	{"id":12031,"date":"2008-04-17T10:56:00","date_gmt":"2008-04-17T10:56:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pokerstrategy.com\/ru\/strategy\/245\/"},"modified":"2026-07-30T04:23:56","modified_gmt":"2026-07-30T04:23:56","slug":"245","status":"publish","type":"strategy","link":"https:\/\/www.pokerstrategy.com\/ru\/strategy\/various-poker\/245\/","title":{"rendered":""},"content":{"rendered":"<?xml encoding=\"utf-8\" ?><h1><\/h1><h1>&#1042;&#1074;&#1077;&#1076;&#1077;&#1085;&#1080;&#1077;<br>\n<\/h1><p>Shorthanded (im Gegensatz zu Fullring) nennt man im Allgemeinen das Spiel an Tischen mit 2 - 6 Spielern, also an den 6-MAX-Tischen. Da sich Heads-Up-Tische, die Tische mit nur 2 Spielern, grunds&auml;tzlich anders spielen, besch&auml;ftigt sich dieser Umstiegsguide vor allem mit Tischen, an denen 3 - 6 Spieler sitzen.<\/p><p>Will man auf SH umsteigen, stellt sich zun&auml;chst die Frage, ob sich denn SH-Tische grunds&auml;tzlich anders als FR-Tische spielen. Dem ersten Anschein nach sehen doch 6er-Tische so aus wie 10er-Tische, an denen die ersten 4 Spieler gefoldet haben. Dies ist im Wesentlichen auch richtig, und wir empfehlen nachdr&uuml;cklich, weiterhin vern&uuml;nftiges Poker zu spielen. Aber es gibt ein Problem: die zu setzenden Blinds. An 10er-Tischen hat man 10 Spiele zur Verf&uuml;gung, sich seinen Einsatz zur&uuml;ckzuholen (gemeint ist nat&uuml;rlich auf lange Sicht, nicht innerhalb einer jeden Runde), an 6er-Tischen aber nur 6 Spiele. Das bedeutet, dass man an 6er-Tischen nicht so lange auf richtig gute H&auml;nde warten kann, mit denen man dann spielt, wie an 10er-Tischen. Man muss also Preflop etwas looser und aggressiver werden, damit einen die Blinds nicht 'auffressen'. Viele schlechte Spieler ziehen hieraus den Schluss, dass man deshalb aus allen Knopfl&ouml;chern feuern sollte. Das ist nat&uuml;rlich Unsinn, Otto Rehhagels 'kontrollierte Offensive' ist angesagt. Was das im Einzelnen hei&szlig;t, wird im Folgenden in seinen Grundz&uuml;gen n&auml;her ausgef&uuml;hrt.<\/p><p>Aber auch die guten Gegner werden aggressiver. Um bestehen zu k&ouml;nnen, darf man vor allem seinen Big Blind nicht so leicht kampflos hergeben, sondern muss ihn gegen eventuell schw&auml;chere, aber aggressiv gespielte H&auml;nde verteidigen. BB-Defense wird also zunehmend wichtiger.<\/p><p>Zusammenfassend l&auml;sst sich sagen: der Kampf wird deutlich h&auml;rter. Das f&uuml;hrt dazu, dass die Swings erheblich gr&ouml;&szlig;er werden. 100 BBs zu verspielen ist v&ouml;llig normal, selbst 200 BB Verlust ist nichts besonderes. Deshalb sollte die Bankroll beim Limitaufstieg gr&ouml;&szlig;er sein als beim Fullringspiel, 500 BB ist wohl ein guter Richtwert. Au&szlig;erdem sollte man sich psychologisch auf m&ouml;gliche Downswings einstellen, denn sie werden mit Sicherheit irgendwann kommen.<\/p><h2>Vor- und Nachteile<\/h2><p>SH-Spiel hat aber auch wesentliche Vorteile. Es gibt viele zu loose Spieler, die nicht wissen, wie man die notwendige Aggression richtig einsetzt. Korns ORC und die dahinterstehenden Ideen (siehe unten) sind bares Geld wert. Da eine Austeilung am 6er-Tisch im Durchschnitt nat&uuml;rlich weniger Zeit beansprucht als an einem 10er-Tisch, spielt man pro Zeiteinheit mehr H&auml;nde. Das ist schon per se interessanter und - ist man Winning Player (was wir nat&uuml;rlich alle sind oder werden wollen) - f&uuml;hrt zu einem h&ouml;heren Stundenlohn. Au&szlig;erdem schl&auml;gt auch hier wie so oft im Leben die normative Kraft des Faktischen zu: auf h&ouml;heren Limits gibt es schlichtweg nur sehr wenig Fullringtische.<\/p><h2>Preflopumstellung<\/h2>[Download Link zu Charts einf&uuml;gen] Im folgenden wird zun&auml;chst das Open Raise Chart (ORC) vorgestellt. Es bildet die Grundlage f&uuml;r das Shorthanded Spiel und ersetzt das SHC. (Es gibt das Chart &uuml;brigens auch in einer erweiterten Version f&uuml;r 10er-Tische. Die Teile beider Versionen f&uuml;r die Positionen MP2 bis BB sind identisch. Wenn ihr dieses Kapitel durchgearbeitet habt, solltet ihr erw&auml;gen, auch an 10er-Tischen auf das ORC umzusteigen.) Das ORC beruht auf dem sogenannten Equity-Prinzip. Was das bedeutet, wird unten erkl&auml;rt. Dieses Equity-Prinzip ist grundlegend f&uuml;r euer weiteres Pokerspiel. Deshalb solltet ihr sicherstellen, es wirklich in seinen Grundz&uuml;gen verstanden zu haben, nicht nur oberfl&auml;chlich. Anschlie&szlig;end werden die verschiedenen Preflop-Situationen analysiert und mit entsprechenden Tabellen beschrieben. Da sich sehr h&auml;ufig am Flop Heads-Up-Situationen ergeben (um Missverst&auml;ndnissen vorzubeugen: gemeint ist, dass 2 Spieler &uuml;brig bleiben, nicht das Spiel an 2er-Tischen), muss man sich auch mit dieser Problematik auseinandersetzen. Hierf&uuml;r gibt es einen eigenen Artikel, der aber sehr komplex und schwer zu verstehen ist. Um einen ersten Einstieg zu finden, wird im Zuge der Big Blind-Verteidigung der Spezialfall 'Gegner hat Initiative, wir sind Out of Position' analysiert. Die hier beschriebenen Gedankeng&auml;nge zeigen typische Denkweisen von Pokerspielern und sind grundlegend f&uuml;r viele andere Spielsituationen. Durch die Herausl&ouml;sung dieses Spezialfalles erhoffen wir uns nicht nur, dass ihr die BB-Verteidigung meistert, sondern auch, dass dadurch die Lekt&uuml;re des Heads-Up-Artikels erleichtert wird.<\/p><p>Viele Gedankeng&auml;nge sind scheinbar sofort einleuchtend, die Materie ist aber &auml;u&szlig;erst schwierig. Deshalb empfehlen wir euch ein mehrmaliges Durcharbeiten dieses Artikels.<\/p><h2>Das ORC<\/h2><p>Das ORC (open-raising-chart) ist wie das SHC eine Tabelle. Hier ist verzeichnet, wie man sich preflop verhalten soll, wenn man First-In ist. Man kann die Tabelle nat&uuml;rlich einfach rein formal anwenden, aber f&uuml;r ein tieferes Verst&auml;ndnis der weiterf&uuml;hrenden &Uuml;berlegungen ist es unerl&auml;sslich, sich auch die dahinter liegenden Gedanken zu vergegenw&auml;rtigen.<\/p><p>F&uuml;r die Beantwortung der Frage, ob eine Hand spielbar ist, muss ihre sogenannte Equity bestimmt werden, d. h. die prozentuale Gewinnwahrscheinlichkeit dieser Hand (einschlie&szlig;lich Showdown) in Abh&auml;ngigkeit von den m&ouml;glichen Gegnerh&auml;nden. Wie diese Bestimmung in allen Einzelheiten geschieht, sei hier nicht thematisiert. Hierf&uuml;r gibt es Simulationsprogramme, z. B. PokerStove oder Equilator, und Korns Tabellen, denen man halt vertrauen muss (und kann!!!). Dann wird diese Equity mit der Durchschnittsequity verglichen. Die Durchschnittsequity erh&auml;lt man folgenderma&szlig;en: Ist au&szlig;er einem selbst nur ein weiterer Spieler in der Hand, liegt die Durchschnittsequity bei 50% (1\/2 = 50\/100), sind au&szlig;er einem selbst zwei weitere Spieler in der Hand, liegt sie bei 33% (1\/3 =~ 33\/100). Allgemein gilt f&uuml;r die Prozentangabe der Durchschnittsequity bei n Spielern: 100\/n %. Hat die Hand nun eine &uuml;berdurchschnittliche Equity, ist sie spielbar. Denn dann ist gew&auml;hrleistet, dass man durchschnittlich mehr gewinnt als verliert (wenn man vern&uuml;nftig spielt).<\/p><p>Dies klingt kompliziert und das ist es auch. Ein einfaches Beispiel mag zun&auml;chst illustrieren, was eigentlich gemeint ist. Spielt man mit AJo gegen die beiden Blinds, die zuf&auml;llige Austeilungen haben sollen, hat man eine Pot-Equity von ca. 45%. (Diesen Wert erh&auml;lt man, wenn man im Equilator oder in PokerStove f&uuml;r die erste Hand AJo eingibt und f&uuml;r die zweite und dritte auf 'RND' (Random) klickt. Nun werden f&uuml;r beide Blind-H&auml;nde zuf&auml;llige Verteilungen angenommen. Ein Click auf 'Auswerten' bringt das gesuchte Ergebnis.)<\/p><p>Was bedeutet nun dieses Ergebnis? In dem Beispiel liegt die Durchschnittsequity bei 33%, weil 3 Spielern beteiligt sind. AJo hat eine Equity von 45%, also ist die Hand spielbar und alles ist im gr&uuml;nen Bereich. Denn: 3 SBs sind im Pot, davon 'geh&ouml;ren' der Hand AJo 45%, also 1,35 SB. Sie hat aber nur 1 SB gezahlt. Sie kann also einen durchschnittlichen Gewinn von 0,35 SB pro Spiel erwarten. Man beachte, dass die Equity unter 50% liegt, d. h., dass man nur in weniger als der H&auml;lfte der F&auml;lle gewinnt. Auch hier gilt wieder das Prinzip: Durch die H&ouml;he des Gewinns im Verh&auml;ltnis zum Einsatz lohnt es sich.<\/p><p>Eine unmittelbare Schlussfolgerung ist nat&uuml;rlich, dass man die Hand raisen muss, um seinen Gewinn zu vergr&ouml;&szlig;ern, aber das ist hier nicht der Punkt. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass man, um zu entscheiden, ob die Hand spielbar ist oder nicht, fragt, ob sie eine &uuml;berdurchschnittliche Equity besitzt oder nicht.<\/p><p>Alle Preflop-Entscheidungen orientieren sich nun an diesem Equity-Prinzip. Hier flie&szlig;t ein, was die Gegner vor einem gemacht haben und wie viele Gegner noch sprechen werden. Was diese tun werden, kann man nat&uuml;rlich nicht vorhersagen, man kann aber in seine Entscheidung mit einflie&szlig;en lassen, wie gro&szlig; die Wahrscheinlichkeit ist, dass es noch eine starke Hand gibt. Die Entscheidungen sind in der Regel knapp und es gibt auch nicht so viele M&ouml;glichkeiten. Deshalb werden im folgenden alle Bietsituationen, die Preflop entstehen k&ouml;nnen, einzeln analysiert.  <\/p><h2>First-In<\/h2><p>Der einfachste Fall liegt vor, wenn man First-In ist, wenn also alle Gegner vor einem gefoldet haben. F&uuml;r diese Situation gibt es das Open Raising Chart (ORC).<\/p><p>Nach dem Equity-Prinzip kommen f&uuml;r das Spielen nur H&auml;nde in Frage, die eine &uuml;berdurchschnittliche Equity besitzen. Also versucht man diesen Vorteil gleich durch einen 'Raise' zu vergr&ouml;&szlig;ern. First-In gibt es kein Limpen mehr, also First-In: raise oder fold!!! Daher r&uuml;hrt der Name 'Open Raising Chart'.<\/p><p>Die Tabelle ist &auml;hnlich wie das SHC aufgebaut. Es sind jeweils die minimalen H&auml;nde gelistet, die man auf der entsprechenden Position spielen (also raisen!) kann. Nur die Fallunterscheidungen des SHC gibt es nat&uuml;rlich nicht, man ist schlie&szlig;lich First-In!<\/p><p>Bei der Konzeption des ORCs ist auch ber&uuml;cksichtigt worden, dass es hinter einem noch starke H&auml;nde geben kann. Dies zeigt sich unter anderem daran, dass die minimalen spielbaren H&auml;nde der vorderen Positionen st&auml;rker sind als die der hinteren.<\/p><p>Im SHC gab es einige H&auml;nde, die man First-In nur callte. Diese Spielweise basiert auf der Annahme, dass es noch genug Gegner nach einem geben werde, die ebenfalls callen, so dass gen&uuml;gend gro&szlig;e Implied Odds entstehen werden. An 6er-Tischen ist aber die Gefahr viel zu gro&szlig;, durch einen Raise isoliert zu werden, wonach die Implied Odds ruiniert sind. Also nochmals: raise oder fold!<\/p><h2>1 Call vor euch<\/h2><p>Auch gegen einen Caller vor euch gilt nat&uuml;rlich das Equity-Prinzip. Es gibt also, abgesehen vom BB, ebenfalls nur raise oder fold! Genaugenommen ist die Equity der Hand von dem Bereich abh&auml;ngig, mit dem der Gegner limpt. Hier kann man mit Hilfe von PokerTracker-Daten und Simulationsprogrammen wie PokerStove und Equilator eine Feinabstimmung vornehmen. Dies ist anfangs aber nicht so wichtig. Eine brauchbare Vorgehensweise, mit der ihr auf der sicheren Seite seid, ist, dass ihr so tut, als s&auml;&szlig;et ihr in einer Position vor eurer wirklichen, z.B. ihr sitzt im CO habt einen Limper, also schaut ihr in die Spalte MP3. Wenn die Hand dort spielbar ist, raist ihr und versucht, den Caller zu isolieren. Ansonsten m&uuml;sst ihr folden.<\/p><h2>1 Raise vor euch<\/h2><p>Wiederum gibt es nach dem Equity-Prinzip nur raise oder fold. Die ad&auml;quate Spielweise findet man in der Tabelle '3-betting vs ORC'. Aber Achtung!!! Die Gegner werden, je sp&auml;ter sie agieren, desto leichter raisen. Wichtig ist hier folglich nicht eure eigenen Position, sondern die des Gegners, der raist!! Solltet ihr euch f&uuml;r einen Reraise entscheiden, wird der Rest des Feldes wahrscheinlich sowieso folden, eure Position ist somit fast irrelevant. Deshalb ist eure Reaktion in derjenigen Spalte verzeichnet, die die Position des Gegners, der geraist hat, angibt, egal wo ihr sitzt. Genauer gesagt: fast egal. Sitzt ihr im BB, gibt es eine eigene Tabelle (siehe unten), sitzt ihr im SB, gilt der Eintrag rechts vom '\/', ansonsten der Eintrag links vom '\/'. Gibt es nur einen Eintrag, wird nicht unterschieden, ob man im SB sitzt oder nicht.<\/p><h2>1 Raise und 1 Reraise vor euch<\/h2><p>Gegen solche St&auml;rkedemonstration vor euch kommt nur Cappen oder Folden in Betracht. Gecappt werden k&ouml;nnen aber nicht nur die bekannten H&auml;nde aus dem SHC (AA, KK, QQ, Ako\/s) sondern auch BB, TT und AQs, denn die Gegner (wir &uuml;brigens auch) raisen und reraisen mit schw&auml;cheren H&auml;nden, als es im SHC angenommen wurde. Deshalb steigt der Wert von BB, TT und AQs.<\/p><h2>1 Call und 1 Raise bzw. 1 Raise und 1 Coldcall vor euch<\/h2><p>Man unterscheidet nicht, ob ein Caller geraist oder ob ein Raiser coldgecallt wurde und behandelt die Situation genauso wie gegen einen einzelnen Raiser: reraisen nach der Tabelle '3-betting vs ORC', aber denkt daran, der relevante Eintrag steht in der Spalte, die die Position des Raisers (also nicht die eigene) angibt. Wiederum gilt: sitzt ihr im SB, gilt der Eintrag rechts vom '\/', ansonsten der links vom '\/'.<\/p><p>Eine erste Ausnahme bilden die Pocket Pairs. Reraisen gegen 2 Gegner sollte man nur ab 99, egal von welcher Position aus geraist wurde.<\/p><p>Eine zweite Ausnahme bilden die H&auml;nde, die gute Implied Odds oder eine gute Playability haben, also die Pairs 88 - 22 (ab 99 reraisen) und KJs, QTs, JTs. Sie stehen in der Tabelle 'Raise (und 1 Call)' im unteren Teil. (Merkhilfe: 2 Broadwaykarten mit h&ouml;chstens einem Loch, die nicht gereraist werden k&ouml;nnen). Diese H&auml;nde haben eine zu geringe Equity, um sie zu reraisen. Aber zum Folden sind sie zu schade, da sie, wenn sie den Flop treffen, gro&szlig;e P&ouml;tte gewinnen k&ouml;nnen. Deshalb wird in dieser Situation (gegen Raiser und Caller) erstmals das Prinzip durchbrochen, entweder zu raisen oder zu folden. Diese H&auml;nde werden gecallt.<\/p><h2>2 oder 3 Calls vor euch<\/h2><p>Auch hier gilt das raise-oder-fold-Prinzip nicht mehr. Die starken H&auml;nde werden nat&uuml;rlich immer noch geraist, und mit nicht so starken, aber trotzdem spielbaren H&auml;nden sollte man limpen und sich den Flop ansehen. Was 'stark' und was 'spielbar' hei&szlig;t, findet man in der Tabelle '2 oder 3 Limper'. Zun&auml;chst m&uuml;sst ihr nach der Limperzahl die entsprechende Spalte ausw&auml;hlen. Der Eintrag links vom '\/' zeigt die minimale Hand zum Raisen, der Eintrag rechts vom '\/' die minimale Hand zum Callen.<\/p><h2>Blind Defense<\/h2><p>Im SH-Spiel kommt es oft zu der Situation, dass man im SB oder BB sitzt und sich einem einzelnen Raiser gegen&uuml;bersieht, weil alle anderen gefoldet haben. Wie man sich im SB zu verhalten hat, geht aus den genannten Tabellen hervor und wurde oben bereits analysiert.<\/p><p>Im BB hat man den gro&szlig;en Vorteil, gegen den Raise nur 1 SB zahlen zu m&uuml;ssen, man hat also meistens (wenn der Raise nicht aus der SB kam) 3,5:1 Pot Odds. Ein gro&szlig;er Nachteil allerdings ist, dass man f&uuml;r den Rest des Spiels Out of Position ist. Ber&uuml;cksichtigt man, dass der Raiser im SH-Spiel deutlich schw&auml;cher sein kann, als es f&uuml;r das SHC angenommen wurde, ist offensichtlich, dass die dort vorgeschlagene Blind Defense zu tight ist. Man w&uuml;rde zu viel Geld kampflos opfern. &Uuml;brigens ist dies auch ein Teufelskreis. Denn Gegner, die beobachten, dass man seinen BB zu oft foldet, werden immer schw&auml;chere H&auml;nde raisen, um die Blinds zu stehlen, weil es f&uuml;r sie profitabel ist. Das hei&szlig;t, die Blindverteidigung hat auch eine Bedeutung &uuml;ber die konkrete Hand hinaus. Sie signalisiert dem Gegner f&uuml;r die Zukunft: &Uuml;berleg es dir, meinen Blind mit unzureichenden H&auml;nden zu stehlen, ich leiste Widerstand!<\/p><p>Welche H&auml;nde sich im Durchschnitt profitabel verteidigen lassen, findet man in der BB-Defense-Tabelle. Auch hier gilt nat&uuml;rlich, dass man in der Spalte nachsehen muss, die die Position des Raisers angibt. Ein einzelner Eintrag bedeutet callen. Zwei durch '\/' getrennte Eintr&auml;ge meinen, dass ab der besseren Hand (linker Eintrag) geraist und ab der schlechteren (rechter Eintag) gecallt wird.<\/p><p>Vielleicht verwundert es auf den ersten Blick, wie schlecht die H&auml;nde zum Teil sind, die verteidigt werden sollen. Dazu noch zwei Anmerkungen: Erstens muss man bedenken, dass man bereits 3,5:1 Pot Odds hat. Man muss also gar nicht 'so oft' gewinnen, damit die Verteidigung profitabel ist. Zweitens sollte man sich unbedingt mit der korrekten Spielweise 'Heads-UP, Gegner hat Initiative, wir sind Out of Position' vertraut machen. Dazu dient der nachfolgende Abschnitt.<\/p><h2>Blinddefense - Postflop<\/h2><p>Hat man im BB einen Raise gecallt, ist man in der Regel OoP (Ausnahme: Raise kam vom SB). Dies scheint zun&auml;chst ein Nachteil zu sein, aber man kann der Situation auch etwas Positives abgewinnen. Der Gegner, also der Preflop-Aggressor, wird aller Wahrscheinlichkeit nach erneut betten, wenn man checkt (die Continuation Bet). So spielen wir ja auch. Dies er&ouml;ffnet uns aber die M&ouml;glichkeit des Check-Raises. Damit ist unsere schlechte Position zumindest teilweise kompensiert.<\/p><p>Sehen wir uns die einzelnen Optionen des Weiterspielens genauer an. Wir m&uuml;ssen zun&auml;chst absch&auml;tzen, wie wir den Flop getroffen haben. Dazu teilen wir die sich ergebenden Situationen in drei Kategorien ein:<\/p><ol>\n<li>wir haben den Flop verfehlt<\/li>\n<li>wir haben den Flop getroffen (Made Hand)<\/li>\n<li>wir haben ein starken Draw\n\t<\/li>\n<\/ol><p>zu a) Die L&ouml;sung ist denkbar einfach: Check - Fold. Heads-Up gegen einen Preflop-Raiser zu bluffen, kann sehr teuer werden und will gut &uuml;berlegt sein. Anf&auml;ngern sei davon abgeraten.<\/p><p>zu b) Zun&auml;chst ist zu &uuml;berlegen, was hei&szlig;t 'getroffen'. Heads-Up ist Top Pair eine starke Hand. Aber auch Middle oder Buttom Pair k&ouml;nnen brauchbar sein. Man muss immer &uuml;berlegen, ob auch der Gegner getroffen haben kann. Je fr&uuml;her die Position war, aus der der Raise kam, desto eher kann man den Raiser auf hohe Karten setzen. Die konkreten Entscheidungen, ob man eine Made Hand hat oder doch nur ein Draw h&auml;lt, sind schwer zu treffen und erfordern viel Erfahrung. Vieles h&auml;ngt auch von den weiteren Reaktionen des Gegners ab. Wir gehen zun&auml;chst davon aus, vorne zu liegen. Nun haben wir 3 M&ouml;glichkeiten: Bet, Check - Call und Check-Raise. Bet bringt uns nicht weiter. Zum einen geben wir dem Gegner die M&ouml;glichkeit, sich ohne weitere Investition aus der Hand zu verabschieden. Zum anderen haben wir keine nennenswerte Information gewonnen, wenn er callt. Hat er nur einen Draw oder will er den Turn raisen? Selbst ein Raise gegen unsere Bet kann vielerlei bedeuten, da die meisten Gegner eine Donkbet nicht ernst nehmen. Check - Call ist zu passiv. Wir haben &uuml;berhaupt keine zus&auml;tzliche Information erhalten, da der Gegner sowieso bettet, egal, was er h&auml;lt. Bleibt der Check-Raise. Gibt er Gegner nun auf, haben wir immerhin noch eine SB aus ihm herausgequetscht. Callt er, m&uuml;ssen wir den Turn betten, um weiter Druck zu machen. Nun stellt sich heraus, wie stark der Gegner wirklich ist. Callt er nur, haben wir wohl die beste Hand, raist er, m&uuml;ssen wir uns mit dem Gedanken vertraut machen, hinten zu liegen. Wie es weitergeht, ist gegner-, flop- und handabh&auml;ngig und nicht Gegenstand dieses Artikels. Raisen, folden, nach Outs callen oder downcallen (Way Ahead - Way Behind) sind m&ouml;gliche Optionen.<\/p><p>zu c) 'Starker Draw' hei&szlig;t mindestens 8 Outs, also etwa OESD, Flushdraw oder Gutshot mit Overcards. Als erste Option bietet sich Check - Call an, da nach der Flopbet des Gegners 5,5 SB im Pot sind und man somit gen&uuml;gend gro&szlig;e Pot Odds hat. Aber man kann durch einen Semibluff, d. h. in diesem Fall durch Check-Raise, ungeheuren Druck auf den Gegner aus&uuml;ben. Auf die Frage, warum der Druck so gro&szlig; ist, wird weiter unten eingegangen. Hier zun&auml;chst zur Wiederholung oder zur Vertiefung einige Gedanken zum Semibluff.<\/p><h2>Semibluff<\/h2><p>Semibluff nennt man ein Gebot oder - wie in unserem Zusammenhang - einen Raise mit einer Hand, die aller Wahrscheinlichkeit nach nicht die beste ist, die aber im Gegensatz zum reinen Bluff einige Outs hat, um zur besten zu werden. Man hat zwei M&ouml;glichkeiten zu gewinnen. Am liebsten m&ouml;chte man, dass der Gegner foldet, so dass man sofort gewinnt. Callt er aber, hat man immer noch zahlreiche Outs, die man treffen kann. Eine wichtige Frage ist, ob sich die zus&auml;tzliche Bet lohnt oder ob es nicht lukrativer ist, einfach zu callen. Die exakte Beantwortung dieser Frage ist gegnerabh&auml;ngig und mit &auml;u&szlig;erst komplexen mathematischen Berechnungen verbunden (siehe Forumsdiskussion in der Platin-Sektion), f&uuml;r die Praxis reicht aber eine ungef&auml;hre Absch&auml;tzung. Die dahinter steckenden Gedankeng&auml;nge sind &auml;u&szlig;erst lehrreich. Sie seien deshalb an einem Beispiel vorgef&uuml;hrt. Wenn ihr euch nicht durch die Berechnungen qu&auml;len wollt, reicht es auch, das Ergebnis zur Kenntnis zu nehmen.<\/p><p>Nehmen wir an, wir halten einen Flush-Draw, haben also 9 Outs. Wir machen unseren Flush in ca. 1\/3 der F&auml;lle bis zum River (9\/47 + 38\/47*9\/46 =~ 0,34), haben also eine Equity von 34% (der Einfachheit halber sei abgesch&auml;tzt 34% = 1\/3). Bezogen auf unser konkretes Beispiel 'geh&ouml;ren' uns von den 5,5 SB im Pot bereits ca. 1,9 SB (34 % von 5,5). Mit der zus&auml;tzlichen Bet, die wir zahlen, wenn wir raisen, anstatt zu callen, starten wir also einen Angriff auf die restlichen 3,6 SB (5,5 SB - 1,9 SB = 3,6 SB). Die zus&auml;tzliche Bet m&uuml;ssen wir allerdings gar nicht ganz zahlen, denn aufgrund unserer Equity von 34% geh&ouml;rt uns bereits 1\/3 dieser Bet und von der gegnerischen Bet, die dieser zahlen muss, um im Pot zu bleiben, geh&ouml;rt uns ebenfalls 1\/3, so dass unsere eigentliche Investition beim Raisen nur 1\/3 SB betr&auml;gt. Das Verh&auml;ltnis von dem zus&auml;tzlich angegriffenen Potanteil (3,6 SB) zu der Investition (1\/3 SB) betr&auml;gt 10,8 : 1. Wir machen also bereits Gewinn, wenn der Gegner nur in ca. 8,5% (100 \/ 11,8 =~ 8,5, der Ansatz ergibt sich aus der nachfolgenden Erkl&auml;rung) der F&auml;lle foldet. (In 100 F&auml;llen investieren wir 100 Male 1 SB (100 SB Verlust) und gewinnen 8,5 Male 11,8 SB (= 10,8 SB im imagin&auml;ren Pot + unsere investierte SB) = 100,3 SB, also ein durchschnittlicher Gewinn von 0,3 SB\/100 H&auml;nde.) Dass man nur eine vergleichsweise geringe Foldequity ben&ouml;tigt, zeigt die ungeheure St&auml;rke des Semibluffs. Durch die vielen Outs sind die zus&auml;tzlichen Kosten im Verh&auml;ltnis zum Gewinn eben verh&auml;ltnism&auml;&szlig;ig gering.<\/p><p>Diese Rechnung ist zugegebenerma&szlig;en nur eine grobe Absch&auml;tzung. Es wurde beispielsweise nicht ber&uuml;cksichtigt, dass der Gegner auch reraisen kann. Festzuhalten bleibt aber zweierlei. Zum einen muss der Gegner gar nicht oft folden, damit der Semibluff +EV hat. Zum anderen hat ein Semibluff allerdings nur dann Sinn, wenn der Gegner auch folden kann. Denn darauf beruht ja ein Teil der Gewinnerwartung. Callt der Gegner alles, hat ein Semibluff nat&uuml;rlich eine -EV. Aber dann kassiert man ihn mit den Made Hands umso mehr ab.<\/p><h2>Draws, Das Fazit<\/h2><p>Zur&uuml;ck zur Ausgangsfrage, wie man seine Draws spielt: Wir haben gesehen, dass nach der gegnerischen Continuation Bet ein Check-Raise als Semibluff nicht viel mehr kostet als ein Call. Check-raist man seine starken Draws und setzt im Falle eines Calls des Gegners mit einer Turnbet nach, behandelt man seine Draws genauso wie seine Made Hands. Der Gegner kann also an der Spielweise nicht mehr unterscheiden, ob man eine Made Hand oder ein Draw hat. Gerade aus dieser Kombination von Made Hand und Semibluff resultiert der ungeheure Druck, der auf den Gegner ausge&uuml;bt wird. Er kann oft nicht entscheiden, ob er vorne oder hinten liegt. H&auml;lt er z. B. 2 Overcards, ist es schwer f&uuml;r ihn zu callen, obwohl er vielleicht noch vorne liegt. Er wei&szlig; auch nicht, wie viele Outs er hat, weil er eventuell revers dominiert ist oder einige seiner Outs gegnerische Draws vervollst&auml;ndigen. Made Hands und Draws auf die gleiche Weise zu spielen, ist also &auml;u&szlig;erst effektiv. Hieraus folgt aber, dass man Monsterh&auml;nde wie z. B. Sets nicht slowplayen sollte. Denn wenn der Gegner dies beobachtet, wei&szlig; er, dass die Spielweise Check-Raise nicht &uuml;berm&auml;&szlig;ig stark sein kann, denn ansonsten h&auml;tte man die Hand ja slowgeplayt. Durch das Slowplayen der Monsterh&auml;nde nivelliert man den Druck, den man durch Semibluffs aus&uuml;ben kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#1042;&#1074;&#1077;&#1076;&#1077;&#1085;&#1080;&#1077; Shorthanded (im Gegensatz zu Fullring) nennt man im Allgemeinen das Spiel an Tischen mit 2 - 6 Spielern, also [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"inline_featured_image":false,"_lmt_disableupdate":"","_lmt_disable":""},"strategy_category":[],"strategy_level":[221],"class_list":["post-12031","strategy","type-strategy","status-publish","hentry"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.2 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>PokerStrategy RU<\/title>\n<meta name=\"description\" content=\"\u0423\u0447\u0438\u0442\u0435\u0441\u044c \u0438\u0433\u0440\u0430\u0442\u044c \u0432 \u043f\u043e\u043a\u0435\u0440 \u043d\u0430 PokerStrategy.com - 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