Seth Palansky: "Wir wollen den Abwärtstrend des Main Events stoppen"
Der WSOP-Verantwortliche reagiert auf die Kritik zum neuen Turnierplan und verrät, was wir dieses Jahr von der bekanntesten Turnierserie der Welt erwarten können.
Vergangene Woche hatte Barry Carter die garantierte WSOP Main Event-Siegesprämie in Höhe von $10 Millionen kritisiert. Er findet es ein Unding, dass das Geld aus dem restlichen Preispool abgezogen wird. Deshalb sprach er mit Seth Palansky, Vice President of Corporate Communications bei Caesars Interative, der seine Sicht der Dinge darlegte.
"Negative Storys haben einen Einfluss auf das Pokerwachstum"

Seth Palansky: Vielen Dank, Barry. Wir sind da sehr feinfühlig, da über die negativen Geschichten der Pokerbranche deutlich mehr in den Nachrichten berichtet wird, als über die positiven Storys.
Wir sind überzeugt davon, dass dies einen Einfluss auf das Wachstum von Poker hat. Man merkt das gerade beim Werben von neuen Spielern.
Das ist nicht die Schuld der Branchenmedien, sondern eher der Fehler der Mainstreammedien: Ich habe versucht, sie auf David Einhorn aufmerksam zu machen. Er hatte bei einem Event, bei dem er Dritter wurde, $4 Millionen für den guten Zweck gespendet. Die Medien wollten aber nicht darüber berichten. Stattdessen stehen Nachrichten über den Black Friday, Betrugsskandale und gefälschte Chips im Mittelpunkt. Wir versuchen das größte Pokerevent des Landes zu organisieren und es wird immer schwieriger, dies erfolgreich zu tun.
Bei der Partouche Poker Tour wollten sie anfangs den garantierten Preispool nicht auszahlen - bei unseren Events wird es das nicht geben. Wir blicken auf eine 45-jährige Erfolgsgeschichte zurück und wir versuchen immer, transparent zu sein, und das Richtige zu tun.
"Wir wollen den Abwärtstrend des Main Events stoppen"

Wenn man sieht, wie stolz Freizeitspieler sind, die beim Main Event Tag 2 erreichen, ins Geld kommen oder sogar an den Final Table gelangen, sollte man möglichst viele Teilnehmer zufriedenstellen. Ich verstehe aber auch eure Sicht der Dinge, denn durch die garantierten $10 Millionen für den Sieger könnt ihr das Event besser vermarkten.
Seth Palansky: Das ist schon richtig und wir sind mit deiner Kritik eigentlich auch einverstanden. Wir haben aber bereits eine sehr flache Auszahlungsstruktur - möglicherweise sogar die flachste.
Die Wahrheit ist, dass ein Preisgeld in Höhe von $10 Millionen für den Sieger mindestens 9.800 Teilnehmer benötigen würde. Das ist kein realistisches Ziel zurzeit, da wir noch darauf warten müssen, bis sich Online-Poker in den USA wieder verbreitet und die negativen Schlagzeilen verschwinden.
Es ist verlockend für unser Portal WSOP.com, wenn man mit folgender Aussage werben kann: "Macht aus einem Dollar $10 Millionen." Außerdem feiern wir zehn Jahre WSOP im Rio - das kann man super mit einer Marketingkampagne und den $10 Millionen bewerben. Es wäre eine großartige Sache, wenn diese Dinge bei der ESPN-Berichterstattung verkündet werden würden.
Wir hoffen dadurch auf einen Halo-Effekt in den kommenden Jahren, da der gelegentliche Zuschauer diesen Betrag sieht. In Kombination mit den zehn Jahren im Rio ist es eine einmalige Sache und es ist kein neues Format für das Main Event in der Zukunft.
Entstanden ist das Ganze durch das Millionaire Maker-Event, bei dem das Wachstum 86 Prozent betrug. Wir versprachen eine Siegesprämie in Höhe von $1 Million, nannten das Turnier "Millionaire Maker" und hatten das größte Teilnehmerfeld aller Zeiten an einem Tag. Durch das 10-jährige Jubiläum im Rio und unseren Bedenken über den Rückgang der Main Event-Teilnehmerzahlen haben wir uns nun für die Siegesprämie entschieden.
Der prozentuale Rückgang in den vergangenen drei Jahren ist ähnlich wie der Rückgang in den Auszahlungsstufen dieses Jahr. Hätten wir nichts gemacht, hätte das Event einen Rückgang von weiteren drei bis fünf Prozent in diesem Jahr. Die drei Prozent des Preispools, die wir der garantierten Siegesprämie hinzufügen, hätten wir also vermutlich gar nicht, wenn wir nicht die $10 Millionen für den ersten Platz verkündet hätten.
Wir wollten etwas versuchen, um den Rückgang zu stoppen. Wir wollen erreichen, dass die ganzen Zuschauer und neuen Spieler an diesem Event teilnehmen. Es gibt jede Menge Leute, die sagen, sie möchten unbedingt mal in ihrem Leben das WSOP Main Event spielen - durch die Prämie wagen wir den Vorstoß, dass sie es dieses Jahr versuchen und mitspielen werden. Jeder hat das Interesse daran, dass das Pokerspiel wächst und mehr mediale Aufmerksamkeit bekommt. Ich möchte nicht sagen, dass es ein unerheblicher Betrag ist, den wir dem Gesamtpreispool aufgrund der Siegesprämie abgezogen haben. Aber es ist jetzt auch keine Summe, welche den Spielern Probleme bereiten würde. Unser Ziel ist es, die Teilnehmerzahlen zu steigern und dadurch den Preispool zu erhöhen.
"Wir sind interessiert daran, wie die Öffentlichkeit über die garantierte Siegesprämie denkt"

Seth Palansky: Die garantierte Siegesprämie ist ein sehr sensibles Thema und wir sind sehr interessiert daran, wie die Öffentlichkeit darüber denkt - gerade auch nach den vorherigen Kontroversen. Die Poker-Community sieht das Ganze auf ihre Weise an und es ist irrelevant, wie wir es formulieren. Jemand hatte uns gesagt, dass es doch möglich sein sollte, einen Preispool in Höhe von $75 Millionen zu garantieren - erwartet er wirklich von uns, dass wir das Risiko eingehen, und nachher möglicherweise ein Overlay von $20 Millionen haben werden?
Außerdem wissen die Menschen bei einer garantierten Preisgeldsumme, was sie am Ende auch bekommen. Für uns sind solche Beträge sehr wichtig, da wir die Darvin Moons und Chris Moneymakers hatten, die zu Millionären wurden. Pokerfremde Menschen sehen diese Spieler und sagen sich, dass sie das auch erreichen möchten. Die Öffentlichkeit kümmert sich weniger um einen bestimmten Preispool, sondern sie interessiert sich dafür, dass einer der Spieler am Ende mit $10 Millionen nach Hause gehen wird.
"Die Reaktionen auf das Dealers-Choice-Event sind sehr gut"

Seth Palansky: Bei Bracelet-Events gibt es zwei Interessentenkreise, aber wir sehen insgesamt fünf Märkte: Es gibt die Freizeitspieler, die sich von ihrer Arbeit entspannen und am Wochenende ein oder zwei Events spielen wollen. Dann haben wir die Spieler, die normalerweise die täglichen Deepstack-Events mit Buy-Ins von $135 bis $235 spielen - für sie haben wir drei Turniere an einem Tag geplant. Und dann gibt es auch noch den Cash-Game-Spieler, dem wir bis zu 100 Tische anbieten werden.
PokerStrategy: Ein interessantes Turnier wird sicherlich auch das neue Dealers-Choice-Event sein. Hier stehen bestimmt der Spaß und eine gute Atmosphäre im Vordergrund, oder?
Seth Palansky: Genau, das ist die Philosophie dahinter. Wir waren uns nur nicht sicher, ob wir das Event "Dealers Choice" oder "Players Choice" nennen sollten. Da diese Variante jedoch am Pokertisch als "Dealers Choice" bekannt ist, haben wir uns darauf geeinigt. Ich habe nur kleinere Bedenken, da es bei unserer Version von "Dealers Choice" insgesamt 16 verschiedene Pokervarianten gibt. Aber bislang sind die Reaktionen darauf sehr gut und wir denken, dass wir dadurch auch viele Spieler an die Tische bringen werden. Es wird ein faszinierendes Event sein und wir hoffen auf ein geselliges und lustiges Beisammensein - so wie ein Dealers-Choice-Event sein sollte.
"Die Plätze für das One Drop-Event gehen sehr schnell weg"

Seth Palansky: Ja, das ist wirklich so. Das haben auch die Aussie Millions gezeigt und es war wirklich beeindruckend. Wir können euch verraten, dass es richtig gut läuft und dass sich jeder, der bereits 2012 dabei war, darüber freuen würde, auch in diesem Jahr mitzuspielen. Es ist schwierig zu sagen, ob wir die Grenze von 56 Spielern erreichen werden oder nicht. Wir kennen gut die Hälfte des Teilnehmerfeldes und die Plätze für 2014 gehen wirklich sehr schnell weg.
Wir sind trotzdem noch große Fans der Teilnehmerbegrenzung, wir sehen hier Vor- und Nachteile. Dadurch kam 2012 zwar weniger Geld für den guten Zweck zusammen, da einige Spieler nicht mehr an dem Turnier teilnehmen konnten, jedoch ist das Event etwas anders - wir haben spendable Menschen und Geschäftsmänner dabei. Sie machen mit, da sie wissen, dass nur 56 Spieler dabei sind und ihre Siegeschancen deshalb gar nicht so schlecht sind. Die Teilnehmerbegrenzung ist für sie attraktiv und deshalb spielen sie mit. Wir denken, dass es für alle der fairste Weg ist, und jeder, der Interesse an diesem Turnier hat, sollte sich einfach bei uns melden und wir werden ihm dann einen Platz reservieren.
"Darvin Moon wäre für die breite Masse interessanter als Phil Ivey"

Seth Palansky: Wir möchten nur, dass sich die Sieger bei ihren Aktivitäten wohlfühlen. Das ist das Wichtigste und das ist auch die Wahrheit. Wir hoffen jedoch, dass sie sich zu positiven Vorbildern entwickeln werden. Um ehrlich zu sein, war ich bei Greg Merson, der ein toller Typ ist, anfangs etwas skeptisch, er als kurz nach der Reha den Final Table erreichte. Ich hatte gedacht, dass es für diesen jungen Mann zu viel Druck sein könnte, in der Öffentlichkeit zu stehen. Es hätte auch sein können, dass es ihm zu viel wird und er einen Rückschlag erleidet.
Im Nachhinein betrachtet hat er sich unglaublich verhalten. Die Disziplin, die er besitzt, und auch sein Verhalten sind großartig. Wir freuen uns viel mehr darüber und sind nicht enttäuscht, dass er nicht zum Liebling der Medien wurde.
Ich habe die Debatte um die Aussagen von Joe Hachem verfolgt, jedoch gibt es einen Unterschied: Ich kann diese Jungs nicht mehr so vielen Mainstream-Sendungen zur Verfügung stellen, das war bei Joe Hachem damals anders. Die Medien sind nicht mehr so stark an Poker interessiert, als beim Triumph von Hachem. Ein Darvin Moon wäre für eine breite Masse interessanter als zum Beispiel ein Phil Ivey. Pius Heinz hat sich jetzt auch nicht übermäßig medienwirksam in Szene gesetzt, aber er ist ein großartiger Kerl. Er hätte sich nicht wohlgefühlt, wenn er ständig die Fahnen des Pokerspiels hochhalten hätte müssen.
Heutzutage ist es einfach schwieriger geworden, eine Geschichte über die jungen Spieler zu konstruieren - auch wenn das jetzt etwas abgedroschen klingt. Für uns ist es nicht einfach, Spieler mit einer interessanten Story zu finden, die wir auch in den Mainstreammedien platzieren können. Wir haben teilweise schon Probleme, wenn wir die Spieler bei Events nach ihrem Lebenslauf fragen: Wir bitten sie, Fragebögen auszufüllen und die Resonanz ist ziemlich dürftig. Ich würde sagen, dass bei ungefähr einem Drittel der Fragebögen falsche Informationen eingetragen werden.
Wir möchten die Spieler deshalb bitten, dieses Anliegen etwas ernster zu nehmen, wenn sie beim Wachstum des Spiels helfen möchten. Oder sie sollen einfach sagen, dass es sie nicht interessiert, und sie keine öffentliche Aufmerksamkeit möchten. Es ist egal, ob man Daniel Negreanu, Joe Hachem, Ryan Riess, Greg Merson oder Darvin Moon fragt - alle werden sagen, dass der Ruhm, den sie durch Poker bekommen haben, einen positiven Einfluss auf ihr Leben hatte. Und sie alle haben auf ihre eigene Art und Weise zu einem positiven Umgang von Poker in der Öffentlichkeit beigetragen.
PokerStrategy: Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg mit der WSOP 2014.
Hier findet ihr weitere aktuelle Interviews mit den Stars der Pokerwelt
von Barry Carter l Folgt Barry Carter bei Twitter