Aktualisiert am 26 Feb. 26 von

150 Big Blinds verblasen?

In der heutigen Handbewertung entscheidet sich unser PokerStratege Tween auf NL10 zu einem waghalsigen Manöver. Ob das wohl gut geht?

Heute steht erneut eine Handbewertung aus dem Forum auf der Speisekarte. tween ist aktuell an den NL10-Fast-Tischen auf 888poker zu finden. Die Frage aller Fragen: Sollte man in einem 3Bet-Pot Pocket 66er in einen Bluff zu verwandeln, wenn 150 Big Blinds auf dem Spiel stehen?

poker hand forum
Der Verlauf der besagten Hand (zum Vergrößern klicken)

Unser PokerStratege schätzt seinen Kontrahenten als Regular ein, hat aus seiner Sicht sowohl preflop als auch auf dem Flop einen klaren Call. Am Turn checkt Villain und da ich in meiner Range beispielsweise 55er bis 99er und 67s habe, habe ich mich entschieden, anzuspielen. Nach einiger Zeit entscheidet sich der Small Blind für einen Call. Bereits jetzt steht für mich fest, am River zu jammen, wenn keine Herzkarte erscheint.

Die kompletten Überlegungen von Tween

Die Meinung anderer PokerStrategen

Experte cjheigl hat sich, wie so häufig, die Zeit für eine sehr ausführliche Antwort genommen:

"Preflop wäre ein Fold durchaus vertretbar. Die Statistiken des Gegners deuten auf eine etwas tightere Spielweise hin als vom GTO Wizard vorgeschlagen. Hände wie K7s, A2s oder 44, die dort zumindest in kleinen Anteilen als Bluffs enthalten sind, dürften in seiner Range vermutlich fehlen.

Der Call auf dem Flop ist ebenfalls eng, aber es ist gut vorstellbar, dass der Gegner hier zu einer Rangebet ansetzt. Falls er doch checkt, dann am ehesten mit Händen wie JJ oder TT – die Bluffs hingegen wird er in der Regel aufgrund der Queen im Board eher anspielen. Da viele Spieler das Muster zeigen, am Flop häufig zu setzen, am Turn jedoch deutlich passiver zu agieren, lässt sich der Call auf dem Flop rechtfertigen. Der Turn liefert in solchen Situationen wertvolle Informationen, was die Entscheidung erleichtert.

Am Turn folgt der Check des Gegners, womit er seine Range klar eingrenzt und sich selbst cappt. In dieser Situation ist keine große Bet erforderlich, da insbesondere Overcard-Hände bereits unter Druck geraten. Eine Bet in Höhe von etwa einem Drittel bis zur Hälfte des Pots genügt vollkommen.

top level math

Am River hast du weiterhin Showdownvalue gegenüber verpassten Draws. Die Karte verändert wenig an der Boardstruktur und stärkt deine Range kaum. In solchen Spots eignen sich zum Bluff eher Hände mit starken Blockern gegen die gegnerische Callingrange – etwa KJs oder KTs. Die Überlegung, hier auf die Redline zu spielen, ist grundsätzlich sinnvoll, doch handelt es sich in diesem Fall nicht um die optimale Hand."

Auch superior1712 hat sich der Sache angenommen. Unser fleißiger PokerStratege mausert sich immer mehr zum Spezialisten, was man in seinem Blog "Auf ein Neues - "from the scratch" xD" verfolgen kann.

superior1712 würde als Exploit in großen Pötten eher zurückhaltend agieren, insbesondere mit Kombinationen, die Showdown haben. Insbesondere in diesem Spot könnte ein Bluff einen negativen EV haben, weil Spieler auf den Micro- und Smallstakes starke Hände oft nur schwer folden können.

Auch GTO-Wizard wurde befragt: Mit 150 Big Blinds ergeben sich im Vergleich zu 100 Big Blinds deutlich andere Dynamiken. Damit der Jam am River profitabel ist, muss der Gegner 53% seiner Hände folden - der Solver foldet in diesem Spot 54%. Allerdings muss man im Hinterkopf behalten, dass Villain sich an die „richtigen“ Preflop-Ranges spielt und sich auch auf Flop, Turn und River GTO-konform verhält – was auf NL10 eher unrealistisch ist.

Die kompletten und sehr ausführlichen Überlegungen von cjheigl beinhalten noch einige weitere gute Tipps und strategische Überlegungen, daher lohnt es sich, den Spot im Handbewertungsforum nachzulesen:

Handbewertung: 66 turned to bluff für 150bb

Die Überlegungen von Paxis zum Spot

Auf NL10 sollte man sich mit Bluffs eher zurückhalten, insbesondere wenn alle involvierten Spieler viele Big Blinds vor sich haben. Sollte der Kontrahent dazu neigen, zu viel zu folden, sollte man das natürlich ausnutzen.

Insbesondere in Situationen, in denen die Ranges sehr tight sind, können falsche Einschätzungen schnell sehr teuer werden.

Generell neigen auch die besseren Spieler auf NL10 eher nicht dazu, viel zu bluffen.

Handbewertungen im Forum

Ihr wollt euch weiterentwickeln und auch über eure Hände diskutieren? Die Variante spielt dabei keine Rolle, denn in unserer Strategiesektion im Forum wird fleißig über Cashgames, SNGs, Turniere, Fixed Limit und auch über PLO diskutiert – genau der richtige Ort, um das nächste Level zu erreichen!

Pokerstrategie und Handdiskussionen

Der ultimative Guide für Einsteiger

Um es ambitionierten Neulingen noch einfacher zu machen, hat Paxis keine Kosten und Mühen gescheut und alle wichtigen Informationen, sowohl für Spots vor als auch nach dem Flop, in einem Strategie-Artikel

Einsteigerstrategie inklusive neuer Preflop Charts und Postflopartikel

Hier gibt es nicht nur die aktuellen Preflopcharts, sondern auch alle Vorgaben, Faustregeln und was es eben noch so braucht, um die Cashgame-Tische auch als Anfänger ordentlich aufzumischen. Einsteiger-Experte Paxis kümmert sich bereits sei Jahren um die Belange von Neulingen und weiß daher ganz genau, wie man eine profitable, aber nicht zu komplexe Strategie für ambitionierte Einsteiger enwickelt.

Wie seht ihr den Spot und wie hättet ihr ihn womöglich anders gespielt? Wir freuen uns auf eure Kommentare!