Erstmal sollte man klären was "optimal" bedeutet: Optimal bedeutet in diesem Zusammenhang eine nicht-exploitbare Strategie zu finden, sprich: Der Gegner kann durch seine Entscheidungen seinen EV nicht beeinflussen.
Sklansky hat in seinem Buch "The Theory of Poker" ein Beispiel dazu gegeben:
Angenommen wir befinden uns am River (bzw. nicht unbedingt auf Hold'em bezogen auf der letzten Street vor dem SD), der Pot ist 100$ und die Betsizes betragen 20$.
Unser Gegner nimmt an, dass wir in einem von 3 Fällen foldet, wenn er bettet. Das heißt, wenn er blufft(sein Bluff ist immer eine Hand die 0% Equity gegen unsere Range hat oder wahlweise niemals den SD sieht auf einen Check) beträgt sein EV: (1x100$-2x20$)/3=20$/Hand. Der EV von c/f ist natürlich 0.
Daraus folgt b>c/f. Unser Gegner exploitet also unsere Tendenz zu oft zu folden durch bluffbetten.
Unsere Call:Fold Frequenz (in diesem Beispiel 2:1) ist also schonmal nicht optimal.
Gut. Dann callen wir halten etwas mehr, d.h. folden weniger. Das heißt wir wollen mehr bluffen. Jetzt folden wir nur noch in einem von 7 Fällen. Was für einen EV hat jetzt Villains Bluff?
EV(Bluff)=(1x100$-6x20$)/7=-20$/7= ~ -2,9$/Hand
Nun ist c/f > b/f. Auch nicht das was wir wollen. Jetzt kann Villain einfach c/f spielen :f_cry:.
Gut, dann sollten wir doch wieder etwas mehr folden... . Probieren wir mal folgende Frequenz: Wir folden in einem von 6 Fällen (sprich Odds Call:Fold = 5:1).
EV(Bluff)=1x100$-5x20$=0$=EV(c/f)
Perfekt, es ist für den Gegner egal ob er blufft oder einfach aufgibt, seine Entscheidung beläuft sich immer auf einen EV von 0. b/f=c/f.
Das heißt: Optimal spielen wir in diesem Beispiel, wenn wir 1/6 Hände folden und 5/6 Hände callen => Call in 83,3% der Fälle, Fold in 16,7% der Fälle.
So, das bringt uns aber nicht allgemeingültig weiter. Was fällt uns auf? 5:1... .5:1 sind genau die Odds, die Villain auf einen Bluff bekommt: Er setzt 20$ ein um 100$ zu gewinnen. Und genau das ist unsere Frequenz, in der wir callen sollten, wenn wir nicht exploitbar sein wollen.
(Anmerkung: Villains optimale Blufffrequenz wäre hier 6:1, nämlich genau die Odds die er uns auf einen Call gibt, wir würden 20$ zahlen um 120$ zu callen, der EV unsererseits wäre jetzt ebenso 0 für c/c oder c/f.)
Wichtig ist, das wir unsere Calls rein zufällig verteilen, sodass Villain überhaupt keine Ahnung haben darf, ob wir callen werden oder nicht. Ausserdem bringt uns eine optimale Call Frequenz anders als bei einem optimalen Bluff nicht automatisch in einen +EV Spot, würde unser Gegner z.B. nie bluffen hätten wir einen -EV Call, wenn wir callen obwohl wir GTO (=Game Theory Optimal) spielen.
Wenn Villain selbst GTO blufft, ownt er uns natürlich trotzdem, dennoch verlieren wir weniger wenn wir selbst GTO spielen, als wenn wir von der GTO abweichen und er uns exploitet (wenn er weiterhin GTO spielt ist es vollkommen egal was wir machen).
Weicht man selbst vom optimalen Spiel ab (was man fast immer macht und machen sollte), dann ist das zwar potentiell exploitable, aber man erzielt einen deutlich höheren Erwartungswert, solange wir in der Lage sind auf Exploits zu adapten.
Falls etwas zu verwirrend war... fragt nicht nach, mein Kopf muss auch Spagat machen um das zu kapieren^^.