Uff, da habe ich ja eine Aufgabe gekriegt ♦ Die Antwort ist schlicht: ich weiss es nicht. Die Formeln im Goldartikel Preflop: Starting Hands und Equity incl. Big Blind Defense berücksichtigen keinen Rake. Ich gehe davon aus, dass Skillunterschiede den Rake generell überlagern, ausser im heads up und vielleicht im ultra short Spiel, weil dort im Schnitt so oft gestealt wird, dass man als Verteidiger fast in jede Hand involviert ist.
Konzepte
Einen wichtigen Unterschied wird ausmachen, ob man in Position oder ausser Position verteidigt. Also ob der Steal von SB oder von late Position kommt. Positionsvorteil ist ein grundsätzlicher Vorteil, der sich wie eine Equityverbesserung der eigenen Hand auswirken sollte. In Position kann man meiner Meinung nach looser verteidigen als ausser Position. Dazu gibt es keine Artikel. Ich kenne auch keine Schätzung, wie hoch man so einen Vorteil ansetzen sollte. Während man in Position gegen einen 100% Stealer wahrscheinlich auch 100% verteidigen sollte, kann es sein, dass das ausser Position nicht gut ist.
Ansonsten gilt sicher, loosere Steals rechtfertigen loosere Defends. Man braucht ja nur den umgekehrten Fall zu betrachten: auf tightere Steals müssen wir auch tighter verteidigen. Dann bedingt das eine das andere. Die Frage ist eben, wie loose wir werden dürfen.
Die beste Antwort liefern vielleicht Playabilitygraphen. Das ist ein Konzept, das in Omaha eine grosse Rolle spielt. Es geht darum, wie oft die Hand einem auf dem Flop eine gute Einschätzung der Lage ermöglicht. Auch da kenne ich noch keine Arbeit für die Anwendung auf Texas Holdem FL. Im Artikel Einführung in die Arbeit mit ProPokerTools findest du eine Erklärung des Konzepts. Die Graphen funktionieren auch mit Texas Holdem.
Beispiel:
http://www.propokertools.com/simulations/graph?g=he&h1=85o&h2=aa-22%2Ca*%2Ckq-k7%2Cqj-q9%2Cjt%2Cj9%2Ct9
Man sieht hier, dass 85o keine gute Hand ist, um sich gegen die Range 22+, A2+, K7+, Q9+, J9+, T9 zu verteidigen. Man bekommt nur in 20% der Fälle eine gute Equity, die man auch gut einschätzen kann. Die nächstbesten 10% der Fälle sinkt die Equity sehr schnell auf 40%. Man wird also nur in ca. den 30% der besten Fälle profitabel auf dem Flop weiterspielen können. Die andere Frage ist, wie gut man die Equity auf dem Flop überhaupt einschätzen kann. Das beantwortet die Steigung der Kurve in einem gegebenen Punkt. Je steiler sie fällt, desto schwieriger ist sie in diesem Punkt zu bestimmen, weil schon kleine Unterschiede im Flop grosse Equityschwankungen ergeben. Das sieht man dann, dass man zwischen den 25% und den 40% der besten Flops potentiell Schweirigkeiten haben wird, weil man da schon unter 50% Equity fällt und die Einschätzung schwierig ist.
Eines siehst du schon: praxisverwertbares zu bekommen ist gar nicht so leicht. Da gibt es noch einiges, was man erarbeiten kann.
Rake
Edit: fühlte mich gestern nacht geistig nicht mehr in der Lage, über die preflop Formeln nachzudenken. Inzwischen habe ich es getan und hier ist das Ergebnis:
Der Rake beeinflusst die Höhe der Auszahlung. Im Artikel Preflop: Starting Hands und Equity incl. Big Blind Defense wurde die benötigte Equity für die Blindverteidigung bestimmt, in dem man das Verhältnis von mittlerer Investition in den Pot zur mittleren Potgrösse bestimmt hat. Dann ist der Rake einfach einzurechnen:
Im Artikel lautete die Formel
Equity = (D – 1)/(2*D + 0,5),
wobei D die zu erbringende Gesamtinvestion war, die mit 4 SB angesetzt wurde. Der Nenner 2 * D + 0,5 muss um den Rake korrigiert werden. Das ergibt dann
Equity = (D – 1) / ((1-Rake%) * (2*D + 0,5))
Angenommen, der Rake betrage im Mittel 4% (SH ein vernünftiger Wert). Dann ergibt sich die benötigte Equity zu
Equity = (4 – 1) / ((96%) * (2*4 + 0,5)) = 36,8%
statt 35,2% ohne Rake.
Das macht also nicht ganz 2% Unterschied, wenn wir runden.