Diese rhetorische Frage sehe ich mal als Bestätigung für meine Bedenken.
Die Frage ist nicht rhetorisch gemeint, sondern der zentrale Aspekt der ganzen Geschichte. Mit einem Raise können 2 Sachen passieren:
1. der Gegner folded und du gewinnst sofort was im Pot ist
2. der Gegner called oder reraist und du hast mit deinem Raise einen Pot aufgebaut
=> der 1. Fall ist natürlich der Fall der hier am einfachsten ist und keine weitere Diskussion eigentlich mehr erfordert. Wenn der Gegner vor dem Flop sofort oft genug folded (wie oft wirst du hoffenlich wissen
), dann machst du Geld (und zwar selbst dann, wenn du jedesmal Postflop C/F spielst
=> der 1. Fall wird in der Regel aber nicht oft genug eintreten -> d.h. du wirst mit deinem Raise einen Pot aufbauen und du musst einen Plan haben wie du diesen aufgebauten Pot gewinnst. Ich kann dir jetzt hier nicht irgendein Kochrezept hinlegen wie du marginale Hände OOP spielst in bewusst aufgebauten Pötten - hier hängt einfach extrem viel von
a) deinen allgemeinen Fähigkeiten ab (d.h. wie gut dein durchschnittliches Spiel ist und wie spieltheoretisch gefestigt deine Spielzüge sind)
b) deine Fähigkeit durchschnittliche Leaks des Limits/der Seite auf der du spielst zu erkennen und anzugreifen
c) individuelle Leaks anzugreifen
=> wenn du 18 Tische spielst, dann wirst du Punkt c) kaum berücksichtigen können, obwohl dieser Punkt das wichtigste Element meiner Ansicht nach heutzutage ist. D.h. deine Fähigkeiten aus Punkt a) und b) müssen weit weit besser als das was deine Gegner da so abziehen im Durchschnitt.
Viel ABC Poker bei dem man eigentlich jeden Gegner auf einen durchschnittlichen Mikrostrakes-Donk herunterbricht und einfach nach Schema-F spielt aber dafür auch viel Volumen.
Und genau das ist das Problem bei deiner Frage. Wie ich schon sagte ist es erforderlich, dass du bei so marginalen Spielzügen Moves machst - die Profitabilität eines Moves hängt aber unmittelbar mit einer Schwäche in der gegnerischen Range zusammen. Du kannst Moves nicht "verallgemeinern", da ein Triplebarrelbluff z.b. gegen Spieler A richtig geilen Profit bringt, wogegen er gegen Spieler B einfach rausgeworfenes Geld ist. Stats können zumindest ein Ansatzpunkt dabei sein, ob sich ein marginaler Raise OOP überhaupt lohnt.
Ohne Frage - eine sehr simple und straightforward Strategie ist für die Mikrolimits mehr als angemessen und du wirst mit leichten Anpassungen auch durch die Lowstakes kommen. Das liegt darin, dass du häufig gar nicht genug Informationen auf deine Gegner sammeln kannst und daher sehr marginale Spielzüge (wie z.b. diese Raises OOP ohne Ahnung was Postflop passieren soll) überhaupt nicht machst oder auf ein Minimum beschränkst.
Ein zentrales Problem ist aber, dass du bei einem 18-Tablingansatz nicht großartig nachdenken kannst und im Prinzip alle Entscheidungen automatisiert ablaufen. Mittelfristig wird das ein extremes Problem, weil du dein Spiel dadurch nicht weiterentwickeln kannst - grade in den letzten Jahren sind so einige sehr etablierte Spieler spieltechnisch überholt worden und aus der Gewinnzone in die Verlustzone gerutscht.
Wenn du möchtest, dann kannst du ja mal ein paar deiner Hände im Handbewertungsforum posten und ein bisschen was zu den Händen erzählen und ein Kollege oder ich kann dir dann etwas näher erläutern unter welchen Bedingungen man dann wann was mit QTs Postflop z.b. macht, wenn der Gegner nicht sofort folded.