Vom Geld und vom Spaß - Paxis im Interview
Coaching- und Community-Legende. Black Member. Foreninstitution. Frohnatur und Frauenschwarm. Fragen? Jede Menge. Zeit also für ein Interview.
Es gibt wohl nur wenige Pokerstrategen, die Paxis nicht kennen und dennoch überrascht er uns immer wieder aufs Neue. So auch in diesem ausführlichen, zweiteiligen Interview. Viel Spaß!
Hallo Paxis! Vielen Dank, dass du dich erneut für ein Interview zur Verfügung stellst. Die meisten sollten dich kennen, aber stell dich doch kurz noch einmal allen vor, die nicht wissen, wer du bist.

Paxis: Danke für die Möglichkeit eines weiteren Interviews! Angemeldet bin ich hier seit Ende 2006, habe mit der Shortstack-Strategie (SSS) begonnen, die man mittlerweile fast nirgends mehr effektiv spielen kann. Etwa ein Jahr später, also Ende 2007, bin ich zur Bigstack-Strategie (BSS) gewechselt. Im Mai 2008 wurde ich Coach für die SSS und BSS. Momentan gibt es jeden Montag von 19:00 Uhr bis 20:30 Uhr meinen BSS-Einsteigerkurs im wöchentlichen Wechsel mit dem Poker-Stammtisch zusammen mit tmy.
Wir haben ja bereits Ende letzten Jahres mit Coach Samy89 und unserem ehemaligen Coach IronPumper über die Entwicklung von Online-Poker gesprochen. Wie sehen für dich persönlich die zukünftigen Entwicklungen aus?
Paxis: Ich denke, es ist schwieriger abzuschätzen, als es die Meisten prognostizieren. Wobei die Pessimisten deutlich häufiger anzutreffen sind als die Optimisten. Die wirtschaftlichen Interessen der verschiedenen Länder werden stärker, was das Thema Online-Poker angeht, und meistens haben diese Interessen zu negativen Auswirkungen geführt. Wie eben unter anderem die Abschottung einzelner Länder gegenüber dem Weltmarkt.

Der Spielerpool wurde kleiner, die Regulars stärker und aufgrund des abgeklungenen Pokerbooms sind nicht mehr so viele Hobbyspieler hinzugekommen wie früher. Für jeden ist ersichtlich, dass die letzten Jahre negativ waren. Das Thema Rake und Rakeback hat sich in den Vordergrund geschoben, da der Rake tendenziell angehoben wurde, das Rakeback aber gleichzeitig gesenkt. Vor allem PokerStars nutzt seine Marktstellung aus und ist zu einem Rakeback-Modell gewechselt, das im Schnitt nur noch 2% bis 5% Rakeback ermöglicht. Noch vor ein paar Jahren hätte so etwas wohl niemand für möglich gehalten. Es gibt aber alternative Seiten, die zwar einen kleineren Spielerpool haben, aber deutlich mehr Rakeback anbieten.
Denke ich deswegen, dass No-Limit Hold'em oder der Pokermarkt an sich tot sind oder zumindest auf dem Weg dahin? Nein. Es gibt immer noch Winning-Player, auch auf hohen Limits. NL2 wird immer NL2 bleiben und mit simpler, tighter Strategie schlagbar sein. Ob man sich im Cashgame nach oben kämpfen möchte, muss dann jeder selbst wissen. Selbst früher, als es noch deutlich einfacher war, habe ich jedem gesagt, sie sollen Poker nur angehen, wenn es ihnen als Hobby Spaß macht. Wer direkt mit großen Gewinnabsichten beginnt und davon mal leben will, scheitert oft an seinen eigenen Zielen. Lässt man Cashgames außer Acht und schaut sich die Turniere an, so muss man sagen, dass die Variante tatsächlich deutlich weniger an Profitabilität verloren hat. Die Faszination, mit wenig Einsatz viel gewinnen zu können, ist bei den Hobbyspielern ungebrochen und führt zu soften Feldern, so lange sie groß genug ausfallen und man nicht irgendwelche Highstakes-Turniere angreift.

Vor allem interessant ist momentan auch der Trend zum Short Deck. Also einer Pokervariante, die es in verschiedenen Ausführungen unter dem Namen "6+ Hold’em" gibt. Abgleitet wird der Name von der Tatsache, dass im Deck nur noch die Karten von der 6 aufwärts bis zum Ass vorhanden sind. Daher auch die Bezeichnung.
Nachdem es jahrelang auf iPoker angeboten wurde, wo ich es von Anfang gespielt habe, gibt es seit ein paar Monaten auch eine Version davon bei PokerStars. Andere Plattformen ziehen nun ebenfalls nach. Das kleinere Deck sorgt für mehr Action, Preflop-Monster werden deutlich häufiger ausgeteilt. Ein looseres Spiel gefällt natürlich dem Freizeitspieler und sorgt für mehr schwache Gegner als am Texas-Hold'em-Tisch. Sollte der Trend so weitergehen, dann wird es sich definitiv lohnen, sich mit der neuen Variante zu befassen, um ein Stück des neuen Kuchens abzubekommen.
Fazit: Poker wird nie wieder das "einfache" Spiel, was es 2007 war. Aber ich denke, dass es immer Möglichkeiten geben wird Online-Poker zu spielen und Geld damit zu machen. Mit den richtigen Ambitionen, der nötigen Geduld und dem Auge für profitable Spiele wird man immer seinen Platz finden.
"Der Spaß ist entscheidend"
Dein Einsteigerkurs geht nun schon in die Version 4.4. Welche Tipps würdest du den Spielern auf den Micros geben? Welche Ambitionen sind für dich realistisch?
Paxis: Ein wenig habe ich das in der vorhergehenden Frage schon beantwortet. Am besten spielt man, wenn man Spaß hat. Versucht also nicht irgendetwas zu erzwingen, das wird nicht funktionieren. Das Wichtigste ist also erst mal die Variantenauswahl.
Obwohl Short Deck im Kommen ist, ist es für einen echten Pokereinsteiger, der also noch nie nach Strategie gespielt hat, nicht die Variante, mit der er anfangen sollte. Es gibt bisher einfach fast keinen Content bzw. guten Content zu Short Deck Poker. Das führt dazu, dass ein erfahrener Spieler aus einer anderen Variante automatisch besser sein wird und man sich gegen solche Spieler nicht durchsetzen kann. Ausnahmen bestätigen aber die Regel.

Texas Hold'dem als Cashgame ist für den Einstieg leicht, da es viel guten Content gibt, die Varianz überschaubar ist und mit entsprechender Disziplin schnell Erfolge zu verbuchen sind. Turniere wären ebenfalls eine Möglichkeit, aber haben den großen Nachteil, dass man sich immer für ein paar Stunden an die Tische bindet, sobald man eine Session spielt. Man ist nicht so flexibel. Content gibt es dazu aber ebenfalls in Hülle und Fülle.
Da ich vor kurzen beim Poker-Stammtisch mit tmy Pot-Limit Omaha gespielt habe, muss ich hier noch erwähnen, dass PLO nach wie vor softer als Texas Hold'em ist und man sich auch diese Variante anschauen sollte. Content gibt es genügend, nur ist das Spiel an sich komplizierter als Texas Hold'em.
Fazit: Spielt es als Hobby in der Variante, die am meisten Spaß macht. Konsumiert den Content, vernetzt euch mit anderen, sprecht über eure Hände, lasst euch helfen, nutzt die kostenlosen Möglichkeiten von PokerStrategy.com und dem Internet an sich und konzentriert euch nicht so sehr auf mögliche Limits, die ihr irgendwann mal spielen wollt.
"Profi ist nichts Erstrebenswertes"
Sollte man deiner Meinung nach heute noch anstreben Pokerprofi zu werden?
Paxis: Der Meinung war ich noch nie. Auch nicht damals in den goldenen Zeiten, als ich selbst auf NL2000 gespielt habe. Der Lebensstil eines Online-Pokerspielers, egal wie viel Geld er damit macht, ist auf lange Sicht nichts Erstrebenswertes. Es wird nur wenige Menschen geben, die darauf klarkommen und es wirklich genießen können jahrelang vor dem Rechner zu sitzen und zu pokern. Will man auf einem sehr hohen Niveau erfolgreich sein, muss man abseits des Spielens auch viel Theorie pauken. Ein paar Monate komplett aussetzen ist fast unmöglich.
Meine Beobachtung als Coach und Spieler im Laufe der Jahre war, dass alle Spieler, die ich kannte und die von Anfang an große Ziele ausgerufen haben à la "Ich will irgendwann Limit XY spielen" oder "Ich will damit Betrag XY im Monat verdienen" alle gescheitert sind. Ich kenne niemanden persönlich, der direkt mit großen Gewinnabsichten begonnen hat und es umsetzen konnte. Als Hobby anfangen und schauen, wohin es einen führt, scheint der bessere Weg zu sein.
Da wir 6+ Hold'em schon angesprochen haben und die regelmäßigen Besucher deiner Coachings bereits wissen, dass du ein großer Fan davon bist: Welchen Reiz macht diese Variante für dich aus?
Paxis: So richtig kann ich das gar nicht sagen, aber ich glaube es ist die Tatsache, dass es mich stark an meine Anfänge von damals erinnert. Als noch niemand etwas von GTO wusste und die statistischen Werte noch nicht so komplex waren wie heute.

Durch logisches Denken, einer guten Beobachtungsgabe und aufgrund meiner Erfahrung in anderen Varianten war und ist es mir einfach möglich ohne das Verwenden von jeglicher Theorie sehr dominant und erfolgreich zu spielen. Dabei geht es mir aber nicht ums Geld. Es ist wirklich der Spaß, der im Vordergrund steht.
Als die Variante damals bei iPoker eingeführt wurde, konnte man maximal NL20 spielen. Es gab schlicht keine höheren Limits. Trotzdem hat mir die Variante so gut gefallen, dass ich weiterhin 6+ auf NL20 gespielt habe bis dann höhere Limits angeboten wurden. Ach ja, ich bin übrigens nur großer Fan von der 6+Variante bei iPoker. Die von PokerStars gefällt mir nicht. Im Gegensatz zu iPoker gibt es dort keinen Small und Big Blind. Diese Positionen fallen weg und dafür zahlt jeder Ante. Für den Spieler am Button fällt stattdessen ein zusätzlicher Big Blind an, den er zahlen muss. Das führt dazu, dass man sehr viel out of position spielen muss und eine ganz andere Dynamik auftritt, als man sie aus Texas Hold'em kennt. Ein schrecklich passives Preflop-Spiel ist die Folge, wo ständig gelimpt wird. Das ist nicht nach meinem Geschmack.
Welche Ratschläge würdest du PokerStrategen geben, die sich an der neuen Variante versuchen wollen?
Paxis: Fangt auf dem kleinstmöglichen Limit an, das auf eurer Plattform zu 6+ angeboten wird. Man bezahlt auf jeden Fall Lehrgeld. Habe ich auch und da sollte man die Verluste so gering wie möglich halten. Wie schon erwähnt würde ich keinem Einsteiger zu dieser Variante raten, da es aktuell wenige Inhalte dazu gibt. Sonst kann ich gar nicht so viele Tipps geben. Probieren, ob es Spaß macht und man sich in die Variante reindenken kann, und dann wird die Zeit zeigen, ob es für einen profitabel ist oder nicht. Wer möchte kann mich zu diesem Thema aber auch gern in Skype anschreiben (p_axis).
Im zweiten Teil des Interviews mit unserem Coachingveteran, der in Kürze folgt, geht es dann mit dieser interessanten Frage weiter:
Genug der Strategie, nun geht es ans Eingemachte. In deinen Marathons und Coachings lässt du gerne mal durchblicken, dass du auch Dating-Apps benutzt. Wie findest du das Swipen im Gegensatz zum "klassischen" Kennenlernen?