Aktualisiert am 26 Feb. 26 von

Setminen vs. weite Range: Keine gute Idee!

Dara O'Kearney erläutert, warum sich die eigene Strategie mit kleinen Paaren ändern sollte, je nachdem in welcher Position sich der Gegner aktuell befindet.

Dara O Kearney
Dara O'Kearney 

Wir befinden uns in einem Turnier, der Button openraist, wir haben 40 Big Blinds und halten 5♣ 5♦ in den Blinds. Die Verlockung ist groß, in solch einem Spot auf Setjagd zu gehen. Tatsächlich wäre ein Shove aber besser.

Das mag auf manche wie ein waghalsiger Move wirken, nachdem der eigene Stack eigentlich noch sehr viel Spielraum bietet und sich im Turnier eigentlich alles ums Überleben dreht. Ein Shove ist in solch einem Spot aber tatsächlich die Option mit der niedrigsten Varianz. Der Button sollte mit etwa der Hälfte seiner Hände eröffnen, das heißt, nur in knapp 8% der Fälle hätte er ein größeres Paar, mit dem er unseren Shove noch callen würde (66 wäre ein Fold, 77+ würde vermutlich callen). In den restlichen Fällen würde der Button folden oder wir hätten mindestens einen Coinflip.

Shoven funktioniert schlicht deutlich häufiger als ein Flatcall. Sehr häufig würde man auf ein Board mit Overcards treffen und müsste seine Hand aufgeben. Preflop ist man hingegen aufgrund der reinen Equity der eigenen Hand für gewöhnlich vorn, sodass ein Shove schlicht die bessere Wahl darstellt.

Gegen ein Openraise zu defenden, indem man auf Setjagd geht, funktioniert deutlich besser gegen ein Raise aus früher Position. In solch einem Fall sollte eine tighte Eröffnungsrange vorliegen, bei einem Buttonraise ist die Range hingegen deutlich weiter. Bei einer tighten Range ist es jedoch deutlich wahrscheinlicher, dass wir auch ausgezahlt werden, wenn wir unser Set treffen. Gegen eine weite Range müsste der Gegner sehr glücklich treffen, aber immer noch schlechter als wir mit unserem Set unterwegs sein, damit wir ihm tatsächlich 40 Big Blinds abknöpfen können.

Setminen gegen tighte und loose Ranges

Zur Veranschaulichung hier eine GTO-Openingrange aus früher Position bei effektiven Stacks von 40 Big Blinds:

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Das wird derweil vom Solver für die Big-Blind-Range vorgeschlagen:

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Hier ist die GTO-Eröffnungsrange bei gleicher Stacksize für den Button:

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Und hier die Auswirkungen auf die Reaktion des Big Blinds:

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Das Raise in früher Position geht mit einer sehr starken Range einher, bei der viele Hände mit Overpair-Potenzial unterwegs sind, die uns leichter auszahlen würden. Entsprechend lohnt sich das Setminen gegen solch eine Range, weil wir sicherstellen, dass nach einem Treffer auch genug Potenzial in der gegnerischen Range vorhanden ist, dass wir ausgezahlt werden. Die Buttonrange ist hingegen derart weit gestaltet, dass sie deutlich häufiger das Board verfehlen wird und vermutlich eher Richtung Potcontrol tendieren wird, falls doch irgendwie ein Flop getroffen wird.

Gegen tighte Ranges gehen die Implied Odds für kleine Paare also deutlich in die Höhe, während es sich gegen weite Ranges mehr lohnt, den Pot direkt einzusacken, während man noch vorne ist.

Weitere hilfreiche Einblicke dieser Art findet ihr auch zuhauf in Dara O'Kearneys neuem Buch Endgame Poker Strategy: The ICM Book.