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Overpair im MW Pot

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MrRobot
Joined: 19.06.2022

2 ähnliche Situationen:
Hand 1)
GG Poker - $0.02 Ante $0.01 NL - Holdem - 9 players
Hand converted by PokerTracker 4

MP+2: 509 BB
CO: 271 BB
BTN: 197.5 BB
SB: 77.5 BB
BB: 202.5 BB
UTG: 429 BB
UTG+1: 95.5 BB
MP: 173.5 BB
Hero (MP+1): 211 BB

9 players post ante of 0.5 BB, SB posts SB 0.5 BB, BB posts BB 1 BB

Pre Flop: (pot: 6 BB) Hero has K♣ K♠

fold, UTG+1 raises to 3 BB, fold, Hero raises to 10 BB, MP+2 calls 10 BB, CO calls 10 BB, fold, fold, fold, UTG+1 calls 7 BB

Flop: (46 BB, 4 players) 9♠ Q♦ 8♣
UTG+1 checks, Hero bets 14 BB, fold, CO calls 14 BB, UTG+1 calls 14 BB

Turn: (88 BB, 3 players) 9♥
UTG+1 checks, Hero checks, CO bets 29.5 BB, UTG+1 raises to 71 BB and is all-in, Hero?

Ich hab hier for Pot Control gecheckt, weil die 9 besser für die Caller ist und ich sowieso nur noch eine Street for Value gegen Qx hab - im Nachhinein fände ich eigentlich eine weitere Blockbet nicht schlecht. Danach kann UTG zwar Traps in der Range haben, aber wahrscheinlich auch einfach eine Qx, z.B. QTs, die auf Bon Chance reinstellt. Problem ist, dass CO hinter mir noch mit 180bb effektiv an der Reihe ist und mit einem Monster aufwachen kann.

Hand 2)
GG Poker - $0.02 Ante $0.01 NL - Holdem - 9 players
Hand converted by PokerTracker 4

UTG: 163 BB
Hero (UTG+1): 224 BB
MP: 458.5 BB
MP+1: 152 BB
MP+2: 200 BB
CO: 200 BB
BTN: 173.5 BB
SB: 187 BB
BB: 997.5 BB

9 players post ante of 0.5 BB, SB posts SB 0.5 BB, BB posts BB 1 BB, MP+1 straddles 2 BB

Pre Flop: (pot: 8 BB) Hero has A♠ A♣

fold, fold, BTN calls 2 BB, fold, fold, UTG calls 2 BB, Hero raises to 10 BB, fold, MP+1 calls 8 BB, BTN calls 8 BB, fold

Flop: (38 BB, 3 players) Q♣ 6♥ 9♠
Hero bets 11.5 BB, fold, BTN raises to 60.5 BB, Hero?

Geht ihr hier broke? Villains Raise macht wenig Sinn, Monster könnten slowplayen und Qx sollte sich nicht gegen bessere Hände isolieren. Draws bekommen gute Odds zum callen.


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6 replies
Moderator
cjheigl
Joined: 10.04.2006

1) Ich frage mich, ob am Flop überhaupt eine Contibet angebracht ist. Das Board kommt den Callern besser zupass als dir. Ich weiss jetzt nicht so gut, was 3-bet cold Caller deep so callen, aber ich vermute, das sind in erster Linie Pockets, in zweiter Linie suited Connectors, weil immer noch deep, vielleicht noch starke suited Asse. Du hast hier nur eine mittelstarke Hand und viele Gegner. Davon zwei in Position zu dir. Gegen so viele Gegner hast du vielleicht nicht mehr den Equityvorteil gegen die Gesamtheit und sehr wahrscheinlich nicht den Nutvorteil. Mir erscheint unter solchen Umständen ein Check attraktiv. Gegen jeden einzelnen hast du vielleicht einen knappen Equityvorteil, deshalb finde ich eine kleine Bet auch nicht ganz schlecht. Bevorzugen würde ich aber einen Check.

Angesichts der vielen Calls am Flop ist der Check am Turn nachvollziehbar. Die Karte ist nicht so besonders gut für dich (99 würde am Flop wahrscheinlich mehr Gegenwehr bieten, daher hat es wenig Auswirkung, wenn jetzt 99 seltener wird, aber T9s/andere 9xs verbessert sich und das raist nicht am Flop). Nach so viel Action hinter dir hast du einen leichten Fold. Du bist super selten vorne und deine Chancen, noch das Nut FH zu erwischen um die Gegner zu überholen sind auch sehr schlecht.

2) Das Board ist weniger koordiniert am Flop als in 1), auch hast du weniger Gegner. Eine Contibet am Flop fällt mir hier deutlich leichter. Nach dem sehr grossen Raise geht es um den Stack. Du hattest am Flop ein Stack to Pot Ratio von ca. 5:1 und das ist mir nicht genug, um hier mit einem Paar um den Stack spielen zu müssen.

Es gibt schon ein paar Draws, die der Gegner haben könnte, falls er sie aggressiv spielt (JTs, 87s, T8s haben 8 Outs), aber der Gegner kann auch jedes Set haben und vielleicht auch 2-Pairs. Von den Kombos her wäre das nicht zu schlecht für dich (12 Draw Kombos gegen 9 Set Kombos + vielleicht 4 suited 2-Pair Kombos), aber es ist eben doch die Frage, ob der Gegner seine Draws so spielt. Insbesondere angesichts der Size, die doch sehr gross ist (knappe Overbet -> wahrscheinlich geht es am Turn all-in).

Ich vermute, dass der durchschnittliche Pool Gegner nicht so aggressiv spielt, dass man das auskämpfen muss. Dazu noch kommt der unvollständige Stack des Gegners. Freizeitspieler sind im allgemeinen weniger aggressiv als Regulars. Du hast aber die Erfahrung, die mir an solchen Tischen fehlt.


Antwort
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MrRobot
Joined: 19.06.2022

Hier noch ein paar Überlegungen (unterteilt in GTO und Explotiv) zu Hand 2)

GTO - Müssten wir AA theoretisch am Flop defenden?
Hier kann man sich an der MDF orientieren, wobei es in meinen Augen 2 Varianten gibt.

1. Variante) Villain raist am Flop und jamt am Turn

Pot am Flop 38
Hero bet 11
Villain raise 60 (~170-10-60 = 100 stack left)

alpha_flop = 60/(60 + 38 + 11) ~ 60/110 ~ 0.5
mdf_flop = 1 - alpha_flop = 0.5

Pot am Turn 38 + 2x 60 ~ 160
Villain jam 100

alpha_turn = 100/(100+160) = 100/360 ~ 0.3
mdf_turn = 0.7

mdf_total = mdf_flop x mdf_turn = 0.35

2. Variante) Villain wird am Turn sowieso jamen - tun wir so als ob er am Flop direkt all-in gegangen wäre

Villain raise 160 anstelle von 60

alpha_flop = 160/(160 + 38 + 11) ~ 160/210 ~ 150/200 ~ 0.75
mdf_flop = 0.25

Für Villains Valuerange ist es also besser über 2 Streets zu gehen, weil Hero dann mehr defenden muss. Ganz grob muss Hero 0.3 seiner Flop Bettingrange defenden.

Wie sieht Heros Flop Bettingrange aus?
Der Threshold für die Valuerange liegt grob bei KQ. Auflistung Heros Valuekombos.
- Sets QQ, 99, 66 (3x3 = 9 Kombos)
- 2Pair Q9s (2)
- Overpair KK+ (2x 6 = 12)
- Toppair AQ, KQ (2x 12 = 24)
- Insgesamt 47 Valuekombos
- Factor in some slowplays 47*0.7 ~ 35

Wie viele Bluffkombos hat Hero?
Triple Barrel Betting Gameplan für einen sauberen Runout sieht etwa so aus:
pot am flop 38
hero bet flop 11
villains haben avg. 150 stack left
pot odds flop = 11/(2x 11 + 38) ~ 10/60 ~ 0.17
beta_flop = 1 - pot odds flop = 0.83
assume one caller

pot am turn 2x 11 + 38 ~ 60 (~140 stack left)
hero bet turn 40
pot odds flop = 40/(2x 40 + 60) = 40/140 ~ 0.3
beta_turn = 0.7

pot am river 2x40 + 60 = 140 (100 stack left)
hero bet river 100
pot odds river = 100/340 ~ 0.3
beta_river = 0.7

hero flop bluff % = beta_flop x beta_turn x beta_river = 0.83 x 0.7^2 ~ 0.4 (Edit: hier ist ein Fehler, das ist Heros Flop Value %)

Für die Anzahl der Bluffkombos folgt dann:

#bluff = #value x 0.4/0.6 = #value x 0.66 = 35 x 0.66 ~ 25

Insgesamt hat Hero am Flop also 25+35 = 60 Kombos - nach Variante 1 muss Hero am Flop 60x0.5 = 30 und am Turn 60x0.35 ~20 Kombos defenden.

- Sets, 2Pair und Overpair + AQ machen am Flop (9+2+12+12)*0.7 = 25

==> Am Flop muss Hero min. paar KQ Kombos defenden
==> Am Turn muss Hero min. seine Overpairs defenden

Für Varainte 2 folgt: Hero muss 60 x 0.25 = 15 Kombos defenden, KK+ sind (9+2+12)*0.7 ~ 16 => reicht.

Exploitiv - Womit geht die Population am Flop broke?
DB gefiltert nach: FR, Pref max 2Bet, Call 2Bet, Flop 3way, Raise CBet, Hand went to Showdown, SPR > 4.

Insgesamt 164 Hände. Flop Made Hand Distribution:
- 2Pair+ 72/164 = 0.43
- Pair- 0.57

Nun mit Flop Einschränkung: Non paired oder mono/2 suited. 51 Hände bleiben übrig.
- 2Pair+ 20/51 = 0.39 (hier kommen allerdings auch ein paar Straights vor)
- Pair- 0.61

==> Die Population scheint in dem Spot also doch relativ häufig ein Toppair zu overplayen - in meinem Spot vielleicht sogar noch stärker, weil ich nur geblockbettet habe und damit etwas induced haben könnnte. Konservativ nehm ich mal zu 50% Toppair an.

EQ(AA vs 66 on Q96r) ~ 0.09
EQ(AA vs KQ on Q96r) ~ 0.79

Angenommen Villian hätte am Flop gejamt.
pot odds flop = 160/(2x160 + 38) ~ 150/350 ~ 0.43

EQ(AA vs 50% Set & 50% Toppair) = 0.5 x 0.09 + 0.5 x 0.79 = 0.44

==> Demnach also ein knapper Spot um broke zu gehen, was ich tatsächlich ausgehend von der Handstärkenverteilung (mit den vielen Toppairs) nicht erwartet hätte.

Fazit: Sowohl aus GTO als auch exploitiv Perspektive ist der Spot eher marginal, Fold oder Broke nimmt sich nicht viel.


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Moderator
cjheigl
Joined: 10.04.2006

Wow, das ist eine ausführliche Rechnung! Allerdings verstehe ich den Abschnitt mit den Bluffkombos nicht so ganz. Ich dachte immer, die Bluffs müssen vom River her gerechnet werden und dann ergibt sich daraus, wie viele weitere Kombos am Turn und am Flop dazu geblufft werden müssen, damit am River die richtige Menge Bluffs überig bleibt. Die ganze Berechnung richtet sich nach den alphas.

Die 3 Street Rechnung:

Ausgangssituation ist der River. Dort werden #V_River Anzahl Kombos für Value gespielt. Bei einem Pot von 140 und einer Bet von 100 betragen die Pot Odds 2,4:1, was ein alpha von 1/(Odds+1) = 1/3,4 ergibt.

Das bedeutet, Villains Range in der checkraise Flop - bet Turn - bet River Linie sollte am River zu 1/3,4 aus Bluffs bestehen, was man erreicht, in dem das Verhältnis von Value zu Bluffs den Pot Odds entspricht. D. h. auf je einen Bluff kommen 2,4 Valuekombos, also ist die Zahl der Bluffkombos 1/2,4 * #V_River. Insgesamt ist die Zahl der Bets am River

#Bet_River = #V_River + 1/2,4* #V_River = (2,4+1)/2,4 * #V_River = 3,4/2,4 * V_River

Am Turn behandelt man alle Bets, die am River gemacht werden, wie Valuekombos, denn diese sollen auch am River weitergespielt werden. Daraus ergibt sich die Zahl der zusätzlichen Bluffs am Turn.

Die Odds sind diesmal 100:40 = 2,5:1. --> es werden
1/2,5 * (Anzahl Bets am River)
= 1/2,5 * (3,2/2,4) * #V_River
= 3,2/6 * #V_River
zusätzliche Kombos am Turn geblufft. Die Gesamtzahl der Bets am Turn ist damit

#Bet_Turn = Anzahl der Bets am River + 3,2/6 * #V_River
= (3,4/2,4 + 3,2/6) * #V_River
= (8,5/6 + 3,2/6) * #V_River
= 11,7/6 * #V_River

Das heisst, am Turn ist die Zahl der Bluffs schon fast gleich gross wie die Zahl der Valuebets.

Am Flop geht es um einen Checkraise. Da ist die Rechnung etwas anders, da der Checkraiser ein grösseres Risiko eingeht als ein Bluffer, der mit einer einfachen Bet blufft. Hier richtet sich die Zahl der Valuekombos danach, wie häufig der Bluff erfolgreich sein muss. Die Zahl der "Valuekombos" ist wie vorher die Zahl der Bets in der nächsten Street.

Der Gegner raist am Flop 60, um einen Pot von 38+11=49 zu gewinnen. Das lohnt, sobald er mindestens in 60 aus 60+49 = 109 Fällen gewinnt. Daraus ergibt sich, dass er pro 60 "Valuekombos" 49 Bluffs spielen sollte.

Die Anzahl der zusätzlichen Bluffs am Flop ist
49/60 * Bets am Turn =
49/60 * 11,7/6 * #V_River
= 568,4/360 * #V_River
~ 1,58 * #V_River

Insgesamt werden
#Bet Flop = (109/60 + 11,7/6) * #V_River
= (10,9+11,7)/6 * #V_River
= 22,6/6 * # V_River
= 3,77 * #V_River
Kombos am Flop gebettet, wobei die Anzahl der Bluffs die Anzahl der Valuebets (vom River!) um den Faktor 2,77 übersteigt. Der Anteil der Valuebets am Flop ist also 1/3,77 = 26,5% und der der Bluffs 73,4%.

Sieht krass aus, aber man muss sich schon klarmachen, dass der Gegner am River nur noch Monster für Value betten kann. So viele Kombos sind das also gar nicht.

Sagen wir, der Gegner kann am River nur noch Sets und Straights für Value betten. Wenn man davon ausgeht, dass der Gegner nur suited Kombos als Straight hat (JTs), dann sind das 9+4= 13 Kombos am Flop, woraus sich 36 Bluffkombos ergeben. Heros AA sind dagegen indifferent, weil sie die Straight und die Sets nicht schlagen, die Bluffs aber schon.

Was Hero am Flop weiterspielt hängt allein von der Situation am Flop ab. Da das Verhältnis von Bluffs zu "Valuebets" am Flop 49 : 60 ist, sollte Hero die top 49/109 ~ 45% seiner Bluffcatcher weiterspielen. Das ist einfach die mdf Strategie.

Die Ranges für 200 bb mit Ante kenne ich immer noch nicht, aber ich denke, sie sind furchtbar weit, ganz besonders noch mit extra Poster und Straddle. Deine Bluffcatcher sind am unteren Ende Ax und am oberen Ende JTs/QQ. Die Frage ist, wie viele 2-Pairs du da hast, aber Q9s halte ich für möglich.

Ich könnte mir vorstellen, dass du ca. 200 Kombos insgesamt hast, davon ist top Pair und besser ca. 30% (deine Range ist nicht schwach). Es ist also klar, dass AA am Flop noch weitergespielt werden muss und theoretisch auch sehr wahrscheinlich am Turn. Höchstens für den Call am River wird es knapp.

--- Ende Theorieteil

Praktisch ist natürlich immer noch die Frage, ob der Gegner so theoretisch spielt, dass seine checkraise Range am Flop zu fast 75% aus Bluffs besteht und er auch am River immer noch Bluffs hätte in der Checkraise Linie. Daran zweifle ich stark, deshalb würde ich in diesem Pool nicht GTO gegen die Monsterlinie spielen wollen.

Die Gegner sind vermutlich viel valuelastiger, deshalb kannst du viel mehr folden.

In der 2 Street Rechnung wirst du tighter, wie du ausgerechnet hast.

Das ergibt mehrere wichtige Ergebnisse:

-> Eine 3 Street Strategie hat einen höheren EV
-> mit einer 3 Street Strategie kann man auch bei polarisierter Range mehr Kombos spielen, weil man mehr Bluffs hat, sich die River (bzw. all in) - Valuerange aber nicht bis kaum unterscheidet

-> Gegen eine 2 Street Strategie kann man tighter folden als gegen eine 3 Street Strategie
- was auch daran liegt, dass eine 2 Street Strategie weniger blufflastiger ist als eine 3 Street Strategie, weil sich dort die Bluffkombos viel weniger stacken können.
- andererseits man schon am Flop viel schlechtere Odds bekommt, wodurch sich eine kleinere mdf Frequenz ergibt

Falls die Gegner in der Checkraise Linie tatsächlich signifikant oft mit top Pair auftauchen, dann kann top Pair top Kicker und besser niemals gefoldet werden, weil man damit einen Teil der Valuerange des Gegners schlägt. Das sind dann nicht mehr nur Bluffcatcher, sondern Valuecalls. Die Bluffcatcher fangen erst da an, wo man die Valuehände nicht mehr schlägt. Ich bin in meiner Rechnung davon ausgegangen, dass die Valuerange des Gegners erst oberhalb von Pairs anfängt bzw. sogar nur Set und besser ist. Dann ist jedes Paar nur Bluffcatcher, auch AA.


Antwort
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MrRobot
Joined: 19.06.2022

Ich hätte nicht 2 Hände in einen Thread posten sollen, my bad - meine Rechnung bezieht sich auf Hand 2) und deine auf Hand 1). Deine Rechnung/Überlegung sieht auf jeden Fall richtig aus.

Die Formel, die ich verwendet habe, kommt von (Verlinkung ist bereits an der richtigen Stelle)

Meine Beta's oben entsprechen 1-Pot Odds an der jeweiligen Street.

Was ich mich in dem Zusammenhang gerade noch frage: Wie behandelt man eigentlich die Valuebets, die nicht über 3 Streets gehen? Am Flop werde ich ja nicht nur Valuebets haben, die über 3 Streets gehen, sondern auch welche die über 2 Streets gehen (Bet Flop, Bet Turn oder Bet Flop, X Turn, Bet River) und natürlich auch welche die nur am Flop betten. Unsere Rechnungen beziehen sich im Grunde nur auf die Valuebets über 3 Streets und deren Balancing mit Bluffs. Die gleiche Rechnung kann man entsprechend auch für die weiteren Valuebets (über weniger Streets) aufstellen. Als Beispiel in Hand 2) hätte ich auch QT oder JJ mit in meine Flop Bettingrange mixen können als One Street Valuebets. Müsste sich dann auch meine Bluffingrange erhöhen? Wenn man das alles berücksichtigt, dann ist es praktisch unmöglich eine genaue Rechnung aufzustellen, oder?

Edit: Ein weiterer Faktor ist außerdem die angegebene Flop Made Hand Distribution. Das sind nur Hände, die am Showdown gezeigt wurden. Ich vermute aber, dass der Fehler relativ gering ist, weil man auf dem Limit selten sieht, dass sich jemand am Flop dermaßen committed und dann doch noch aufgibt.


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Moderator
cjheigl
Joined: 10.04.2006

Ich sehe, welchen Fehler du gemacht hast. Die Multiplikation der betas ergibt den Anteil der Valuebets, nicht den der Bluffs. Das bedeutet, der Anteil der Valuebets ist am River am höchsten und am Flop am kleinsten.

Ich glaube, dass im Video unter Odds etwas anderes verstanden wird als üblich. Seine Odds sind eigentlich 1/Odds. In der üblichen Schreibweise x:1 sind die Odds als Bruch geschrieben immer > 1, weil sich die Odds ergeben aus

Odds = pot + bet : bet

und der linke Ausdruck ist immer grösser als der rechte.

Würde man das einfach so als Bruch verwenden, dann ergäbe Bluff% = 1 - Odds keinen Sinn, denn das wäre dann negativ. Seine Odds müssen daher etwas anderes sein.

In diesem Beispiel:

River: 100 bb in 140 bb pot -> Odds = 240:100 = 2,4:1 -> 1/Odds = 1/2,4 = 41,7% -> beta River 1 - 41,7% = 58,3%
Turn: Odds = 2,5:1 -> 1/Odds = 1/2,5 = 0,4 -> beta Turn = 60%
Flop: Odds = 2,5 -> beta Flop = 60%

Der Anteil der Valuebets am Flop wäre also 58,3% * 60% * 60% = 21%

Das ist das gleiche, was ich ausgerechnet habe, nur anders geschrieben.

Ich hatte ausgerechnet, dass die Anzahl der Bluffbets am Flop das 3,77-fache der Anzahl der Valuebets beträgt. Die Gesamtmenge der Bets ist also das (3,77+1)-fache der Valuebets oder das 4,77-fache. Das bedeutet, der Anteil der Valuebets an der Gesamtmenge der Bets ist 1/4,77 ~21%.

Ich denke, dass man mit meiner Zahl mehr anfangen kann, da es ja darum geht, die Anzahl der Bluffkombos zu bestimmen. Das ergibt sich als das Vielfache der Valuekombos am River. Allerdings ist es schwieriger auszurechnen.

Umgekehrt benötigt man mit der einfacheren Rechnung aus dem Video noch einen weiteren Schritt, da man aus der gewonnenen Prozentzahl noch das Verhältnis zwischen Value- und Bluffbets ausrechnen muss, damit man aus der Zahl der Valuekombos die Zahl der Bluffkombos bestimmen kann.

Aus den 21% ergibt sich das Verhältnis von ~3,76:1, wobei 1 die Zahl der Valuebets ist. Die Differenz sind Rundungsfehler, die schon in der Prozentzahl drin waren.

Rechnung:

Bluff% + Value% = 1
Bluff% = 1 - Value%
Bluff% : Value% = (1-Value%) : Value%
-> eingesetzt
Bluff : Value = (1-21%) : 21% = 79 : 21 = 79/21 : 1 = 3,76:1
Voilà!

Der Unterschied sind wie gesagt Rundungsfehler.

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Valuebets, die nicht über 3 Streets gespielt werden können werden über die Streets aufgeteilt. Das bedeutet, man bettet nur einen Teil von ihnen am Flop, den Rest verwendet man zur Potcontrol (check bzw. check behind). Je weniger Value sie haben, desto mehr check.

Es gibt noch einen weiteren Gesichtspunkt: durch free Cards kann die Situation entstehen, dass diese Hände in einer zukünftigen Street nicht mehr für Value gebettet werden können. Daher gilt: statische Hände, die wenig an Value verlieren, weil der Gegner eine free Card bekommen kann, werden eher gecheckt als Hände, die gegenüber dynamischen Änderungen empfindlich sind. Typisches Beispiel: KK auf Axy Board oder Ax auf Ayy oder sogar Axy Board. Eher Bets dafür für JJ auf Txy Board und weniger Bets für AA auf Txy Board.

--------------

Die Bluffrechnung geht nur von den Valuebets am River aus, also von den Händen, die über alle Streets für Value gebettet werden können. Das führt dazu, dass das Verhältnis der Bluffbets zu den Valuebets am Flop doch nicht ganz so krass ist wie die Rechnungen vorgaukeln, da noch weitere Valuebets hinzukommen, die später als Valuebets aufgegeben werden. Dabei sind insbesondere die Bets wichtig, die über zwei Streets für Value gespielt werden können, da die mit den 3-Street Valuebets als Verteidigung gegen Gegenangriffe gespielt werden können (Raises). Die 1-Street Valuebets sind dünne Valuebets, die gegen Gegenspiel typsicherweise aufgegeben werden (bet/fold). Aus diesem Grund werden sie sehr häufig am Flop gecheckt, weil sie einerseits empfindlich gegen Attacken sind, andererseits aber genug Value haben, um als Bluffcatcher die Checkrange gegen Attacken schützen zu können, auch auf späteren Streets.

Das führt dazu, dass sich in der bet bet bet Linie die Range immer weiter polarisiert und in der passiveren Linie die Range immer weiter komprimiert (auf mittelstarke Hände).

Solver können das besser als Menschen. Aber eigentlich ist das auch für Solver in frühen Streets aufwendig, weswegen sie dort häufig auf vorgesolvte Tabellen zugreifen.


Antwort
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MrRobot
Joined: 19.06.2022

Original von cjheigl
Ich sehe, welchen Fehler du gemacht hast. Die Multiplikation der betas ergibt den Anteil der Valuebets, nicht den der Bluffs. Das bedeutet, der Anteil der Valuebets ist am River am höchsten und am Flop am kleinsten.

Stimmt, ich hab den Fehler oben markiert.

Die Berechnung der Betas und des Flop Value% Anteils ~ 0.4 ist dann aber richtig. Die Definition ist Pot Odds = Bet% (vom Pot) /(2x Bet % + 1) und Beta = 1 - Pot Odds. In der Videobeschreibung haben die dazu auch eine Excel verlinkt.

Damit keine Verwirrung aufkommt. Ich beziehe mich nur auf Hand 2), also AA auf Q96r und dem fiktiven Szenario, in welchem ich nicht von Villain geraist werde, sondern triple barrel mit den Betsizes Flop: 11 (bzw. 29% Pot), Turn: 40 (67%) und River: 100 (71%). Das habe ich dafür gemacht, um abzuschätzen wie meine Flop Bettingrange aussieht, bzw. wie viele Bluffs darin enthalten sind. Danach kann man wieder zu der eigentlichen Situation (in welcher ich von Villain am Flop geraist werde) zurückkehren und mit MDF abschätzen, was defendet werden muss.


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