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[Geschlossen] Mein persönlicher Tiltmanager

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GLAUBE und ABERGLAUBE

Glaube

Grundvorrausetzung für mich und überhaupt der Antrieb Poker intensiv zu spielen ist der tiefe Glaube, das Poker zwar ein Spiel mit “Glückskomponenten“ ist, aber durch das “richtige“ Spiel auf jeden Fall über einen längeren Zeitraum Geld bring.
Steht das für einen fest, muss man allerdings auch immer der Tatsache ins Auge schauen, daß zwar Downswings möglich sind, diese aber über einen längeren Zeitraum einem fehlerhaften Spiel und nicht dem bösen “Bad Beat Geist“ zuzuschreiben sind.
Also, sollte es lange Zeit nicht laufen. Einfach mal Pause machen, Fehler suchen ( Hände ins Forum posten, Strategieartikel lesen usw.) Hinterfragt auch ruhig mal Hände, die Ihr gewonnen habt. Oft setzt sich der frühe Erfolg einer Spielweise, selbst wenn sie eigentlich falsch war, im Kopf fest und führt dazu, daß spätere Niederlagen gleich als Pech abgetan werden. Mit jeder dieser Hände die man dann verliert, bekommt man das Gefühl: “Ich kann ja machen was ich will, das bringt eh nix.“ Dabei kann dies aber wie gesagt den Grund haben, daß man vorher bei falschem Spiel einfach Glück resp. Erfolg hatte und sich nun nur der normale Erwartungswert einer Spielweise einstellt.

Aberglaube

Jeder hat seine Macken und eine gefühlte Wirklichkeit was die Wertigkeit der Hände, jenseits jeglicher SHC betrifft. So Sachen wie "JT ist meine Hand oder eine Vorliebe für berühmte Hände wie T 2 (Doyle Brunsons Hand) können für so manchen crasy call sorgen, nur weil man das ein oder andere mal damit gewonnen hat. Unterm Strich hat man zwar eher minus mit den Händen gemacht, aber die “großen“ Siege gegen Pocket Rockets mit einem geloppten full House mit T 2 bleiben länger im Gedächtnis, als die unzähligen Male wo man kleinere Beträge mit dem Postflop fold und overplay verloren hat.
Aber auch andersherum täuscht manchmal die eigene Wahrnehmung.
Man verflucht gerne mal KK nachdem mann schon wieder gegen Rockets gelaufen ist oder vom set gebustet wurde. So "bittere" Hände bleiben auch länger im Gedächnis als die vielen male in denen man den Pott mit Königen mitgenommen hat. Es muss ja nicht immer gleich der komplette Stack des villain sein. Ein Blick in den Pokertracker und auf den Nettogewinn der einzelnen holecards, kann da schon für so manche Überraschung sorgen.
So Sachen wie Kleidung, die Zigarette im Mund, oder der Glücks cardguard spielen keine übersinnliche Rolle beim Erfolg am Pokertisch. Viel eher ist der Erfolg dann auf unterbewusste Tatsachen zurückzuführen oder einfach Zufall. Sollte also eine Hand, deren Wertigkeit laut seriöser Pokerstrategie zu den mittleren Händen gehört zu überdurchschnittlichem Erfolg führen, liegt das wohl weniger an dem Glückspulli oder dem Schicksal, als an der Tatsache das man durch unterbewusstes Selbstvertrauen und gute Entscheidungen diese Hand besonders erfolgreich spielt.
Unterm Strich bedeutet aber jegliche Entscheidung am Tisch, die auf andere Motivationen zurückzuführen ist als die der überlegten, rationalen Pokerstrategie, über kurz oder lang Verlust.
Oder um ein Zitat aus “Ace on the River“ zu gebrauchen: “Abergläubisch sein bringt kein Glück“.

Maßnahmen gegen das Tilten

Problem:
Zu viele calls und zu hohe raises oder bets

Ursache:
Nach einer Reihe von verlorenen all ins oder bad beats will man das Glück erzwingen. Man denkt, irgendwann habe ich doch auch mal Glück oder man will die mehreren kleineren verlorenen Hände schnell wie möglich wieder mit einem großen Pot ausgleichen.

Eigenart und Gegenmaßnahme:
Eine schlechte Hand bleibt eine schlechte Hand egal wie viel man setzt.
Ein all in aus early position mit J T s ist und bleibt in der Regel ein Fehler, egal ob man eben von dieser Hand zweimal ausgeluckt worden ist oder nicht. Auch der Ärger über die Tatsache, das man zum dritten mal innerhalb einer session mit KK gegen ein A auf dem flop läuft, ist kein Grund jetzt gleich alles in die Mitte zu werfen. Ob preflop oder auch gegen das A am Flop. Beim Fussball mag, nachdem man nie in den Strafraum kommt, ein Gewaltschuss aus der zweiten Reihe eine Option sein. Beim Poker verschenkt man, in min. 9 von 10 Fällen Geld, weil alle schlechteren Hände folden oder man verliert es, weil jemand schon wieder das A hält. Also, weiter so spielen wie gewohnt und an der SHC und SSS oder BSS festhalten.
Neben den "Gewaltbets" oder "raises" gibts da auch noch das "Lucky Luke Syndrom". Man klickt mit der mouse schneller als sein Schatten ;). Ebenfalls ein Punkt über den sich die villains sehr freuen werden. Diese Verzweiflungsklicks, nach dem Motto Augen zu und durch geschehen meist wider besseren Wissens. Ist halt was anderes ob man mit nem Fingerzucken die Kohle in die Mitte schiebt oder die Chips, in 3D vor Augen habend, bewegen muss. Nicht hektisch werden. Egal ob schnell oder viel; Eine bet muss vor allem Ihre Berechtigung haben. Und diese hat Sie oder halt nicht. Meistens (es gibt Ausnahmen) ohne Verhältnis zu den Ergebnissen, der vorrangegangen Hände.

Problem:
Zu wenige calls oder zu niedriege bets

Ursache: bad beats, großer downswing

Eigenart und Gegenmaßnahme: ( Vorab vielleicht auch mal was zur Interpretation eines Bad beats. Man liest im tablechat manchmal die unglaublichsten Klagen. Wenn ich mit TT gegen AK auf dem River verliere, ist das zwar ärgerlich aufgrund des späten beats, aber noch lange kein "bad beat". Dieses Beispielduell ist rein mathematisch ne coinflipsituation und das Ergebnis völlig im Erwartungsrahmen. Bad beats sind eher Sachen wie mit nem set gegen die backdoorstrasse zu verlieren. )
Die Angst z.B. schon wieder mit KK zu verlieren verleitet dazu viel zu slow zu spielen. Aber auch hier bedeutet das in den meisten Fällen nur noch mehr bad beats durch freecards oder verschenkten Gewinn. Meistens lässt man nämlich die Hand doch nicht los, nur das man dann mit jemanden zum showdown geht, der sich schön bis zum River das “monster“ kostenlos bzw. kostengünstig rannziehen konnte.Die SHC bzw. die SSS und BSS funktionieren. Ein Misserfolg der empfohlenen Spielweise liegt manchmal an dem Kartenpech oder aber an Missinterpretation Selbst die guten Artikel hier bei PS können nicht alle Situationen abdecken. Was also schon allgemein gilt, kann in besonderen Situationen nur abgewandelt oder eingeschränkt angewandt werden. Deshalb. Hand posten und sich an die Professionellen Handbewerter wenden.

Problem:
Das zu häufige switchen

Ursache:
Selbstzweifel.

Eigenart und Gegenmaßnahme:
Es läuft nicht gut, man verliert und verliert. Man denkt sich: “OK ich mache was falch, also spiele ich jetzt diese und jene Hand mal ganz anders“. Das ist im Grunde nicht verkehrt, aber innerhalb einer oder zweier sessions seine Spielweise wild zu wechseln, ist nie richtig ohne alles vorher gründlich hinterfragt zu haben.
Richtige Entscheidungen können auch kurzfristig zum Verlust führen und falsche kurzfristig zum Erfolg. Nur sollte man nicht direkt ne Regel daraus herleiten.
Sollte sich also der Erfolg über längere Zeit nicht einstellen wollen, muß man schon seine Spielweise überdenken, aber sollte dies nicht unbedingt in einer session tun. Abseits des Pokertisches analysiert und über mehrere 1000 Hände hinweg wird eine erfolgreiche Spielweise repräsentativ. Nicht innerhalb von einigen Stunden am Tisch. Wildes ausprobieren am Tisch kann zu nur noch mehr Frustration führen. Dann viel eher mal den Tisch wechseln.
Nen Artikel über die table selection findet Ihr hier table selection (ab Gold Status)

Problem:
Der Glückseffekt

Ursache:
Anhaltender Erfolg

Eigenart und Gegenmaßnahme:
Es gibt auch solche Tage: Alles was man anfasst wir zu Gold. Man läuft mit dem set am flop gegen ein flush, macht aber am River das full house, Sämtliche coinflip Situationen werden gewonnen und die Straße hat man Grundsätzlich am flop. All dies ist schön und man brauch sich dafür auch nicht zu schämen. Aber auch hier gilt: so was währt nicht ewig. Wenn man nach mehreren Dollar Gewinn merkt, das man dazu neigt any two cards, jedes draw gegen sämltliche potodds oder Positionen zu spielen, sollte man lieber mal ne Runde aussetzten. Tief durchatmen und später wieder kommen. Wenn man gewinnt, weil man nen Tisch voller Fishe hat und man "überlegt und kontrolliert" diese melken kann, ist das was anderes. Es gibt halt auch Situationen, wo man mehr Glück hat als üblich und dieses neigt man dann überzustrapazieren. Auch hier gilt erfolgreiches Spiel zu hinterfragen.

Problem:
Die Aufholjagd

Ursache:
Ungeduld.

Eigenart und Gegenmaßnahme:
Da ist er der downswing. Da war man nun schon so weit gekommen und hat nach Bankrollmanagement schön das limit fast geschlagen und baaam ist der downswing da und der erhoffte Aufstieg ins nächste limit wieder so weit weg. Ok. Man reißt sich am Riemen und holt sich die Kohle wieder zurück. Leider geht dies aber nicht so schnell, wie man sich das erhofft hatte. In der Regel lässt sich ein stack schneller verlieren als gewinnen. Aber auch hier ist Geduld eine Tugend. Das disziplinierte Spiel hat einen erst zum winningplayer gemacht und es gibt keinen Grund jetzt in Stress zu geraten und zu loose zu werden, nur um schnellstmöglich das Geld wieder zu holen. Das verlorene Geld, in voller Überzeugung der eigenen Stärke, mit nem deposit auszugleichen ist genauso fatal wie die Tatsache nicht zu berücksichtigen, daß es noch die Möglichkeit geben kann, daß der anfängliche Erfolg nur nen upswing war und die letzten Verluste weniger ein downswing als die nun eintretende Realität ist, das limit nun mal doch noch nicht geschlagen zu haben. Auch hier sollte man sich mal ne Pause gönnen und sich z.B. mit Hilfe der coaches nen Dritten ins Boot holen, der objektiv, mit Sachverstand das eigene Spiel analysiert.

So, falls überhaupt jemand bis hierhin gelesen hat, mag er das zwar alles für totalen Dünnpfiff halten, aber ich für meinen Teil habe so zumindest mein tilten mal analysiert und hoffe so aus der Krise zu entfliehen. Wenn Ihr denkt das dies hier schon OK ist, um so besser. Ansonsten interessieren mich auch gerne Eure Erfahrungen mit dem tilten.


20 replies
IZDLJosti
Joined: 12.07.2006

Sehr schöne Analyse!

Wenn man seine Spielpsyche analysiert und besser kennt, kann man Sie meiner Meinung nach besser kontrollieren und geht als besserer Spieler aus der Krise.


liverdracon
Joined: 17.02.2006

ich finds super

kann noch bisschen ausgebaut werden, aber im Grunde schreibst du meine Gedankengänge nieder.


Ich find den Beitrag eine sinnvolle Ergänzung zum ps.de Tiltartikel. Man sollte die beiden miteinander verknüpfen.

Ich sehe nun doch noch den ein oder anderen Tiltfaktor in meinem Spiel...


iccee
Joined: 02.04.2006

ja, sehr guter text.

sollte zumindest hier in der sorgenhotline sticky gemacht werden!


Quentin73
Joined: 23.09.2005

Clap, Clap

Sehr guter Artikel, leider erst jetzt gesehen. Häng selbst derzeit im Down und hab mich bei fast allen Punkten wiedererkannt. Bin auch relativ Tiltanfällig. Vielleicht werde ich jetzt etwas resistenter dadurch.


XKarli
Joined: 17.08.2006

Hatte in den letzten 3 Wochen einen Downswing von 390 PTBB. Nichts will klappen. Drum hab ich mir das mal durchgelesen. Und siehe da, in einigen Punkten sehe ich mich wieder. Meine Denkweise und Gefühle wie aus dar Seele geschrieben. Ich glaub, man kann den Artikel nur verstehen wenn�s einen selbst erwischt hat.
Sollte sich jeder mal durchlesen bevor es einen erwischt - Der grausige Downswing

Super Danke


Schön wenns gefällt und hilft.


Find den Artikel gut. Da ich grade im Downswing stecke, oder steckte, erkenne ich mich manchmal wieder. Du hast sehr akkurat analysiert, was zumindest bei mir vorgeht während dem tilten. Ich finde deine Lösungsvorschläge aber noch nicht so hilfreich.
Was genau kann man gegen die einzelnen Tiltarten tun?
Immer ein "schön nach den Regeln spielen" ist nicht ausreichend.
Beispiel:
Manchmal denke ich kann ich am turn meinen Flush+Lifeovercards for value betten, und manchmal bin ich überzeugt davon die richtige strategie zu wählen indem ich nur calle. Defakto ist es aber so, dass ich eher agressiv spiele wenn es gut läuft. Es reicht manchmal schon eine große TableBR zu haben ( heute habe ich einmal 40bb nachgecasht als nurnoch 10 da waren, und das vergessen, und ich habe mit viel besserem Gefühl gespielt als sonst, ob die FD+OC entscheidung letztlich gut war, hab ich noch nicht analysiert, hängt noch im grabem)

Dann wäre noch interessant, was man tun muss um die Fähigkeit zu erwerben sein A-Game zu spielen, "indifferent to the outcome". Was hatt Tmy getan, dass er einen +50k Hands Downswing einfach so wegstecken kann und dann noch das vertrauen ins eigene können hat, einen "So kanns gehen thread zu öffnen".

Was muss man tun um die Motivation zum Spielen, und zum Kontent Konsumieren, unabhängig von den letzten sessions und der win-rate zu machen?

Any opinions?
regards,
Rakle


Adiektiv
Joined: 06.11.2006

Selbsterkenntnis ist der erste weg zur Besserung.
Klingt komisch... is aber so ;)

Es gibt auch keine andere lösung als sich selbst zu beobachten und am besten jemand objektives über die schulter schauen zu lassen.
Eigentlich wissen wir ja wies richtig geht, wofür lesen wir sonst die endlosen artikel, sprechen in einm fachargot, dem selbst gleich altrige mit unverständnis gegenüberstehn. und für den fall, dass nicht, haben wir nen arsch voll guter software und erfolgreiche spieler, die uns mit Rat und tat zur seite stehn. :tongue:
Der text ist dazu da zu wissen worauf man achten sollte, wenn man das tut kommt die lösung ganz von allein;)

Möge die macht mit uns sein !


wow wirklich n1 artikel


Xyon666
Joined: 12.02.2007

Wirklich ein hervorragender Artikel, ich fänds aber cool wenn die vorkommenden Hände mit T statt 10 geschrieben werden -.-


Nosaint
Joined: 04.02.2006

Es gibt halt so Tage wo du zwar brav und tight spielst aber staendig in two-outer reinlaeufst. Ich moechte dann jemanden ein wenig wuergen. Meldet sich jemand freiwillig. Ich wuerge versiert bis zum Augenstillstand.
(duesseldorfer besonders gerne)

never ever give up


Original von Nosaint
Es gibt halt so Tage wo du zwar brav und tight spielst aber staendig in two-outer reinlaeufst. Ich moechte dann jemanden ein wenig wuergen. Meldet sich jemand freiwillig. Ich wuerge versiert bis zum Augenstillstand.
(duesseldorfer besonders gerne)

never ever give up

AHA ein *ölner ?
Na denke das mal angestrebte Städte Turnier auf PP ist bald zwingend erforderlich. ;)


Nosaint
Joined: 04.02.2006

Zumindest bin ich ein echter Rheinlaender, wenn auch nicht Koelner. Staedteturnier! Das klingt gut


Original von Nosaint
Zumindest bin ich ein echter Rheinlaender, wenn auch nicht Koelner. Staedteturnier! Das klingt gut

War schon mal in nem anderen Thread Thema.
Wie könnte man sowas denn auf PP arangieren ?
Fänds echt lustig.

PS. Um nochmal nachzufragen ? Wo kommste denn her ?


toller Artikel! Danke hat mir einige Anstöße gegeben


Hi,

vielen Dank für den wirklich sehr guten Post - habe in einigen punkten die du ansprichst die gleichen Probleme.

Am schlimmsten finde ich es, wenn man kurz bevor man einen Move macht,
genau weiss das es ein Fehler ist - aber es trotzdem macht.

Ich hab schon einige Leaks abstellen können,indem ich mich selbst lobe und mir eine Notiz mache wenn ich einen guten Laydown oder ähnliches gemacht habe.

Das gleiche mache ich auch mit Fehlern, ich sag dann zu mir der Move war kacke und und mach auch dazu eine Notiz.

Hört sich zwar blöd an -aber es hilft mir.


super artikel! daumen hoch


w3cRaY
Joined: 12.06.2007

sticky für mich, schöner text!