	{"id":53223,"date":"2008-01-24T21:54:00","date_gmt":"2008-01-24T21:54:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pokerstrategy.com\/de\/strategy\/907\/"},"modified":"2026-03-12T10:50:08","modified_gmt":"2026-03-12T10:50:08","slug":"907","status":"publish","type":"strategy","link":"https:\/\/www.pokerstrategy.com\/de\/strategy\/weekly-no-limit\/907\/","title":{"rendered":"Downswing - Einfach nur Pech?"},"content":{"rendered":"<?xml encoding=\"utf-8\" ?><h1>Downswing - Einfach nur Pech? <\/h1><h1>Einleitung<\/h1><p>\nDiese Woche m&ouml;chte ich ein Thema besprechen, dass jeden fr&uuml;her oder sp&auml;ter betreffen wird: den Downswing. Nat&uuml;rlich w&uuml;nschen wir uns alle, dass wir kontinuierlich unsere Bankroll immer weiter ausbauen. Doch teilweise spielen wir zig-tausend H&auml;nde break even - oder noch schlimmer: wir verlieren &uuml;ber einen l&auml;ngeren Zeitraum in fast jeder Session.\n<\/p><p>\n<br>\nSowohl Upswings als auch Downswings geh&ouml;ren zum Poker einfach dazu. Man kann die Intensit&auml;t zwar etwas beeinflussen (z.B. weisen manche Spielarten, wie das Heads-up-Spiel, eine weit h&ouml;here Varianz auf; ebenso kann man durch Pushen in 51-49 Situationen zwar die Winrate etwas erh&ouml;hen, aber man muss auch mit einer viel gr&ouml;&szlig;eren Varianz im Vergleich zu einer konservativen Spielweise leben), aber ganz vermeiden lassen sich die Swings nicht. Da uns ein Upswing nicht so sehr st&ouml;rt wie ein Downswing, besch&auml;ftigen wir uns mit letzterem und betrachten zum einen die Gr&uuml;nde f&uuml;r einen Downswing und zum anderen was man machen kann, wenn man in einem Downswing steckt.\n<\/p><p>\n&nbsp;\n<\/p><p>\n&nbsp;\n<\/p><h1>Habe ich einfach nur Pech?<\/h1><p>\nDie meisten Spieler (sowohl Anf&auml;nger als auch Fortgeschrittene) antworten auf die Frage nach dem Grund f&uuml;r Ihren Downswing mit \"Ich habe andauernd Pech\". \"Pech\" ist quasi die negative Seite der Varianz. Wir kennen alle Situationen wie folgende:\n<\/p><ul>\n<li>Wir halten KK, erh&ouml;hen preflop, ein Spieler erh&ouml;ht nochmal und es kommt zum preflop All-In - nat&uuml;rlich zeigt unser Gegner AA. Wir waren zwar hinten, aber das Setup war einfach ungl&uuml;cklich.<\/li>\n<li>Wir halten AA und kommen preflop all-in, der Gegner zeigt KK - nat&uuml;rlich kommt ein K auf dem Board. Wir waren zu 80% Favorit (der Gegner hat trotzdem keinen Fehler gemacht) und verlieren ungl&uuml;cklich.<\/li>\n<li>Wir haben ein Set am Flop getroffen und es kommt zu einem All-In. Der Gegner hat nur einen Gutshot, trifft diesen aber. Auch hier waren wir gro&szlig;er Favorit und unser Gegner hat &auml;u&szlig;erst schlecht gespielt, gewinnt aber den Pot.<\/li>\n<\/ul><p>\n<br>\nLetztlich hat man in fast jeder l&auml;ngeren Session entsprechende Situationen. Man ist gro&szlig;er Favorit und verliert trotzdem, oder man schiebt alle Chips mit einer starken Hand korrekterweise in die Mitte und stellt dann fest in ein ung&uuml;nstiges Setup gerannt zu sein. Meistens gewinnen wir als guter Spieler aber &ouml;fter in entsprechenden Favoriten-Situationen und schieben seltener unsere Chips als Underdog in die Mitte. Entsprechend machen wir mittel- bis langfristig Gewinn.\n<\/p><p>\n<br>\nKurzfristig kann es dadurch aber auch verlustreiche Sessions geben. Kritisch wird es, wenn die verlustreichen Sessions &uuml;ber einen l&auml;ngeren Zeitraum anhalten. Nat&uuml;rlich ist es theoretisch auch m&ouml;glich als guter Winningplayer einen Downswing &uuml;ber 100.000 H&auml;nde zu haben - es ist nur einfach extrem unwahrscheinlich.\n<\/p><p>\n<br>\nEntsprechend muss man sich bei einem l&auml;nger anhaltenden Downswing fragen, woran es denn liegt. Es ist nur allzu menschlich die \"Schuld\" an den negativen Sessions auf das Gl&uuml;ck der Gegner, den b&ouml;sen Pokeranbieter oder irgendwo anders zu suchen - nur eben nicht bei sich selbst. Doch genau das bringt einen als Spieler nicht weiter.\n<\/p><p>\n&nbsp;\n<\/p><p>\n&nbsp;\n<\/p><h1>Oft ist ein Downswing nicht nur Pech...<\/h1><p>\nIch bin der Meinung, dass der gr&ouml;&szlig;ere Teil der \"Schuld\" an einem Downswing bei den meisten Spielern die eigene Spielweise und nicht einfach nur Pech ist (der Autor spricht hier aus Erfahrung ;)). Entsprechend rate ich jedem, nicht sofort alles auf Pech in einer Situation wie \"Set over Set am Flop\" zu schieben. Gegen wirkliches Pech kann man eh nichts machen, insofern sind diese Situationen nicht sonderlich interessant. Vielmehr sollte man sich anschauen, ob alle anderen H&auml;nde korrekt gespielt wurden - denn wie anfangs gesagt hat man entpsrechende negative Situationen in fast jeder Session. Trotzdem ist man sonst oft als Gewinner vom Tisch gegangen...\n<\/p><p>\n<br>\nAus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass gr&ouml;&szlig;ere Verluste meistens aus Abweichungen vom idealen Spiel herr&uuml;hrten - nicht aus ungl&uuml;cklichen Situationen. Insbesondere in einer ,wo man &ouml;fter Verluste macht, h&auml;ufen sich diese Abweichungen:\n<\/p><ul>\n<li><b>Tilt<\/b><\/li>\n<\/ul><p>\nWer kennt es nicht: man hat eine Session in der einfach nichts klappt. Jede Continuation Bet wird geraist, immer wenn wir mal mit AQ oder AJ preflop raisen bekommen wir eine 3-Bet und wenn wir eine richtig starke Hand haben will niemand mitspielen. Besonders problematisch ist es, wenn man immer wieder mit einem bestimmten Gegner aneinander ger&auml;t (der in unseren Augen meistens auch noch ein Fisch ist). Wir &auml;rgern uns, werden w&uuml;tend und treffen schlechte Entscheidungen - oft kosten die uns dann einen ganzen Stack.\n<\/p><p>\n&nbsp;\n<\/p><ul>\n<li><b>Grinding, Multitabling und Leaks<\/b><\/li>\n<\/ul><p>\nWenn man l&auml;nger auf einem Limit spielt geht man oft dazu &uuml;ber eine Menge Tische zu spielen. Ich selbst spiele mittlerweile 9-12 Tische parallel - je nachdem wie viele zur Verf&uuml;gung stehen. Hierbei muss man sich klar machen, dass man niemals sein A-Game spielt. Man hat einfach keine Zeit &uuml;ber jeden Spielzug 10 Sekunden nachzudenken, da dann schon wieder 5 Tische hektisch blinken. Multitabling ist letztlich ein Spiel wie im Autopilot-Modus. Man erkennt sehr schnell die \"in der Regel\" sinnvollen Standardmoves, kann sich aber nicht auf jeden einzelnen Gegner einstellen und auch nicht sein Spiel analysieren.\n<\/p><p>\n<br>\nZudem &auml;ndert man oft (unbemerkt) seine Standardspielweise mit der Zeit - anfangs hier und da mal ein suited connector aus mittlerer Position an relativ tighten geraist wird so etwas evtl. zum Standard gemacht. Oder man hat in letzter Zeit Minraises immer wieder gecallt und oft einen Bluff gesehen und callt daher diese jetzt standardm&auml;&szlig;ig immer. Solche &Auml;nderungen k&ouml;nnen kurzzeitig gut aussehen, sind aber oft langfristig nicht profitabel. Durch die Anwendung als \"Standardmove\" bei mehreren Tischen k&ouml;nnen so schnell Leaks, also Schw&auml;chen im eigenen Spiel entstehen, die langfristig Verluste bringen.\n<\/p><p>\n&nbsp;\n<\/p><ul>\n<li><b>Scared Money<\/b><\/li>\n<\/ul><p>\nInsbesondere, wenn man f&uuml;r ein bestimmtes Limit eine relativ knappe Bankroll hat, kommt der Effekt des \"scared moneys\" zum tragen. Man m&ouml;chte die Verluste so gering wie m&ouml;glich halten und vermeidet daher das Spiel um gr&ouml;&szlig;ere P&ouml;tte ohne die Nuts. So werden dann z.B. Monster-Draws am Flop auf eine Bet nur noch gecallt, auch wenn ein Raise oft viel profitabler ist. Man hat ja noch keine Made Hand und will daher nicht viel riskieren - dieser Gedanke ist ein kapitaler Fehler!\n<\/p><p>\n&nbsp;\n<\/p><p>\n&nbsp;\n<\/p><h1>Was kann ich &auml;ndern?<\/h1><p>\nWie bereits geschrieben: an dem Faktor \"Pech\" k&ouml;nnen wir nicht viel &auml;ndern. Allerdings sollten wir uns gerade in einem Downswing mehr unserem eigenen Spiel zuwenden und darauf achten, dass wir gutes Poker spielen.\n<\/p><p>\n&nbsp;\n<\/p><ul>\n<li><b>Tilt<\/b><\/li>\n<\/ul><p>Gegen das Tilten kann man schwer allgemeing&uuml;ltige Empfehlungen geben, da es eine sehr personenbezogene Angelegenheit ist. Es gibt Spieler, die haben noch nie getiltet. Anderen Spieler kommt der Dampf schon aus den Ohren wenn sie einen Coinflip verlieren.<\/p><p>Wenn ich merke, dass ich gerade nicht gut spiele und evtl. zu tilten anfange schalte ich sofort \"Autopost Blinds\" aus und spiele nur noch sehr tight die Tische zu Ende. Daneben achte ich darauf, nicht ver&auml;rgert an die Tische zu gehen - sei es durch &Auml;rger beim Poker oder sonstige schlechte Stimmung. Im Zweifelsfall rate ich dazu, einfach mal ein paar Tage gar nicht zu spielen um wieder Lust auf das Spiel zu bekommen.<\/p><p>\n&nbsp;\n<\/p><p>\n&nbsp;\n<\/p><ul>\n<li><b>Multitabling<\/b> <\/li>\n<\/ul><p>Ein weiterer Punkt, den man meines Erachtens in einem Downswing machen sollte, ist das Spiel an wenigen Tischen. Jeder der denkt er w&uuml;rde auch bei 10 Tischen optimal spielen sollte sich einfach mal an 2 Tische setzen. Auf einmal wird man feststellen wie viel mehr Informationen man von den Gegnern \"lesen\" kann; entsprechend kann man bessere Entscheidungen treffen. Zudem hat man so wieder Zeit &uuml;ber jeden Spielzug intensiv nachzudenken: \"Auf welche Range setze ich meinen Gegner?\", \"Was ist mein Standardmove?\", \"W&uuml;rde eine alternative Spielweise nicht mehr Sinn machen?\", \"Unter welchen Bedingungen sollte man wie spielen?\". All das ist beim Spiel an vielen Tischen gleichzeitig nicht machbar.<\/p><p>\n&nbsp;\n<\/p><p><\/p><ul>\n<li><b>Handanalyse<\/b><\/li>\n<\/ul><p>\nEbenso sollte man die gespielten H&auml;nde intensiv analysieren um Leaks oder zumindest fragw&uuml;rdige H&auml;nde zu identifizieren. Ich rate dazu, nie direkt nach dem Spiel eine Analyse zu machen, sondern am besten am n&auml;chsten Tag. Zum einen schaue ich mir an, mit welchen H&auml;nden ich am meisten Gewinn und am meisten Verlust gemacht habe. \"Waren die H&auml;nde richtig gespielt?\", \"Habe ich den Gegner auf die korrekte Range gesetzt?\", \"Habe ich gut protectet? War der Call nach Odds ok?\" - all das sind Fragen die man sich stellen sollte. Ebenso rate ich aber auch dazu, sich einfach mal 100 aufeinanderfolgende H&auml;nde aus der Session zu nehmen und diese anzuschauen: \"Folde ich evtentuell preflop H&auml;nde, die ich profitabel limpen kann?\", \"Macht es Sinn immer limp\/call zu spielen um dann am Flop aufgeben zu m&uuml;ssen?\", \"Spiele ich die meisten H&auml;nde in Position oder spiele ich zu viel out of position?\".\n<\/p><p>\n<br>\nDie Analyse nach dem Spiel ist ein ganz wichtiger Aspekt, da man viele fragw&uuml;rdige H&auml;nde w&auml;hrend des Spiels gar nicht als solche erkennt.\n<\/p><p>\n&nbsp;\n<\/p><p>\n&nbsp;\n<\/p><ul>\n<li><b>Scared Money<\/b><\/li>\n<\/ul><p>\nUm nicht mit scared money zu spielen sollte man einfach mal auf das n&auml;chst niedrigere Limit wechseln. Das hat zwei positive Effekte: zum einen hat man wieder eine ordentliche Bankroll (im relativen Sinne, also die Anzahl der Buyins f&uuml;r das Limit verdoppelt sich) und spielt nicht mehr um scared money. Zum anderen hat man auf dem niedrigeren Limit in der Regel etwas schw&auml;chere Gegner - genau das richtige um in einem Downswing wieder Selbstvertrauen zu tanken, zu alter St&auml;rke zur&uuml;ck zu kehren um dann wieder auf das n&auml;chste Limit zu wechseln.\n<\/p><p>\n&nbsp;\n<\/p><p>\n&nbsp;\n<\/p><h1>Fazit<\/h1><p>\nDer langfristige Erfolg oder Misserfolg ergibt sich durch die eigenen Entscheidungen. Sicherlich kann man kurzfristig trotz perfektem Spiel Verluste haben - meist ist Pech aber gar nicht der Hauptgrund f&uuml;r einen Downswing.\n<\/p><p>\n<br>\nOft schleichen sich &uuml;ber einen l&auml;ngeren Zeitraum Schw&auml;chen ins Spiel ein (bzw. man hat die Schw&auml;chen schon immer), die sich in einem Downswing besonders stark bemerkbar machen. Hier hilft es nicht, wegen vielen ungl&uuml;cklichen Situationen zu jammern, sondern man sollte sich viel Zeit nehmen das eigene Spiel zu analysieren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Diese Woche m\u00f6chte ich ein Thema besprechen, dass jeden fr\u00fcher oder sp\u00e4ter betreffen wird: den Downswing. Nat\u00fcrlich w\u00fcnschen wir uns alle, dass wir kontinuierlich unsere Bankroll immer weiter ausbauen. 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