Fünf Gründe, warum man die Lowstakes nicht schlägt
Diese fünf Fehler könnten der Grund dafür sein, warum ihr in den Games auf den Lowstakes nicht erfolgreich seid.
Ein zu großes Pensum zumuten

Wenn man verschiedene Pokerseiten anschaut, bekommt man schnell das Gefühl, dass es nur ums Grinden geht und schon eine Art "Kult" entsteht. Ein Großteil des Contents zielt auf Grinder ab oder bewirbt die Vorteile eines hohen Spielvolumens.
Viele von euch sind aber wohl gar keine Grinder und werden es auch nie. Dafür gibt es verschiedene Gründe, für manche ist Poker z.B. einfach nur ein Hobby. In diesem Fall solltet ihr nicht versuchen die limitierte Zeit, die euch zur Verfügung steht, mit so vielen Händen wie möglich vollzustopfen. Versucht nicht zu viele Tische auf einmal zu spielen oder jede nicht optimale Hand beim Zoom Poker per Fast-Fold wegzulegen.
Jede Hand ist bedeutsam. Macht euch darüber Gedanken. Ihr werdet überrascht sein, wie viel effektiver dieser Ansatz ist, anstatt 200-300 Hände blind durchzuklicken.
Eine Überdosis an HUDs und Statistiken

Sogar auf den kleinsten Stakes kann man sich kaum noch verstellen, dass ein Winningplayer ohne HUD unterwegs ist. Sogar absoluten Anfängern wird empfohlen, sich den Hold'em Manager oder PokerTracker so schnell wie möglich zuzulegen, um die Gegner auszuspielen.
Eins muss jedoch gesagt werden: Die zu frühe Nutzung eines HUDs wird keinem Gewinner dabei helfen, seine Winrate zu steigern - es kann sogar eher schaden. Vielmehr wird der Fokus von wichtigeren Dingen wie strategischen Aspekten gelenkt und den Prozess, den es braucht, um Poker zu verstehen stören.
Wenn ihr im Monat weniger als 10.000 Hände spielt, sind HUDs für euch praktisch nutzlos. Zum einen werdet ihr nicht die benötigte Samplesize auf eure Gegner sammeln können und somit könnt ihr euch auf die angezeigten Stats nicht verlassen (und wenn ihr diese nicht validierten Stats nutzt, riskiert ihr große Fehleinschätzungen über das Spiel eurer Gegner zu treffen). Zum anderen wären die Stats, für die ihr endlich ausreichend Sample hättet, längst "abgelaufen". Denn auch eure Gegner Arbeiten an ihrem Spiel und entwickeln es weiter.
Natürlich könnt ihr trotzdem Tool wie den Hold'em Manager nutzen, um Basiswerte wie VPIP und PFR zu sehen und eure eigenen Werte zu prüfen. Ihr gebt jedoch immer noch eine - im Verhältnis zu euren Stakes - große Menge Geld aus, um nur einen Bruchteil der Funktionen des Tools zu nutzen.
Persönlich glaube ich nicht, dass es das wert ist. Das Studieren von Ranges und das Erlernen solider Spielstrategien ist viel wertvoller.
Theorie und Praxis
Eine beliebte Faustregel der Pokerwelt besagt: 80% Praxis und 20% für theoretische Studien. Das klingt wie eine sinnvolle Aufteilung, jedoch nur für solche Spieler, die ihren Gameplan bereits durchdacht haben und diesen nur noch verfeinern oder anpassen müssen. Also für waschechte Grinder.
Ein Anfänger, der in den meisten Situation eher rät als einen konkreten Plan zu verfolgen, wird mit dieser Arbeitsaufteilung wohl nur eins erreichen: Er ist broke, noch bevor er die Grundzüge von Poker verstanden hat.
Ihr solltet die Balance zwischen Theorie und Praxis immer nach der Anzahl an problematischen Situationen gewichten, die sich für euch an den Tischen auftun. Wenn sinn in jeder Hand Fragen aufwerfen und ihr die Richtigkeit eurer Entscheidungen anzweifeln müsst, solltet ihr wohl eher 80% für Theorie und 20% für das Spielen einplanen.
Varianz unterschätzen
Leider unterschätzen fast alle Spieler beim Betrachten ihrer Ergebnisse den Faktor Varianz bzw. die Zufälligkeit der Ereignisse.
Die Sache ist, dass ihr euch mit der höchsten theoretischen Winrate über eine gewisse Anzahl von Händen viel Geld verlieren könnt! Ihr solltet euch einmal diesen Artikel durchlesen, bevor ihr zu eilige Schlüsse nach nur ein paar Tausend Händen und negativen Resultaten zieht:
Wie man die Varianz zu schätzen lernt
Grinder spielen im Monat Zehntausende Hände und ihre Resultate bewegen sich mehr oder weniger nahe an ihrer echten Winrate. Wenn ihr aber nur ein paar Tausend Hände im Monat spielt, müsst ihr euch auch auf verlustreiche Monate einstellen, vielleicht sogar mehrere in Folge. Ihr werdet nie wirklich Rückschlüsse auf eure aktuelle Winrate ziehen können. Sicher könnt ihr lediglich sagen, dass ihr "X Hände" mit "Y Winrate" gespielt habt.
P.S. Ich empfehle euch Nassim Talebs Buch Fooled by Randomness. Glaubt mir, danach seht ihr die Welt in einem anderen Licht.
Versuchen 'unexploitable' zu sein
Eigentlich müsste man dem Unterschied zwischen optimalem und balanciertem Play einen eigenen Artikel widmen, denn die meisten Fehlvorstellungen heutiger Pokerspieler beruhen genau hierauf.
Zunächst müsst ihr euch jedoch nur Folgendes merken: Um andere Spieler exploiten zu können, müsst ihr selbst exploitbar sein. Viele von euch kennen diese "fischigen" Spieler, die auf den Lowstakes unerwartet gute Resultate vorzeigen können. Würden diese Spieler auf den Higherstakes spielen, wären sie schleunigst ihr komplettes Geld los. Die Strategie, die sie verfolgen ist auf "ihren Stakes" aber eine der effektivsten.


