Handanalyse: Wie QQ gegen eine 4-Bet spielen?
Auf NL10 ist das Niveau der Spieler bekanntlich noch nicht allzu hoch. Wie aber sollte man mit einer starken Starthand agieren, wenn man uns plötzlich eine 4-Bet vor dem Flop serviert?
Heute wollen wir QQ als Starthand beim Texas No-Limit Hold'em in einer Situation unter die Lupe nehmen, bei der wir nach einer 3-Bet mit einer 4-Bet konfrontiert werden, inspiriert durch die folgende eingereichte Hand und die dadurch entstandene Diskussion in unserem Forum: QQ-Push vs 4-Bet?

Wie es dem Spieler der Hand geht, geht es sicher vielen, wenn sie auf einem kleinen Limit wie NL10 unterwegs sind, wo die 4-Bet-Range der Gegner im Schnitt sehr tight ausfällt. Die Frage, die sich konkret stellt: Kann ich gegen die 4-Bet überhaupt mit Queens weiterspielen und wenn ja wie genau?
Eine kleinere 3-Bet vor dem Flop
Als erstes wollen wir uns aber das Geschehen zuvor und die 3-Bet-Größe anschauen. Hero hatte sich entschlossen, von $0,22 auf $0,90 zu erhöhen, also auf mehr als das 4-Fache. Da wir in Position, vor allem am Cutoff und Button, eine große 3Bet-Range spielen wollen, sollten wir aber eine kleinere Betgröße wählen. $0,80 reichen hier definitiv aus, immerhin 4BB weniger als gespielt.
Unser Gegner wird derweik out of position nicht viel gegen unsere 3-Bets machen können. Wie wir schon bemerkt haben, spielen die meisten Spieler auf NL 10 mit einer sehr kleinen 4-Bet Range und werden gegen unsere Range entweder folden oder callen. Ein Call wird uns fast immer in einen Heads-up-Spot bringen, in dem wir unsere Position gut ausnutzen und viele Pötte zu unseren Gunsten durch eine risikoarme Continuation Bet in Höhe von etwa 1/3 des Pots entscheiden können. Und da sich die Kontrolle über den Pot so einfach gestaltet, reicht eben auch einer kleinere 3-Bet-Größe.
Ansonten preflop wie gespielt

Nun hat sich Hero aber für die größere 3-Bet entschieden und bekommt eine 4-Bet auf das 2,8-Face. Die Frage, die sich offensichtlich nun stellt: Sollten wir All-in gehen, callen oder folden? Geben wir dem Gegner in dem Spot eine Valuerange von QQ+ und AK, dann benötigt der Gegner, wie es auch PokerStratege d4nid4nsen im Thread ausgerechnet hat, zehn Bluffkombos damit ein Push für uns etwa breakeven ausfallen würde. Spielt der Gegner mehr Kombos als Bluff, dann wird ein Push für uns profitabel.
Auf NL 10 wird es aber etliche Spieler geben, die gar keine oder zumindest weniger als zehn Bluffkombos in solch einer Situation spielen. Folglich sollten wir hier gegen einen unbekannten Spieler, der aber wie ein Regular wirkt, nicht pushen.
Hero hat sich ebenfalls für die richtige Spielweise entschieden und nur gecallt. Schon allein wegen der 16 Kombinatioen aus AK. Das sind über die Hälfte seiner kompletten Valuerange und diese werden am Flop zwar meist nicht das Top Pair treffen, aber häufig mit zwei Overcards über eine Conti-Bet weiterbluffen.
Der Flop

Auch der Flop gestaltet sich noch komplizierter als gewohnt, vor allem wegen des Königs in Kreuz als Overcard und der 1/4-Potbet des Gegners.
Würde er 1/3 oder mehr setzen, hätten wir einen rechte einfachen Fold. Im Falle der kleinen 1/4-Betsize hängt es derweil erneut stark davon ab, wie viele Blufkombos wir dem Gegner in dem Spot noch geben, abermals treffend geschildert von D4niD4nsen im Thread: Ist der Gegner mit sechs bis acht Bluffkombos unterwegs, ist es immer ein Call. Gibt man dem Gegner weniger, kann man auch einfach folden.
Wie sollte man sich also entscheiden, wenn der Gegner eher unbekannt ist und man fast schon raten muss, was seine Bluffrange in dem Spot betrifft?
Man sollte sich in solchen Situationen immer am allgemeinen Spielerpool auf NL10 und den entsprechenden Tendenzen orientieren. Dort wird uns ohne Zweifel im Schnitt häufiger ein Gegner serviert, der einfach nur QQ+, AK am Flop bettet, als ein Gegner, der in dem Spot mit mehr als sechs Bluffkombos agiert.
Ein weiterer Nachteil ist, dass ein Call unsererseits gegen einen Bluff am Flop nicht automatisch garantiert, dass wir unseren Showdownvalue auch tatsächlich bis zum Showdown bekommen. Sollte es einen zweiten Bluff am Turn geben, was zugegeben nicht allzu häufig auf dem Niveau vorkommt, dann müssten wir fast immer folden, da sich unsere Hand mit lediglich zwei Outs so gut wie nie verbessern würde.
Auch unser No-Limit-Experte FaLLout86 ist überzeugt, dass man preflop in diesem Spot die 4-Bet lediglich callen sollte und den Flop gegen die voraussichtlich sehr tighte Range des Gegners mit zu wenigen Bluffkombos zu folden, trotz der kleinen Bet.
Wie seht ihr die Situation? Seid ihr derselbe Meinung oder hättet ihr anders gespielt? Wir freuen uns auf eure Kommentare!