Aktualisiert am 26 Feb. 26 von

Wenn man wusste, dass der Gegner die Nuts hat...

Zum Abschluss seiner Artikelreihe zum Thema kognitive Verzerrungen geht Grigoriy Skrypnik dem Einfluss von später Einsicht auf den Grund.

Heute folgt der letzte Artikel zum Thema Wahrnehmungsverzerrungen und wie sie unser Pokerspiel beeinflussen. Sieben relevante Täuschungen unseres Gehirns wurden im ersten, zweiten und dritten Teil dieser Artikelreihe erläutert. Werft also einen Blick darauf, falls ihr es noch nicht getan habt.

Der Einfluss von später Einsicht

Cognitive bias in poker

Diesen thematischen Aspekt haben wir uns treffenderweise für das Ende der Artikelreihe aufgehoben.

Beim Poker treffen und analysieren wir immer und immer wieder neue Entscheidungen. Das Problem ist, wenn wir unsere Aktionen untersuchen, allerdings schon das Ergebnis kennen, ist unsere Haltung automatisch voreingenommen. Die Folge ist, dass Menschen vergangene Ereignisse als vorhersehbarer wahrnehmen, als sie es tatsächlich waren.

"Ich wusste es!", dürfte jedem von uns schon einmal über die Lippen gegangen sein, wenn der Gegner mal wieder die Nuts am Showdown gezeigt hat. Anschließend folgt der Vorwurf an uns selbst, nicht einfach den "Fold"-Button gedrückt zu haben, obwohl es ja so offensichtlich war, dass wir hinten liegen.

Es geht noch schlimmer: Während eines Downswings bekommt man nur allzu leicht das Gefühl, dass praktisch jede gewählte Line falsch ist. Wenn wir callen, treffen wir auf die Nuts. Wenn wir folden, hat der Gegner natürlich gerade geblufft. Kommt euch das bekannt vor?

Mein Tipp: Geht nicht zu hart mit euch ins Gericht! Andere Menschen und ihre Entscheidungen sind nicht so vorhersehbar, wie wir glauben. Diesen Verzerrungseffekt zu überwinden, fällt beim Poker noch schwerer als in anderen Bereichen, da wir ständig Annahmen treffen, ohne niemals wirklich alle Informationen zu haben.

Selbst wenn es so scheint, als würden wir die gegnerische Range genau kennen, bleibt es nur eine Schätzung. Irrigerweise denken manche erfahrenen Spieler sogar, dass es möglich ist, ein Gefühl für korrekte Vorhersagen zu entwickeln, wenn man nur hart genug daran arbeitet Muster, versteckte Planung, strategische Leaks oder einen wunden Punkt beim Gegner auszumachen.

Wir sind allerdings Menschen – und allein das sorgt dafür, dass es stets ein gewisses Maß an Unberechenbarkeit bei unseren Handlungen gibt. Wir müssen lernen, damit zu leben, und gleichzeitig akzeptieren, dass unser Gehirn nicht perfekt ist.

Das Fazit

Cognitive bias in poker

Wir können unser Denken nicht perfektionieren. Es ist unmöglich für uns, keine Fehler zu machen. Wir müssen akzeptieren, dass all diese kognitiven Verzerrungen existieren. Sie sind eingewurzelter Teil unserer Psyche und in die neuralen Strukturen unseres Gehirns programmiert.

Allein durch die Anerkennung ihrer Existenz können wir diese Täuschungen jedoch hin und wieder überwinden und tatsächlich objektives Denken erreichen. Dabei und auf dem steinigen Weg hin zum Meistern von Poker wünsche ich euch allen viel Erfolg!

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