	{"id":53163,"date":"2008-12-25T17:45:00","date_gmt":"2008-12-25T17:45:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pokerstrategy.com\/de\/strategy\/785\/"},"modified":"2026-03-12T10:49:20","modified_gmt":"2026-03-12T10:49:20","slug":"785","status":"publish","type":"strategy","link":"https:\/\/www.pokerstrategy.com\/de\/strategy\/weekly-no-limit\/785\/","title":{"rendered":"Die drei Arten des Bluffs"},"content":{"rendered":"<?xml encoding=\"utf-8\" ?><h1>Die drei Arten des Bluffs<\/h1><h1>Einleitung<\/h1><p class=\"emoNormal\">\nJedem Spieler sollte klar sein, dass die H&auml;nde die man zum Beispiel im Fernsehen bei Pokerturnieren oder Cashgames sieht nicht repr&auml;sentativ sind. Hier selektiert der Produzent nach TV-Tauglichkeit: niemand will H&auml;nde sehen in denen alle Gegner einfach folden. Vielmehr sind 3-barrel Bluffs, ein check\/raise all-in oder &auml;hnliche Situationen f&uuml;r den Zuschauer sehenswert. Wenn wir an den Pokertischen sitzen sollten wir entsprechend vorwiegend solides ABC-Poker spielen &ndash; der Gewinn kommt dann von ganz allein.\n<\/p><p class=\"emoNormal\">\nAllerdings hat auch das Bluffen im normalen Spiel eine Rolle. Zum einen k&ouml;nnen wir durch gute Bluffs unsere Winrate steigern, da wir bessere H&auml;nde zum folden bekommen und so den Pot mit einer schw&auml;cheren Hand trotzdem gewinnen. Zum anderen werden wir durch das Einstreuen von Bluffs nicht so lesbar. Wenn wir z.B. immer den Flop betten wenn wir ein Top Pair gemacht haben und ansonsten check\/fold spielen bekommt es unser Gegner relativ schnell mit (sofern er aufmerksam ist) und kann entsprechend profitabel gegen uns spielen (d.h. bei einer Bet nur H&auml;nde besser als TP spielen und bei einem check mit any 2 betten).\n<\/p><p class=\"emoNormal\">\nIn dieser Kolumne m&ouml;chte ich darauf eingehen, welche Arten eines Bluffs existieren und unter welchen Voraussetzungen man einen entsprechenden Bluff machen sollte.\n<\/p><p class=\"emoNormal\">\n&nbsp;\n<\/p><h1>Die drei Arten des Bluffs und deren Anwendung<\/h1><h2>Der Standard-Bluff<\/h2><p class=\"emoNormal\">\nDie erste Kategorie sind Standard-Bluffs, also Bluffs oder Raises die man in bestimmten Standardsituationen macht. Der am h&auml;ufigsten vorkommende Bluff dieser Art ist die Continuation Bet. Wenn wir Preflop-Aggressor sind betten wir oft unabh&auml;ngig davon, ob wir das Board getroffen haben oder nicht. Angenommen wir haben mit AQo aus MP1 geraist und der CO, ein weak-tighter Spieler, callt uns. Das Board kommt K72 rainbow. In dieser Situation mache ich immer eine Continuation Bet. Doch wie sieht es in anderen Situationen aus?\n<\/p><p class=\"emoListintro\">\nZur Entscheidung ob ich eine Continuation Bet mache oder nicht betrachte ich mir 2 Faktoren:\n<\/p><ul class=\"emoList7\">\n<li><b>1. Das Board und die Range des Gegners<\/b>\n<p class=\"emoListbody\">\n\tIn unserem Beispiel haben wir ein ideales Board, da es eine high card und 2 low cards ohne Draws beinhaltet. Wir k&ouml;nnen daher zum einen sehr gut etwas repr&auml;sentieren (H&auml;nde wie AK, KQ oder hohe Pocket Pairs) und es ist unwahrscheinlich, dass der Gegner eine starke Made Hand oder einen starken Draw getroffen hat. Er callt uns hier preflop oft mit einer Hand wie einem suited connector oder einem Pocket Pair und hat daher in den meisten F&auml;llen maximal ein Middle Pair.\n\t<\/p>\n<p class=\"emoListbody\">\n\tIm Gegensatz dazu w&auml;re ein ung&uuml;nstiges Board Beispielsweise T89 2-suited. Hier kann unser Gegner neben den obligatorischen Sets auch eine made Straight, 2 Pairs, oder ein Pair + OESD haben. Entsprechend werden wir hier sehr oft gecallt.\n\t<\/p>\n<\/li>\n<li><b>2. Der Gegner<\/b>\n<p class=\"emoListbody\">\n\tDer zweite Aspekt ist unser Gegner. Ideal sind Gegner die sehr straight-forward spielen: haben sie das Board gut getroffen callen oder raisen sie, ansonsten folden sie. Gegen solche Gegner kann man auch eigentlich fast immer eine Continuation Bet machen, da wir oft genug einen Fold bekommen. Der andere Extremfall ist eine Calling Station, die auch mit 22 oder einem Gutshot callt. Hier ist eine Continuation Bet einfach nicht profitabel und wir sollten einfach check\/fold spielen &ndash; wenn wir eine gute Hand bekommen zahlt uns dieser Gegner schon noch aus.\n\t<\/p>\n<\/li>\n<\/ul><p class=\"emoNormal\">\nEin &auml;hnlicher Standard-Bluff ist der Raise einer Continuation Bet. Angenommen der weak-tighte Spieler von eben openraist vom CO und wir callen mit 98s. Der Flop kommt wieder K72 rainbow und er macht eine Continuation Bet. Wenn wir davon ausgehen, dass auch ein tighter Spieler eine etwas weitere Range ist und er fast immer eine Continuation Bet macht, jedoch nur dann weiterspielt wenn er wirklich eine starke Hand hat k&ouml;nnen wir hier auch oft einen Raise anbringen.\n<\/p><p class=\"emoNormal\">\nEntsprechend sollte man Standard-Bluffs nicht so sehen, dass man sie standardm&auml;&szlig;ig immer macht. Vielmehr sollte man sich Gedanken &uuml;ber die Range des Gegners, die Flop Textur sowie unseren Gegner-Typ machen und dann entscheiden, ob wir profitabel continuation betten (also bluffen) k&ouml;nnen oder nicht.\n<\/p><p class=\"emoNormal\">\n&nbsp;\n<\/p><h2>Der Semi-Bluff<\/h2><p class=\"emoNormal\">\nDie zweite Kategorie ist der Semi-Bluff. Hier haben wir einen Draw und betten oder raisen mit dem Ziel den Pot direkt mitzunehmen. Falls wir trotzdem gecallt werden haben wir allerdings noch die Chance, dass unser Draw ankommt und wir so den Pot mit der besten Hand gewinnen. Ein Beispiel f&uuml;r einen Semi-Bluff ist die folgende Situation: MP3 hat preflop geraist, wir sitzen mit 98s im BU und callen. Der Flop kommt Q54 mit 2 Karten unserer Farbe und MP3 bettet. Hier k&ouml;nnen wir profitabel raisen. Zum einen hat der Gegner den Flop oft verfehlt und muss daher aufgeben. Selbst wenn er eine Hand wie TT-77 hat wird es f&uuml;r ihn schwer sein, unseren Raise zu callen und dann ohne Position mit einer marginalen Hand weiterzuspielen.\n<\/p><p class=\"emoNormal\">\nAuch hier l&auml;uft der Gedankenprozess analog ab: man &uuml;berlegt sich die gegnerische Range, bringt diese dann mit dem Flop in Verbindung und versucht herauszufinden wie wahrscheinlich es ist, dass der Gegner den Flop getroffen oder verfehlt hat und wie der Gegner auf einen Call oder einen Raise reagieren wird. Kommt am Ende dieser Analyse heraus, dass er oft genug foldet k&ouml;nnen wir hier einen semi-bluff machen. Wenn dies nicht der Fall ist (z.B. weil unser Gegner eine calling station ist) k&ouml;nnen wir immer noch &uuml;berlegen ob wir nach Odds und Outs callen k&ouml;nnen oder unsere Hand aufgeben m&uuml;ssen.\n<\/p><p class=\"emoNormal\">\nGerade Semi-Bluffs sind aus meiner Sicht ein sehr starkes Mittel: zum einen &uuml;ben wir durch einen Raise mit unserem Draw enormen Druck aus den die meisten Gegner nicht Stand halten k&ouml;nnen. Zum anderen haben wir Outs. Zudem bekommen wir in der Regel nach einem Call unseres Raises am Turn einen Check vom Gegner so dass wir Turn- und Riverkarte umsonst anschauen k&ouml;nnen. Wenn der Turn unseren Draw vervollst&auml;ndigt k&ouml;nnen wir direkt weiterbetten, ansonsten haben wir die Chance uns die Freecard zu nehmen.\n<\/p><p class=\"emoNormal\">\n&nbsp;\n<\/p><h2>Der pure Bluff<\/h2><p class=\"emoNormal\">\nVon einem puren Bluff spricht man, wenn man das Board komplett verfehlt hat und auch keine Draws vorhanden sind, man den Pot aber trotzdem nicht aufgibt sondern bettet oder raist. Ein Beispiel hierf&uuml;r ist folgende Situation: wir machen einen Openraise mit 54s vom BU und werden vom BB gecallt. Der Flop kommt K72 rainbow, BB checkt und wir machen eine Continuation Bet; der BB callt. Am Turn kommt eine 6 die uns einen OESD bringt. BB checkt nochmals und wir sch&auml;tzen ihn so ein, dass er unsere Bet hier definitiv noch einmal mit einer Hand wie einem mittleren Paar callt, da sich die Situation aus seiner Sicht nicht ge&auml;ndert hat. Daher nehmen wir die Freecard und der River bringt ein Ass. Der BB macht eine kleine Blockbet. Callen macht in dieser Situation logischerweise keinen Sinn, da wir keine Chance haben den Pot zu gewinnen (wir haben nur 5 high&hellip;). Wir k&ouml;nnen die Hand aufgeben, was viele Spieler in dieser Situation auch machen w&uuml;rden. Alternativ w&uuml;rde ich hier gegen Gegner die folden k&ouml;nnen einen Raise machen. Wir k&ouml;nnen das Ass perfekt repr&auml;sentieren und spielen teilweise auch H&auml;nde wie AQ\/AJ mit der gleichen Line. Oft genug wird er sich von einem mittelm&auml;&szlig;igen Paar verabschieden.\n<\/p><p class=\"emoNormal\">\n&nbsp;\n<\/p><h1>Fazit<\/h1><p class=\"emoNormal\">\n95% des allt&auml;glichen Spiels sind ABC-Poker. Trotzdem sollten wir das Mittel &bdquo;Bluffen&ldquo; in unser Arsenal aufnehmen, da wir so zus&auml;tzliche P&ouml;tte gewinnen k&ouml;nnen und uns zudem schwerer lesbar machen. Allerdings m&uuml;ssen wir die Situationen zum Bluffen sorgf&auml;ltig ausw&auml;hlen. Generell muss man sich fragen, ob wir eine Hand sinnvoll repr&auml;sentieren k&ouml;nnen, ob es wahrscheinlich ist, dass der Gegner eine eher schwache Hand h&auml;lt und ob er &uuml;berhaupt in der Lage ist zu folden. Gerade auf den unteren Limits ist der letzte Punkt nicht gegeben und man wird auch von Bottom Pairs heruntergecallt &ndash; gegen solche Gegner kann man nicht profitabel bluffen! Wenn der Gegner allerdings in der Lage ist uns auf eine starke Hand zu setzen wenn wir stark betten oder raisen, sollten wir unser m&ouml;glichstes tun eine konsistente &bdquo;Geschichte&ldquo; zu erz&auml;hlen, damit er beruhigt folden kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Poker ist Bluffen, so lernt man es im Fernsehen. Doch ein gro\u00dfer Teil des wirklichen Spiels ist reines ABC-Poker. 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