Poker-Grundlagen: Implied Odds
Ein weiterer kurzer Guide für unsere Neulinge, wie viel es wert sein kann, wenn man die Chance hat, eine gut verschleierte Hand gegen einen loosen Gegner zu treffen.
Pot Odds geben das Verhältnis zwischen möglichem Gewinn und dem zu bringenden Einsatz an. Der mögliche Gewinn ist dabei nur das Geld, was bereits im Pot ist.
Die Implied Odds berücksichtigen als möglichen Gewinn auch, wie viel man auf den folgenden Streets noch gewinnen kann. Dieses Konzept erlaubt es einem, auf einer Street bei inkorrekten Pot Odds zu callen, wenn diese durch entsprechend große Implied Odds ausgeglichen werden. Man geht davon aus, das nötige Geld auf den späteren Streets gewinnen zu können.
Welchen Betrag muss man noch gewinnen?
In vielen Fällen wird man am Flop mit einer Bet konfrontiert, die man mit einem Draw gemäß der Pot Odds nicht korrekt callen kann. Das bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass man die Hand aufgeben muss. Es kommt darauf an, wie viel man gewinnen kann, wenn man seinen Draw trifft.
Wir haben am Flop einen Flushdraw und der Gegner bettet Potsize. Da die Pot Odds 2:1 betragen, können wir mit einem Flushdraw nicht direkt profitabel callen. Für einen direkt profitablen Call würden wir Pot Odds von 4:1 benötigen.
Nun kommen aber die Implied Odds ins Spiel. Man geht davon aus, im Falle eines Treffers am Turn noch weiteres Geld zu gewinnen. Doch wie viel müsste das mindestens sein?
Schauen wir uns dafür einfach an, wann man am Flop korrekt callen könnte:
Der Pot beträgt $15, der Gegner bettet $5. Wir bekommen somit Odds von 4:1.
In diesem Fall haben wir genau die benötigten Odds. Im Vergleich zum vorherigen Beispiel sind $10 mehr im Pot. Genau diese $10 müsste man also im ersten Beispiel an Turn und River noch gewinnen.
Im Beispiel oben bekommen wir statt Odds von 4:1 nur 2:1. Es fehlen also zwei Einsätze je $5. Das sind die benötigten $10.
Hier setzt unser Gegner eine Bet in Höhe von 1/2-Potsize. Wir bekommen Pot Odds von 3:1. Um auf die benötigten Pot Odds von 4:1 zu kommen, fehlen uns also $5.
Kann man den Betrag noch gewinnen?
Wir wissen nun, wie viel wir gewinnen müssen, damit ein Call profitabel wird. Um zu entscheiden, ob man diesen Betrag in der Praxis tatsächlich noch gewinnen kann, müssen folgende Faktoren berücksichtigt werden:
- Die Handstärke des Gegners: Wenn der eigene Draw ankommt, muss er trotzdem bereit sein, in der Hand zu bleiben und in den Pot einzuzahlen.
- Besondere Eigenschaften des Gegners: Zu welchem Spielertypen gehört er? Eine Callingstation wird beispielsweise oft jede Madehand zum Showdown bringen, ein Maniac alle drei Streets barreln, egal wie sich das Board entwickelt. In beiden Fällen kann man sich hohe Implied Odds anrechnen.
- Wie offensichtlich ist die eigene Hand? Ein fertiger Flush ist durchaus leicht zu sehen für den Gegner. Für einen OESD gilt ähnliches.
Wenn wir am Turn einen Flush treffen, liegen vier Herz-Karten auf dem Board. Es ist unwahrscheinlich, dass uns eine schlechtere Hand noch ausbezahlt und wir so mit den Implied Odds einen Call am Flop rechtfertigen könnten.
Position: In Position kann man aufgrund des Informationsvorteils bessere Entscheidungen treffen als out of Position. Das erhöht den EV und damit auch die Gewinne.
Außerdem muss man bedenken, dass man sich am Flop höhere Implied Odds anrechnen kann als am Turn, denn es stehen noch zwei Streets aus.
Die Stärke des eigenen Draws bewerten
Es gilt ebenfalls, genau einzuschätzen, wie die Stärke des eigenen Draws eigentlich im Falles eines Treffers ausfällt. Schauen wir uns dazu das letzte Beispiel an.
Wir halten einen offensichtlichen Draw mit K T. Wenn wir am Turn treffen, haben wir aber nicht nur das Problem, dass der Flush relativ offensichtlich für unseren Gegner ist, sondern auch, dass eine Hand mit Auns noch schlagen könnte.
Flushdraws und OESDs sind starke Draws. Bei schwächeren Draws muss man jedoch sehr gut aufpassen:
Am Flop halten wir zwei Overcards. Die Overcard-Outs sind allerdings nicht ganz "sauber". Gegen Hände wie TT-99, 22, T9s würden wir immer noch hinten liegen. Diese Hände dominieren uns also.
Problematisch ist es auch bei Händen wie JT und 87. Treffen wir am Turn einen Jack, hat der Gegner ebenfalls seine Hand verbessert und schlägt uns.
Ähnliches droht bei Händen wie AK und AQ, die der Gegner am Flop als Continuationbet erneut betten kann. Kommt am Turn ein Ass, dominiert der Gegner. Wir müssen aber mitgehen, schließlich haben wir am Flop nur gecallt, um genau diese Karte zu treffen.
In einem solchen Fall bezahlt man mit der schwächeren Hand ab dem Turn weiter Geld in den Pot ein. Man spricht in solchen Fällen auch von Reverse Implied Odds.
Solche unsauberen Outs muss man daher vorab discounten. Im nächsten Fall sollte man entsprechend feststellen, dass man kein einziges sauberes Out besitzt:
Wir halten am Flop einen Flushdraw und den OESD. Das sind 15 Outs.
Es gibt jedoch kein Out, das uns am Turn garantiert die beste Hand gibt. Im Falle eines Flushs am Turn liegen nicht nur vier Diamond-Karten auf dem Board, unser 4-high-Flush wird auch niemals von einer schlechteren Hand ausbezahlt.
Treffen wir den OESD mit einer Zehn, halten wir lediglich die Straight der Güte "Idiot end". Fällt eine Fünf, so könnte man tatsächlich die beste Hand halten. Es ist aber zweifelhaft, ob uns schlechtere Hände noch ausbezahlen würden.
Wir müssen also feststellen, dass unser eigentlicher 15-Outer komplett wertlos ist. Alle Outs müssen discountet werden. Falls wir am Turn treffen, sind deutlich eher lediglich Reverse Implied Odds zu erwarten, wir würden also meistens mit der schwächeren, dominierten Hand weiter in den Pot einzahlen.
Wer mehr über die Grundlagen von Odds & Outs erfahren will, kann diesen Artikel lesen oder das nachfolgende Video schauen:
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