Berliner1982: 'Ohne Spielfreude wird man scheitern'
Im Interview mit unserem Coaching-Koordinator Berliner1982 erfahrt ihr unter anderem, wie er die Coach-Horde zusammenhält, mit ihnen ein WSOP Package gewinnt und seine eigenen Coachings konzipiert.
Seit Mitte 2008 ist dafür verantwortlich, dass ihr die Coachings bei PokerStrategy.com in Anspruch nehmen könnt. Neben der Pflege des Coachingplans sorgt er dafür, dass unsere Coaches immer für euch da sind!
Nachdem es unsere Coaching-Koordinator zurück nach Deutschland gezogen hat, sprachen wir mit ihm, um einen Einblick in seinen (Arbeits-)Alltag zu bekommen.
Interview mit Berliner1982
Das Interview führte funmaker.
PokerStrategy.com: Hallo
Berliner1982! Viele Mitglieder kennen dich als PokerStrategy.com Verantwortlichen bereits. Verlier doch trotzdem bitte ein paar Worte über dich!
: Hallo liebe PokerStrategen. Ich bin der 27-jährige Karsten aus dem wunderschönen Berlin. Ich bin verheiratet und studiere seit diesem Wintersemester nebenbei Bildungswissenschaften.
PokerStrategy.com: Du bist seit Juni 2008 festangestellter Mitarbeiter bei PokerStrategy.com. Für welche Bereiche bist du verantwortlich?
: Nachdem ich bereits ab Dezember 2007 dem damaligen Live-Coaching Verantwortlichen einige organisatorische Dinge abgenommen habe, durfte ich ein halbes Jahr später in seine Fußstapfen treten. Seitdem bastle ich dann und wann mal gerne am Coachingplan, sorge dafür, dass dieser auch funktioniert und kümmere mich hoffentlich gut um meine Coaches (das können die aber besser einschätzen). Das mache ich sowohl für die deutsche als auch englische Community.
PokerStrategy.com: Du bist also der Koordinator der Coachings im englischen und deutschen Forum. Gibt es dort Unterschiede, was die Arbeit betrifft? Warum betreust du auch das englische Forum?
: Es hat sich so ergeben, dass unsere Educationabteilung ( als Papa Schlumpf, akt. Handbewertungen und Videos, huckebein etc.) sowohl die deutsche als auch die englische Community betreut. Ich persönlich war bereits seit 2007 als Coach für die englische Community aktiv. Für mich waren die beiden Communities deshalb von Beginn an immer ein Paket.
Unterschiede gibt es natürlich trotzdem: Zum einen wird jegliche Weiterentwicklung (sei es der neue Coachingplan, die HB-Coachings, Theoriecoachings oder ähnliches) zunächst in der deutschen Community eingesetzt und dann auf die englische übertragen. Andere Communities folgen später. Zum anderen ist der interne Kommunikationsaustausch mit den englischen Coaches wesentlicher ruhiger. Hier muss man aber dazu sagen, dass die meisten Coaches, die in der englischen Community aktiv sind, auch Coaches in der deutschen Community sind, so dass Diskussionen und Betreuungen eben ins Deutsche Forum verlagert werden.
Grundsätzlich ist der zeitliche Aufwand, sowohl was die Betreuung angeht als auch die Umsetzung von neuen Sachen, für die englische Community wesentlich geringer, was eben auch an der Pionierarbeit im Deutschen und der Schnittmenge an Coaches in beiden Communities liegt.
PokerStrategy.com: Wie würdest du denn das Arbeitsklima zwischen dir und unseren Coaches beschreiben? Gibt es Reibungspunkte unter den Coaches?

Manchmal fehlt mir die Zeit für meine Coaches, weil es sehr viel zu tun gibt. Insbesondere mit Familie im Hintergrund muss ich manchmal abends einen Riegel vorschieben und sagen: "Sorry, aber die Familie geht vor." Nicht selten habe ich aber auch Skypemeetings, die locker zwei Stunden andauern. Über die Zeit kennt man halt die alten Hasen, mit denen man dann auch die ein oder andere private Floskel austauscht.
Zu verbessern gibt es aber immer etwas, denn skypetechnisch sind meine Jungs echt gut, aber bei notwendigen E-Mails sind sie manchmal ein wenig "vergesslich" ;-). Manchmal merkt die Community das, wenn plötzlich ein Coach fehlt. Davon abgesehen macht meine Rasselbande aber einen tollen Job (Ich sehe schon die Skypefenster aufpoppen für diesen Kommentar)!
Die Familie geht vor!
PokerStrategy.com: Ist deine Familie der Grund, warum du Anfang des Jahres für nur zwei Monate in Gibraltar tätig warst? Welche Eindrücke hast du dort gewonnen?
:
Ganz eindeutig ja, auch wenn es nicht so geplant war. Manchmal überschlagen sich die Ereignisse halt einfach.
Welche Eindrücke ich mitnehme? Es ist nicht wie ein Spanienurlaub. Da wirst du nicht betüdelt wie ein Tourist, sondern du lebst da und das bedeutet, dass du dich an die Gegebenheiten und die Mentalität der Leute anpassen musst. Ebenso muss man sich an die Lebensstandards gewöhnen. Und das ist eben nicht so einfach. Ich denke, als typisch Deutscher (die ja gerne in Spanien Urlaub machen) wirst du da nicht unbedingt glücklich. In Gibraltar ist alles wesentlich relaxter und dauert länger. Die Leute sind aber dennoch - zumindest zu mir - sehr freundlich gewesen. Aber sobald du in Spanien bist, musst du Spanisch sprechen. Englisch spricht hinter der Grenze scheinbar niemand.
Insgesamt war es trotzdem ein sehr positives Erlebnis, das ich nicht missen möchte.
PokerStrategy.com:
Was reizt dich denn an der Arbeit bei PokerStrategy.com besonders? Wie sehen deine beruflichen Perspektiven aus?
: Einen großen Reiz hat definitiv das Zusammenspiel des selbstständigen Arbeitens und Teamworks. Selbst wenn du deine eigenen Projekte hast, befindest du dich in einem regen Gedankenaustausch mit anderen Mitarbeitern, die nicht selten interessante Ideen einbringen, worauf man selber nicht gekommen wäre. Ansonsten macht mir der kommunikative Austausch mit den Freelancern wohl am meisten Freude, wobei es nicht immer einfach ist, die Interessen der Freelancer mit denen von PokerStrategy.com zu vereinbaren.
Ich hoffe natürlich, noch lange für PokerStrategy.com aktiv sein zu können. Ansonsten beginnt nun mein Studium an der FernUni, wo ich hoffentlich in dreieinhalb Jahren den Bachelor abschließe. Danach würde ich mich schon gerne im Bildungssektor in irgendeiner Art und Weise selbstständig machen. Genaue Planungen gibt es aber noch nicht, dafür kann in der Zeit einfach zuviel passieren.
Mit anstehendem Nachwuchs wird es dann als Alleinverdiener nicht mehr so einfach werden. Von daher lass ich mich einfach überraschen. Dabei hatte ich als Kind immer den Wunsch, nach der Schule einfach nur Rentner zu werden (damals gab es ja noch ordentlich Rente ^^).
PokerStrategy.com: Dann hat sich dein Leben im Gegensatz zu früher ja radikal geändert. Früher hattest du noch Zeit, dir Tag und Nacht Fernsehserien anzuschauen. Für welche Hobbies hast momentan noch Zeit?
: Ich muss gestehen, dass ich die Serien noch gar nicht alle durchgesehen habe (vielleicht 90%) und es sind noch etliche hinzugekommen. Ein Hobby ist es aber weiterhin, zum Glück teilt meine Frau das mit mir und da nehmen wir uns auch öfter mal Zeit für. Ansonsten ist es schwer, wirklich von Hobbies zu sprechen. Im Winter werde ich sicherlich wieder vermehrt puzzeln, das entspannt und hält das Gehirn jung. Ich bin eben schon ein wenig wie ein alter Mann! 🙂
Ab und an poker ich auch wieder in meiner Freizeit und bin da zu meinen Wurzeln zurückgekehrt. Diesmal aber ohne große Ambitionen. Dazu später noch mehr Infos.
Allgemein kann man sagen, dass ich die Zeit gerne mit meiner Familie und Freunden verbringe und in der Kirche aktiv bin, wo immer mal wieder was los ist. 😉
Was ich aber wieder einbauen werde, ist ein wenig mehr Sport, soll ja angeblich gut für Körper und Seele sein und ist sicher ein guter Ausgleich.
"WrestleMania und Super Bowl sind meine Kindheitsträume"
PokerStrategy.com: Du hast den (Kindheits-)Traum, einmal live bei einer WrestleMania dabei zu sein und den Super Bowl live anzuschauen. Wie sieht es mit diesen Vorhaben aus und welche Wünsche hast du sonst noch für deine Zukunft?
: Erfüllen konnte ich noch keinen der Träume, auf der Liste steht es aber sicherlich noch. Auch wenn das jetzt als Nicht-Single schon bedeutend schwerer wird, da sich ja die Prioritäten deutlich verschieben. Die wichtigsten Wünsche sind wohl, dass meine kleine (oder große :P) Familie gesund ist und es ihr an nichts mangelt und wir glücklich sind. Da mich meine Frau aber immer mal wieder ein "großes Kind" nennt, werde ich wohl meine Kindheitsträume eines Tages noch erfüllen.
Ansonsten wäre es ein Traum, irgendwann noch einmal die USA zu bereisen und später auszuwandern (nach Kanada oder Neuseeland), wo ich mit meiner Familie ein schönes Grundstück mit Haus am See bewohne, mit Wäldern und Bergen um uns herum. Dabei sollte eine größere Stadt aber auch nicht zu weit weg sein, denn dazu bin ich doch zu sehr Großstadtmensch.
PokerStrategy.com: Schöne Aussichten! Kommen wir zu deinen Pokeraktivitäten. Du hast, wie oben schon angedeutet, ein neues "Projekt",
das du in Tagebuchform gestartet hast. Erzähl doch mal ein wenig darüber!
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Na ja, wie man sich denken kann, hat man als Live-Coaching-Verantwortlicher viel mit Poker zu tun und wenn man dann noch weitere Verpflichtungen hat, steigt die Motivation in der Freizeit selber zu spielen nicht wirklich.
Wirklich aufgeben wollte ich das Pokern aber auch nicht, zumal ich immer mal wieder die Lust auf Pokern verspürte, insbesondere beim Fixed Limit, was damals meine Einstiegsdisziplin war. Und da habe ich mir gesagt, dass ich nur noch spiele, wenn ich Lust habe. Früher habe ich immer gerne gerechnet, wieviel Geld welches Spielpensum bringen würde - ein absolut falscher Ansatz in meinen Augen!
Was am Ende dabei rauskommt, wird sich ja zeigen und kann man nachlesen. Vielleicht hilft das Tagebuch eben auch anderen Leuten, ein wenig relaxter an die Sache zu gehen und einfach Spaß zu haben. Mir hilft es definitiv, mich zu erinnern, warum ich an die Tische gehe. 😉
"Ohne Spielfreude wird man scheitern!"
PokerStrategy.com: Das wäre schon mal ein Tipp an alle Einsteiger: Spaß haben bei dem, was man macht und nicht zu verbissen sein. Was kannst du einem Einsteiger noch raten, um beim Pokern dauerhaft erfolgreich zu sein?
: Das ist wohl deine Lieblingsfrage, oder? *fg*
Leider werde aber auch ich das Rad nicht neu erfinden und kann nur sagen, dass ein guter Mix aus Theorie und Praxis sowohl was das Pokerspiel aber eben auch die eigene Psyche angeht, langfristig zu gutem Spiel führen wird. In der Regel sollte damit der Erfolg kommen, wie immer man den auch definieren mag.
Wie man sich dann am besten weiterbildet neben dem eigentlichen Spielen, ob nun in Form von Artikeln, Coachings, Videos oder Diskussionen mit anderen, ist ganz individuell verschieden und hängt vom Lernenden ab. Als Einsteiger sollte man sicherlich alles testen und schauen, welche zwei bis drei Dinge davon am meisten Spaß bringen. Da wird man dann wohl am Weitesten mit kommen.
Was ich sonst noch raten würde: Ganz ehrlich, wenn du nur wegen dem Geld spielst, lass es! Es ist in meinen Augen verschwendete Zeit. Für vielleicht einen aus 1.000(0) mag es die richtige Motivation sein, um so erfolgreich zu werden. Aber ohne Spielfreude wird man in der Regel scheitern.
PokerStrategy.com: Im Forum gibt es eine interessante Aussage bezüglich der Auswirkungen von PokerStrategy.com und die Verbreitung der theoretischen Inhalte. Kannst du diese Aussage genauer erläutern?
: Na, der Begriff "Fisch" ist im Pokern doch für jeden individuell frei wählbar und sagt grundsätzlich nicht wirklich etwas über den Skill-Level eines Spielers aus, nur über die Edge, die ein Spieler über einen anderen hat. Jedenfalls für mich.
Für einen kobeyard werden sicherlich auch die meisten $2/$4 FL Regs Fische sein, da er gegen sie eine deutliche Edge hat. Für mich sind es eben Fische die 50/10 mit einem WTS von 40+ spielen. 😉
Wenn also durchschnittlich das Niveau steigt und die megaschlechten Spieler wegfallen, wird eben der durchschnittliche Fisch ein neues Level erreichen.
Auf dem Weg zur WSOP 2008
PokerStrategy.com: Was würdest du denn als deine bisher größten oder schönsten Pokererfolge bezeichnen? Es gibt eine interessante "WSOP Package"-Geschichte, spielt die eine Rolle?

Der Rest ist die Geschichte, an deren Ende ich ein $580 Main Event Qualifier gewinnen konnte. Dabei wurde ich von vielen Hundert PokerStrategy.com Mitgliedern und bis zu neun weiteren Coaches (u.a. sebra, kobeyard, und tigga) tatkräftig unterstützt.
Das Package habe ich mir dann aufgrund fehlender Live-Erfahrung auszahlen lassen und damit Schulden meiner Mutter bezahlt. Ein wenig wehmütig bin ich aber dennoch, nicht geflogen zu sein, aber irgendwann ... Alleine das Coaching ist für mich nach wie vor unvergesslich.
Nachlesen kann man die Geschichte von damals auch noch im Forum:
- [Fun-"Coaching"] 02.02. Mitternacht $580 WSOP Qualifier
- [Feedback] WSOP Qualifer Win von 0 bis 5 Uhr
PokerStrategy.com: Du bietest ein Coaching der besonderen Art an. Erkläre
uns bitte, worum es dir dabei genau geht?
: So ganz genau kann ich die Art des Coachings ehrlich gesagt nicht definieren, da es sich bisher von mal zu mal weiterentwickelt hat. Grob umrissen kann sich jeder, der ein Mindsetting-Problem hat, an mich wenden. Bisher waren dann die Problemursachen, die sich zum Beispiel in Tilt oder Antriebslosigkeit äußern, in den Coachings ganz unterschiedlicher
Natur.
Manchmal möchte der Interessierte aber auch einfach nur reden und braucht jemanden, der wirklich zuhört. Oder er möchte, dass sein Spiel beobachtet wird, weil er so konzentrierter spielt. Auch für mich ist es interessant, wie man jemanden durch gezieltes Hinterfragen helfen kann, ohne selber dessen Poker-Skill zu haben. Ich bin also eine Art Sorgenhotline. 😉
Bisher war das Feedback im Anschluss stets positiv.
PokerStrategy.com: Vielen Dank für das ausführliche und nette Interview, Karsten. Wir wünschen Dir und deiner Familie das Allerbeste und hoffen, dass du uns noch lange erhalten bleibst. Das Abschlusswort überlasse ich dir!
: Nice hand! Vielleicht war ja aus Versehen das ein oder andere
Interessante für unsere Mitglieder