Kritische Fehler von Anfängern: Boardabdeckung
Dara O'Kearney teilt mit uns Einblicke, wie Hobbyspieler sich angreifbar machen, wenn ein Board auf dem Tisch liegt, das sie unmöglich getroffen haben können.

Wer meinen Blog liest, weiß aus meinem aktuellen Beitrag, dass ich im vergangenen Jahr vermehrt hochmotivierte Hobbyspieler gecoacht habe, nachdem ich in den Jahren zuvor fast nur mit Profis gearbeitet hatte.
Dadurch konnte ich auch einen besseren Einblick in die größten Unterschiede in der Denkweise von Freizeit- und Profispielern gewinnen. Ein wesentliches Konzept des Spiels, mit dem Hobbyspieler große Probleme haben und wodurch sie besonders anfällig für Exploits werden, ist die Boardabdeckung.
Wenn man eine Range konstruiert, geht es nicht darum, dass man nur starke Hände dabei berücksichtigt. Man muss auch dafür sorgen, dass man jedes mögliche Board zumindest im Ansatz abdeckt. Schauen wir uns zum Beispiel die nachfolgende Range an, die einer verbreiteten Openingrange in UTG entsprechen könnte:

Das Problem bei dieser Range ist, dass sie zwar viele starke Hände beinhaltet, wir allerdings keinerlei Hits bei Floptexturen mit ausschließlich niedrigen Karten haben werden. Wenn der Flop 2-2-4 bringen würde, könnten wir niemals eine starke Hand treffen. Falls unser Gegner ein guter Spieler ist und weiß, dass wir nie mit schwächeren Händen eröffnen, könnte er uns in solch einem Spot massiv exploiten. Das ist vor allem auch bei Live-Spielern ein weit verbreitetes Problem, deren Range häufig stark in Richtung von Ax- und Broadway-Händen gewichtet ist, sodass sie auf Low-Boards häufig völlig hilflos dastehen.
Eine bessere UTG-Range könnte zum Beispiel wie folgt aussehen:

Bei solch einer Range wird jedes erdenkliche Board abgedeckt und es ist möglich, dass wir auf jeder Art von Flop eine starke Hand erwischen. Manch einer mag denken, dass das Eröffnen mit K9s aus früher Position fischig sei und A6o eine deutlich bessere Wahl, aber damit liegt man falsch. Mit Händen wie K9s läuft man weniger Gefahr dominiert zu werden, weil grundsätzlich weniger Kx-Kombos unterwegs sind, und die Suitedness erhöht zusätzlich die Spielbarkeit der Hand in toughen Spots.
Hat man eine breite Auswahl an Suited-Händen in seiner Range, hat man automatisch mehr natürliche Bluffkandidaten zur Auswahl und grundsätzlich mehr Playability. Man kann bluffen mit seinen Draws, Gutshots und Backdoor-Draws und das Play weiter durchziehen, falls man mit einem Backdoor zum Beispiel einen Flushdraw turnt. Zudem kann man deutlich häufiger den River bluffen, wenn man zuvor mit einem Backdoor gesetzt hat, da man keinerlei Frontdoor-Draws blockt.
Indem man häufiger mit Suited-Händen eröffnet, vielleicht in 50% der Fälle, erreicht man eine gute Boardabdeckung, ohne dass man zu viel Junk in seiner Range hat. Es gibt nur vier Kombinationen an Suited-Händen im Vergleich zu 12 Kombinationen derselben Hand ohne gleiche Kartenfarbe. Hat man also drei schwache Suited-Hände in seiner Range, ist das im Grunde äquivalent zu lediglich einer Unsuited-Hand.
Bei Boardabdeckung geht es aber nicht nur um die Hände, mit denen man eröffnet. Es ist auch ein wichtiger Faktor bei den Lines, für die man sich nach dem Flop entscheidet. Man benötigt am Ende auch "Runout-Abdeckung", was bedeutet, dass man seine Checking-, Betting- und Check/Raising-Ranges balancen muss, damit sie potenzielle Scarekarten abdecken. Wenn der Flop zum Beispiel Q-8-2 unsuited bringt, sollte die Check/Raising- oder Betting-Range ein paar Ax-Hände beinhalten für den Fall, dass am Turn oder River ein Ass aufgedeckt wird. Gleichermaßen weiß man, wenn der Flop 7-8-4 unsuited bringt und der Turn eine 5, dass die erste Range, die wir heute betrachtet haben, keinerlei 6en beinhaltet, sodass auch nie eine Straight möglich wäre.
Viele Anfänger denken, dass Balance bedeutet, dass eine Range aus Monstern und komplettem Trash zum Bluffen bestehen muss. Stattdessen geht es beim Balancen jedoch darum, dass man sich in jeder möglichen Situation versucht zu schützen. Wenn es einen Flop gibt, bei dem ein fähiger Spieler weiß, dass man ihn nie getroffen haben kann, hat man ein Problem.
Ähnliche Strategietipps und -ratschläge gibt es jeden Monat aus der Feder von Dara O'Kearney in seinem kostenlosen Newsletter.