Ich hab mir das Video (ich meine es wurde gesagt es sei Teil 2 gewesen?) auch angeguckt, weil ich es interessant fand ob du in die typischen Fallen tappen würdest, die auftreten können, wenn man sich einzelne Handhistories von anderen Spielern anguckt.
Leider hattest du in meinen Augen ziemliches Pech bei der Auswahl der Hände (wofür du wenig kannst), denn ich fand, dass eigentlich alle Spots, über die gesprochen wurde, von den jeweiligen Spielern missplayed waren. Aber das ist natürlich nur meine Meinung, und gerade im 6max funktionieren auch noch viele unterschiedliche Stile.
Dennoch würde ich euch vielleicht als Feedback geben in den nächsten Teilen eher Hände von Spielern anzuschauen, die ihr Spiel weniger auf Reads aufbauen, denn gerade wenn man die Reads nicht kennt, die zu der Entscheidung geführt haben, dann kann man daraus schnell falsche Schlüsse ziehen und seinem eigenen Spiel eher schaden.
Generell ist es mit Vorsicht zu genießen, aus einzelnen Händen von Highstakes-Spielern etwas für sein eigenes Spiel abzuleiten. Viele Sachen ergeben nur dann einen Sinn, wenn man sie im Kontext des ganzen Gameplans sieht, das heißt "Wie spielt der Spieler seine gesamte Range auf dieser Street (und den Rest der Hand)", und das ist natürlich nicht möglich wenn man nur eine Hand sieht.
So kann es z.B. für einen weniger erfahrenen Spieler toll aussehen, wenn Schiep ein 2nd Pair in einen Bluff verwandelt. Dabei wäre vielleicht ein Calldown mit dieser Hand genauso profitabel gewesen wie ein Bluff, während der Bluff mit einer anderen Hand (z.B. Khigh mit Spade blocker) genauso funktioniert hätte, aber kein Calldown.
Kann man dagegen irgendwas tun?
Man muss es irgendwie schaffen, mehr über den o.g. Gameplan zu erfahren. Wenn man davon ausgeht, dass wir nur über eine begrenze Samplesize an Handhistories verfügen, würden mir da spontan zwei Wege einfallen.
1) Man entscheidet sich für einen Spot, der recht häufig vorkommt, z.B. die Entscheidung "3bet preflop oder nicht", "Donk Flop oder nicht" oder "Cbet Flop oder nicht", am besten mit immer gleichen Preflop Ranges. Dann betrachtet man Entscheidungen von unterschiedlichen Spielern in diesem Spot und bekommt einen Überblick, wie mehrere Spieler diesen einen Spot im Durchschnitt spielt. Daraus kann man schon sehr gut eine gewisse Logik ableiten.
2) Man entscheidet sich für einen Spieler, der wie o.g. am besten eher readsunabhängig spielt, und analysiert mehrere Hände von ihm. So bekommt man einen Einblick in den Gameplan eines konkreten Spielers über mehrere Spots und kann z.B. darüber sprechen, wie die Entscheidungen am Flop mit denen am Turn zusammenhängen.
Generell finde ich die Idee zu der Videoreihe super, ich hatte mich schon seit ein paar Jahren gefragt warum es sowas nirgendwo gibt ;-) Es liegt auf jeden Fall großes Potenzial darin, wenn man ein paar Hindernisse beseitigen kann. Ich werd mir auch das nächste Video wieder angucken.
LG, hasu