Aktualisiert am 26 Feb. 26 von

Quantenphysiker & Pokercoach asimos im Interview

Im Gespräch mit PokerStrategy.com-Coach 'asimos' erfahren wir mehr über seinen Coachingansatz und wie er seinen wissenschaftlichen Background mit Poker verknüpft.

asimos
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Hallo asimos! Du hast einen Doktortitel in Quantenphysik. Gibt es bestimmte Crossover-Skills, die du auch in dein Pokerspiel integrierst?

asimos: Hallo zusammen! Ich würde sagen, wie bei allem im Leben gilt, wenn man in einer Sache gut sein will, egal worum es geht, dann muss man mit Leidenschaft dabei sein und hart daran arbeiten. Die richtige Struktur und Methodik sind sehr wichtig. Wie sollte man seine Energie einsetzen? Worauf sollte man primär den Fokus legen? Was sind Schlüsselfragen, die es zu beantworten gilt, damit man weiter vorankommen kann?

Auf meinem Weg geholfen haben mir vor allem effektive Recherche, gute Kenntnisse der aktuellen Entwicklungen, ein starker Drang immer weiterzulernen, aber auch Kreativität und Einfallsreichtum mal etwas Neues auszuprobieren. Beim Poker sind solide Kenntnisse über die aktuellen Strategien gefragt, aber man muss auch in der Lage sein, ab einem gewissen Niveau etwas Neues in sein Spiel zu integrieren, wenn man in einem hochumkämpften Umfeld einen Schritt voraus bleiben will.

Wie wichtig sind Grundkenntnisse in anderen Disziplinen wie Mathematik, Wirtschaft oder Wissenschaft für einen Pokerspieler?

asimos: Es kann wichtig sein, muss es aber nicht. Ich kenne viele erfolgreiche Spieler, die keinerlei tiefere Kenntnisse in Mathematik oder Wissenschaft haben. Zudem ist theoretisches Pokerwissen nicht immer das erste Kriterium, das entscheidend ist bei der Frage, ob man gute Resultate erreichen kann oder nicht. Wo man spielt, wie man spielt, wie man seine Zeit organisiert, wie man mental an die Partien herangeht und wie man seine Tische auswählt, sind alles Aspekte, die genauso entscheidend für Erfolg oder Misserfolg sein können, vielleicht sogar entscheidender als die Strategie an sich.

Wenn man dieselbe Frage aber aus einem anderen Blickwinkel betrachtet, würde ich schon sagen, dass es bei einem Fehlen an Wissen abseits von Poker durchaus sein kann, dass man etwas schwieriger vorankommt. Nicht etwa weil man nicht intelligent genug wäre, sondern vielmehr weil es auf Schwachstellen in Sachen Lernstruktur und die notwendige Disziplin hindeutet. In solch einem Fall braucht man einen guten Coach. Dabei gibt es natürlich auch wiederum Ausnahmen, aber die bestätigen ja an sich nur die Regel.

Menschen, denen es gelungen ist, eine Beschäftigung zu meistern, können das in den meisten Fällen auch in einem anderen Bereich schaffen.

Eine der wichtigsten Fähigkeiten aus deinem Studium dürfte dann wohl der Drang zum eigenständigen und effektiven Lernen sein?

asimos: Auf dem Weg zum Doktortitel entwickelt man natürlich viele wertvolle Fähigkeiten, die einen weiterbringen können. Ich persönlich habe dabei aber tatsächlich am meisten mein Pokerspiel vorangebracht.

Die Bereitschaft eigenständig zu lernen war dabei der entscheidende Faktor bei meiner Entwicklung. Hinzu kommt dann vermutlich noch, dass ich ohnehin schon immer ein Faible für Strategiespiele wie Schach, das logische Lösen von Problemen und die Mathematik hatte.

"Die Grundlagen sind am Anfang entscheidend"

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Wie sich die Welt der Quantenphysik in Barry Carters Kopf abspielt

Welche Theorien außerhalb der Welt von Poker können deiner Meinung nach Pokerspielern am meisten weiterhelfen?

asimos: Da gibt es aktuell natürlich eine interessante Artikelreihe dazu und ich würde auch sagen, dass zahlreiche Theorien sehr hilfreich sein können, die eigentlich nicht direkt etwas mit Poker zu tun haben.

Abhängig vom eigenen Niveau, den Bedürfnissen und den Zielen sollte man sich als Spieler aber natürlich auf unterschiedliche Dinge konzentrieren. Jemand, der auf den Microstakes unterwegs ist, hat schlichtweg andere Sorgen, als jemand, der auf den Highstakes angekommen ist. Die Bedürfnisse von einem Profispieler sehen anders aus als die von einem Hobbyspieler.

Man kann nicht die Quantenmechanik erlernen, wenn man über kein Grundwissen in Analysis und klassischer Physik verfügt. Die Anwendung von Theorien aus der Wirtschaft und Wissenschaft auf Poker sind Dinge, die einem im späteren Verlauf der Pokerkarriere durchaus eine Edge verschaffen können. Aber am Anfang sind erst einmal die Grundlagen gefragt. Was dabei basic und was dabei fancy ist, ändert sich natürlich mit der Zeit, aber es gibt einen grundlegenden Lernpfad, dem jeder folgen kann, um mit der nötigen Motivation voranzukommen und Fortschritte zu machen.

Vor nicht allzu langer Zeit warst du noch auf NL25 unterwegs, mittlerweile spielst du sogar Partien auf NL1.000. Was waren die entscheidenden Schritte bei deiner Entwicklung?

asimos: Der größte Aha-Moment kam zu einer Zeit, als ich NL25 bis NL50 gespielt habe und eine persönliche Coachingsession bei einem Grinder nahm, der auf 2+2 aktiv war und sehr erfolgreich NL200 gespielt hat. Direkt zu Beginn wurde mir klar, dass er gewisse Basics in seinem Gameplan überhaupt nicht berücksichtigt hat. Wie zum Beispiel, dass er out of position keinerlei 3-Bets gecallt hat, was selbst vor sechs Jahren schon verrückt war für einen NL200-Reg. Trotzdem hatte der Typ eine außerordentlich gute Winrate und war kein Faker. Er hatte schlichtweg für sich selbst ein optimal funktionierendes System für diese Zeit gefunden.

Danach habe ich mich entschieden, selbst ein System zu entwickeln, das ausschließlich auf meinen eigenen Daten, Feststellungen und Überzeugungen basieren sollte, ohne dass ich mich blind auf irgendetwas festlegen würde, was zu der Zeit als richtig galt. Es war also wie ein Neustart von Null, natürlich mit ein paar Jahren an gesammelter Erfahrung, aber mit einem völlig offenen Mindset. Es hat dann nicht lang gedauert, bis ich meine eigenen Strategien entwickeln und neue Ideen und Systeme in mein Spiel intergieren konnte. Das ist im Grunde genau das, was ich nach wie vor bis heute mache.

"Ein Coach muss sich stetig weiterentwickeln"

Worin unterscheidet sich ein persönliches Coaching bei dir von der breiten Masse?

asimos: Ich präsentiere das Theoretische nicht als unumstößliche Wahrheit, zum Beispiel als Resultat eines Solver-Tools oder als vorgegebenen Standard. Natürlich sind die Solver der heutigen Zeit sehr hilfreiche Tools, aber nur strikt den damit präsentierten Lösungen zu folgen, ist meistens nicht der Weg, um am meisten Geld an den Tischen herauszuholen. Ich gebe vielmehr praktische und konkrete Ratschläge, indem ich einen Maßstab mit Blick auf die Winrate berücksichtige und spezifische Verbesserungen für einzelne entscheidende Bereiche des jeweiligen Spiels vorschlage.

Vom Ablauf setze ich zunächst den Fokus auf jeden spezifischen Aspekt des Spiels und grenze dann die jeweiligen Entscheidungen weiter ein, um im Anschluss das Spiel an sich als Ganzes zu sehen, damit man generelle und universelle Schlüsse daraus ziehen kann, wenn es denn möglich ist.

Manchmal muss man natürlich auch vom Generellen in Richtung des Spezifischen analysieren. Die Art der jeweils passenden Methodik entwickelt sich mit der Erfahrung. Der Ansatz, den ich verfolge, ändert sich von Limit zu Limit und Anbieter zu Anbieter und wird auf die Bedürfnisse und Ziele des Spielers angepasst. Ein guter Coach sollte auch in der Lage sein, psychologischen und mentalen Support zu bieten, statt lediglich Unterstützung im Bereich der technischen Fragen zu liefern.

Zu guter Letzt bin ich überzeugt, dass man auch nur ein guter Coach sein kann, wenn man sich regelmäßig selbst weiterbildet. Wer aufhört zu lernen, kann beim Poker eigentlich auch kein Coach mehr sein.

Wie findest du eine Balance zwischen deiner wissenschaftlichen Arbeit und Poker? 

asimos: Mir macht beides sehr viel Spaß, dadurch gibt es kein Dilemma, wenn es darum geht, sich für eine Leidenschaft zu entscheiden. In dieser Hinsicht würde ich sagen, dass ich tatsächlich meinen Traum lebe. Mein Plan ist es, dabei immer meinem Herzen zu folgen und meine Energie in die Dinge zu stecken, die ich wirklich liebe.

Wenn man Leidenschaft für etwas hat, dem man nachgeht, dann ist es nicht schwierig, das richtige Gleichgewicht zu finden. Man arbeitet automatisch hart und genießt das Gefühl, ein erfülltes Leben zu führen. Man ist gut in dem, was man tut, weil man hart daran arbeitet, und im Umkehrschluss glücklich, weil man gute Leistung bei etwas bringt, für das man eine Leidenschaft hat.

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