	{"id":57908,"date":"2008-08-31T12:27:00","date_gmt":"2008-08-31T12:27:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pokerstrategy.com\/de\/strategy\/87\/"},"modified":"2026-07-06T05:29:20","modified_gmt":"2026-07-06T05:29:20","slug":"87","status":"publish","type":"strategy","link":"https:\/\/www.pokerstrategy.com\/de\/strategy\/fixed-limit\/87\/","title":{"rendered":"Gegnertypen: Die Bedeutung der Kenntnis des gegnerischen Stils"},"content":{"rendered":"<?xml encoding=\"utf-8\" ?><h1>Gegnertypen: Die Bedeutung der Kenntnis des gegnerischen Stils<\/h1><h1>Unvollst&auml;ndige Information<\/h1><p>\nIm Gegensatz zu anderen Spielen wie beispielsweise Schach ist Poker ein Spiel mit unvollst&auml;ndiger Information. Man kennt die gegnerischen Karten nicht. Es entsteht dadurch eine Kenntnisl&uuml;cke, die einen davon abh&auml;lt, den optimalen Zug zu machen. Der optimale Zug ist jener, den man bei Ansicht der gegnerischen Karten als perfekter Spieler machen w&uuml;rde. Diese selbstverst&auml;ndliche Einsicht wird in Sklanskys Fundamental Theorem of Poker wiedergegeben:<\/p><p>\"Every time you play a hand differently from the way you would have played it, if you could see all your opponent&rsquo;s cards, they gain; and every time you play your hand the same way you would have played it, if you could see all their cards, they lose. Conversely every time opponents play their hands differently from the way they would have if they could see all your cards, you gain; and every time they play their hands the same way they would have played it, if they could see all your cards, you loose. Aus &ldquo;Theory of Poker&rdquo;.<\/p><p>Es gibt durchaus Situationen, in denen eine autistische Sichtweise relativ ungef&auml;hrlich ist. Angenommen, man startet mit einem hohen Pocket Pair und schaut auf einen ungef&auml;hrlichen Flop (niedrige Karten) oder man floppt eine extrem starke Hand. In den meisten Situation jedoch erh&auml;lt man eine verwundbare Hand, die sich in einiger Entfernung von den Nuts befindet. In solchen F&auml;llen w&uuml;rde man gerne einsch&auml;tzen k&ouml;nnen, &uuml;ber welche ungef&auml;hre St&auml;rke die gegnerischen H&auml;nde verf&uuml;gen. Die Methode, die gegnerischen H&auml;nde zu taxieren, nennt man Handreading. Durch gutes Handreading wird die spielimmanente Informationsl&uuml;cke (die verdeckten gegnerischen Karten) ein St&uuml;ck weit geschlossen.<\/p><p><\/p><h1>Handreading<\/h1><p>\nUnter der Vorrausetzung, da&szlig; man es mit einem einigerma&szlig;en vern&uuml;nftigen Menschen zu tun hat, kann man die gegnerischen Karten per Ausschlussverfahren auf eine bestimmte Range festlegen. Zwei Faktoren bestimmen das Handreading:<\/p><h2>Die gegnerischen Betsequenzen<\/h2><p> Die St&auml;rke und die Art der gegnerischen Hand l&auml;sst sich durch seine Betsequenzen auf der aktuellen und auf vorherigen Stra&szlig;en erahnen.<\/p><h2>Das gegnerische Profil (Stil)<\/h2><p> Das gegnerische Profil relativiert die Bedeutung der Betsequenzen. Ein Raise von einem Rock hat nat&uuml;rlich ein ganz anderes Gewicht als das eines Maniacs.<\/p><p><\/p><h1>Das gegnerische Profil<\/h1><p>\nBeim Poker h&auml;ngt vieles davon ab, die Z&uuml;ge des Gegners gut interpretieren zu k&ouml;nnen. Daf&uuml;r ben&ouml;tigt man sein Profil:<\/p><h2>Attribute<\/h2><p>\nDer gegnerische Stil setzt sich aus vier Hauptattributen zusammen. Man sollte in der Lage sein, jeden seiner Gegner im Rahmen der vier Gegensatzpaare klassifizieren zu k&ouml;nnen. Diese Einordnung ist allerdings immer noch einigerma&szlig;en grob. Eine umfassende Analyse des Gegners w&uuml;rde sein Verhalten (Betting Patterns) in den zahlreichen Standardsituationen umfassen, wie sie im Hold&rsquo;em vorkommen.<\/p><p>1. stark\/schwach<br>\n2. tight\/loose<br>\n3. aggressive\/passive<br>\n4. tricky\/straight forward<\/p><p><\/p><h2>Motivation<\/h2><p>\nDie Grundlage der Attribute des Spielerprofils sind die Emotionen des Gegners, seine &Auml;ngste und Sehns&uuml;chte. H&auml;ufig werden gewisse Dinge auf einer unterbewussten Ebene ausgelebt. Poker wird aus einer Vielzahl von Gr&uuml;nden gespielt. Geld zu verdienen, ist bei weitem nicht der einzige Grund. H&auml;ufig werden finanzielle Einbu&szlig;en in Kauf genommen, um andere Motivationen zu befriedigen. Diese k&ouml;nnen sein: Die Lust am Wettstreit (man m&ouml;chte m&ouml;glichst viele P&ouml;tte gewinnen), Lust an der Aufregung, soziale Kontakte (besonders im Live Game) oder Unterhaltung im weitesten Sinne. Kennt man die Motive des Gegners, lassen sich daraus seine Spielz&uuml;ge erkl&auml;ren und umgekehrt. Ferner lassen sich darauf gegnerspezifische Strategien aufbauen. Spieler mit einem extremen Stil sind rigide und &bdquo;predictable&ldquo;. Sie agieren in einer ganz bestimmten Weise, auch wenn es selbstzerst&ouml;rerisch ist.<\/p><p><\/p><h1>Percentage Play<\/h1><p>\nBeim Poker macht man immer das Percentage Play. Das Handreading wird einen selten in die Lage versetzen, die exakte Hand des Gegners vorherzusagen. Vielmehr setzt man ihn auf eine Range of Hands. In der Regel macht man den Zug, der gegen die wahrscheinlichste Hand des Gegners die gr&ouml;&szlig;ten Erfolgsaussichten besitzt.<\/p><h2>Beispiel: <\/h2><p> Unser Gegner ist ein Maniac und raist preflop mit 30 % seiner H&auml;nde. Wenn wir davon ausgehen, da&szlig; dies ungef&auml;hr die besten 30 % aller H&auml;nde sind, dann raist er im Schnitt mit H&auml;nden, die in der Hierarchie der H&auml;nde exakt die besten 15 % oder 16 % abschlie&szlig;en. Wir h&auml;tten somit einen leichten Reraise mit einer Hand, die die besten 10 % begrenzt. Im Einzelfall k&ouml;nnen wir das Pech haben, da&szlig; der Gegner ein Monster (beste 1 %) h&auml;lt. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass sich seine Hand bei 20 - 25% bewegt. Im Einzelfall m&ouml;gen wir mit unserer Reaktion daneben liegen. Auf lange Sicht jedoch verdienen wir Geld, da sich der Durschnitt seiner tats&auml;chlichen H&auml;nde dem Durchschnitt aller seiner bisher in der Datenbank (PokerTracker) befindlichen H&auml;nde ann&auml;hert. Ich muss noch erw&auml;hnen, da&szlig; man auch seine Position mit in die Rechnung einbeziehen sollte. In early position wird er sicherlich weniger als 30 % raisen, in late position dagegen deutlich mehr.<\/p><p><\/p><h1>Flexibilit&auml;t<\/h1><p>\nPokerh&auml;nde haben keinen absoluten, sondern nur einen relativen Wert. Man bekommt keinen Sch&ouml;nheitspreis ausgeh&auml;ndigt, wenn man mit starken Karten nur die zweitbeste Hand macht. Im Gegenteil. Die zweitbeste Hand ist die schlechteste Hand im Pokern, denn sie kostet am meisten Geld.<\/p><p>Daraus ergibt sich, da&szlig; man die H&auml;nde flexibel spielen muss. Wenn ich Top Pair, weak Kicker habe, sollte ich vermutlich folden (unzureichende Drawing-Odds vorausgesetzt), wenn ein Rock vor mir bettet. Bettet dagegen ein Maniac vor mir, kommt ein Raise stark in Frage, da der Maniac m&ouml;glicherweise nur blufft bzw. sein Middle Pair\/Bottom Pair stark spielt. Durch das Raise w&uuml;rde ich den Maniac mit seiner vermutlich schlechteren Hand isolieren und eine bessere Hand hinter mir wie Top Pair, decent Kicker m&ouml;glicherweise zum Folden bringen.<\/p><p>Poker ist also ein dynamisches, situationsbezogenes Spiel. Ein und dieselbe Hand wird einmal gefoldet, ein anderes mal geraist, je nach Gegner. Anpassungsf&auml;higkeit ist eine gro&szlig;e Tugend im Poker. Anf&auml;nger und Fortgeschrittene werden sich noch durch die Anwendung starrer Regeln gegen&uuml;ber ihren Gegner behaupten k&ouml;nnen. Dazu brauchen sie ja nur durch tightes Spiel, die gro&szlig;en Fehler auszunutzen (Nichtbeachtung der elementaren Prinzipien, Odds etc.). F&uuml;r den Experten (2\/4 und h&ouml;her) gilt jedoch, da&szlig; er nur unter Ber&uuml;cksichtung des gegnerischen Profils zu &uuml;berwiegend richtigen Entscheidungen gelangen kann. Viele strategische Entscheidungen basieren also auf psychologischen Erw&auml;gungen. Sehr gute Spieler sind dazu in der Lage, in die K&ouml;pfe ihrer Gegner zu schauen. Poker auf der aller h&ouml;chsten Ebene wird durch folgendes Sklansky-Zitat ganz gut wieder gegeben:<\/p><p>&bdquo;What we mean by the psychology of poker is getting into your opponents&rsquo; heads, analysing how they think, figuring what they think you think, and even determining what they think you think they think.&rdquo; Aus &bdquo;Theory of Poker&rdquo;.<\/p><p><\/p><h1>Soft Spots<\/h1><p>\nGerade wenn man an mehreren Tischen spielt, ist es unm&ouml;glich, alle Spieler genau zu beobachten. Vielmehr sollte man sich aufs Wesentliche konzentrieren. <\/p><h2>Das meiste Geld<\/h2><p> Wesentlich sind die Spieler, an denen man potentiell am meisten Geld verdienen kann. Um h&ouml;here Limits zu schlagen, muss man in der Lage sein, die schwachen Spieler am Tisch zu identifizieren und herauszufinden, welche Merkmale zu ihrem schwachen Spiel beitragen. Schlie&szlig;lich mu&szlig; man die geeignete Strategie ausw&auml;hlen, um an das Geld dieser Leute zu kommen.<\/p><h2>Die h&auml;ufigsten Begegnungen<\/h2><p> Die Konzentration auf die schwachen Spieler hat den Vorteil, dass man die gewonnen Erkenntnisse &ouml;fters anwenden kann. Schwache Spieler sind nun mal sehr loose und daher viel &ouml;fter in der Hand.<\/p><h2>Der schnellste Erkenntnisgewinn<\/h2><p> Der &ouml;konomische Aspekt bezieht sich letztlich auch noch auf den Beobachtungsprozess. Schwache Spieler haben meistens einen extremen Stil. Man kommt dadurch viel schneller zu wertvollen Erkenntnissen als bei der Analyse von starken Spielern. Starken Spielern kann man der Einfachheit halber zun&auml;chst den normalen tight-aggressiv Stil zuordnen.<\/p><p><\/p><h1>Shorthanded<\/h1><p>\nDie Kenntnis des Gegners ist besonders wichtig an Shorthanded Tables. In einem Fullring Game kommt es h&auml;ufig zu Multiway Pots, in denen man am Ende die beste Hand vorzeigen muss. Ist man am Flop dagegen threeway oder heads-up, kann und mu&szlig; man viel gegnerspezifischer spielen. Man hat einfach mehr M&ouml;glichkeiten zu psychologischen Kunstgriffen und deceptiv play. Dadurch l&auml;&szlig;t der Kampf oft schon vor dem Showdown entscheiden. H&auml;ufig ist es sogar die schlechtere Hand, die sich dabei durchsetzt. Im &uuml;brigen ist das auch die Erkl&auml;rung daf&uuml;r, weshalb starke Spieler ihre Win Rate an Shorthanded Tables verbessern und sich schwache Spieler besser davon fern halten sollten. Starke Spieler haben einfach bessere Hand Reading Skills und sind in der Lage, gegnerspezifisch zu spielen.<\/p><p><\/p><h1>Table und Seat Selection <\/h1><p>\nEin Gro&szlig;teil des finanziellen Erfolgs beim Pokern kommt von der Auswahl der richtigen Tische. Je schw&auml;cher die Gegner, desto gr&ouml;&szlig;er der Profit. Verf&uuml;gt man &uuml;ber gute PokerTracker-Datenbanken, kann man die Spielst&auml;rke eines Tisches bereits erkennen, noch bevor man sich hingesetzt hat. Um die einzelnen Spielertypen zu erkennen, braucht man nur auf folgenden drei Werte zu achten: VPIP, PFR und Aggression Factor. Der wichtigste Wert ist der VPIP. Jemand der &uuml;ber 50 % seiner H&auml;nde spielt, ist in jedem Fall ein losing player. Am liebsten sind uns jedoch Gegner, die zu viel spielen und dabei noch passiv sind, also Callingstations. Tische mit vielen tight-aggressive Spielern sind zu meiden, es sei denn, da sitzen auch ein, zwei richtig gro&szlig;e Fische. <\/p><p>Ein Spiel ist nicht automatisch profitabel, wenn schwache Spieler zugegen sind. Man ben&ouml;tigt auch Position auf sie. Ich habe gerne alle loosen Spieler rechts und alle tighten Spieler links von mir. Auf diese Weise sind die schlechten Spieler bereits in der Hand, wenn ich mit starken H&auml;nden raise. Im Beitrag &bdquo;Table Selection&ldquo; wird umfassend auf Table und Seat Selection eingegangen.<\/p><p><\/p><h1>Resumee<\/h1><p>\nDie Kenntnis der Gegner ist aus folgenden Gr&uuml;nden wichtig:<\/p><p>1. Handreading<\/p><p>2. strategische Anpassung an den gegnerischen Stil (besonders wichtig bei extremen Stilmerkmalen)<\/p><p>3. Konzentration auf die soft spots<\/p><p>4. Table und Seat Selection <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ihr solltet euren Spielweise immer dem Stil des Gegners anpassen. 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