Chess.com startet mit Gambit eigenes Pokerformat

Die weltweit beliebteste Schachplattform Chess.com bietet Spielern nun auch die Möglichkeit, direkt auf der Plattform Poker zu spielen.
Gambit ist in dieser Woche gestartet, kostenlos spielbar und ermöglicht es Schachspielern, zunächst die Grundlagen von Poker zu lernen, bevor sie gegen Freunde, KI-Bots oder andere online aktive Chess.com-Mitglieder antreten.
Es ist die jüngste Verbindung zwischen zwei Spielen, die früher weit auseinanderlagen und sich heute näher sind als je zuvor.
Chess.com ist die meistgenutzte Plattform für neue Schachspieler. Die jüngste Neuerung soll Nutzer allerdings weniger zu Pokerseiten weiterleiten, sondern vielmehr ein Pokererlebnis direkt innerhalb der Schachplattform bieten.
Bereits im Mai erklärte Chief Growth Officer Albert Cheng:
„Darum geht es: eine Pokerseite zum Lernen. Kein Glücksspiel um echtes Geld. Kein Rake. Stattdessen werden die Elemente, die Chess.com für Millionen Menschen erfolgreich gemacht haben, auf Poker übertragen.“
Während andere kostenlose Pokerseiten und Apps ihre Nutzer häufig zu In-Game-Käufen führen, verfolgt Chess.com den Ansatz, Poker zum Spaß zu vermitteln, statt Glücksspiel zu fördern.
Diese Haltung erhält Unterstützung von Schachspielern mit Pokerbezug, darunter Großmeisterin Alexandra Botez, die in den vergangenen Jahren von Pokerseiten gesponsert wurde.
Gambit ist auf Desktop und Mobilgeräten verfügbar und übernimmt die bekannte Benutzeroberfläche sowie den Grafikstil der Chess.com-Schachspiele für den virtuellen Pokertisch.
Die Geschichte von Schach und Poker

Die Verbindung zwischen den beiden sehr unterschiedlichen, aber stark strategisch geprägten Spielen Schach und Poker entwickelt sich bereits seit vielen Jahren.
Obwohl Poker schon 2011 offiziell als Denksport eingestuft wurde, galt es für viele Menschen lange deutlich stärker als Glücksspiel denn als Geschicklichkeitsspiel – und in manchen Kreisen ist das bis heute so.
Die jüngste Entwicklung stärkt die Verbindung zwischen beiden Spielen weiter.
Schachprofis finden ihren Weg zum Poker
Seit vielen Jahren ist Schachlegende Jennifer Shahade auch im Poker erfolgreich. Sie erhielt ein Sponsoring von PokerStars und gewann bislang mehr als $825.000 bei Live-Events.
Gleichzeitig setzte sie ihre professionelle Schachkarriere fort und baute sich als Autorin mit Büchern wie Chess Queens und Thinking Sideways ein weiteres Standbein auf. Letzteres soll dabei helfen, im Leben erfolgreicher zu agieren, indem Denkweisen aus dem Poker übernommen werden.
Neben Schachspielern wie Alexandra Botez, die sich erfolgreich an Poker angepasst haben, lassen sich strategische Fähigkeiten offenbar auch in die andere Richtung übertragen.
Mike „Timex“ McDonald gewann kürzlich ein Schachturnier, nachdem er bereits viele Jahre im Turnierpoker erfolgreich gewesen war.
Erst in diesem Sommer besiegte Schachtalent Michael Casella Poker Hall of Famer Nick Schulman im Heads-up und gewann sein erstes WSOP-Bracelet.
Schach und Poker passen zusammen
Sowohl beim Schach als auch beim Poker müssen Spieler jederzeit möglichst gute Entscheidungen treffen, obwohl die Strategie des Gegners nicht vollständig bekannt ist.
Im Poker spielt Glück eine größere Rolle, da unterschiedliche Karten die Erfolgschancen jederzeit verändern können. Beide Spiele verlangen jedoch, die Stärken und Schwächen der Gegner möglichst gut einzuschätzen und die eigene Strategie entsprechend anzupassen.
Turniere und Leaderboards
Die neue Chess.com-Funktion könnte weiter an Popularität gewinnen. Turniere wie Speedrun setzen auf Turbo-ähnliche Blindlevel von fünf Minuten, während Events wie der Gambit Cup und Player-of-the-Month-Leaderboards dem Angebot zusätzlichen Wettbewerb verleihen.
Werden Pokerspieler Chess.com künftig zum Lernen nutzen? Und könnten Schachspieler vom schwarz-weißen Brett an den Pokertisch wechseln?
Wie sich die langjährige Verbindung zwischen zwei der ältesten Spiele der Welt weiterentwickelt, dürfte spannend zu beobachten sein.