Aktualisiert am 25 Feb. 26 von

WSOP Main Event: Nur der Sieger profitiert von den garantierten $10 Millionen

Barry Carter ist nicht begeistert davon, dass die garantierte Siegesprämie beim bekanntesten Pokerturnier der Welt aus dem restlichen Preispool abgezogen wird.

https://www.pokerstrategy.com/wp-content/uploads/cdn-origin/2014/02/04/article-2488208-1938940600000578-187_306x423.jpgEs kommt nicht oft vor, dass ich mit den Verantwortlichen der World Series of Poker nicht übereinstimme. Sie haben etliche Innovationen geschaffen, Poker voran gebracht und zahlreiche Experimente versucht, um unser Kartenspiel attraktiv zu halten.

In dieser Woche wurde der Turnierplan für 2014 veröffentlicht und zum ersten Mal sind beim WSOP Main Event $10 Millionen für den Sieger garantiert. In meiner Kolumne habe ich bereits darauf hingewiesen, dass ich diese garantierte Gewinnsumme nicht für notwendig erachte: Ich gehe davon aus, dass ein Spieler, den die $8 Millionen Preisgeld nicht zur Teilnahme motivieren, auch bei $10 Millionen nicht unbedingt teilnehmen wird.

Natürlich verstehe ich den Hintergrundgedanken der Organisatoren, denn durch diese Ankündigung bekommt die WSOP mehr Aufmerksamkeit in den Massenmedien. Jedoch war ich sehr enttäuscht, als ich herausgefunden habe, dass die garantierte Siegesprämie aus dem restlichen Preispool abgezogen wird.

Die WSOP hat deshalb mehr Infos zur Preisgeldstruktur veröffentlicht. Es wurden die gleichen Teilnehmerzahlen von 2013 für dieses Jahr angenommen. Man muss fairerweise sagen, dass bei den einzelnen Payout-Stufen nicht zu viel Geld aufgrund der garantierten Siegesprämie abgezogen werden.

Trotzdem bin ich der Meinung, dass dies sehr unfair ist. Wenn es bei einem Turnier eine Preisgeldgarantie gibt, dann geht man normalerweise davon aus, dass die Veranstalter bei jeglichem Defizit das fehlende Geld dem Preispool hinzufügen werden. Das ist der Grund dafür, warum Spieler bei garantierten Events mitspielen - sie wissen, dass es bei wenigen Teilnehmern ein Overlay gibt und die Organisatoren das Geld extra draufpacken. Die WSOP macht dies nicht: Es ist also keine Garantieleistung, sondern einfach eine Neuverteilung.

Yong zahlte bei der ISPT das Geld aus eigener Tasche drauf

https://www.pokerstrategy.com/wp-content/uploads/cdn-origin/2013/03/27/rob_yong2.jpgIm vergangenen Jahr garantierte das Dusk Till Dawn bei der International Stadiums Poker Tour eine Million Euro für den Sieger. Als bei diesem Event deutlich weniger Teilnehmer kamen als erwartet, zahlte Rob Yong das fehlende Geld aus seiner eigenen Tasche.

Die restlichen Payouts wurden aus dem normalen Preispool entnommen, so wie es auch sein sollte. Die relative Differenz wurde von den Organisatoren gezahlt. Es wäre nicht in Ordnung gewesen, hätte die ISPT die Preisgelder anders verteilt, sodass zwar der Sieger die garantierte Prämie bekommt, die meisten andere Spieler jedoch plötzlich weniger Geld erhalten.

Ich habe mich kurz mit Rob unterhalten können und er sagte mir Folgendes:

"Aus zwei Gründen bin ich für eine garantierte $10 Millionen-Prämie beim WSOP Main Event: In letzter Zeit wurde das Main Event durch das One Drop-Turnier und andere Events mit hohen Buy-Ins etwas in den Hintergrund gestellt (auch wenn das One-Drop-Turnier großartig war). Zudem sind die $10 Millionen natürlich perfekt für Marketingmaßnahmen - davon profitieren alle Pokerräume und Turnierveranstalter, die Qualifikationen für das Main Event anbieten."

"Allerdings sollte die Prämie nicht aus dem restlichen Preispool abgezogen werden, damit es sich um eine richtige Garantiesumme handelt. Falls die garantierte Summe nicht durch die Buy-Ins und die normale Auszahlungsstruktur abgedeckt wird, sollte der Fehlbetrag eigentlich durch die Organisatoren gezahlt werden. Aus Gründen der Glaubwürdigkeit wäre dies für alle Beteiligten eine gute Entscheidung."

Rob ist der Meinung, dass es wichtig für das Wachstum des Main Events sei, wenn sich die Organisatoren zudem mehr um nicht-US-amerikanische Anbieter kümmern würden, die Qualifikanten zum Main Event schicken möchten.

Beim Main Event dreht sich nicht alles nur um den Sieger

https://www.pokerstrategy.com/wp-content/uploads/cdn-origin/2014/02/04/WSOP-Bracelet.jpgJeder Spieler behauptet, dass es für ihn nur um den ersten Platz geht. Zudem werden die meisten Spieler sagen, dass sie die $10 Millionen haben möchten. Die Realität sieht jedoch etwas anders aus: Die meisten Pokerspieler würden sich über flachere Auszahlungsstrukturen freuen. Denn fast jedes Turnier wird - auch wenn die Verhandlungen oft nicht öffentlich geführt werden - mit einem Deal beendet.

Wenn man annimmt, dass 2014 erneut 6.352 Spieler am Main Event teilnehmen, profitieren nur die Marketingabteilung der WSOP und ein Spieler von den garantierten $10 Millionen - 6.351 Teilnehmer werden im Endeffekt benachteiligt. Wenn es schlecht läuft, werden hunderte Spieler enttäuscht sein: Sie werden daran erinnert, dass das Erreichen der Geldränge mehr wert gewesen wäre, wenn es die garantierte Siegesprämie nicht gegeben hätte.

Ich habe Verständnis dafür, dass das Main Event einzigartig in der Pokerwelt ist, und dass das Ansehen mit einer $10 Millionen Prämie steigen wird. Allerdings ist das Main Event auch das größte Turnier der Welt und vor allem Freizeitspieler lieben dieses Event. Für sie ist es schon eine Auszeichnung, die Geldränge zu erreichen. Wenn die Bubble platzt, feiern die Amateure gemeinsam und freuen sich über diesen Erfolg.

Ich denke, dass die WSOP besser beraten wäre, wenn sie mehr Geld für Min-Cashes garantieren würde. Positiv wäre es auch, wenn mehr Spieler sechsstellige Preisgelder erhalten würden. Eine weitere Möglichkeit: Die Veranstalter könnten auch garantieren, dass alle November Niner mindestens siebenstellige Preisgelder bekommen.

Trotz dieses Missgeschicks der Veranstalter bin ich überzeugt davon, dass die Teilnehmerzahlen beim Main Event in diesem Jahr steigen werden. Da in einzelnen US-Bundesstaaten wieder Online-Pokeranbieter erlaubt sind, werden sich auch wieder mehr Spieler per Satellites für das Turnier qualifizieren. Zudem wird die Aufmerksamkeit der Medien höher sein als in den Vorjahren.

Die Verantwortlichen der WSOP haben natürlich das Recht, den Preispool so zu verteilen, wie sie möchten - bereits jetzt ist die Auszahlungsstruktur so flach wie bei fast keinem anderen Turnier. Im Vergleich zum PCA oder den Aussie Millions können sich Freizeitspieler also nicht beschweren. Ich bin der Meinung, dass genau diese flache Struktur die WSOP so besonders macht, denn die Teilnehmerfelder sind bei der Turnierserie deutlich größer als bei anderen Events.

Ich hoffe dennoch darauf, dass die Organisatoren noch einmal über ihre Entscheidung nachdenken werden, vor allem da der restliche Turnierplan wirklich klasse aussieht. Natürlich dreht sich viel um den Sieger, doch ich bin überzeugt davon, dass möglichst viele Spieler die echte Atmosphäre der WSOP genießen sollten - und nicht nur derjenige, der am Ende ganz oben steht.

Seid ihr der Meinung, dass es fair ist, dass die garantierte Siegesprämie von $10 Millionen aus dem restlichen Preispool abgezogen wird? Wir freuen uns auf eure Meinungen in der Kommentarspalte.

von Barry Carter