Wie würdet ihr den River spielen?
Wir kehren zurück auf NL50 auf der Suche nach Value gegen einen schlechten Gegner. Unsere Hand ist zwar schwach, aber können wir einen Limp tatsächlich ungestraft lassen?
Nach einer Weile werfen wir mal wieder einen Blick auf eine NL50-Hand, bei der Hero mit einer maximal mittelprächtigen Starthand einen scheinbar schwachen Gegner isoliert hat, der vor dem Flop lediglich gelimpt hatte.

Preflop kann man natürlich argumentieren, dass Heros Hand einfach zu schlecht ist, um einen Spieler zu isolieren, egal ob der nun einen schwachen Eindruck macht oder nicht. Wenn wir aber immer nur nach Vorschrift spielen würden, wäre Poker ja schnell langweilig. Trotzdem muss mindestens eine der beiden folgenden Annahmen vorliegen, wenn Hero tatsächlich einen derartigen Move auspacken will:
Entweder gibt er sich mit seiner Hand eine positive Equity gegen die Range von Villain (was hier definitiv nicht der Fall sein kann) oder er muss einen Postflop-Read auf seinen Gegner haben, den er ausnutzen kann, zum Beispiel eine hohe Foldfrequenz gegen C-Bets.
Der Flop fällt im Anschluss trocken aus, was natürlich für einen C-Bet-Bluff spricht. Wir können damit einen großen Teil von Villains Range aus der Hand treiben, zum Beispiel viele Broadway Semi Connector und niedrige Pocket Pairs. Die C-Bet von Hero hätte jedoch etwas größer ausfallen können. Ein paar Blinds mehr können hier einen großen Unterschied ausmachen, was die Foldequity gegen einen Hobbyspieler betrifft.
Die Turnkarte beschert uns dann einen Flushdraw. Wenn wir nun weiter aggressiv spielen, wird das Ganze zu einem Semibluff. Ob das hier sinnvoll ist oder nicht, steht auf einem anderen Blatt. Unser Gegner will jedenfalls noch nicht aufgeben und stattdessen einen Blick auf den River werfen.

Mit dem River treffen wir dann tatsächlich auch unseren Flush, diesmal kommt von Villain jedoch kein Check, sondern eine Donkbet für die Hälfte des Pots. Wenn es sich hier tatsächlich um einen Hobbyspieler handelt, repräsentiert er damit eine starke Valuerange. Da unsere Hand auf diesem Board nicht die beste ist, stellt sich nun also die Frage, wie wir das Ganze sinnvoll zu Ende spielen sollten?
Review zur letzten Hand
Beim letzten Mal hatte uns der Weihnachtsmann Pocket Achter auf einem kniffligen Board mit zwei All-ins beschert. Die Hand war ein gutes Beispiel dafür, wie eine einzige Karte einen Plan auf den Kopf stellen und eine eigentlich sehr starke Hand in eine marginale verwandeln kann.
Wie gespielt, ist die beste Entscheidung am Turn einfach aufzugeben, da wir selbst mit unserem Redraw einfach nicht genug Equity haben. Viel wichtiger ist jedoch, dass wir auf dem Flop hätten raisen sollen, um unseren Value zu maximieren. Mit einer Hand wie unserer wollen wir um komplette Stacks spielen, können das aber erst tun, wenn der Pot auch groß genug ist. Indem wir früh raisen, stellen wir sicher, dass der Pot so hoch ausfällt, dass wir um maximalen Value auf späteren Streets spielen können. Zudem sollten wir auch auf derartigen Boards gegen mehr als einen Gegner stets protecten.

