	{"id":53162,"date":"2008-12-25T17:34:00","date_gmt":"2008-12-25T17:34:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pokerstrategy.com\/de\/strategy\/784\/"},"modified":"2026-03-12T10:49:20","modified_gmt":"2026-03-12T10:49:20","slug":"784","status":"publish","type":"strategy","link":"https:\/\/www.pokerstrategy.com\/de\/strategy\/weekly-specials\/784\/","title":{"rendered":"Warum spielen wir?"},"content":{"rendered":"<?xml encoding=\"utf-8\" ?><h1>Warum spielen wir?<\/h1><h1>Warum spielen wir?<\/h1><p class=\"emoNormal\">\n&nbsp;\n<\/p><p class=\"emoNormal\">\nEssen, Sex, Spiele &ndash; viele Triebe beherrschen unseren Alltag, aber diese drei scheinen die wichtigsten zu sein. W&auml;hrend allerdings Nahrungsbeschaffung und Fortpflanzung schon lange auf der Liste der menschlichen Bed&uuml;rfnisse ganz oben stehen, wurde der Spieltrieb vielfach geleugnet, als kindisch bel&auml;chelt oder gar bek&auml;mpft: Offensichtlich deswegen, weil er sich mit vielen anderen Aktivit&auml;ten koppeln l&auml;sst.\n<\/p><p class=\"emoNormal\">\nWir k&ouml;nnen unsere Arbeit durch Spiele vers&uuml;&szlig;en, was in der Schule versucht wird (und h&auml;ufig kl&auml;glich scheitert). Wir k&ouml;nnen finanzielle Risiken oder sportliche Bet&auml;tigung zu einem Spiel erheben, Sex-Spiele sind uns ebenfalls gel&auml;ufig und vor allem Kindern gelingt es immer wieder, Nahrungsaufnahme wie ein Spiel zu gestalten. Doch wer k&ouml;nnte sich gleichzeitige Nahrungsaufnahme und Sex vorstellen?\n<\/p><p class=\"emoNormal\">\nVielleicht macht gerade diese Universalit&auml;t das Spielen seit Jahrtausenden zu einem wichtigen Anteil unseres Lebens. W&uuml;rfel, deren Alter Arch&auml;ologen auf 5000 Jahre sch&auml;tzen, zeugen davon, dass Menschen selbst in einer Zeit, in der sie fast ihre gesamte Kraft zum &Uuml;berleben brauchten, Abwechslung und Unterhaltung in Spielen suchten.\n<\/p><p class=\"emoNormal\">\nDie alten &Auml;gypter liebten es, sich ihre Zeit mit Bockspringen, Ballwerfen oder Schwimmwettbewerben zu vertreiben. Der r&ouml;mische Dichter Iuvenal spricht in einer Satire davon, dass das Volk mit &bdquo;Brot und Spielen&ldquo;, panem et circenses, bei Laune gehalten werden k&ouml;nne. Im Mittelalter versuchten viele F&uuml;rsten und K&ouml;nige, das Gl&uuml;cksspiel, welches h&auml;ufig mit Ausschweifungen und Exzessen verbunden war, verbieten zu lassen, doch niemals mit Erfolg.\n<\/p><p class=\"emoNormal\">\nDie von John Neumann in den vierziger Jahren entwickelte Spieltheorie, die annimmt, dass unser Spielverhalten repr&auml;sentativ f&uuml;r unser Verhalten in der Realtit&auml;t sei, ist bis heute ein wichtiger Bestandteil der Wirtschaftspsychologie.\n<\/p><p class=\"emoNormal\">\nVereinfacht wollen wir annehmen, dass eine Handlung drei Ziele besitzt, die wichtig sein k&ouml;nnen: Den Prozess an sich, das direkte Ergebnis des Prozesses und die Langzeitkonsequenzen.\n<\/p><p class=\"emoNormal\">\nAm Beispiel des Sports l&auml;sst sich dies verdeutlichen: Im Allgemeinen machen wir Sport, damit wir fit und leistungsf&auml;hig sind, die Konsequenz. Das Ergebnis eines Besuchs im Fitnessstudio ist allerdings eher, dass wir ersch&ouml;pft sind und Stress abbauen. Die aktive Leistung am Trainingsger&auml;t ist der Prozess, der ebenfalls Annehmlichkeiten und &Auml;rgernisse bietet. Beim Spielen r&uuml;cken die Konsequenzen in den Hintergrund: Wir spielen prozessorientiert, weil wir Spa&szlig; am Spielen haben, und in der Regel ergebnisorientiert, weil wir gewinnen wollen.\n<\/p><p class=\"emoNormal\">\nDoch was genau reizt uns an Spielen? Psychologen geben uns mehrere Anhaltspunkte, von denen vier genauer dargestellt werden sollen.\n<\/p><p class=\"emoNormal\">\nZun&auml;chst einmal ist es eine wichtige Eigenschaft des Spielens, dass wir es freiwillig machen. Niemand zwingt uns zu spielen, niemand belohnt uns daf&uuml;r, dass wir spielen. In einem spannenden Experiment von Lepper et. al. (1972) stellte sich heraus, dass Kinder gar die Lust am Spielen verlieren, wenn ihnen vorher eine Belohnung f&uuml;r ihr Spiel versprochen wird. Stefan Zweig schl&auml;gt in seiner Schachnovelle eine Umbenennung bestimmter Spiele vor, indem er aufweist, dass man Schach nicht spiele, sondern ernste; ebenso ernsten wir beispielsweise Klavier oder Geige und viele Jungen tr&auml;umen davon, ein Fu&szlig;ball-Ernster zu werden.\n<\/p><p class=\"emoNormal\">\nAuf der anderen Seite stellen Spiele eine Herausforderung an den Spieler. Ist die Herausforderung zu gro&szlig; und das Spiel zu schwer, geben wir frustriert auf. Ist sie hingegen zu gering und das Spiel zu leicht, suchen wir uns ein anderes. Dabei ist zu beachten, dass zu schwer und zu leicht relativ gemessen an den W&uuml;nschen und F&auml;higkeiten der Spieler sind: Einige Spieler lieben eine hohe Herausforderung, f&uuml;r die sie Stunden oder Tage brauchen, um sie zu bew&auml;ltigen. Andere geben sich mit einer kaum sp&uuml;rbaren Herausforderung zufrieden; meine Oma und mein Opa haben sehr viel Spa&szlig; beim gemeinsamen Tennisspiel, w&auml;hrend mein Opa und Roger Federer beide einem Match wenig Positives abgewinnen k&ouml;nnten.\n<\/p><p class=\"emoNormal\">\nZwei neuere psychologische Konstrukte sind die Kompetenzmotivation und die Selbstwirksamkeit. Die Kompetenzmotivation ist urspr&uuml;nglich ein Begriff aus der Evolutionspsychologie, der nach Robert White die Verbindung zwischen lebenswichtigen Kompetenzen und der Lust danach, diese Kompetenzen zu erlernen, verbindet.\n<\/p><p class=\"emoNormal\">\nBeispielsweise ist reproduktives Verhalten jeder Gattung eigen, um sich fortzupflanzen, doch g&auml;be es wohl niemanden, der der Behauptung widersprechen w&uuml;rde, dass eine zahlreiche Nachkommenschaft l&auml;ngst nicht mehr prim&auml;res Ziel des Geschlechtsverkehrs ist. In einem Spiel, an dem wir Spa&szlig; haben, streben wir danach, Kompetenzen zu erwerben, die uns besser in diesem Spiel werden lassen.\n<\/p><p class=\"emoNormal\">\nZuletzt finde ich erw&auml;hnenswert, dass wir in Spielen eine ungleich viel gr&ouml;&szlig;ere Selbstwirksamkeit erleben als in der Realit&auml;t. Dieser Terminus beschreibt die &Uuml;berzeugung, dass unsere Handlungen genau diejenige Wirkung haben werden, welche wir im Sinn hatten, als wir sie ausgef&uuml;hrt haben. Dazu geh&ouml;rt: Im Spiel agieren wir autonom, meistens frei von dem Einfluss anderer (in der Realit&auml;t steuern wir durch ein kompliziertes Netz gegenseitiger Abh&auml;ngigkeiten). Wir sehen die direkten Resultate unserer Spielz&uuml;ge, die in der Regel eine zeitliche N&auml;he aufweisen (in der Realit&auml;t kann es sein, dass wir mehrere Jahre warten, zum Beispiel auf einen Gerichtsbeschluss). Au&szlig;erdem erlauben uns die Startbedingungen, die f&uuml;r alle Spieler m&ouml;glichst gleich sind, eigene Fehler besser zu beurteilen, zu beheben und aus ihnen zu lernen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Spieltrieb scheint etwas Urmenschliches und tief in seiner Natur Verankertes. 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