Outs discounten und reverse Odds dienen dem gleichen Zweck insofern, dass man damit ausrechnet, ob die Odds und die Outs ausreichen, den Preis für eine weitere Karte zu bezahlen. Das Discounten von Outs verändert aber nicht die Odds, sondern nur die Outs. Reverse implied Odds verändern die Odds, aber keine Outs. Odds und Outs stehen aber in Zusammenhang, weil sie in Beziehung zueinander gesetzt werden müssen, um den korrekten Spielzug zu ermitteln. Beide Methoden wirken ähnlich, da sie den benötigten Pot für den Call vergrössern.
Genau genommen geht es um die Beziehung zwischen effektiven Outs und effektiven Odds. Die effektiven Outs sind die durchschnittliche Zahl an Outs, mit denen du den Pot gewinnst. Die effektiven Odds sind das Verhältnis des durchschnittlichen Gewinns zum zu bezahlenden Einsatz.
Prinzipiell könnte man zwar das eine durch das andere simulieren, aber die Beziehung ist nicht linear.
Beispiel:
8 Outs, 10 Bets grosser Pot. Diskontiert man die 8 Outs um die Hälfte, dann erhält man 4 Outs. 4 Outs in einem 10 Bet grossen Pot reichen knapp nicht zum Call, da du Odds von 11:1 benötigst. 10 Bets reduziert um die Hälfte ergibt 5 Bets. 8 Outs in einem 5 Bet grossen Pot reichen zum Call. Der Unterschied ist nicht gross, aber er ist vorhanden.
In der Praxis ist es einfacher, beides getrennt zu machen, als das eine in das andere umzurechnen. Hat man reverse implied Odds, dann haben die Outs, die zu diesen RIO führen, keine 100%ige Gewinnchance. Das heisst, man reduziert sowohl das eine als auch das andere.
Edit:
Das Beispiel von Scooop ist komplizierter, als es aussieht. Zum einen geht er von einer NL Situation aus, wo implied Odds und reverse implied Odds eine wesentlich grössere Rolle spielen als in Limit. Scooop hat die Situation vereinfacht, in dem er 2 Outs komplett diskontiert und dann nicht mehr mit RIO rechnen muss, da die übrigen 6 Outs die Nuts machen (oder zumindest fast, auf eine T hätte QJ die bessere Straight). Was die anderen 2 Outs machen interessiert nicht, denn in NL wird zur Not auch mal eine Straight gefoldet. In NL ist die Gefahr eines Flush Draws bei der gleichen Anzahl von Gegnern auch wesentlich höher als in Limit, da in NL keiner mit 6x oder 9x in einem multiway Pot fortsetzen wird. In Limit ist das praktisch gesichert, weil die Gegner die Odds dafür bekommen. Auch sind die preflop Ranges in NL viel stärker zu suited Händen hin gewichtet. Die Flush Draws haben in NL einen viel höheren Anteil an den gegnerischen Ranges als in Limit.
In Limit diskontiert man die 2 Flush Outs nur wenig, denn die anderen haben nicht immer einen Flush, wenn T:c oder 5:c fällt. Auch auf diese Karten wird die Straight häufiger gewinnen als verlieren. Anders als in NL wird auf die dritte Flush Karte auch ein Pair oft noch etwas bezahlen, weil die Odds viel zu gut sein werden, um das Pair gegen eine schwächere Hand zu folden und weil die Pairs noch häufiger vorne sind als in NL. Das bedeutet, auch die 2 flushverdächtigen Outs haben effektiv keine reverse implied Odds, weil sie gleichzeitig implied Odds haben, die die RIO aufheben.
Für das Diskontieren berücksichtigt man die Range, die die Gegner haben. Man muss die 2 Flush Outs zu dem Anteil diskontieren, zu dem die Gegner einen Flush Draw haben. Ausserdem die Outs zur T zu dem Anteil, zu dem sie QJ haben. Das hängt von der Zahl der Gegner ab. Je mehr Gegner noch im Pot sind, desto wahrscheinlicher ist es, dass einer einen Flush Draw hat. Demgegenüber stehen die implied Odds, die ebenfalls von der Zahl der Gegner abhängen. Je mehr Gegner du hast, desto eher wird ein Treffer bezahlt. Die implied Odds werden den Verlust der Outs mehr als wettmachen. Mit RIO muss man sich hier nicht beschäftigen.