Aktualisiert am 26 Feb. 26 von

Lernen lernen: Die Chunking-Technik

Barry Carter knüpft nahtlos an seine Serie über effektive Lernmethoden an und präsentiert eine bewährte Technik zur Vereinfachung komplexer Entscheidungen.





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Heißhunger auf Häppchen

Wie bereits angekündigt, habe ich mir für das Jahr 2024 das ehrgeizige Ziel gesetzt, 365 Hände in Eigenregie zu analysieren. Dieser ambitionierte Plan hat mich dazu inspiriert, mich intensiv mit den Mechanismen des Lernens auseinanderzusetzen, um das Maximum aus meinen Bemühungen herauszuholen. Letzte Woche haben wir bereits ausführlich untersucht, warum das aktive Abrufen von Wissen im Vergleich zum reinen Wiederholen die überlegene Lernstrategie darstellt.

Der Auslöser für mein Vorhaben war eine bestimmte Gedächtnislücke, die mir beim Spielen aufgefallen ist. Mir fiel es schwer, meine Spielzüge an die Gesamtheit der gegnerischen Range anzupassen, was dazu führte, dass ich den Gegnern tendenziell zu tighte Ranges zuwies. In der Hitze des Gefechts ist es keine leichte Aufgabe, das gesamte Spektrum der gegnerischen Hände auf dem Schirm zu haben und innerhalb von Sekunden die passende Antwort zu finden. 

Bis dahin war ich fest davon überzeugt, dass sich mein Gedächtnis verbessern würde, wenn ich weiterhin fleißig Hände analysiere. Doch im Verlauf dieses Prozesses fiel mir ein Konzept aus dem Buch The Mental Game of Poker 2 ein - die Chunking-Technik. 

Komplexe Themen in sinnvolle Einheiten zerlegen

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Komplexe Entscheidungen vereinfachen

Chunking ist ein kognitiver Prozess, bei dem Informationen in kleinere, leichter verdauliche Häppchen aufgeteilt werden. Durch das Gruppieren von Informationen wird es dem Geist erleichtert, Wissen zu verarbeiten und zu behalten.

Betrachten wir die folgende Abfolge von zufälligen Zahlen: 582917463. Versucht man sich diese Sequenz als Ganzes zu merken, gerät man leicht ins Straucheln. Doch durch das Aufteilen der Zahlen in kleinere Gruppen (Chunks), wie zum Beispiel 58, 29, 17 und 46, wird die Information leichter verdaulich und einfacher zu behalten. Anstatt sich an neun einzelne Ziffern erinnern zu müssen, genügt es, sich nur vier Gruppen zu merken, was den Geist merklich entlastet.

Im Alltag wird Chunking häufig angewendet, um sich Telefonnummern, Adressen oder Kreditkartennummern zu merken. Indem längere Sequenzen in kleinere Häppchen aufgeteilt werden, können Menschen nicht nur ihr Gedächtnis entlasten, sondern auch ihr Erinnerungsvermögen verbessern und als Folge dessen ihre kognitive Effizienz steigern.

Pokerhände auf das Wesentliche reduzieren

Ganz besonders möchte ich mich bei Gareth James und Michael Acevedo bedanken, die mich dazu angeregt haben, Chunking in mein Lern- und Spielverhalten zu integrieren:

Diese vereinfachte Methode, Hände zu analysieren, hat mir eine enorme kognitive Last von den Schultern genommen. Während des Spiels verliere ich mich nun nicht mehr in Details, sondern reduziere komplexe Situationen auf die wesentlichen Eckpunkte. So könnte man einen Spot beispielsweise wie folgt zusammenfassen: "Ich bin der UTG-Raiser und habe einen Range-Vorteil bei A- und H-Flops, während der BB-Verteidiger wahrscheinlich den Vorteil bei M- und L-Flops hat." 

Erst wenn sich die Ranges auf Turn oder River weiter eingrenzen, beginne ich, über einzelne Hände nachzudenken.

Bis dahin hatte ich irrtümlicherweise angenommen, dass es bei der Verbesserung des Gedächtnisses darum geht, möglichst viele Informationen auf einmal im Kopf behalten zu können. Doch tatsächlich liegt das Geheimnis darin, den Geist mit weniger Informationen auszulasten und erst dann tiefer zu graben, wenn es nötig ist. 

Wendet ihr die Chunking-Technik beim Poker an? Wir freuen uns auf eure Kommentare!