	{"id":52701,"date":"2012-12-05T16:00:00","date_gmt":"2012-12-05T16:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pokerstrategy.com\/de\/strategy\/spielsucht-ursachen-symptome\/"},"modified":"2026-03-12T09:20:06","modified_gmt":"2026-03-12T09:20:06","slug":"spielsucht-ursachen-symptome","status":"publish","type":"strategy","link":"https:\/\/www.pokerstrategy.com\/de\/strategy\/poker-psychology\/spielsucht-ursachen-symptome\/","title":{"rendered":"Gl\u00fccksspielsucht - Ursachen, Folgen und Auswege"},"content":{"rendered":"<?xml encoding=\"utf-8\" ?><h1>Gl&uuml;cksspielsucht - Ursachen, Folgen und Auswege<\/h1><h1 align=\"left\">Einleitung<\/h1><p class=\"emoNormal\"><i>von Dr. med. Thorsten Heedt, Facharzt f&uuml;r psychotherapeutische Medizin mit Schwerpunkt in der Behandlung posttraumatischer Erkrankungen<\/i><\/p><p class=\"emoNormal\">Ob man nun von Alkohol, von Heroin, von Nikotin oder vom Gl&uuml;cksspiel abh&auml;ngig ist, eins haben alle diese S&uuml;chte gemeinsam:<\/p><ul class=\"emoList1\">\n<li>mit Fortdauer der Sucht wird das Suchtmittel zwanghaft konsumiert, auch wenn kein Genuss mehr damit verbunden ist<\/li>\n<li>es kommt zu einem zunehmenden Kontrollverlust<\/li>\n<li>das Suchtmittel wird zur Flucht aus der Realit&auml;t verwendet<\/li>\n<li>schlie&szlig;lich \twird die Sucht weitergef&uuml;hrt, obwohl schon zahlreiche negative \tKonsequenzen oder gesundheitliche Sch&auml;den eingetreten sind.<\/li>\n<\/ul><p class=\"emoNormal\">Der folgende Artikel befasst sich mit der Gl&uuml;cksspielsucht, ihrer Entstehung, wie man feststellt, ob man unter Gl&uuml;cksspielsucht leidet und wo man Hilfe findet.<\/p><h1 align=\"left\" style=\"margin-top: 24px;\">Was ist Spielsucht?<\/h1><p class=\"emoNormal\">Im ICD-10, der etablierten internationalen Krankheitsklassifikation, wird das pathologische (=krankhafte) Spielen unter den &bdquo;Abnormen Gewohnheiten und St&ouml;rungen der Impulskontrolle&ldquo; aufgef&uuml;hrt und wie folgt definiert:<\/p><p class=\"emoNormal\">&bdquo;Die St&ouml;rung besteht in h&auml;ufigem und wiederholtem Gl&uuml;cksspiel, das die Lebensf&uuml;hrung des betroffenen Patienten beherrscht und zum Verfall der sozialen, beruflichen, materiellen und famili&auml;ren Werte und Verpflichtungen f&uuml;hrt.&ldquo;<\/p><p class=\"emoNormal\">Davon abgegrenzt wird das &uuml;berm&auml;&szlig;ige Spiel manischer Patienten. Eine Manie ist ein eigenst&auml;ndiges Krankheitsbild, das mit starker Erregung, innerer Getriebenheit, unbegr&uuml;ndet gehobener Stimmung und rastloser Getriebenheit einhergeht. Ebenfalls abgegrenzt von der Spielsucht ist das Spielen bei dissozialer Pers&ouml;nlichkeitsst&ouml;rung, die durch eine Missachtung sozialer Verpflichtungen und herzloses Unbeteiligtsein an Gef&uuml;hlen f&uuml;r andere gekennzeichnet ist, was man z.B. geh&auml;uft bei Gef&auml;ngnisinsassen findet.<\/p><p class=\"emoNormal\">Das pathologische Spielen zeichnet sich durch andauerndes, wiederkehrendes und oft noch gesteigertes Gl&uuml;cksspielverhalten trotz negativer pers&ouml;nlicher und sozialer Konsequenzen wie Verschuldung, Zerr&uuml;ttung der famili&auml;ren Beziehungen und Beeintr&auml;chtigung der beruflichen Entwicklung aus.<\/p><p class=\"emoNormal\">Um von pathologischem Spielen zu reden, m&uuml;ssen zwei oder mehr Episoden pathologischen Spielens &uuml;ber einen Zeitraum von jeweils mindestens einem Jahr vorliegen.<\/p><p class=\"emoNormal\">In einer anderen verbreiteten Krankheitsklassifikation, dem &bdquo;DSM-IV&ldquo; werden zus&auml;tzlich die gl&uuml;cksspielertypischen verzerrten Denkmuster erw&auml;hnt:<\/p><ul class=\"emoList1\">\n<li>die besondere Bedeutsamkeit des Geldes f&uuml;r den Gl&uuml;cksspieler<\/li>\n<li>das konkurrenzbezogene Leistungsdenken<\/li>\n<li>die Ruhelosigkeit des Gl&uuml;ckspielers<\/li>\n<li>deren oft &uuml;berstarkes Bed&uuml;rfnis nach sozialer Anerkennung<\/li>\n<li>eine Tendenz zur Arbeitswut<\/li>\n<li>das geh&auml;ufte Auftreten von stressbedingten psychosomatischen Erkrankungen.<\/li>\n<\/ul><h1 align=\"left\" style=\"margin-top: 24px;\">Wie entsteht Spielsucht?<\/h1><h2>Die Grundproblematik<\/h2><p class=\"emoNormal\">Die Entstehung der Spielsucht ist ein komplexes Geschehen, in das zahlreiche Faktoren hineinspielen, von besonderer Bedeutung sind aber:<\/p><ul class=\"emoList1\">\n<li>eine tiefgreifende Selbstwertst&ouml;rung (&bdquo;narzisstische&ldquo; St&ouml;rung)<\/li>\n<li>eine Beziehungsst&ouml;rung<\/li>\n<li>Erregungsfehlregulation<\/li>\n<\/ul><p class=\"emoNormal\"><b>Selbstwertst&ouml;rung<\/b><br> Von besonderer Bedeutung ist die schwere zugrunde liegende Selbstwertst&ouml;rung, bei der das Selbst als Zustand der Leere oder als ein Nichts beschrieben wird. Eigene tief verwurzelte, aus der Kindheit herr&uuml;hrende Gef&uuml;hle von Minderwertigkeit werden durch Gr&ouml;&szlig;en- und Allmachtsphantasien kompensiert.<\/p><p class=\"emoNormal\">Die anf&auml;nglichen Gewinne st&auml;rken das Selbstgef&uuml;hl, best&auml;tigen, dass man doch etwas Besonderes ist. Oft steht am Anfang der &bdquo;big win&ldquo;, ein rascher und leicht scheinender gro&szlig;er Gewinn, der Startschuss f&uuml;r das Abheben in eine Fantasiewelt ist.<\/p><p class=\"emoNormal\">&nbsp;<\/p><p class=\"emoNormal\"><b>Bindungsst&ouml;rung<\/b><br> Der britische Kinderpsychiater John Bowlby hat in den 60er-Jahren die Bindungstheorie entwickelt. Er stellte fest, dass sich je nach Feinf&uuml;hligkeit der Mutter und F&auml;higkeit der Einstimmung der Mutter auf das Kleinkind verschiedene Bindungstypen einstellen.<\/p><p class=\"emoNormal\">Beim &bdquo;unsicher-vermeidenden&ldquo; Bindungstypus sind sich z.B. die Kinder unsicher, ob ihre Bindungsperson f&uuml;r sie verf&uuml;gbar ist. Sie haben die Erwartung, dass ihre W&uuml;nsche grunds&auml;tzlich abgelehnt werden, dies findet sich oft bei Kindern, die geh&auml;uft zur&uuml;ckgewiesen wurden. Kinder mit einem solchen Bindungstypus sind generell anf&auml;lliger f&uuml;r psychische St&ouml;rungen als Kinder mit &bdquo;sicherem&ldquo; Bindungstypus. Spieler zeigen ebenfalls geh&auml;uft diesen unsicheren Bindungstypus.<\/p><p class=\"emoNormal\">Bei Gl&uuml;cksspiels&uuml;chtigen findet sich au&szlig;erdem h&auml;ufig eine &bdquo;broken-home&ldquo;-Situation mit einer insbesondere gest&ouml;rten Vaterbeziehung. Auch findet man geh&auml;uft Missbrauchserfahrungen in der Vorgeschichte von Spiels&uuml;chtigen.<\/p><p class=\"emoNormal\">&nbsp;<\/p><p class=\"emoNormal\"><b>Erregungsfehlregulation<\/b><br> Die Unf&auml;higkeit, innere Anspannung und Erregung angemessen zu regulieren, zeigt sich z.B. in der besonderen Ruhelosigkeit des Gl&uuml;cksspielers. Motivation des Spielens ist am Anfang oft das Streben nach Erfolg und Gewinn, die Vertreibung von Langeweile oder die Bew&auml;ltigung negativer Gef&uuml;hle, z.B. nach einer Trennung. Allm&auml;hlich ger&auml;t der Spieler in einen Teufelskreis, dem alle Lebensbereiche zum Opfer fallen.<\/p><p class=\"emoNormal\">Der Spieler ger&auml;t in einen lustvollen Erregungszustand beim Spielen und versucht Ausreden und logische Erkl&auml;rungen f&uuml;r sein unkontrolliertes Spielen zu finden. Es kann abergl&auml;ubisches und magisches Denken entstehen. Zunehmend ger&auml;t er in eine Fantasiewelt, gepr&auml;gt von Allmachts- und Gewinnfantasien. Er entfremdet sich von seiner Umwelt, vereinsamt allm&auml;hlich. Es stellen sich verzerrte Denkmuster ein. Das Spielen wird schliesslich zur Hauptaktivit&auml;t des Lebens, die Entwicklung m&uuml;ndet in den k&ouml;rperlichen, pers&ouml;nlichen und sozialen Niedergang.<\/p><p class=\"emoNormal\">Der Gl&uuml;cksspieler zeichnet sich schlie&szlig;lich durch eine verminderte Impulskontrolle aus, d.h. dem Impuls zu spielen kann nicht widerstanden werden, so wie der Alkoholabh&auml;ngige nach Entlassung aus der Entzugsklinik oft nicht dem sofortigen erneuten Griff zur Flasche widerstehen kann. Trotz zahlreicher negativer Folgen verst&auml;rkt sich zunehmend das Verlangen, Spannungen durch das Gl&uuml;cksspielen herunter zu regulieren.<\/p><p class=\"emoNormal\">Das hat auch eine neurobiologische Basis. Das Belohnungssystem im Gehirn (mesolimbisches System) wird chronisch &uuml;berreizt, was zu einer Gegenregulation des Gehirns  f&uuml;hrt. Zum Schutz vor sch&auml;dlicher &Uuml;berreizung spricht es zunehmend weniger auf den Belohnungsreiz an. Es setzt also eine Gew&ouml;hnung (Neuroadaption) ein. Um nun wieder den gew&uuml;nschten Kick zu erleben, m&uuml;ssen z.B. eingesetzte Geldbetr&auml;ge h&ouml;her werden oder es muss h&auml;ufiger gespielt werden. Der gr&ouml;&szlig;te suchtf&ouml;rdernde Kick ist &uuml;brigens der Moment des Showdowns.<\/p><h2 align=\"left\" style=\"margin-top: 24px;\">Verzerrte Denkmuster<\/h2><p class=\"emoListintro\">Typisch f&uuml;r den Gl&uuml;cksspieler sind zahlreiche verzerrte, irrationale Einstellungen:<\/p><ul class=\"emoList7\">\n<li><b>Die Kontrollillusion<\/b>\n<p class=\"emoListbody\">Diese ist gepr&auml;gt von der Annahme, dass beim Gl&uuml;cksspielen mehr pers&ouml;nliche Einflussnahme m&ouml;glich ist, als objektiv der Fall.<br> Gewinne werden der eigenen F&auml;higkeit, Verluste auf ungl&uuml;ckliche Umst&auml;nde geschoben.<\/p>\n<\/li>\n<li><b>Der Monte-Carlo-Effekt (&bdquo;gamblers fallacy&ldquo;)<\/b>\n<p class=\"emoListbody\">Von der H&auml;ufigkeit fr&uuml;herer Ereignisse wird auf die Wahrscheinlichkeit \tder Folgeereignisse geschlossen (z.B. beim Roulette: es kam 3 x schwarz \thintereinander, also muss doch jetzt die Wahrscheinlichkeit, dass rot \tals n&auml;chstes kommt, steigen)<\/p>\n<\/li>\n<li><b>Fehlinterpretation der Gewinnwahrscheinlichkeit<\/b>\n<p class=\"emoListbody\">Der Spieler &uuml;bersch&auml;tzt oft in unrealistischer Weise seine \tGewinnaussichten. Z.B. gehen 98% der Eins&auml;tze beim Lotto komplett \tverloren.<\/p>\n<\/li>\n<li><b>Der Beinahetreffer (&bdquo;cognitive regret and near miss&ldquo;)<\/b>\n<p class=\"emoListbody\">Das tritt z.B. ein, wenn beim Geldspielautomaten 3 Mal dasselbe Symbol \terscheinen muss, um eine Auszahlung zu erhalten, man hat aber nur 2 Mal \tdasselbe Symbol auf dem Bildschirm. Folge: &bdquo;Ich habe nur knapp \tverpasst! Also muss ich weiterspielen!&ldquo;<\/p>\n<\/li>\n<li><b>Die Gefangennahme (&bdquo;entrapment&ldquo;)<\/b>\n<p class=\"emoListbody\">Hiermit ist das Festhalten an einer falschen Entscheidung gemeint, um \tdie bereits geleistete Investition zu rechtfertigen  - &bdquo;Ok, ich bin \twohl geschlagen, aber ich bin bis zum Turn mitgegangen, also schau ich \tmir auch den River an.&ldquo;<\/p>\n<\/li>\n<\/ul><p class=\"emoNormal\">Es ist nachgewiesen, dass w&auml;hrend des Gl&uuml;cksspielens ein sehr hoher Prozentsatz fehlerhafter Denkmuster entsteht.<\/p><h1 align=\"left\" style=\"margin-top: 24px;\">Wer ist gef&auml;hrdet?<\/h1><p class=\"emoNormal\">Hauptbetroffene sind offensichtlich meist m&auml;nnliche, allein lebende Patienten aus der Gro&szlig;stadt mit einem Altersschwerpunkt von ca. 30 Jahren. Der Beginn der Sucht liegt meist in der Adoleszenz, bei Frauen hingegen im mittleren Lebensabschnitt. Wenn sie in Behandlung gelangen, sind sie meist hoch verschuldet, sind suizidgef&auml;hrdet und haben schon kriminelle Delikte begangen, z.B. zur Geldbeschaffung f&uuml;r das Spiel. Ein gr&ouml;&szlig;erer Anteil (ein Drittel etwa) der Abh&auml;ngigen leidet auch unter einer &bdquo;stoffgebundenen&ldquo; Abh&auml;ngigkeit, z.B. Alkoholismus oder Heroinsucht.<\/p><p class=\"emoNormal\">Im Lebensverlauf zeigen etwa 2-3 % der Bev&ouml;lkerung ein problematisches und ca. 1% ein krankhaftes Gl&uuml;cksspielverhalten. Es besteht eine Korrelation zwischen Verf&uuml;gbarkeit des Gl&uuml;cksspielangebotes (z.B. messbar als Geldspielautomaten pro 1000 Einwohner) und der H&auml;ufigkeit pathologischer Gl&uuml;cksspieler.<\/p><p class=\"emoNormal\">Ausl&ouml;ser kann eine anf&auml;ngliche Gewinnerfahrung (&bdquo;big win&ldquo;) oder aber ein belastendes Lebensereignis sein wie Partnerschaftsprobleme, Trennung, Schwangerschaft der Partnerin oder berufliche Umbr&uuml;che.<\/p><p class=\"emoNormal\">Auff&auml;llig ist die hohe Komorbidit&auml;t (paralleles Vorliegen weiterer Erkrankungen). Z.B. haben bis zu 50% der Gl&uuml;cksspielabh&auml;ngigen depressive St&ouml;rungen, die sich durch  Antriebsst&ouml;rung, gedr&uuml;ckte Stimmung und Interessenverlust auszeichnen.<\/p><p class=\"emoNormal\">25% der beratenen Gl&uuml;cksspieler haben schon mindestens einen Suizidversuch unternommen. Besonders auff&auml;llig ist das h&auml;ufige Auftreten von Pers&ouml;nlichkeitsst&ouml;rungen bei &uuml;ber 90% der Spieler. Eine Pers&ouml;nlichkeitsst&ouml;rung zeichnet sich aus durch ein andauerndes gest&ouml;rtes Verhaltensmuster mit Beginn in Kindheit und Adoleszenz, das zu schweren Problemen im Sozialkontakt f&uuml;hrt. Besonders h&auml;ufig tritt die narzisstische Pers&ouml;nlichkeitsst&ouml;rung auf, f&uuml;r die ein grandioses Gef&uuml;hl der eigenen Wichtigkeit typisch ist, indem der Patient z.B. best&auml;ndig die eigenen Leistungen und Talente &uuml;bertreibt, stark eingenommen ist von Fantasien grenzenlosen Erfolgs, Macht, Glanz, Sch&ouml;nheit oder idealer Liebe, von sich selber glaubt, besonders einzigartig zu sein und fortdauernd nach &uuml;berm&auml;&szlig;iger Bewunderung strebt.<\/p><p class=\"emoNormal\">Diese narzisstische Pers&ouml;nlichkeitsst&ouml;rung ist schwer zu behandeln, weil der Patient dazu neigt, den Therapeuten zu entwerten oder die Behandlung abzubrechen, wenn er ihm nicht seine fantasierte Gr&ouml;&szlig;e best&auml;tigt.<\/p><h1 align=\"left\" style=\"margin-top: 24px;\">Welche Folgen hat die Spielsucht?<\/h1><p class=\"emoNormal\">Es entwickelt sich eine suchttypische Eigendynamik, die alle Lebensbereiche erfasst. Schlie&szlig;lich hat man nur noch eingeschr&auml;nkte M&ouml;glichkeiten der Handlungsregulation.<\/p><p class=\"emoNormal\">Die suchttypische Eigendynamik zeigt sich z.B. in dem Versuch, bestehende Verluste durch erh&ouml;hte Wetteins&auml;tze auszugleichen, dem Chasing, beim Poker auch &bdquo;on-tilt&ldquo;-Gehen genannt.<\/p><p class=\"emoNormal\">Es kommt zu fortschreitender sozialer Isolation. Es entstehen Schuld- und Schamgef&uuml;hle, das Spiel wird verheimlicht. Man integriert sich zunehmend in ein bestimmtes Spielermilieu mit einem gl&uuml;cksspieltypischen Lebensstil, der sich vor allem auf unmittelbare Bed&uuml;rfnisbefriedigung st&uuml;tzt. Das kann auch zu kriminellen Handlungen f&uuml;hren, um Geld f&uuml;r das Spiel zu beschaffen.<\/p><p class=\"emoNormal\">Schlie&szlig;lich kann darauf der finanzielle Ruin erwachsen, Verlust der famili&auml;ren Unterst&uuml;tzung, Bedrohung der beruflichen Existenz. Psychiatrieaufenthalte nach Suizidversuchen k&ouml;nnen folgen, man kann kriminell werden.<\/p><p class=\"emoNormal\">K&ouml;rperlich zeigen sich die Folgen des ruhelosen st&auml;ndigen Spiels durch verschiedene psychosomatische Symptome, bis hin zu Magengeschw&uuml;ren, Kopfschmerzen, Herzinfarkten.<\/p><h1 align=\"left\" style=\"margin-top: 24px;\">Wie stelle ich fest, ob ich s&uuml;chtig bin?<\/h1><p class=\"emoNormal\">Es gibt eine Reihe von Frageb&ouml;gen und Testverfahren, um zu &uuml;berpr&uuml;fen, ob eine Gl&uuml;cksspielabh&auml;ngigkeit vorliegt und um das pathologische Spielen abzugrenzen von anderen Formen des Spielens wie sozialem Gl&uuml;cksspielen, professionellem Gl&uuml;cksspielen, Gl&uuml;cksspiel bei manischer Episode, Gl&uuml;cksspiel bei antisozialer Pers&ouml;nlichkeit, pathologischem PC-Gebrauch (gaming, chatting, surfing).<\/p><p class=\"emoNormal\">Die weltweit verbreitetste Skala ist der SOGS (South Oaks Gamblings Screen). Es gibt aber auch zahlreiche andere Testverfahren. Letztlich pr&uuml;fen all diese Verfahren, ob man die F&auml;higkeit hat, seinen Spieldrang zu kontrollieren und mit dem Spielen aufzuh&ouml;ren, wenn negative Konsequenzen eintreten (z.B. Ersch&ouml;pfung), ob die in den vorigen Kapiteln erw&auml;hnte narzisstische Problematik vorliegt, ob manifeste Probleme wie Verschuldung drohen oder sich anbahnen und ob der Spieler bereit ist, kriminelle Handlungen durchzuf&uuml;hren, um an Geld zu kommen.<\/p><h1 align=\"left\" style=\"margin-top: 24px;\">Selbsttest<\/h1><p class=\"emoNormal\">Um eine einfache Einsch&auml;tzung vorzunehmen, ob man evtl. gl&uuml;cksspielabh&auml;ngig ist, bietet sich folgender Selbsttest an. Hierbei handelt es sich um einen Fragebogen mit 19 Fragen, die du entweder mit ja oder nein beantwortest. Wenn mehr als 7 der Fragen mit ja beantwortet werden, besteht der Verdacht auf eine Gl&uuml;cksspielabh&auml;ngigkeit.<\/p><p class=\"emoNormal\">1. Hast du einmal gespielt, bis dein Geld aufgebraucht war?<\/p><p class=\"emoNormal\">2. Hast du dir schon einmal Geld f&uuml;rs Spielen geliehen?<\/p><p class=\"emoNormal\">3. Hast du einmal f&uuml;rs oder aufgrund des Spielens einen Kredit  aufgenommen?<\/p><p class=\"emoNormal\">4. &Uuml;berschreitest du regelm&auml;&szlig;ig deinen selbst festgelegten zeitlichen oder finanziellen Rahmen f&uuml;rs Spielen?<\/p><p class=\"emoNormal\">5. Kam dir schon der Gedanke, dir illegal Geld f&uuml;rs Spielen zu beschaffen?<\/p><p class=\"emoNormal\">6. Denkst du oft an das Spielen?<\/p><p class=\"emoNormal\">7. Hast du schon einmal Geld f&uuml;rs Spielen gestohlen?<\/p><p class=\"emoNormal\">8. Kannst du dich nur schlecht auf Dinge abseits des Spielens konzentrieren?<\/p><p class=\"emoNormal\">9. Wirst du unruhig oder aggressiv, wenn du nicht spielen kannst?<\/p><p class=\"emoNormal\">10. Scheint dir dein normales Leben verglichen mit dem Spielen langweilig?<\/p><p class=\"emoNormal\">11. L&auml;sst dein Interesse an deiner Umwelt nach?<\/p><p class=\"emoNormal\">12. Spielst du, um Verluste wieder hereinzuholen?<\/p><p class=\"emoNormal\">13. Verheimlichst du vor deinen Freunden oder deiner Familie, wie viel du spielst und wie viel du schon verloren hast?<\/p><p class=\"emoNormal\">14. Hast du h&auml;ufig ein schlechtes Gewissen, nachdem du gespielt hast?<\/p><p class=\"emoNormal\">15. Ist es schon vorgekommen, dass du weiterspielst, obwohl du wei&szlig;t, dass du dich selbst oder andere sch&auml;digst?<\/p><p class=\"emoNormal\">16. Hast du schon einmal gespielt, um deine Stimmung zu verbessern und Problemen aus dem Weg zu gehen?<\/p><p class=\"emoNormal\">17. Hat dein Spiel schon zu Streit oder Problemen in deiner Familie gef&uuml;hrt?<\/p><p class=\"emoNormal\">18. Hast du schon einmal deine Arbeit\/Schule geschw&auml;nzt, um zu spielen?<\/p><p class=\"emoNormal\">19. Hast du schon einmal aufgrund deines Spiels an Selbstmord gedacht oder einen Suizidversuch unternommen?<\/p><h1 align=\"left\" style=\"margin-top: 24px;\">Was tun bei Spielsucht?<\/h1><p class=\"emoNormal\">Zun&auml;chst muss abgekl&auml;rt werden, ob es sich wirklich um ein Gl&uuml;cksspielverhalten mit Krankheitswert handelt. Dazu sollte man sich an eine spezialisierte Beratungsstelle wenden (siehe auch: Suchmaske auf <a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.gluecksspielsucht.de\">www.gluecksspielsucht.de<\/a>).<\/p><p class=\"emoNormal\">Dann ist zwischen ambulanter und station&auml;rer Behandlung zu entscheiden. Wenn der Patient noch gut sozial integriert ist, die Suchtentwicklung weniger weit fortgeschritten ist, bietet sich der Besuch einer Suchtberatungsstelle an oder eine ambulante Psychotherapie bei einem niedergelassenen psychologischen oder &auml;rztlichen Psychotherapeuten.<\/p><p class=\"emoNormal\">Bei einem schwereren St&ouml;rungsbild, wo station&auml;rer Behandlungsbedarf gegeben ist, ist zu entscheiden, ob man eine psychosomatische Fachklinik w&auml;hlt oder eine Suchtklinik. Wenn die psychosozialen Folgen noch nicht so gravierend sind oder das Gl&uuml;cksspielverhalten als Reaktion auf eine akute Belastungssituation (z.B. Trennung, Arbeitsplatzverlust) entstand, bietet sich eine psychosomatische Fachklinik zur Behandlung an.<\/p><p class=\"emoNormal\">Bei einer fortgeschrittenen suchttypischen Eigendynamik sollte eine Fachklinik f&uuml;r Suchtkrankheiten aufgesucht werden. Wenn zus&auml;tzlich eine &bdquo;stoffgebundene&ldquo; Abh&auml;ngigkeit besteht, z.B. Alkoholismus oder Drogensucht, sollte zun&auml;chst eine Entzugs- und Entw&ouml;hnungsbehandlung in einer psychiatrischen Klinik unternommen werden.<\/p><p class=\"emoNormal\">In der Regel ist Teil der Therapie eine vertragliche Absprache &uuml;ber die Einhaltung vollst&auml;ndiger Gl&uuml;cksspielabstinenz. Eine einfache Reduktion des Gl&uuml;cksspielens reicht in der Regel nicht. Vor allem offenbart die v&ouml;llige Abstinenz die zugrunde liegende Problematik, die dann meist klar hervortritt und wozu der Abh&auml;ngige das Suchtmittel eigentlich braucht. Es gibt sowohl tiefenpsychologisch fundierte als auch verhaltenstherapeutisch orientierte Therapieeinrichtungen.<\/p><p class=\"emoNormal\">Wichtig ist in jedem Fall, die genaue Funktion des Gl&uuml;cksspielverhaltens in der Therapie herauszuarbeiten, die Ver&auml;nderung der typischen verzerrten Denkmuster zu besprechen und ein Konzept zur R&uuml;ckfallverh&uuml;tung mit dem Patienten zu erarbeiten. An allen gest&ouml;rten Bereichen beim Gl&uuml;cksspieler (St&ouml;rung der Selbstwertregulation, der Gef&uuml;hlsregulation, der Beziehungsgestaltung) muss gearbeitet werden. Die St&ouml;rung der Beziehungsgestaltung ist besonders gut in einer Gruppentherapie zu behandeln.<\/p><p class=\"emoNormal\">Wichtig ist insbesondere die Ber&uuml;cksichtigung der Verschuldungsproblematik, um hier nicht wegzuschauen und gemeinsam mit dem Patienten zu verleugnen, sondern ein Geld- und Schuldenmanagement ihm zu erarbeiten. Die Angeh&ouml;rigen sollten in der Regel einbezogen werden, die ja oft den Pat. in seinem pathologischen Spielen durch &Uuml;bernahme der Schulden noch best&auml;rken.<\/p><h1 align=\"left\" style=\"margin-top: 24px;\">Wo finde ich Hilfe?<\/h1><p class=\"emoNormal\">Auf der Seite <a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.gluecksspielsucht.de\">www.gluecksspielsucht.de<\/a> vom Fachverband Gl&uuml;cksspielsucht kann man gezielt nach Beratungsstellen in seinem Postleitzahlgebiet suchen und sich z.B. einen Antrag auf Selbstsperre herunterladen, mit dem man erreichen kann, dass man f&uuml;r bestimmte Casinos gesperrt wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieser Artikel kl\u00e4rt dich \u00fcber die Ursachen und Folgen der Gl\u00fccksspielsucht auf.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"inline_featured_image":false,"_lmt_disableupdate":"","_lmt_disable":""},"strategy_category":[155],"strategy_level":[114],"class_list":["post-52701","strategy","type-strategy","status-publish","hentry","strategy_category-poker-psychology-einsteiger"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.2 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Gl\u00fccksspielsucht - Ursachen, Folgen und Auswege - PokerStrategy DE<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.pokerstrategy.com\/de\/strategy\/poker-psychology\/spielsucht-ursachen-symptome\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Gl\u00fccksspielsucht - Ursachen, Folgen und Auswege - PokerStrategy DE\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Dieser Artikel kl\u00e4rt dich \u00fcber die Ursachen und Folgen der Gl\u00fccksspielsucht auf.\" \/>\n<meta property=\"og:url\" content=\"https:\/\/www.pokerstrategy.com\/de\/strategy\/poker-psychology\/spielsucht-ursachen-symptome\/\" \/>\n<meta property=\"og:site_name\" content=\"PokerStrategy DE\" \/>\n<meta property=\"article:modified_time\" content=\"2026-03-12T09:20:06+00:00\" \/>\n<meta name=\"twitter:card\" content=\"summary_large_image\" \/>\n<meta name=\"twitter:label1\" content=\"Est. reading time\" \/>\n\t<meta name=\"twitter:data1\" content=\"14\u00a0Minuten\" \/>\n<script type=\"application\/ld+json\" class=\"yoast-schema-graph\">{\"@context\":\"https:\\\/\\\/schema.org\",\"@graph\":[{\"@type\":\"WebPage\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/www.pokerstrategy.com\\\/de\\\/strategy\\\/poker-psychology\\\/spielsucht-ursachen-symptome\\\/\",\"url\":\"https:\\\/\\\/www.pokerstrategy.com\\\/de\\\/strategy\\\/poker-psychology\\\/spielsucht-ursachen-symptome\\\/\",\"name\":\"Gl\u00fccksspielsucht - Ursachen, Folgen und Auswege - PokerStrategy DE\",\"isPartOf\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/www.pokerstrategy.com\\\/de\\\/#website\"},\"datePublished\":\"2012-12-05T16:00:00+00:00\",\"dateModified\":\"2026-03-12T09:20:06+00:00\",\"breadcrumb\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/www.pokerstrategy.com\\\/de\\\/strategy\\\/poker-psychology\\\/spielsucht-ursachen-symptome\\\/#breadcrumb\"},\"inLanguage\":\"de\",\"potentialAction\":[{\"@type\":\"ReadAction\",\"target\":[\"https:\\\/\\\/www.pokerstrategy.com\\\/de\\\/strategy\\\/poker-psychology\\\/spielsucht-ursachen-symptome\\\/\"]}]},{\"@type\":\"BreadcrumbList\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/www.pokerstrategy.com\\\/de\\\/strategy\\\/poker-psychology\\\/spielsucht-ursachen-symptome\\\/#breadcrumb\",\"itemListElement\":[{\"@type\":\"ListItem\",\"position\":1,\"name\":\"Home\",\"item\":\"https:\\\/\\\/www.pokerstrategy.com\\\/de\\\/\"},{\"@type\":\"ListItem\",\"position\":2,\"name\":\"Strategies\",\"item\":\"https:\\\/\\\/www.pokerstrategy.com\\\/de\\\/strategy\\\/\"},{\"@type\":\"ListItem\",\"position\":3,\"name\":\"Gl\u00fccksspielsucht &#8211; 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