Bis vor zwei Tagen hatte ich eigentlich vor, ueber den Freeshowdowncap zu schreiben. Da es ueber das Thema allerdings nicht viel zu sagen gibt, verschiebe ich es und schreibe diese Woche ueber etwas anderes: Es geht darum, mit A-high ohne Initiative den Flop zu checkraisen. Dieser Move ist sehr maechtig und ich benutze ihn viel auf den Highstakes.
Ich erweitere mit diesem Move meine eigene Checkraise-Range, balance damit meine Semibluffs besser. Ich benutze diesen Move hauptsaechlich auf drawlastigen Boards gegen Gegner, die viele Showdowns sehen. Wichtig ist hierbei auch, dass der Gegner mit K-high heruntercallen kann, wenn die offensichtlichen Draws nicht ankommen!
Dies macht es fuer meinen Gegner schwerer meine Hand einzuschaetzen - er weiß nicht mehr, welche Karten gut und welche schlecht fuer mich sind.
Im Limit Holdem ist es immer wichtig, eine moeglichst große Range zu haben, ohne dabei viele Karten zu spielen, die in der Situation einen negativen Erwartungswert haben. Um das ganze besser zu verdeutlichen beschreibe ich hier mal eine Hand, die ich heute gespielt habe:
100.00/200.00 Fixed-Limit Hold'em (6 handed)
Hand recorder used for this poker hand: http://www.pokerstrategy.com//software/4/?referer=grabem_hand by www.pokerstrategy.com.
Preflop: Hero is BB with A♠, 8♥
3 folds, BU raises, SB folds, Hero calls.
Flop: (4.50 SB) 6♣, 5♥, 3♣ (2 players)
Hero checks, BU bets, Hero raises, BU calls.
Turn: (4.25 BB) 5♠ (2 players)
Hero bets, BU calls.
River: (6.25 BB) J♥ (2 players)
Hero bets, BU calls.
Final Pot: 8.25 BB
Ich nehme das Ergebnis vorweg, Button hat mich mit KT heruntergecallt und ich habe diesen netten Pot gewonnen.
Wichtig ist, dass die Hand fuer mich leichter zu spielen wird, nachdem ich den Flop gecheckraist habe.
Wenn wir am Flop check/callen wird der Gegner am Turn meistes nocheinmal betten und wir wissen nicht, wo wir stehen, da der Flopcall von uns einfach nur heisst, dass wir zwei Overcards haben und diese oft am Turn aufgeben werden. Er kann uns also leicht bluffen, bzw. eine schlechtere Hand aus Protectiongruenden betten. Wir haben am Turn und River, eigentlich egal welche Karten erscheinen (sofern wir nicht treffen), schwere Entscheidungen vor uns.
Wenn wir den Flop hingegen checkraisen, veraendert sich unsere Range am Flop in Richtung von Haenden, die mit dem Board irgendwie verbunden sind: Flushdraws, X4 Haende, 78o oder ein Paar und A-high. Der Gegner wird nicht erwarten, dass wir irgendwas aus dieser Range gegen einen Turnraise folden (außer eben A-high).
Untersuchen wir mal den Unterschied zwischen einer passiven Check/Call Flop und Turn Line im Vergleich zu dieser agressiven Line bei unterschiedlichen Turn/River Karten:
Wenn sagen wir am Turn die 4♣ ankommt, die jeden Draw ankommen laesst. Mit unserer passiven Line haben wir jetzt eine schwere Entscheidung.
Haben wir allerdings gecheckraist kann es sogar sein, dass unser Gegner ein besseres Ass foldet, wenn wir noch zweimal betten. Es kann auch sein, dass er am Turn eine Hand foldet, die immerhin 6 Outs gegen uns hat.
Nehmen wir an, am Turn kommt das A♥ und die 5♠ am River. Wenn ich die passive Line spiele, wird Villain mit K-high am Turn wohl oft checken und eine Riverbet callen und bei manchen Riverkarten folden. Durch die aggressive Line erhalte ich aber gegen K-high hier 2 Bets bis zum Showdown.
Bei Turn J♠, River Q♥ haben wir nach der passiven Line am River eine schwere Entscheidung. Bei der aggressiven Line koennen wir den River jedoch sehr viel besser spielen. Wir koennen hier haeufig check/folden, da eine Valuebet sehr duenn waere und Villain mit einer Hand wie K-high nicht versuchen wird zu bluffen, da er unsere busted Draws schlaegt und bei sovielen missed Draws nicht unbedingt davon ausgehen kann, dass wir ein Lowpair folden - er wird eher denken, dass wir guenstig zum Showdown wollen und unser kleines Paar check/callen. Es gibt fuer ihn also eigentlich kaum einen Grund, eine Hand die wir schlagen zu betten.
Bis jetzt habe ich nur Situationen beschrieben wo der Gegner selber nichts getroffen hat, bzw. nach unserem Checkraise passiv geblieben ist. Durch die Checkraise Line koennen wir aber sehr viel besser nach dem Flop auf seine Aggression reagieren, weil sich die Range, die er uns geben wird, stark veraendert hat. Er wird zum Beispiel eigentlich nicht versuchen, uns am Turn als Bluff zu raisen, weil wir mit fast unserer gesamten Range den River sehen werden.
Zwar geben wir durch die aggressive Line gelegentlich 3-6 Outs auf, aber ich glaube, die anderen Vorteile machen das in vielen Faellen wieder wett.
Eine weitere Hand, in der ich heute von der ueblichen Spielweise aus Balancinggruenden abgewichen bin:
100.00/200.00 Fixed-Limit Hold'em (10 handed)
Hand recorder used for this poker hand: http://www.pokerstrategy.com//software/4/?referer=grabem_hand by www.pokerstrategy.com.
Preflop: Hero is SB with A♥, K♠
2 folds, UTG+2 raises, 3 folds, CO 3-bets, BU folds, Hero calls, BB folds, UTG+2 calls.
Flop: (10.00 SB) 7♠, 6♠, 3♥ (3 players)
Hero checks, UTG+2 checks, CO bets, Hero raises, UTG+2 folds, CO calls.
Turn: (7.00 BB) 9♠ (2 players)
Hero bets, CO raises, Hero calls.
River: (11.00 BB) 3♣ (2 players)
Hero checks, CO checks.
Final Pot: 11.00 BB
Da es vorallem an einem Fullring-Tisch Situationen gibt, bei denen es meiner Meinung nach richtig ist, aus der SB eine 3-bet nur zu callen und wir das auch balancen sollten, habe ich in dieser Hand mit AKo Preflop nur gecallt. Ich calle hier sonst in der SB mit mittleren Paaren oder hohen suited connectors. Um nicht zu leicht lesbar zu sein, mische ich hier deswegen auch ein paar hohe Asse hinein.
Diese Hand habe ich gegen Jan "50Outs" gespielt und gegen sein AsQc diesen riesigen Pot gewonnen. Ich haette den River gegen eine Bet wohl gefoldet, aber Jan hat wohl nicht erwartet. dass ich je ein besseres Ass als er halte, noch dass ich ein Paar bei diesem River folden wuerde.
Den Flop checkraise ich, da es fuer den urspruenglichen Raiser sehr schwer ist hier weiterzuspielen, wenn er zwei Bets callen muss und den Preflop 3-better noch hinter sich sitzen hat. Am Turn bekomme ich noch den 2nd-Nutflushdraw und muss zusammen mit meinen Overcards den Raise natuerlich zahlen.
Haette ich Preflop gecapped, haette ich zwar mehr Staerke gezeigt, ich waere aber wohl durch den groeßeren Pot und die veraenderte Situation nicht in der Lage gewesen, irgendwen bei diesem Flop zum folden zu bringen. Selbst am Turn haetten beide sehr gute Odds bekommen. Wer weiß, ob ich den Pot dann gewonnen haette.
Generell kann ich sagen, dass dieser aggressive Move eher eine Abwechselung zu der Standartspielweise sein sollte, der es fuer den Gegner schwerer macht, einen zu lesen, ohne dabei zuviel Equity zu verlieren.