	{"id":53668,"date":"2011-04-22T12:34:00","date_gmt":"2011-04-22T12:34:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pokerstrategy.com\/de\/strategy\/1925\/"},"modified":"2026-03-12T12:05:05","modified_gmt":"2026-03-12T12:05:05","slug":"1925","status":"publish","type":"strategy","link":"https:\/\/www.pokerstrategy.com\/de\/strategy\/poker-psychology\/1925\/","title":{"rendered":"Tiltpr\u00e4vention durch Arbeit am Kern des Problems"},"content":{"rendered":"<?xml encoding=\"utf-8\" ?><h1>Tiltpr&auml;vention durch Arbeit am Kern des Problems <\/h1><h1 align=\"left\">Einleitung<\/h1><p><b><i>In diesem Artikel<\/i><\/b> <\/p><ul class=\"emoList1\">\n<li><i>Die verschiedenen Formen und Auswirkungen von Tilt<br> <\/i><\/li>\n<li><i>Die Bedeutung von Pr&auml;senz und Bewusstsein<br><\/i><\/li>\n<li><i>Der Kern des Problems und wie du daran arbeiten kannst<\/i><\/li>\n<p><i><br><\/i>\n<\/p><\/ul><p><em>Dieser Artikel erreichte den 1. Platz beim Article Contest im April 2011<\/em><\/p><div style=\"text-align: center;margin-bottom: 12px\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.pokerstrategy.com\/wp-content\/uploads\/download\/content\/bilder\/ps_trennlinie.jpg\" alt=\"\" width=\"100%\" height=\"1\"><\/div><p class=\"emoNormal\">Das Schwierige an Psychologieartikeln ist der oft fehlende Beweis f&uuml;r Theorien und Konzepte. Es gibt keine mathematischen Beweise, wie man sie in den meisten Pokerartikeln finden kann. Psychologische Probleme k&ouml;nnen nicht durch Formeln gel&ouml;st werden und oft k&ouml;nnen nur m&ouml;gliche, aber nie garantiert richtige Wege aufgezeigt werden.<\/p><p class=\"emoNormal\">Dieser Artikel ist da keine Ausnahme, die hier dargestellten Problemskizzen, Thesen und L&ouml;sungsvorschl&auml;ge haben nicht den Anspruch, die absolute Wahrheit zu sein. Jeder bewertet Situationen subjektiv und zieht dadurch unter Umst&auml;nden abweichende Schl&uuml;sse.<\/p><h1 style=\"margin-top: 24px\" align=\"left\">Die Wahrheit<\/h1><p class=\"emoNormal\">Dennoch konnte die moderne Neuropsychologie bereits viele psychologische Ph&auml;nomene in ihren biochemischen Abl&auml;ufen darstellen und den Einfluss von diversen Stoffen wie Dopamin auf unsere Psyche aufschl&uuml;sseln. Diese Fakten sind nicht zu leugnen und bieten Pokerspielern eine gute M&ouml;glichkeit zu verstehen, warum ein gesunder Lebensstil ein wichtiger Faktor f&uuml;r erfolgreiches Pokerspiel ist. In diesem Zusammenhang m&ouml;chte ich Somnius' Artikelserie <a href=\"https:\/\/www.pokerstrategy.com\/de\/strategy\/poker-psychology\/1895\/1\/\">Neuropsychologie des Pokerns<\/a> w&auml;rmstens empfehlen.<\/p><p class=\"emoNormal\">Ich werde in diesem Artikel einige neuro(psycho)logische Vorg&auml;nge stark vereinfacht darstellen. Das liegt daran, dass ich kein Neurologe bin und nicht alle Vorg&auml;nge bis ins Detail erkl&auml;ren kann (was allerdings auch nicht n&ouml;tig ist), doch selbst wenn ich dies k&ouml;nnte, w&uuml;rde dies den Rahmen eines Pokerartikels deutlich sprengen.<\/p><p class=\"emoNormal\">W&auml;hrend pokertheoretische Artikel oft auf bereits bestehendes Wissen aufbauen haben pokerpsychologische Artikel oft einen gegenteiligen Effekt: Was wir glaubten zu wissen, wird widerlegt, was wir uns &uuml;ber lange Zeit angeeignet haben &ndash; Gewohnheiten, Glaubenssysteme, Verhaltensmuster -  wird abgelegt. Dazu bedarf es der Bereitschaft, sich selbst kritisch zu hinterfragen und Fehler einzugestehen.<\/p><h1 style=\"margin-top: 24px\" align=\"left\">Definition und Effekte von Tilt<\/h1><p class=\"emoNormal\">Tilt wurde schon oft genug definiert, Tommy Angelos Definition von &bdquo;allem, was nicht A-Game entspricht&ldquo; halte ich dabei f&uuml;r eine der sinnvollsten. Tilt findet nicht nur am Tisch statt, wenn wir unkontrolliert betten und raisen, sondern auch in unauff&auml;lligeren Formen abseits des Tisches. Es soll hier aber auch nicht zur Debatte stehen, was nun alles als Tilt bezeichnet werden kann und was nicht, wichtig ist, dass wir lernen, mit Tilt umzugehen und ihn zu reduzieren.<\/p><p class=\"emoNormal\">Die Effekte von Tilt kennt jeder Pokerspieler aus pers&ouml;nlicher Erfahrung. Sie unterscheiden sich von Spieler zu Spieler, abh&auml;ngig von Charakter und Erfahrung. Bei den einen ist es der pl&ouml;tzliche Limitaufstieg, bei anderen die zerbrochene Tastatur. Aber auch passive Symptome von Tilt k&ouml;nnen beobachtet werden, eines der h&auml;ufigsten ist scared Money. Eines haben alle, die unter Tilt leiden, gemeinsam &ndash; Unzufriedenheit &uuml;ber eine Situation, die so wie sie ist, nicht sein sollte.<\/p><p class=\"emoNormal\">Die Effekte von Tilt k&ouml;nnen verheerend sein. Manche verlieren nur mehr Geld, als sie sollten, andere lassen Tilt Einfluss auf ihr allt&auml;gliches Leben nehmen und der RNG ihrer Pokerseite bestimmt pl&ouml;tzlich nicht nur die Karten, sondern auch die allgemeine Lebensfreude. Wer unter Depressionen leidet, die durch Poker bedingt sind, sollte sein Heil nicht in einem Artikel suchen. Professionelle Hilfe ist hier angebracht.<\/p><p class=\"emoNormal\">N&auml;chtliche, &uuml;berlange Sessions um Verluste auszugleichen, resultieren oft in M&uuml;digkeit und Abgeschlagenheit, was sich dann oft direkt auf die n&auml;chste Session auswirkt.<\/p><p class=\"emoNormal\">Verdru&szlig; &uuml;ber Verluste f&uuml;hrt oft zu Faulheit, die Motivation fehlt, um sich mit dem eigenen Spiel kritisch auseinander zu setzen, das Ergebnis sind oft weitere Verluste, die Motivation sinkt noch weiter. Oft geraten Spieler in einen Teufelskreis und werden sich ihrer Lage erst bewusst, wenn sie gro&szlig;e Teile ihrer Bankroll verlieren. Diese Forenposts beginnen dann meist mit den Worten &bdquo;Ich habe schon x% meiner Bankroll verloren, Hilfe!&ldquo;<\/p><h1 style=\"margin-top: 24px\" align=\"left\">Symptombehandlung<\/h1><p class=\"emoNormal\">Viele Konzepte, die in jedem neuen Hilfegesuch bei Tiltproblemen wie am Band abgespult werden, haben das Problem, dass sie nur die Symptome von Tilt behandeln. Ein Stop-Loss heilt das Symptom - viel Geld zu verlieren - hilft dem Spieler aber keineswegs weiter, den Grund f&uuml;r diese Verluste zu beseitigen. Ein Stop-Loss ist ein gutes Konzept, um kurzfristig Schadensregulierung zu betreiben, sollte aber keinesfalls auf lange Sicht als Gewohnheit &uuml;bernommen werden. Es geht nicht darum zu tilten und dann aber bei einer bestimmten Summe aufzuh&ouml;ren zu spielen, es geht darum, erst gar nicht zu tilten.<\/p><p class=\"emoNormal\">Oft wird ein Stop-Loss mit der Begr&uuml;ndung der Tiltpr&auml;vention praktiziert. Auch hier gilt es, daran zu arbeiten, weniger zu tilten und eine h&ouml;here Toleranzgrenze zu entwickeln.<\/p><p class=\"emoNormal\">Andere Ratschl&auml;ge wie H&auml;nde posten, Videos aufnehmen oder einen Freund &uuml;ber die Schulter schauen lassen, arbeiten ebenfalls nicht am Ursprung des Problems. All dies kann helfen, um die negativen Effekte von Tilt einzud&auml;mmen und sich einschleichende Fehler aufzudecken. Allerdings bleibt der Tilt selbst unbehandelt, er wird wiederkommen und die Geschichte geht von vorne los.<\/p><h1 style=\"margin-top: 24px\" align=\"left\">Die Wurzel des B&ouml;sen<\/h1><p class=\"emoNormal\">Wie k&ouml;nnen wir dann das Problem selbst, den Tilt, l&ouml;sen? Dazu muss man verstehen, was Tilt ausl&ouml;st und was in unseren K&ouml;pfen vorgeht.<\/p><p class=\"emoNormal\">Wie bereits gesagt, ist Tilt immer gleichbedeutend mit Unzufriedenheit &uuml;ber eine Situation, die so wie sie ist, nicht sein sollte. In der Mehrheit der F&auml;lle ist dies der Verlust von mehr Geld als zu erwarten gewesen w&auml;re, eher ein Luxusproblem ist es, nicht so viel zu gewonnen zu haben, wie zu erwarten gewesen w&auml;re. Andere Tiltausl&ouml;ser k&ouml;nnen z.B. das Verhalten oder Kommentare von Mitspielern sein.<\/p><p class=\"emoNormal\">Hier machen wir einen grundlegenden Fehler, indem wir meinen zu wissen, wie eine Situation sein sollte. Wir denken, wir kennen die Wahrheit: &bdquo;Diese Hand h&auml;tte ich gewinnen sollen.&ldquo; Unsere subjektive Sicht der Welt erlaubt es uns nicht, die Wahrheit zu kennen. Unsere Erinnerungen und Glaubenssysteme projizieren ein Weltbild, welches wir lediglich f&uuml;r die Wahrheit halten.<\/p><p class=\"emoNormal\">Wer f&uuml;nf Coinflips am St&uuml;ck verliert und daraufhin tiltet, der geht davon aus, dass er das Recht hat, nicht f&uuml;nfmal in Folge zu verlieren und dies eine v&ouml;llige unfaire Situation ist. Jeder Pokerspieler sollte &uuml;ber seine Odds Bescheid wissen und sich klar machen, dass jeder Downswing, so unwahrscheinlich er auch sein mag, letztlich dennoch fair ist.<\/p><p class=\"emoNormal\">Die meisten Spieler sind sich dieser Tatsache durchaus bewusst, tilten aber dennoch. Der Grund ist, dass das Wissen &uuml;ber die Wahrscheinlichkeiten und die Legitimit&auml;t von Downswings in einer Bewusstseinsebene sitzt, die bei einem Ausbruch von Tilt nicht mehr aktiv ist. On Tilt setzen chemische Reaktionen in unserem Hirn ein, welche jegliche Rationalit&auml;t unm&ouml;glich machen. Es ist &auml;u&szlig;erst schwierig diesen Ablauf zu stoppen und aus der Bewusstseinsebene 'Tilt' herauszutreten. Wer damit besonders gro&szlig;e Probleme hat, w&auml;re mit einem Stop-Loss gut bedient. Dennoch sollte man weiterhin an diesem Problem arbeiten und sich nicht auf den Stop-Loss verlassen.<\/p><p class=\"emoNormal\">Letztlich identifzieren wir uns v&ouml;llig mit dem Bild, das wir in unserem Kopf kreiert haben, ohne jegliches Bewusstsein dar&uuml;ber, was gerade vor sich geht. Das Wort &bdquo;identifizieren&ldquo; stammt aus dem lateinischen &bdquo;idem&ldquo; (dasselbe) und &bdquo;facere&ldquo; (machen). Identifizieren bedeutet also zum Selben machen &ndash; womit? Mit unserem Ego. Womit auch immer wir uns identifizieren, wir machen es zu einem Teil unserer Identit&auml;t.<\/p><p class=\"emoNormal\">Wenn wir uns als Pokerspieler betrachten, identifzieren wir uns automatisch mit unserer Bankroll. Ein paar Zahlen auf einem Bildschirm werden Teil von uns und geh&ouml;ren von nun an zu uns. Aber was besitzen wir wirklich? Wenn wir uns auf die Stra&szlig;e stellen, auf ein Hochhaus zeigen und sagen &bdquo;Das geh&ouml;rt mir&ldquo;, dann erz&auml;hlen wir eine Geschichte in der &bdquo;Ich&ldquo; und ein Geb&auml;ude miteinander eins werden. Stimmen alle Leute zu, gibt es Dokumente dar&uuml;ber, stimmt keiner zu, werden wir zum Psychiater geschickt. Egal welcher der beiden F&auml;lle zutrifft, letztlich hat es &uuml;berhaupt nichts damit zu tun, wer wir sind. Viele Menschen realisieren dies erst an ihrem Totenbett, kurz bevor sie sterben. Alle Konzepte von Besitz und Haben werden bedeutungslos.<\/p><h1 style=\"margin-top: 24px\" align=\"left\">Reizverarbeitung &ndash; Reaktion als Mindset<\/h1><p class=\"emoNormal\">Die Welt in der wir leben ist voll von Reizen. Licht, also alles was wir sehen k&ouml;nnen, Ger&auml;usche, Ger&uuml;che usw. St&auml;ndig werden wir mit diesen Reizen bombardiert, viel zu viele, um sie alle bewusst wahrzunehmen. Die meisten werden unterbewusst verarbeitet, z.B. konzentrieren wir uns beim Pokerspielen auf die Geschehnisse am Bildschirm und h&ouml;ren dadurch leise Hintergrundger&auml;usche wie das Summen der Computerk&uuml;hlung nicht mehr. Dennoch ist dieses Summen existent und wird von unserem Unterbewusstsein wahrgenommen.<\/p><p class=\"emoListintro\">Auch k&ouml;rperliche Abl&auml;ufe wie Verdauung und Herzschlag werden vom Unterbewusstsein verarbeitet und gelangen nie ins Bewusstsein. Die komplette Au&szlig;enwelt manifestiert sich dabei in unserem Gehirn durch Reize, alles was wir sehen ist Licht, das auf Rezeptoren in unserem Auge trifft und vom Gehirn zusammengef&uuml;gt wird. T&ouml;ne sind vibrierende Luft, ein Geschmack oder Geruch chemische Vorg&auml;nge. Jeder Reiz, den wir bewusst wahrnehmen, wird in vier Schritten abgewickelt:<\/p><ul class=\"emoList1\">\n<li><b>1. Wahrnehmung<\/b><br> Im ersten Schritt wird die Art des Reizes wahrgenommen, z.B. Licht.<\/li>\n<li><b>2. Erkennung<\/b><br> Im zweiten Schritt erkennen wir den Reiz, den wir in Schritt 1 registriert haben. Zum Beispiel eine bestimmte Karte, sagen wir das <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn-origin.pokerstrategy.com\/oldresources\/de\/PICS\/news\/Deck\/Ah.png\" alt=\"Ah\" title=\"Ah\" width=\"24\" height=\"13\" align=\"absmiddle\"> am River.<\/li>\n<li><b>3. Bewertung<\/b><br> Als n&auml;chstes wird die Information aus Schritt 2 bewertet. Die Information &bdquo;<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn-origin.pokerstrategy.com\/oldresources\/de\/PICS\/news\/Deck\/Ah.png\" alt=\"Ah\" title=\"Ah\" width=\"24\" height=\"13\" align=\"absmiddle\">&ldquo; wird mit bereits vorhandenen Informationen abgeglichen. Eine solche Information k&ouml;nnte z.B. sein, dass unser Gegner AA h&auml;lt und wir ein Set. Daraus folgt die Bewertung &bdquo;negativ&ldquo;, da in diesem Fall das<b> <\/b><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn-origin.pokerstrategy.com\/oldresources\/de\/PICS\/news\/Deck\/Ah.png\" alt=\"Ah\" title=\"Ah\" width=\"24\" height=\"13\" align=\"absmiddle\"> einen bad Beat f&uuml;r uns bedeutet.<\/li>\n<li><b>4. Reaktion<\/b><br> Im letzten Schritt reagieren wir auf die Bewertung aus Schritt 3, in unserem Beispiel z.B. mit Wut.<\/li>\n<\/ul><p class=\"emoNormal\">Wenn wir Tilt vermeiden wollen, also nicht mehr mit der Emotion &bdquo;Wut&ldquo; auf den Reiz&nbsp;<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn-origin.pokerstrategy.com\/oldresources\/de\/PICS\/news\/Deck\/Ah.png\" alt=\"Ah\" title=\"Ah\" width=\"24\" height=\"13\" align=\"absmiddle\"> reagieren wollen, m&uuml;ssen wir einen Weg finden, um in diesen vierteiligen Proze&szlig; einzugreifen. Auf die Suche nach einer solchen M&ouml;glichkeit begab sich schon vor rund 2500 Jahren ein gewisser Siddhartha Gautama, vielen eher als Buddha bekannt.<\/p><p class=\"emoNormal\">Die ersten zwei Schritte k&ouml;nnen und wollen wir nicht beeinflussen. Den dritten Schritt k&ouml;nnen wir - das Beispiel macht dies klar - ebenfalls nicht beeinflussen. Bad Beats wird es immer geben, genauso wie uns immer wieder unangenehme Situationen im Leben begegnen. Buddha erkannte dies und formulierte seine erste edle Wahrheit: &bdquo;Leben ist dukkha.&ldquo; Wobei dukkha gew&ouml;hnlich mit &bdquo;Leiden&ldquo; &uuml;bersetzt wird.<\/p><p class=\"emoNormal\">Die einzige M&ouml;glichkeit bietet also ein Einschreiten in Schritt 4, unserer eigenen Reaktion. Diese Reaktion findet stets unterbewusst statt, wir entscheiden uns nicht, w&uuml;tend zu sein, wir sind es einfach. Schaffen wir es allerdings, diesen Schritt in unser Bewusstsein zu rufen, k&ouml;nnen wir ihn unterbinden und die Tatsache, dass wir soeben einen bad Beat hinnehmen mussten, mit unserem rationalen Verstand bewerten. Im Poker wird oft der Begriff Mindset verwendet, dieses nicht-reaktive Mindset ist die zentrale Lehre des Buddhismus und der Weg zu einem gl&uuml;cklicheren und bewussteren Leben.<\/p><h1 style=\"margin-top: 24px\" align=\"left\">Aktion statt Reaktion<\/h1><p class=\"emoNormal\">Wie bereits in Kapitel 5 angesprochen ist das Mittel zum Erfolg, die unbewusste Reaktion auf einen Reiz zu unterbinden. Dies erm&ouml;glicht eine bewusste Auseinandersetzung mit Geschehnissen. Wir k&ouml;nnen rational agieren, statt irrational zu reagieren.<\/p><p class=\"emoNormal\">Das unterbewusste Reagieren ist eine Gewohnheit, die sich seit unserer Geburt immer st&auml;rker in unseren K&ouml;pfen manifestiert, entsprechend schwierig ist es auch, sich dieses Verhalten abzugew&ouml;hnen. Man kann hier bedingt Vergleiche mit Suchtkranken ziehen. Je l&auml;nger ein Mensch beispielsweise Drogen zu sich nimmt, desto schwieriger ist es, ihm dieses unterbewusste Verhaltensmuster von Verlangen nach Mehr abzugew&ouml;hnen.<\/p><p class=\"emoNormal\">Das soll aber nicht bedeuten, dass die &auml;lteren Strategen unter uns schlechtere Karten haben. Verschiedene Menschen haben diese Verhaltensweise in verschiedener Intensit&auml;t verinnerlicht, wer z.B. viel Sport aus&uuml;bt, kennt das Gef&uuml;hl von voller Pr&auml;senz, und jedes Mal, wenn wir v&ouml;llig pr&auml;sent sind, machen wir einen kleinen Schritt in die richtige Richtung.<\/p><p class=\"emoNormal\">Wohin f&uuml;hrt uns der Weg letztlich? Buddhisten nennen es Erleuchtung. Erleuchtung ist ein Mindset bei dem ein Mensch nie unterbewusst auf Reize reagiert, sondern stets bewusst agiert. Dies darf nicht so verstanden werden, dass eine solche Person nicht instinktiv die Hand von einer hei&szlig;en Herdplatte wegziehen w&uuml;rde, denn diese Verhaltensweise ist noch viel tiefer in unserem Unterbewusstsein verankert, genauso wie die Steuerung der Organe.<\/p><p class=\"emoNormal\">Der Weg zu diesem Mindset ist ein sehr langer Weg. Buddhistische M&ouml;nche widmen ihr ganzes Leben dieser Aufgabe und gelangen zu gro&szlig;en Teilen nicht ans Ziel. Andere haben nie etwas von diesem Sachverhalt geh&ouml;rt und f&uuml;hren ein v&ouml;llig erleuchtetes Leben, wieder andere erleiden schwere Schicksalsschl&auml;ge, welche pl&ouml;tzlich einen Perspektivwechsel erm&ouml;glichen.<\/p><p class=\"emoNormal\">Ein von seinem reaktiven Unterbewusstsein gesteuerter Mensch ist wie eine Marionette. Die &auml;u&szlig;eren Reize ziehen an den F&auml;den, dem Unterbewusstsein. Dieses reagiert auf externe Reize und wir sind nichts anderes als Marionetten unseres Unterbewusstseins. Wenn wir es schaffen, diesen Prozess zu unterbinden, die F&auml;den durchzuschneiden, dann k&ouml;nnen wir uns frei bewegen.<\/p><p class=\"emoNormal\">Reaktion bedeutet aber nicht nur Reaktion auf Schlechtes, auch auf positive Reize reagieren wir. Wir bekommen ein k&ouml;stliches Essen serviert und sofort reagiert unser Unterbewusstsein mit dem Verlangen nach mehr. Haben wir aufgegessen, f&auml;ngt das Leiden an. Zugegeben, in diesem Beispiel ist das Leid nicht von besonders gro&szlig;em Ausma&szlig;, in anderen F&auml;llen kann anf&auml;ngliches Gl&uuml;ck aber auch gro&szlig;es Leiden bringen. Da w&auml;re der Verlust von Besitz, z.B. Geld. Als Pokerspieler kennen wir die zwei Seiten der Medaille: Freude &uuml;ber gewonnenes Geld, Wut und Trauer &uuml;ber verlorenes Geld.<\/p><p class=\"emoNormal\">Aus diesem Grund stand im antiken Rom hinter jedem General, der gerade einen Siegeszug durch eine Stadt feierte, ein Sklave mit dem Hinweis &bdquo;Memento Mori&ldquo; (Gedenke des Todes). Dies bedeutet allerdings nicht, dass wir letztlich zu neutralen, gef&uuml;hllosen Menschen werden. Wir k&ouml;nnen immer noch die Vorz&uuml;ge von materiellem Wohlstand genie&szlig;en, werden ihn aber nicht vermissen, wenn wir pl&ouml;tzlich nichts mehr besitzen.<\/p><p class=\"emoListintro\">Im Buddhismus wird der Begriff &bdquo;dharma&ldquo; (Sanskrit) oder &bdquo;dhamma&ldquo; (Pali) benutzt und ist unter anderem der Begriff f&uuml;r Buddhas Lehre. Eine alte indische Kurzgeschichte beschreibt sehr anschaulich, wie ein nicht-reaktives Mindset im Alltag in Erscheinung treten kann:<\/p><p class=\"emoNormal\">Eine Mutter hatte drei S&ouml;hne. Sie gibt dem ersten Sohn eine leere Flasche und 10 Rupien, um &Ouml;l zum Kochen zu kaufen. Der Sohn zieht los und kauft das &Ouml;l, doch auf dem R&uuml;ckweg f&auml;llt er und versch&uuml;ttet die H&auml;lfte. Er kehrt weinend zur&uuml;ck nach Hause und berichtet seiner Mutter, dass er die H&auml;lfte des &Ouml;ls versch&uuml;ttet hat.<\/p><p class=\"emoNormal\">Die Mutter schickt ihren zweiten Sohn los, ebenfalls mit einer Flasche und 10 Rupien. Wie es der Zufall will, f&auml;llt auch dieser auf dem Weg nach Hause und versch&uuml;ttetet die H&auml;lfte des &Ouml;ls. Er kehrt fr&ouml;hlich zur&uuml;ck und berichtet seiner Mutter, dass er die H&auml;lfte des &Ouml;ls retten konnte.<\/p><p class=\"emoNormal\">Dann schickt die Mutter auch ihren dritten Sohn, einen Dhamma-Jungen, los. Ebenfalls mit einer leeren Flasche und 10 Rupien kauft er das &Ouml;l und auch er f&auml;llt auf dem R&uuml;ckweg und versch&uuml;ttet die H&auml;lfte. Er kehrt zur&uuml;ck nach Hause und berichtet, dass er froh ist, die H&auml;lfte noch gerettet zu haben, ihm ist aber auch bewusst, dass er die H&auml;lfte versch&uuml;ttet hat und er werde heute Abend auf dem Markt arbeiten, um 5 Rupien zu verdienen und die Flasche wieder zu f&uuml;llen.<\/p><p class=\"emoNormal\">Es gibt viele Fallen auf dem Weg zu diesem nicht-reaktiven Mindset. Zum Beispiel ist das Streben nach diesem Status schon das Gegenteil von dem, was eigentlich erreicht werden soll und damit ein Schritt in die falsche Richtung. Wer &bdquo;Erleuchtung&ldquo; erreichen m&ouml;chte schafft dukkha, indem er nach etwas verlangt. Im Zen-Buddhismus hei&szlig;t es, dass einst ein Sch&uuml;ler seinen Meister gebeten hat, ihm irgendetwas zu geben, um Erleuchtung zu erlangen. Der Meister wurde daraufhin traurig und sagte: &bdquo;Ich w&uuml;rde gerne irgend etwas anbieten, um Dir zu helfen, aber im Zen haben wir &uuml;berhaupt nichts.&ldquo;<\/p><p class=\"emoNormal\">Diese v&ouml;llige Leere, frei von W&uuml;nschen, Ablehnung, Wollen usw. ist das hier angesprochene &bdquo;Nichts.&ldquo; In diesem Moment der Leere, des Freiseins von allen Reaktionen, k&ouml;nnen wir die Dinge sehen, wie sie wirklich sind und bewusst agieren.<\/p><p class=\"emoNormal\">\"Wirkliche Freiheit besteht darin, zwischen Reiz und Reaktion einen Moment inne zu halten, um die Reaktion selbst zu bestimmen.\"<\/p><p class=\"emoNormal\">Es gibt viele Metaphern und Sprichworte f&uuml;r diese Philosophie der geistigen &bdquo;Leere&ldquo;, z.B. sagte Jesus &bdquo;Selig sind die Armen im Geiste, denn ihnen ist das Himmelreich\", oder &bdquo;Only when you lost everything (W&uuml;nsche, Ablehnung usw.) you're free to do anything&ldquo; in &bdquo;Fight Club.&ldquo;<\/p><p class=\"emoNormal\">Der Schl&uuml;ssel zu dieser Freiheit, bewusst sein, wird im folgenden Kapitel diskutiert.<\/p><h1 style=\"margin-top: 24px\" align=\"left\">Bewusst sein<\/h1><p class=\"emoNormal\">Sobald wir unsere Gedanken von einer weiteren, im Hintergrund stehenden Bewusstseinsebene als das betrachten k&ouml;nnen, was sie wirklich sind, n&auml;mlich unsere Vorstellungen, wie die Welt sein k&ouml;nnte, m&uuml;sste oder wie wir sie gerne h&auml;tten, gepr&auml;gt von Erinnerungen auf unserem bisherigen Lebensweg, dann h&ouml;ren wir in genau diesem Moment auf, uns mit ihnen zu identifizieren.<\/p><p class=\"emoNormal\">Wer v&ouml;llig mit seinen Gedanken identifiziert ist, befindet sich im gleichen Stadium wie jemand der tr&auml;umt. W&auml;hrend des Traumes sind wir v&ouml;llig mit ihm identifiziert, uns ist nicht bewusst, dass wir tr&auml;umen. Dasselbe gilt f&uuml;r unsere Gedanken, wenn wir uns v&ouml;llig mit ihnen identifizieren.<\/p><p class=\"emoNormal\">Tilt oder Wut generell ist eines der besten Beispiele daf&uuml;r, wenn jemand v&ouml;llig mit seinen Gedanken identifiziert ist. Es fehlt jeglicher Zugang zu einer Bewusstseinebene au&szlig;erhalb der aktuell aktiven.<\/p><p class=\"emoNormal\">Sobald wir an ein Ereignis in der Vergangenheit denken, identifizieren wir uns mit einem vagen Eindruck, den wir von etwas gewonnen haben und f&uuml;r wahr erachten. Sobald wir in die Zukunft denken, konstruieren wir in unseren K&ouml;pfen, wie etwas sein k&ouml;nnte oder sollte, und identifizieren uns damit im selbigen Moment. Jegliches bewusst sein fehlt.<\/p><p class=\"emoNormal\">Der Schl&uuml;ssel liegt im Jetzt. &bdquo;Yesterday's history, tomorrow's a mystery. Today is a gift, that's why it's called the present.&ldquo; Unser Leben findet nur in einem einzigen Moment statt, und der ist genau jetzt. Wenn wir in diesem Moment leben und aus dem Nebel von Vergangenheit und Zukunft, Eindr&uuml;cken und Konzepten heraustreten, dann entfaltet sich sofort das Bewusstsein, welches erlaubt unsere Gedanken zu beobachten und zu kontrollieren.<\/p><p class=\"emoNormal\">Meditation ist nichts anderes als reine Pr&auml;senz und Observation der Gedanken. Dazu sp&auml;ter mehr. Nicht zu verwechseln ist das Schwelgen in Erinnerungen mit dem Abrufen von Informationen, die im gegenw&auml;rtigen Moment hilfreich sein k&ouml;nnen, wie z.B. fr&uuml;her gespielte H&auml;nde. Hier wird gezielt Information abgerufen und im Jetzt verarbeitet, w&auml;hrend die Bad-Beat-Story eine Identifizierung mit den Geschehnissen der letzten Session ist.<\/p><p class=\"emoNormal\">Diese Gegenw&auml;rtigkeit ist f&uuml;r viele ungewohnt und tritt nur in bestimmten Situationen auf. In diesen Situationen f&uuml;hlen wir uns gut, wissen aber im Nachhinein nicht warum. Da w&auml;re z.B. der Fu&szlig;ball-Fan der im Stadion f&uuml;r 90 Minuten all seine Sorgen vergessen kann und im Geiste nur auf dem Platz ist. Der Sportler, der alles um sich herum vergisst oder der T&auml;nzer, der eins wird mit seinem Tanz. Manche machen diese Erfahrung wenn sie arbeiten, z.B. Chirurgen. Das alles sind Momente der absoluten Pr&auml;senz.<\/p><p class=\"emoNormal\">Jetzt da wir verstehen, was in diesen f&uuml;r viele Menschen so besonderen Momenten vorgeht, k&ouml;nnen wir diese Situationen st&auml;ndig herbeif&uuml;hren. Es reicht schon, wenn wir uns bewusst machen, wie beim Gehen unsere Fu&szlig;sohlen die Erde ber&uuml;hren oder wenn wir einfach nur sp&uuml;ren, wie wir gerade in unserem Stuhl vor dem PC sitzen. Mit regelm&auml;&szlig;iger &Uuml;bung werden diese gegenw&auml;rtigen Momente immer h&auml;ufiger, es wird einfacher, die Gedanken zu beobachten, statt sich mit ihnen zu identifizieren und Tilt als das zu entlarven, was er ist, ein Konstrukt unseres Kopfes.<\/p><p class=\"emoNormal\">Mangelndes bewusst sein ist nicht nur N&auml;hrboden f&uuml;r Tilt, sondern kostet uns auch in normalen Phasen Geld. In No-Limit Hold'em sind die gr&ouml;&szlig;ten P&ouml;tte meist die unbedeutendsten. Jeder wird longterm gleich oft mit KK gegen AA verlieren und viele H&auml;nde sind No-Brainer. Gro&szlig;e P&ouml;tte sind sehr oft EV-neutral, da unsere Mitspieler oft genau gleich agieren w&uuml;rden wie wir und wir so keinen Vorsprung auf sie erhalten k&ouml;nnen.<\/p><p class=\"emoNormal\">Kleine P&ouml;tte dagegen machen oft den Unterschied zwischen einem breakeven und einem winning Player. Viele Spieler, die nicht pr&auml;sent genug sind, &uuml;bergehen die kleinen, vermeintlich unbedeutenden H&auml;nde und erfahren starke Einbu&szlig;en in ihrer Winrate. Wer nach einem fischigen Limper im BB mit 72o checkt und auf 35Tr check\/foldet, ist nicht gegenw&auml;rtig. In zwei von drei F&auml;llen hat Villain das Board nicht getroffen und wir k&ouml;nnen den Pot mit einer kleinen Bet gewinnen. Machen wir dies in 100 H&auml;nden dreimal steigern wir unsere Winrate um 3,5BB\/100 (nat&uuml;rlich wird der Fisch auch mal callen und wir erzielen im Endeffekt eine kleinere Steigerung der Winrate). Dennoch fehlt den meisten Spielern die Pr&auml;senz, diese Situation &uuml;berhaupt wahrzunehmen. Sobald wir 72o sehen, schaltet unser Gehirn automatisch auf Fold und wir schenken der Hand keine weitere Beachtung. Auch dies ist eine Abweichung von unserem A-Game und daher laut Defintion Tilt.<\/p><p class=\"emoNormal\">Eine andere Situation, in der uns mangelnde Pr&auml;senz Geld kostet, ist das &Uuml;bersehen von Shortstacks. Wir callen ein Raise mit 67s am BU und stellen einen Moment sp&auml;ter fest, dass wir gerade einen Shortstacker gecallt haben und niemals die n&ouml;tigen Implied Odds erhalten k&ouml;nnen. Das &Uuml;bersehen von wichtigen Stats ist ein weiteres Ph&auml;nomen. Wir callen einen Fullstack am BU mit 67s und stellen dann fest, dass im BB ein Maniac sitzt, welcher jede M&ouml;glichkeit nutzt, um zu squeezen.<\/p><p class=\"emoNormal\">Diese Situationen treffen wir relativ h&auml;ufig an, je erfahrener ein Spieler ist, desto seltener passiert das. Dennoch ist jede einzelne dieser Situationen unn&ouml;tig, vermeidbar und schadet unserer Winrate immens.<\/p><h1 style=\"margin-top: 24px\" align=\"left\">Glaubenssysteme &ndash; Der ewige Loser<\/h1><p class=\"emoNormal\">Viele untersch&auml;tzen die Macht des Unterbewusstseins, manche sind der Meinung, es habe &uuml;berhaupt keinen Einfluss auf sie.<\/p><p class=\"emoNormal\">Wenn wir uns aber vergegenw&auml;rtigen, welche Aufgaben das Unterbewusstsein &uuml;bernimmt, dann wird schnell klar, wie viel Einfluss es auf uns haben kann. Es steuert unsere Atmung, so lange wir sie nicht ins Bewusstsein rufen, reguliert unseren Herzschlag und ist f&uuml;r die Verdauung zust&auml;ndig.<\/p><p class=\"emoNormal\">Unter Hypnose wird ein Weg in das Unterbewusstsein des Probanden ge&ouml;ffnet, ab diesem Punkt sind die M&ouml;glichkeiten vielf&auml;ltig. Man kann Glaubenssysteme in das Unterbewusstsein einpflanzen und der Proband glaubt pl&ouml;tzlich, ein Huhn zu sein oder sp&uuml;rt einen Ekel gegen&uuml;ber Zigaretten. Man kann Glaubenssysteme entnehmen und Phobien heilen. In allen F&auml;llen geschieht dies f&uuml;r den Probanden unterbewusst, er wei&szlig; nicht, warum er pl&ouml;tzlich keine Lust mehr hat zu rauchen.<\/p><p class=\"emoNormal\">Viele M&ouml;glichkeiten bergen aber auch viele Gefahren, z.B. das Ansammeln von negativen Glaubenssystemen. Wer als Kind fast in einem See ertrinkt, speichert dies eventuell im Unterbewusstsein ab und entwickelt eine Wasserphobie. Wem st&auml;ndig gesagt wurde, dass er etwas nicht kann, dem brennt sich dies in das Unterbewusstsein ein und er glaubt letztlich selbst, gewisse Dinge nicht zu k&ouml;nnen &ndash; ohne sich dessen bewusst zu sein.<\/p><p class=\"emoNormal\">Ein typisches Ph&auml;nomen ist der ewige Loser. Er ist engagierter als alle anderen um ihn herum, dennoch macht er keinerlei Fortschritte, immer wenn er kurz vor dem Durchbruch steht, geht etwas schief. Oft ist dabei das Selbstbild des Losers schon so tief im Unterbewusstsein eingegraben, dass die betreffende Person unbewusst alles unternehmen wird, um keinesfalls diesem Selbstbild zu widersprechen. Wer sich f&uuml;r einen Verlierer oder ein Opfer h&auml;lt, wird dies immer sein. Henry Ford sagte einst: &bdquo;Whether you believe you can or you can't, you're probably right.&ldquo;<\/p><p class=\"emoNormal\">Es ist sehr einfach, sich ein solches Selbstbild einzubrennen. Das Unterbewusstsein kann nicht zwischen Realit&auml;t und Fiktion entscheiden, wenn wir also in unserer Vorstellung negative Selbstbilder haben, wird das Unterbewusstsein diese als real empfinden und speichern. Oft sagen wir nebenbei un&uuml;berlegte Dinge wie &bdquo;Das schaff ich nie&ldquo; oder &bdquo;Ich kann es nicht oft genug sagen&ldquo;, was dann letztlich in genau diesem Wortlaut ins Unterbewusstsein geschickt und im Ernstfall mit allen Mitteln wahrgemacht wird. Dieses Ph&auml;nomen gibt uns aber auch Werkzeuge an die Hand, um unser Unterbewusstsein positiv zu programmieren, zu visualisieren. Dazu sp&auml;ter mehr.<\/p><p class=\"emoNormal\">Negatives Selbstgespr&auml;ch findet in jedem von uns mehr oder minder ausgepr&auml;gt statt und kann uns gro&szlig;e Steine in den Weg legen, wenn wir es nicht wahrnehmen und reduzieren. Diese &bdquo;Gedankenhygiene&ldquo; sollte Gegenstand von mentalem Training bei Sportlern und psychologischer Fortbildung bei Pokerspielern sein.<\/p><h1 style=\"margin-top: 24px\" align=\"left\">&Uuml;bungen und Anwendungen im t&auml;glichen Leben<\/h1><p class=\"emoNormal\">Um Tilt zu erkennen und als solchen zu entlarven, m&uuml;ssen wir pr&auml;sent sein. Dies l&auml;sst sich mit einfachen &Uuml;bungen dauerhaft verbessern.<\/p><p class=\"emoNormal\">Die wohl intensivste Form der &Uuml;bung ist die Meditation. Im Internet findet man gen&uuml;gend Anleitungen zu Sitzposition etc., darum soll es hier aber nicht gehen. In der Meditation selbst konzentriert man sich, wie es schon Tommy Angelo in einem seiner Videos pr&auml;sentierte, v&ouml;llig auf seine Atmung. Zu Beginn ist es einfacher jeden Atemzug zu z&auml;hlen, das hilft etwas bei der Sache zu bleiben. Sobald ein Gedanke auftaucht, ist dies nicht als negativ zu bewerten, es ist v&ouml;llig normal. Man nimmt Notiz davon, dass man soeben diesen Gedanken gedacht hat und l&auml;sst ihn dann davonziehen, ohne irgendeine Wertung abzugeben.<\/p><p class=\"emoNormal\">Je mehr &Uuml;bung man hat, desto weniger Gedanken kommen auf und desto pr&auml;senter wird man. Meditation ist alles andere als geistige Abwesenheit, es ist pure Pr&auml;senz. Ein alter Zen-Meister schlich sich an seine Sch&uuml;ler von hinten an, w&auml;hrend diese meditierten und versuchte, sie mit einem Stock auf den R&uuml;cken zu schlagen. Sind die Sch&uuml;ler pr&auml;sent genug, nehmen sie Notiz von ihm und k&ouml;nnen ausweichen.<\/p><p class=\"emoNormal\">Eine etwas weniger intensive Form sind kleine Routinen, die man sich &uuml;berall einfach einbauen kann. Das Bewusstsein &uuml;ber die Fu&szlig;sohlen w&auml;hrend des Gehens oder das bewusste Klicken des Mauszeigers w&auml;hrend einer Session, Gegenw&auml;rtigkeit l&auml;sst sich st&auml;ndig &uuml;ben und einfach in allt&auml;gliche Bewegungsabl&auml;ufe einbauen.<\/p><p class=\"emoNormal\">&bdquo;Wenn du den Hof fegst, fege den Hof, wenn du eine Karotte schneidest, schneide eine Karotte.&ldquo; Zen-Spruch<\/p><p class=\"emoNormal\">Die Macht des Unterbewusstsein &uuml;ber unser Verhalten wurde in Kapitel 8 erkl&auml;rt. Diese Macht kann uns aber nicht nur schaden, sie kann auch hilfreich sein. Ein wichtiges und sehr bekanntes Instrument ist das Visualisieren. Wichtig ist nat&uuml;rlich, dass wir positive Dinge visualisieren. Die Visualisierung sollte au&szlig;erdem so detailreich wie m&ouml;glich sein. Ger&uuml;che, Ger&auml;usche und Temperatur tragen zu einer besseren Verfestigung im Unterbewusstsein bei.<\/p><p class=\"emoNormal\">F&uuml;r Spitzensportler ist das Visualisieren bereits Teil des t&auml;glichen Trainings, Boris Becker sagte mal nach einem gewonnen Tie-Break: &bdquo;Ach, den hab ich doch gestern schon gewonnen gehabt.&ldquo;<\/p><h1 style=\"margin-top: 24px\" align=\"left\">Spiritualismus und Wissenschaft - Zusammenfassung<\/h1><p class=\"emoNormal\">Dieser Artikel ist wohl mehr und mehr von einem reinen Pokerartikel zu einem Artikel &uuml;ber das Leben generell geworden. Da Tilt aber den selben Ursprung wie alle anderen negativen Emotionen hat, ist dies meines Erachtens eher ein Vorteil als ein Nachteil. Wenn wir lernen, unsere Gedanken und Reaktionen im Leben generell zu kontrollieren, dann k&ouml;nnen wir dies auch auf Poker direkt anwenden. Au&szlig;erdem ist ein gl&uuml;cklicheres Leben selbstverst&auml;ndlich auch f&uuml;r die Leistung am Pokertisch f&ouml;rderlich.<\/p><p class=\"emoNormal\">Ich habe diesen Artikel noch einmal &uuml;berarbeitet, nachdem ich einen zehnt&auml;gigen Meditationskurs in v&ouml;lliger Stille und Abschottung von der Au&szlig;enwelt absolviert habe. Der Kurs und einige der Lehrinhalte waren sehr spirituell, ich habe bewusst versucht, diesen Spiritualismus aus dem Artikel fernzuhalten, da ich selbst nicht viel mit Spiritualismus anzufangen wei&szlig;.<\/p><p class=\"emoNormal\">Ich habe versucht, die wissenschaftlichen Wahrheiten herauszufiltern und mit diesen Fakten auf wissenschaftlicher Ebene weiterzuarbeiten, dennoch befinde ich mich erst in den Anf&auml;ngen. Dieser Artikel k&ouml;nnte m&uuml;helos auf ein vielfaches seiner momentanen L&auml;nge ausgedehnt werden, ich hoffe die Hauptgedanken sind dennoch verst&auml;ndlich dargestellt. Es werden sicherlich viele Fragen auftauchen und ich m&ouml;chte versuchen, auf diese Fragen einzugehen. Stellt eure Fragen daher am besten in den Kommentaren, oder falls vorhanden, im entsprechenden Feedbackthread.<\/p><p class=\"emoNormal\">Zusammenfassend l&auml;sst sich sagen, dass jedes Leid in uns selbst entsteht, dadurch, dass wir unterbewusst reagieren oder uns in der Vergangenheit oder der Zukunft verlieren. Der Schl&uuml;ssel zum Wechseln von Reaktion zu Aktion liegt in genau diesem Moment, im Jetzt. Wenn wir uns nicht in Vergangenheit oder Zukunft verlieren, sind wir v&ouml;llig pr&auml;sent und k&ouml;nnen den Schritt von der reaktiven, reizgesteuerten Marionette zum aktiven, bewusstseinsgesteuerten Menschen machen. Wer dies verinnerlicht und lebt, stellt nicht mehr die Frage nach dem Sinn des Lebens, akzeptiert die Realit&auml;t und hat die wahre Freiheit, alles zu tun.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In diesem Artikel lernst du die verschiedenen Formen und Auswirkungen von Tilt kennen und erf\u00e4hrst mehr \u00fcber die Bedeutung von Pr\u00e4senz und Bewusstsein.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"inline_featured_image":false,"_lmt_disableupdate":"","_lmt_disable":""},"strategy_category":[157],"strategy_level":[117],"class_list":["post-53668","strategy","type-strategy","status-publish","hentry","strategy_category-poker-psychology-silber"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.2 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Tiltpr\u00e4vention durch Arbeit am Kern des Problems - PokerStrategy DE<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.pokerstrategy.com\/de\/strategy\/poker-psychology\/1925\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Tiltpr\u00e4vention durch Arbeit am Kern des Problems - 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