Turnbet OOP ist auch ein kompliziertes Thema und es ist nicht einfach, in so kurzer Zeit zu kalkulieren, wie oft hat er hier den Draw, die Madehand oder doch nur Air und kann ich downcallen oder habe ich noch Showdownvalue und reicht es für einen c/c oder soll ich gar c/f spielen?
Im FL muss man zwangsläufig auch nicht jedes Board contibetten. Gerade wenn man weiss, der Gegner callt in Position sehr loose und lässt ungerne seine Hand gehen.
Wenn du z.B. K4s im SB openraist und der Flop kommt 789, dann kannst du auch einfach mal direkt check/fold spielen. Solltest du aber nicht so häufig machen oder dann auch mal mit K8 am Flop einen checkraise mit Initiative spielen. Auf drawheavy Boards, wo du wirklich total verpasst und du am Flop keinerlei Foldequity hast, c/f am Flop einfach.
Glaubst du, dass du allgemein zuviel contibettest am Turn? Mit Air würde ich meistens einfach c/f spielen am Turn, wenn du wirklich nichts hast und der Flop Highcards beeinhaltet (dadurch ist es wahrscheinlicher, dass er etwas getroffen hat)
Gerade mit A-high oder K-high ist es in manchen Situationen sehr knapp und man kann eben keine EV-Rechnung machen binnen 30 Sekunden.
Hast du einen Gegner, der nitty ist und kaum semiblufft, dann kann ein c/f häufig das richtige Mittel sein. Hast du einen Gegner, der viel bluffraist und semibluffraist, ist bet/call häufig gut mit A-high.
Dein Ziel muss es sein, Reads aufzubauen und nach jeder Aktion zu versuchen, die gegnerische Range zu deduzieren und dann zu definieren.
Häufig ist es richtig, wenn du mit A-high oder K-high Outs und Showdownvalue hast, am Turn check/call zu spielen.
Beispiel 1):
Du hast KT im SB vs BB
Board J♠9♥5♣
Dein Gegner callt den Flop.
Turn: 2♣
Hier schlägst du jetzt noch einige Straightdraws. Du möchtest auf einen Raise nicht folden, weil du Outs und gar noch die beste Hand halten könntest. Analog dazu verhält es sich mit KQ, wobei KQ noch stärker ist.
Beispiel 2)
Du hast Q♠T♣
Board: 9♥8♦5♠
Turn: 3♣
Hier solltest du auch c/c spielen am Turn, weil du häufig genug noch 10 Outs hast und manchmal noch die beste Hand gegen T7 J7 J6 T6 Q6 Q7 etc.
Angenommen es taucht jetzt ein Gegner auf, der ein sehr tightes Valueplay hat und nicht besonders viel semiblufft. Am Turn kommt ein K :club:. Angenommen dein Gegner würde mit einer 9 nur callen und nur 2pair oder besser raisen. Hier kannst du dann eher wieder betten, weil du gegen die Draws protectest und selten einen Raise bekommst. Natürlich muss aber auch die Annahme zutreffen, dass der Gegner jedes Pair bettet. Das werden viele Gegner tun, da ein Check am Turn meistens weak ist.
Du solltest dein eigenes Image auch kennen und schauen, wie gute Gegner darauf adapten sollten oder es de facto tun.
Wenn du selber das Image hast, sehr viel zu checken am Turn, wirst du sehen, dass Gegner auf lowcard-Boards anfangen, direkt den Flop zu raisen.
Wenn du den Gegner dann auf einem 358 Flop nur callen siehst, hat er tendenziell eher auch nur einen schwachen Draw oder T-K high. Je unwahrscheinlicher eine Madehand ist und solange er nicht oft mit Air raist, solltest du selber mit A-high, guten K-highs und pure Air nochmal die second Barrel feuern. Trotzdem muss man halt mit seinen Annahmen auch vorsichtig sein und beobachten, ob der Gegner seine Linien balanciert hat.
check/call kann gegen gute und aggressive Gegner auch gut sein. Auf lowcard-Boards wo der Gegner auch viel mit Air einmal callt und am Turn dann die Chance sieht, mit seinem 97, Foldequity gegen T-Q high aufzubauen. Gar auch durch eine doppelte Bluffbet.
Gegen viele TAG's funktioniert der check/call aber nicht und sie spielen optimal dagegen. Checken mit Air behind und geben auf und betten nur Madehands. Ist ein blöder Spot aber unverzichtbar, da in manchen Spots A-high einfach zu stark für c/f ist, man aber auch nicht immer ballern kann, weil man den Turnraise nicht immer auszahlen oder folden möchte.
Daher, und das ist ein großes Leak von vielen, musst du auch mal mit starken Händen und der Initiative, Checkraise am Turn spielen. Mit guten Midpairs und Toppairs und mit guten Draws, die keinen Showdownvalue haben.
Du musst dein eigenes Spiel kreativ gestalten und je nach Board, Gegner und Situation entscheiden, was die richtige Linie ist. Man muss mit einer Hand auch verschiedene Lines spielen, damit das eigene Spiel nicht zu transparent wird. Mit guten A-highs solltest du auf Boards, wo der Gegner viel peelt, nochmal betten. For protection und gar als Valuebet. Mit guten K-highs auf Boards wo viel gepeelt wird, häufig auch nochmal betten und auch mal c/c spielen.
Ich kann dir soweit erstmal diese Empfehlungen mit an die Hand geben aber wenn man ein handfestes Ergebnis haben möchte, muss man einen speziellen Read konstruieren.
Was ich dir raten kann:
Lad dir den Equilator runter und geh verschiedene Szenarien durch, wo du dir unsicher bist. Besonders eben das Turnplay OOP. Gib dir eine Hand und variiere die Floptexturen und die gegnerischen Hände und schau, was für eine Equity du am Turn hast.
Es gibt einen Platinartikel, der sich näher mit dem Turnplay OOP beschäftigt. Auf den kannst du leider noch nicht zugreifen. Ich rate dir auch erstmal, die Silberartikel und die Goldartikel durchzuarbeiten, bevor du dich mit der Platin-Sektion befasst.
Bis dahin solltest du die Handbewertungsforen nutzen, deine Hände posten, konkrete Fragen stellen und aktiv mitdiskutieren. Ein gutes Medium zum Lernen.
Ich hoffe ich konnte dir etwas weiterhelfen.