein. Dann ist sein Reraise ein Fehler und wird bestraft.<\/p><h2>4.3. Slowplaying<\/h2><p>F&uuml;r wirklich vern&uuml;nftiges Slowplaying gibt es selten Gelegenheit, da man es nur mit relativ (in Abh&auml;ngigkeit von Gegnerzahl und &ndash;typ, Potgr&ouml;&szlig;e und Board) sehr starken H&auml;nden machen sollte. Man muss sich dar&uuml;ber klar sein, dass man den Gegnern Gelegenheit gibt, ihre Draws billig zu spielen. Dies ist dann sinnvoll, wenn sie im Wesentlichen nur Draws zur zweitbesten Hand haben, d.h., dass man die meisten Draws auch noch schl&auml;gt, wenn sie ankommen. Spielen sie ihre Draws dennoch, versto&szlig;en sie gegen das FToP, weil sie es nicht getan h&auml;tten, wenn sie unsere Hand kennen w&uuml;rden. Eine in gewisser Hinsicht gegenteilige Strategie ist die Protection (siehe 5.2.).<\/p><h2>4.4. Bluffen<\/h2><p>Die zweite M&ouml;glichkeit, das eigene Spiel zu verschleiern, ist das Bluffen im engeren Sinne, d.h. Betten und Raisen mit einer z. Z. wahrscheinlich nicht st&auml;rksten Hand. Slowplaying und Bluffcalls kann man im weiteren Sinne auch als Bluff auffassen. Sie sind hier aber nicht gemeint. Bluffs muss man unbedingt in sein Spiel einbauen. <\/p><p>Nochmals: Bettet und raist man nur mit den daf&uuml;r objektiv geeigneten H&auml;nden (mit denjenigen, mit denen man auch so spielen w&uuml;rde, wenn man selbst und der Gegner alle Karten kennen w&uuml;rde), kann sich der Gegner darauf einstellen. Man gewinnt nicht viel, verliert aber gegebenenfalls eine Menge. Es w&auml;re so, als w&uuml;rden man quasi dem Gegner ein Blick in seine Karten gestatten, d.h., er wird dann keine Verst&ouml;&szlig;e mehr gegen das FToP begehen, also profitieren. <\/p><p>Wird man beim Bluffen <i>erwischt<\/i>, verliert man zwar Geld, gewinnt aber eine gewisse Verunsicherung beim Gegner. Er wei&szlig; nun nicht mehr genau, wie er die Gebote zu interpretieren hat, weil sie f&uuml;r ihn mehrdeutig geworden sind, und wird Fehler machen und gegen das FToP versto&szlig;en.<\/p><p>Bluffen ist in verschiedensten Formen und Zusammenh&auml;ngen sinnvoll. Auch das oben bereits beschriebene Freecard-Raising geh&ouml;rt in gewissem Sinne dazu. Im folgenden seien weitere M&ouml;glichkeiten genannt.<\/p><h2>4.4.1. Pure Bluff<\/h2><p>Der <i>pure Bluff<\/i> - Bluffen im urspr&uuml;nglichen Sinne &ndash; ist ein Betten mit einer Hand, die sehr wahrscheinlich nicht die st&auml;rkste ist und kaum M&ouml;glichkeiten hat, sich zur st&auml;rksten zu entwickeln. Wird man gecallt, hat man verloren. Man muss also genau absch&auml;tzen, ob der Gegner gen&uuml;gend oft foldet, damit der Bluff profitabel ist und als Gewinn nicht nur die Verunsicherung des Gegners bleibt. Gegen schwache Gegner, Polizisten und Kontrollettis, die immer alles &uuml;berpr&uuml;fen m&uuml;ssen, ist Bluffen v&ouml;llig sinnlos. Aber dieser Gegnertypus verst&ouml;&szlig;t sowieso permanent gegen das FToP, weil er immer callt und somit leicht auszurechnen ist. Wie man stattdessen gegen ihn vorgehen kann, wurde zuvor im Abschnitt <i>Value-Bet am River<\/i> (siehe 3.3.) beschrieben.<\/p><p>Auf den ersten Blick scheint der pure Bluff der krasseste Versto&szlig; gegen das FToP zu sein. Erstaunlicherweise ist nach der Spieltheorie aber Bluffen mit der richtigen H&auml;ufigkeit per se profitabel. Das Verh&auml;ltnis von Made Hand-Bet zu Bluff muss dazu genau den gegnerischen Pot Odds entsprechen. Das sei an einem Beispiel vorgerechnet, das sich leicht verallgemeinern l&auml;sst: <\/p><p>Der Pot enthalte 8 BB, Spieler A bettet und Spieler B kann nur gegen einen Bluff gewinnen. Spieler B hat jetzt 9 : 1 Pot Odds, da noch eine BB in den Pot gekommen ist. Wenn Spieler A nun in 1 von 10 F&auml;llen blufft (angels&auml;chsische Schreibweise 9 : 1, die Blufffrequenz entspricht also den gegnerischen Pot Odds), ist es egal, ob Spieler B callt oder foldet, er hat immer einen EV von 0: <\/p><blockquote><p>\n\t<b>1. Fall, B foldet immer: <\/b><br>\n\tDies f&uuml;hrt f&uuml;r A zu folgendem Gewinn: er investiert zehnmal 1 Bet (-10BB) und gewinnt zehnmal 9 BB (+90BB), insgesamt ein Gewinn von 80 BB. <\/p>\n<p>\t<b>2. Fall, B callt immer: <\/b><br>\n\tDies f&uuml;hrt f&uuml;r A zu folgendem Gewinn: er investiert zehnmal 1 Bet und gewinnt neunmal 10 BB, insgesamt ebenfalls ein Gewinn von 80 BB. \n<\/p><\/blockquote><p>W&uuml;rde Spieler A niemals bluffen (er bettet also nur, wenn er vorne ist und check\/foldet seine Hand, wenn er hinten ist) und w&auml;re dies B bekannt, gew&auml;nne A nur in 9 von 10 F&auml;llen den Pot mit 8 BB, also 72 BB. W&uuml;rde A zwar bluffen, aber mit niedrigerer Frequenz, als es den gegnerischen Pot Odds entspricht, w&uuml;rde er zwar auch zus&auml;tzlich gewinnen, aber nicht so viel. Sein Gewinn l&auml;ge zwischen 72 und 80 BB. Blufft A mehr, verringert sich sein Erwartungswert. Dies kann man leicht nachrechnen. Die optimale Blufffrequenz korrespondiert also mit den gegnerischen Pot Odds. Spieler B ist machtlos. A kann ihm sogar seine Bluffstrategie verraten, B kann sich nicht wehren. Voraussetzung ist allerdings, dass A seine Bluffs wirklich nach dem Zufallsprinzip einsetzt, so dass B keinerlei Muster erkennen kann.<\/p><h2>4.4.2. Semibluff<\/h2><p>Semibluff nennt man ein Gebot oder ein Raise mit einer Hand, die sehr wahrscheinlich z. Z. nicht die beste ist, die aber viele Outs hat, zur besten zu werden. Auch hier macht man nat&uuml;rlich in gewisser Weise selbst einen <i>Fehler<\/i>, weil man dem Gegner die Gelegenheit zum Raisen gibt, was er sicherlich machen w&uuml;rde, wenn er alle Karten kennen w&uuml;rde. Man gaukelt jedoch durch sein Gebot eine bessere Hand vor, als man tats&auml;chlich hat, deshalb wird der Gegner eher nur callen (Verteidigung gegen Semibluff siehe unten). <\/p><p>Nicht zu raisen, sondern nur zu callen ist aber bereits ein Fehler nach dem FToP. Folden w&auml;re ein noch gr&ouml;&szlig;erer Fehler. Man investiert also einen gewissen, relativ kleinen Betrag mit dem Ziel, den Gegner zu einem Fehler nach dem FToP zu verleiten. Da man beim Semibluff einige Outs hat, die man treffen kann, wenn der Gegner nicht foldet, sind die Kosten nach dem Equityprinzip de facto deutlich niedriger als die H&ouml;he der unmittelbaren Investition. Die Gr&ouml;&szlig;enordung, in der der Gegner eine bessere Hand folden muss, damit der Semibluff profitabel ist, sei an einem Beispiel vorgerechnet: <\/p><p>Hat man z. B. am Turn 12 Outs und im Pot sind 8 BB, ist man ungef&auml;hr ein 3:1-Underdog und es <i>geh&ouml;ren<\/i> einem nach dem Equityprinzip dementsprechend 25% (man gewinnt durchschnittlich in 1 von 4 F&auml;llen) des Pots, also 2 BB. Callen hat also eindeutig +EV. Durch den Semibluff startet man mit einer (im Falle eines Semibluff-Raises zus&auml;tzlichen) Bet einen Angriff auf die verbleibenden 6 Bet im Pot (Potgr&ouml;&szlig;e &ndash; Equity). Nach dem Equityprinzip <i>geh&ouml;ren<\/i> einem nat&uuml;rlich auch bereits 25% der eigenen Bet und 25% der gegnerischen f&uuml;r den Fall, dass er callt. Foldet er stattdessen, ist man sowieso zufrieden. Callt der Gegner, betragen die Investitionskosten also nur die H&auml;lfte der gezahlten Bet. <\/p><p>In der Praxis sind die tats&auml;chlichen Kosten etwas h&ouml;her, weil man auch mit einem gegnerischen Raise rechnen muss. Im Fall eines gegnerischen Calls inverstiert man also &frac12; BB, um 6 BB zu gewinnen. Das Verh&auml;ltnis von Investition zu Gewinn betr&auml;gt somit 0,5:6 = 1:12. Der Gegner muss nur in ca. 8% der F&auml;lle folden, damit der Semibluff +EV hat. (1:12 bedeutet, man gewinnt bei 13-maligem Spiel im Durchschnitt einmal und verliert zw&ouml;lf Male. Die Gewinnwahrscheinlichkeit ist also 1\/13. 1\/13 auf Hundertstel erweitert ist ~7,69\/100, also etwa 8%. Man kann es auch umgekehrt nachrechnen: bei 100 Spielen investiert man 100 BB und gewinnt +7,69*13 BB=~100 BB) <\/p><p>Eine genaue Berechnung ist sehr schwierig, weil man m&ouml;glichst exakt absch&auml;tzen m&uuml;sste, wie wahrscheinlich es ist, dass der Gegner foldet, wie wahrscheinlich es ist, dass der Gegner raist, und wie wahrscheinlich es ist, dass einen der Gegner im Falle des eigenen Treffens noch auszahlt, um sagen zu k&ouml;nnen, ob Callen oder Semibluffen profitabler ist. <\/p><p>In diesem Zusammenhang ist diese genaue Berechnung auch nicht entscheidend. Die Beispielrechnung zeigt aber, dass die Prozentzahl des gegnerischen Foldens nicht sehr gro&szlig; sein muss. Verallgemeinert man die Beispielrechnung, sieht man, dass je mehr Outs man hat und je gr&ouml;&szlig;er der Pot ist, desto geringer kann der Prozentsatz des gegnerischen Folds sein. <\/p><p>Festzuhalten bleibt, dass man mit einer kleinen Investition versucht, den Gegner zu einem gro&szlig;en Fehler zu verleiten. Er kann sich hiergegen nat&uuml;rlich nicht dadurch wehren, dass er einfach jedes Gebot raist, da er damit rechnen muss, dass man keinen Semibluff, sondern wirklich eine starke Made-Hand hat. Hier zeigt sich wieder ein Zusammenhang dazu, dass wir anstreben m&uuml;ssen, unsere Spielweise nicht berechenbar zu gestalten. Das gegnerische Folden auf einen Semibluff ist oft korrekt, so dass &ndash; zumindest gegen bessere Gegner, die mitdenken und unprofitable H&auml;nde auch folden k&ouml;nnen &ndash; ein Semibluff den EV deutlich erh&ouml;ht. Gegen loose Gegner, die alles callen, ist ein Semibluff, wie aus der Berechnung oben folgt, nat&uuml;rlich nicht profitabel. Es fehlt der Gewinnanteil, der aus dem gelegentlichen Folden des Gegners resultiert (vergl. obige Rechnung).<\/p><p>Ein weiterer Vorteil des Semibluffs ist, dass man, wenn man trifft, zus&auml;tzliche Bets einsammelt, weil der Gegner nicht erkennen kann, dass die gefallene Karte einem geholfen hat, z. B.: man verteidigt QTo gegen einen Stealraise, Flop ist K9x Rainbow. Hier ist ein Check-Raise am Flop als Semibluff sicherlich gut, da der Gegner viele H&auml;nde seines Stealbereichs folden muss. H&auml;lt er den K und es f&auml;llt am Turn ein J, kann er nicht so leicht sehen, dass er geschlagen ist. Er muss quasi gegen das FToP versto&szlig;en. Mehr kann man nicht verlangen.<\/p><p>Oben wurde aus dem Beispiel abgeleitet: Je gr&ouml;&szlig;er der Pot ist, also desto besser die Pot Odds sind, desto weniger oft m&uuml;ssen die Gegner folden, damit ein Semibluff profitabel ist. Aus der Spieltheorie folgt, dass man, je gr&ouml;&szlig;er der Pot ist, desto seltener bluffen sollte, jedenfalls gegen Experten (vergl. 3.4.1.). In der Praxis passen aber viele Gegner ihre Calling-Strategie nicht korrekt an. Deshalb sind Bluffs und Semibluffs profitabler, wenn der Pot gro&szlig; ist.<\/p><p>Auch die Verteidigung gegen Semibluffs kann man unter dem Aspekt FToP sehen. Man sollte folden oder raisen. Callen ist in der Regel nicht profitabel, weil man u. U. den Gegner zu billig drawen l&auml;sst. Als Beispiel mag die 3-Bet als unser Standard-Move OoP mit starker Hand gegen einen Gegner dienen: <\/p><p><b>Preflop:<\/b><\/p><p>Hero h&auml;lt UTG: <br>\n<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.pokerstrategy.com\/wp-content\/uploads\/download\/content\/kartendeck\/as.jpg\" height=\"40\" hspace=\"2\" width=\"30\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.pokerstrategy.com\/wp-content\/uploads\/download\/content\/kartendeck\/kh.jpg\" height=\"40\" hspace=\"2\" width=\"30\">, <\/p><p>Hero raist, BU callt.<\/p><p><b>Flop: <br>\n<\/b><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.pokerstrategy.com\/wp-content\/uploads\/download\/content\/kartendeck\/kc.jpg\" height=\"40\" hspace=\"2\" width=\"30\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.pokerstrategy.com\/wp-content\/uploads\/download\/content\/kartendeck\/6c.jpg\" height=\"40\" hspace=\"2\" width=\"30\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.pokerstrategy.com\/wp-content\/uploads\/download\/content\/kartendeck\/2d.jpg\" height=\"40\" hspace=\"2\" width=\"30\"><\/p><p>Hero bettet, BU raist.<\/p><p>Hero <i>sieht<\/i> hier den gegnerischen Flushdraw oder einen schlechteren K oder irgendetwas, was hinten liegt, und 3-bettet, um ihn das Maximum f&uuml;r seinen Draw zahlen zu lassen. Der Gegner hat gegen das FToP versto&szlig;en und wird zur Kasse gebeten. Nur zu callen, w&auml;re ein Versto&szlig; gegen das FToP, weil es ihm zu wenig abfordert. Hat Hero sich <i>versehen<\/i> und der Gegner h&auml;lt Two Pair oder Set, hat Hero gegen das FToP versto&szlig;en und muss zahlen. Hier sieht man wieder den Unterschied zwischen 'sinnvoller' und <i>richtiger<\/i> (nach dem FToP) Spielweise. Da die Wahrscheinlichkeit sehr viel gr&ouml;&szlig;er ist, dass der Gegner nur eine Drawing Hand h&auml;lt, ist die 3-Bet sinnvoll. Hero, der versucht, dem FToP zu folgen, l&auml;uft, falls der Gegner die bessere Hand h&auml;lt, in die Falle und wird quasi gezwungen, selbst gegen das FToP zu versto&szlig;en. Poker ist nun mal ein Spiel mit unvollst&auml;ndigen Informationen. Es ist alles eine Frage von Wahrscheinlichkeiten.<\/p><p><\/p><h2>4.4.2. Continuation Bet<\/h2><p>Auch die Continuation-Bet am Flop ist vor dem Hintergrund des FToPs zu sehen. Hat man nicht getroffen und vielleicht auch nicht einmal die beste Hand, kann man unter Umst&auml;nden versuchen, durch die Continuation-Bet den Pot zu stehlen. Sie ist dann in gewisser Hinsicht ein reiner Bluff (falls man kaum Outs hat), bzw. ein Semibluff (falls man einige Outs hat).<\/p><p>Wenn man nicht bettet, kann der Gegner auch nicht folden. Der eigene Versto&szlig; gegen das FToP versucht, den Gegner zu einem noch gr&ouml;&szlig;eren Fehler seinerseits &ndash; zum Folden - zu verleiten. Der Gegner wei&szlig; nur, dass er wahrscheinlich einer (relativ) starken Hand gegen&uuml;bersteht, und wird durch die Bet unter Druck gesetzt. Hier kann er leicht einen Fehler machen, denn auch Callen kann ein Fehler sein.<\/p><p>Komplexer ist die Situation am Turn. King Yao (S. 208) gibt folgendes Beispiel: <\/p><p><b>Preflop:<br>\n<\/b><br>\nHero h&auml;lt:<br>\n<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.pokerstrategy.com\/wp-content\/uploads\/download\/content\/kartendeck\/ak.jpg\" height=\"40\" hspace=\"2\" width=\"30\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.pokerstrategy.com\/wp-content\/uploads\/download\/content\/kartendeck\/qh.jpg\" height=\"40\" hspace=\"2\" width=\"30\"> <\/p><p>Hero openraist, ein looser Player im BB callt. <\/p><p><b>Flop:<\/b> <br>\n<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.pokerstrategy.com\/wp-content\/uploads\/download\/content\/kartendeck\/kc.jpg\" height=\"40\" hspace=\"2\" width=\"30\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.pokerstrategy.com\/wp-content\/uploads\/download\/content\/kartendeck\/7s.jpg\" height=\"40\" hspace=\"2\" width=\"30\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.pokerstrategy.com\/wp-content\/uploads\/download\/content\/kartendeck\/6h.jpg\" height=\"40\" hspace=\"2\" width=\"30\"><\/p><p>Gegner checkt, Hero bettet, Gegner callt, <\/p><p><b>Turn: <br>\n<\/b><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.pokerstrategy.com\/wp-content\/uploads\/download\/content\/kartendeck\/2d.jpg\" height=\"40\" hspace=\"2\" width=\"30\"><\/p><p>Bettet Hero erneut, wird der Gegner mit jedem Pair callen. Hero vermeidet dabei aber, dass im Falle, dass der Gegner kein Pair h&auml;lt, er den River umsonst sieht. Au&szlig;erdem erh&auml;lt er die Chance, dass der loose Gegner seinen Gutshot callt, was seinen eigenen EV erh&ouml;ht. Spannend wird das Problem aber, wenn man es aus Sicht des Gegners betrachtet. H&auml;lt dieser T9 oder T8, wei&szlig; er nicht wie viele Outs er wirklich hat. Hat Hero z. B. mit KQ getroffen, hat er nur 4 Outs und ein Call w&auml;re unprofitabel. Hat Hero aber nicht getroffen (und kein Pocket Pair), hat er 10 Outs und ein Call w&auml;re profitabel. Er wei&szlig; also nicht, ob er 4 oder 10 Outs hat. Nimmt er 7 (discounted) Outs an, fehlen ihm die Pot Odds. Heros Continuation Bet am Turn mit AQo gibt ihm somit die Chance, eine inkorrekte Entscheidung zu treffen.<\/p><h1>5. Pot Odds und Implied Odds<\/h1><h2>5.1. Potanbindung<\/h2><p>Die Aussage aus Sklanskys FToP, dass, wenn der Gegner gewinnt, man selbst verliert, bezieht sich zun&auml;chst vor allem auf Heads-Up-Situationen. Sind mehrere Spieler beteiligt, sind Situationen denkbar, dass man zwar gegen einige etwas verliert, aber gegen andere soviel gewinnt, dass man unter dem Strich +EV hat. Dies ist vor allem bei starken Draws bzw. spekulativen Starth&auml;nden der Fall, weil die Gegner, wenn man trifft, kaum eine Chance haben. Treffen sie ebenfalls, liegen sie trotzdem hinten und haben aufgrund unserer Handst&auml;rke nur geringe Redrawm&ouml;glichkeiten. Man sammelt also viel von den schwachen Draws ein und gibt nur wenig (wegen geringer Redraws) wieder ab. <\/p><p>Als Beispiel f&uuml;hrt Sklansky an, gegen loose Gegner mit A8s zu raisen, wenn vorher 5 Spieler gelimpt sind (HPFAP, S. 173). Wie Simulationsprogramme zeigen, liegt die Equity von A8s deutlich unter der Durchschnittsequity. Deshalb scheint ein Raisen zun&auml;chst absurd zu sein. Der entscheidende Punkt ist aber, dass die eigene Equity dramatisch ansteigt, wenn man am Flop mindestens einen 2-Flush trifft. Es geh&ouml;rt einem dann ca. 1\/3 des Pots, weil man in ca. 1\/3 der F&auml;lle bis zum River seinen Flush komplettiert (9\/47 + 38\/47*9\/46 = ca. 0,35). Spieler mit beispielsweise Bottom Pair, die nun mindestens 12:1 Pot Odds haben, reduzieren die Equity eines Spielers mit beispielsweise Top Pair, weil diese Hand nicht sehr stark ist und noch leicht abgefangen werden kann. <\/p><p>Unsere Equity wird aber kaum ber&uuml;hrt, weil wir sehr wahrscheinlich gewinnen, wenn wir treffen. Durch das Raisen vor dem Flop <i>verbessert<\/i> man die Pot Odds f&uuml;r alle schwachen Draws am Flop, so dass diese Spieler l&auml;nger in der Hand bleiben. Wenn man trifft, ist das ja genau das, was man gerne m&ouml;chte: die loosen Spieler an die Hand zu binden und ihnen im Fall des eigenen Treffens Geld abzunehmen. Das macht das Preflop-Raisen trotz mangelnder Equity attraktiv. Man begeht preflop einen <i>kleinen Fehler<\/i>, um sp&auml;ter die Gegner zu gr&ouml;&szlig;eren Fehlern zu veranlassen. &Auml;hnlich wie hier mit Axs kann man auch mit suited Connectors und kleinen Pocket-Pairs vorgehen.<\/p><h2>5.2. Protection<\/h2><p>Das strategische Konzept, f&uuml;r die Gegner die Pot Odds zu erh&ouml;hen, um sie an den Pot zu binden, kann auch umgekehrt werden. Man verringert f&uuml;r sie die Pot Odds, um sie aus dem Pot zu treiben. Dieses Verfahren nennt sich <i>Protection<\/i>. Es sollte angewandt werden, wenn man glaubt, zur Zeit die beste, aber noch verwundbare Hand zu haben, z. B. Top Pair mit good Kicker bei einem Board, das Draws zul&auml;sst. Das Prinzip sei wieder an einem Beispiel, was leicht verallgemeinert werden kann, vorgef&uuml;hrt: <\/p><p>Sind am Flop z. B. 8 SB im Pot und bettet ein Gegner, sollte ein Spieler, der glaubt, die beste Hand zu halten, raisen. Denn andere Gegner, die schwache Draws, z. B. einen Gutshot (11:1 ben&ouml;tigte Pot Odds), halten und noch nicht gecallt haben, haben es nun schwer. <\/p><p>Im Pot sind inzwischen 8+1+2=11 SB, sie m&uuml;ssten aber 2 SB zahlen, haben somit nur noch 5,5:1 Pot Odds. Sie sollten also folden und damit ihren Potanteil, der ihnen nach dem Equityprinzip zusteht, aufgeben. Callen sie trotzdem, zahlen sie f&uuml;r ihre Draws viel zu viel. Man vergleiche hierzu den Fall, dass der Spieler, der vorne zu liegen glaubt, nur callt: <\/p><p>Nun sind im Pot 10 SB und die anderen Spieler m&uuml;ssen nur 1 SB zahlen, haben also Pot Odds von 10:1. Sie k&ouml;nnen profitabel callen und behalten ihren Equityanteil. F&uuml;r den Spieler f&uuml;hrt der Raise also zu einer Win\/Win-Situation. Entweder nimmt er den anderen Gegnern ihren Potanteil ab oder er verleitet sie zu einem unprofitablen Call und damit zu einem Fehler. Dies w&auml;re ihm nat&uuml;rlich auch recht.<\/p><h2>5.3. Bad Beat<\/h2><p>In diesem Zusammenhang sei noch eine Bemerkung zum Bad Beat eingeschoben: Dass Gegner Fehler machen &ndash; z. B. in obigem Beispiel das Callen ohne hinreichende Pot Odds - muss nicht hei&szlig;en, dass sie jede Hand verlieren. Selbst keine Fehler gemacht zu haben, muss nicht hei&szlig;en, kurzfristig zu gewinnen. <\/p><p>Wir alle haben uns schon unz&auml;hlige Male dar&uuml;ber ge&auml;rgert, bis zum River die beste Hand gehabt und einen gro&szlig;en Pot gebildet zu haben, nur um schlie&szlig;lich durch eine Wunderkarte f&uuml;r den Gegner noch abgefangen zu werden. Der &Auml;rger ist zwar verst&auml;ndlich, aber eigentlich vollkommen fehl am Platze. Hat der Gegner nicht die n&ouml;tigen Pot Odds gehabt, hat er gem&auml;&szlig; dem Lehrsatz von Sklansky einen Fehler gemacht (oder er k&uuml;mmert sich nicht um Wahrscheinlichkeiten und ist ein Fisch). <\/p><p>Man kann leicht ausrechnen, <i>wie gro&szlig;<\/i> der Fehler war, d. h. wie unwahrscheinlich sein Gewinn war im Verh&auml;ltnis zur Potgr&ouml;&szlig;e. Nichtsdestotrotz, er hat den Pot. Das bedeutet aber, dass der Gegner zwar dieses eine Mal gewonnen hat &ndash; hier verliert man trotz korrekter Spielweise Geld -, dass er aber in Zukunft diesen Fehler so oft wiederholen wird, dass man langfristig gegen ihn Geld gewinnt. Man sollte also froh sein, einen solchen Spieler am Tisch zu haben. Gibt es an dem Tisch, an dem man sitzt, keine Bad Beats, sollte man erw&auml;gen, ihn verlassen, weil die Gegner zu wenig Fehler machen.<\/p><h1>6. Ausblick und Zusammenfassung<\/h1><p>Dieser Artikel soll nur ein Ansto&szlig; sein, &uuml;berhaupt einmal &uuml;ber das FToP und seine Konsequenzen nachzudenken. Man kann dieses Thema quasi endlos weiterf&uuml;hren. Pokertrackerdaten und genaues Beobachten der gegnerischen Bettingsequenzen etwa f&uuml;hren zur Aufdeckung verschiedener Leaks beim Gegner, die man gnadenlos ausnutzen sollte. <\/p><p>Einige Ans&auml;tze hierzu wurden oben auch bereits er&ouml;rtert. Festzuhalten bleibt aber vor allem, dass s&auml;mtliche beschriebene Verfahren eine gemeinsame Grundlage haben, n&auml;mlich das FToP. Immer versucht man entweder durch Abweichung von der objektiv besten Linie, die aus der Kenntnis aller Karten resultiert, also durch kleine eigener Fehler, beim Gegner gr&ouml;&szlig;ere Fehler zu provozieren, oder man versucht durch Befolgung der objektiv besten Linie, Fehler des Gegners zu bestrafen. Das kann nicht immer funktionieren, denn Poker ist &ndash; wie immer wieder zu betonen ist - ein Spiel mit unvollst&auml;ndigen Informationen und alles ist eine Frage von Wahrscheinlichkeiten, aber die Bem&uuml;hungen, in diesen Kategorien zu denken, wird die eigene Spielweise immer weiter verbessern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der bedeutende amerikanische Pokerspieler, -theoretiker und -buchautor David Sklansky stellt in seinem Buch The Theory of Poker den seiner Meinung nach wichtigsten Lehrsatz f\u00fcr das Pokerspiel auf, sein Fundamental Theorem of Poker (FToP)<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"inline_featured_image":false,"_lmt_disableupdate":"","_lmt_disable":""},"strategy_category":[183],"strategy_level":[117],"class_list":["post-52676","strategy","type-strategy","status-publish","hentry","strategy_category-fixed-limit-silber"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.2 - 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