Gestern Nacht hat mich ein garstiges Fischvirus infiziert und ich frage mich, ob ich mit diesem Phänomen alleine bin, oder ob ihr auch schon mal diese Erfahrung gemacht habt.
Ich setz mich also gestern Nacht trotz besseren Wissens an 2 Tische auf PokerStars. Eigentlich war mir klar, dass meine Konzentration nicht mehr die beste ist, aber ich wollte einfach partout nicht müde werden. Um mein BR nicht zu gefährden, sondern einfach nur ein paar entspannte Spiele zu haben, setz ich mich an 2 Mikrolimit-Tische mit unglaublichen Stats von jeweils über 70% (!) Players per Flop (FL). Das klingt doch nach viel Spaß.
Und tatsächlich: 90% der Spieler am Tisch haben unglaubliche VPIPs von 70% und höher. Ich guck mir das muntere limpen und callen also an und traue meinen Augen kaum. Nicht, dass ein oder 2 solcher Spieler fröhlich mit T4o alles callen, nein... es sind pro Board mehr als 6 Callingstations. Recht große Töpfe (gemessen an den Blinds) wandern von einer schlechten Starthand zur nächsten.
Anfangs bin ich noch artig, folde brav nach SHC und Vernunft und warte auf die richtige Hand um zuzuschlagen. Dann endlich eine spielbare Hand und gleich eine sehr hübsche, KK. Dass 6 Spieler meinen Preflop-Raise cold callen macht mich auch noch gar nicht weiter verrückt. Dass ich die Hand dann gegen 83o folden muss, hach naja. Shit happens. Das kriegt mich so schnell nicht unter.
Könnt ihr euch vielleicht schon denken, wie es weiter geht? Rüchtüüch. Das passiert mir noch 5 mal in Folge und ich werd langsam echt grrrrrrrrrrrr... Da gehts nur "Call - Call - Call - Oh juhuu, ich hab am River meine 2 zur Strasse getroffen". Ich merke, dass es absolut nicht möglich ist, eine gute Hand zu beschützen. Ein Raise lässt die Leute so kalt, als hätten sie es gerade mit einem Eiswürfel getrieben.
In dem darauffolgenden Moment der Schwäche hat mich dann das Virus befallen. Ich ertappe mich dabei, wie ich anfange mit schlechten Händen zu limpen, in der Hoffnung, am Flop zu treffen. Bei denen klappts ja schließlich auch. Ich geh auch, wenn ich nicht getroffen habe, nicht mehr aus dem Topf raus. Neeee, ich calle bis zum River, da treff ich dann ja schließlich, das wurde hinreichend bewiesen.
Um es kurz zu machen. Am Ende der Session stehe ich zwar zum Glück sogar ohne nennenswerte Verluste da, aber mit Stats, die einem die Haare zu Berg stehen lassen.
Klar ist mir, dass ich mich aufgrund der Erfahrung an diesen Tischen zu dieser schwachen Spielweise hab verleiten lassen. Das Gehirn ist halt tricky, und hat mich alles, was ich eigentlich über Strategien wusste, dagegen vergessen lassen. Die mangelnde Selbstdisziplin hatte vielleicht auch etwas mit der Uhrzeit zu tun.
Aber ein paar Fragen sind trotzdem geblieben... Sind zu viele Fische an einem Tisch vielleicht gar nicht ratsam? Bei 1 bis 3 konnte ich bisher meistens gute Gewinne erzielen, aber bei 6 Dauer-Callern trifft halt irgendwie immer einer am River. Eine Hand zu beschützen ist einfach vollkommen ausgeschlossen.
Wie kann ich jetzt mit dieser Information trotzdem Gewinne erzielen? Die Standardspielweise nach dem Flop jedenfalls (die an höheren Limits mit weniger Fischen gut funktioniert) hat mich hier jedenfalls nicht wirklich weit gebracht.
Ich habe über 3 Möglichkeiten nachgedacht. Entweder noch tighter als üblich zu spielen, und mit allem was kein Monster ist, früh auszusteigen. Oder aber tatsächlich mehr loose zu spielen um sie mit ihren eigenen Waffen zu schlagen. Würden die vielen Einsätze die ich hierbei verlieren werde, durch die großen Töpfe, wenn ich hitte, wett gemacht werden? Oder aber dittens, das Spiel vor dem Flop nicht zu verändern, was mir eigentlich am vernünftigsten scheint, nur wie passe ich dann mein Spiel nach dem Flop an?
Habt ihr solche Erfahrungen auch schon gemacht und wie habt ihr sie in Gewinne verwandelt?