Sollte es beim Colossus einen höheren Hauptpreis geben?
Wir werfen einen Blick auf die Auszahlungsstruktur beim Rekordevent der WSOP und auf die Kritik am geringen Hauptpreis.

Ich muss zugeben, bei 22.374 Spielern und einem Preispool von mehr als $11 Millionen war ich etwas überrascht vom Hauptpreis des WSOP Colossus in Höhe von "nur" $638.000.
Es ist ein historisches Event und mein Bauchgefühl sagte mir eher, dass es für den ersten Platz ein Preisgeld von mindestens $1 Million geben sollte, allein damit man eine noch besser vermarktbare Story hätte.
Aber die WSOP blieb ihrer Standard-Auszahlungsstruktur und den flacheren Payoutkonzepten treu – eine aus meiner Sicht richtige Entscheidung. Viele Spieler kritisierten hingegen, dass der Erstplatzierte nicht mindestens 10% des Gesamt-Preispools erhielt.
Stattdessen gibt es nun 5,7% des Preispools oder auch das 1.130-Fache des Buy-ins. Spieler, die den Final Table knapp auf Platz 10-12 verpassen, werden etwas weniger als das 100-Fache ihres Buy-ins gewinnen.
Während die meisten von uns sagen, dass sie ums große Geld spielen, begrüßen die meisten jedoch auch flachere Auszahlungsstrukturen. Viele Turniere enden mit Deals, laut einer Umfrage der WSOP wollen 83% der Spieler flachere Payouts und man hat die Entscheidung der WSOP gelobt, in diesem Jahr mindestens 1.000 Preisränge beim WSOP Main Event zu garantieren.
Ein Main Event für Lowstakes-Spieler

Das Colossus hat viele Freizeitspieler angezogen. Wenn solche Spieler nach Vegas kommen, wollen sie etwas erleben und nicht ihren EV maximieren. Nach Hause zu fahren und sagen zu können, "Ich habe Geld bei der WSOP gewonnen", ist für viele das Ziel. Aufgrund der flacheren Payouts werden nun deutlich mehr Spieler mit einer tollen Erinnerung und einem Lächeln ins traute Heim zurückkehren.
Manch einer mag nun sagen, dass diese Argumentation vielleicht auf das $10.000 Main Event übertragen werden kann, bei der auch ein Mincash sehr viel Geld wert ist, aber nicht für ein $565-Turnier gilt, bei dem ein Mincash nicht einmal die Reisekosten abdeckt. Dagegen würde ich halten, dass $565-Spieler aus meiner Sicht noch preisempfindlicher sind und ihr Mindset vielmehr dem begeisterter Amateure entspricht. Es bei der World Series of Poker zum ersten Mal ins Geld zu schaffen, dürfte diesen Spielern deutlich mehr bedeuten, als den Spielern, die die $1.500-Events und höher spielen können. Entsprechend gilt aus meiner Sicht: Je mehr dieser Freizeitspieler es ins Geld schaffen, desto besser.
Natürlich wäre es cool gewesen, wenn der Gewinner des neuen Events direkt zum Millionär werden würde. Allerdings legen wir dieser Tage wohl etwas zu viel Wert auf siebenstellige Preisgelder. Es wurden und es werden auch weiterhin Hunderte von Millionen-Preisgelder beim Poker vergeben. Darüber hinaus steht in dieser Woche auch noch der "Millionaire Maker" bei der WSOP an. Dass der Gewinner zum Millionär wird, ist nicht die Grundvoraussetzung für ein gutes Turnier.
Für die meisten Spieler, die teilgenommen haben, ist das Colossus das persönliche Main Event. Es wird wahrscheinlich das einzige Bracelet-Event bleiben, das sie in diesem Jahr spielen. Meiner Meinung nach macht es deutlich mehr Sinn, 2.241 Spieler als Gewinner nach Hause zu schicken, als einen einzelnen Spieler zum Millionär zu machen.
Was haltet ihr von der Auszahlungsstruktur des Colossus? Sollte der Sieger mindestens $1 Million erhalten? Lasst es uns in den Kommentaren wissen!