Aktualisiert am 26 Feb. 26 von

Wie viel Sorge sollten uns Pokersolver bereiten?

Im Gespräch mit dem Entwickler von Poker Scientist Samy89 erfahren wir mehr über den Nutzen und die möglichen Gefahren von Solvertools und wie rechenintensiv Echtzeit-Lösungen sind.

samy89
Samy89

Hallo Samy! Danke, dass du dir die Zeit für ein Interview genommen hast. Aus deiner persönlichen Sicht: Sind Solver für Poker eher schädlich oder nützlich?

Samy89Ich sehe sie zunächst als Teil der technologischen Entwicklung. Es hängt davon ab, wie genau wir sie nutzen, damit man ein Urteil über die Nützlichkeit fällen kann. Ich persönlich denke, dass wir sie bisher auf gute Weise genutzt haben, um die Prinzipien beim Poker noch besser zu verstehen. Sie haben für Millionen von Stunden an Lerninhalten gesorgt und mich selbst hat bei der Weiterentwicklung meines Spiels nichts so sehr vorangebracht wie ein Solver.

Es ist aber klar, dass sich dadurch auch das Risiko für eine unerlaubte Nutzung ergeben hat. Dieser Nachteil wird umso bedeutender, sobald der Zugang zu GTO-Lösungen auf hohem Niveau derart kostengünstig ausfällt, dass es sich sogar für die vom Großteil gespielten Limits lohnen würde und Anpassungen gegen Tendenzen eines gesamten Spielerpools geliefert werden, wie zum Beispiel gegen eine zu niedrige Blufffrequenz am River.

Und wie sieht deine Meinung zu den aktuellen Betrugsskandalen in Form von "Realtime Assistance" (RTA) aus?

Samy89: Es ist gut, dass der Fall rund um Fedor Kruse Aufmerksamkeit bekommt, weil dadurch das Potenzial entsteht, dass sich die Anzahl an RTA-Nutzern in der Zukunft verringert. Sorgen bereitet mir jedoch, wenn Maßnahmen seitens der Anbieter letztlich nur als Marketingtool genutzt werden. Wenn eine Seite Spieler aufgrund der Nutzung von RTA-Tools sperrt, dann sollte man sich auch sehr sicher sein, dass es tatsächlich zu einer unerlaubten Nutzung kam. Sehr sicher bedeutet für mich im konkreten Fall mehr als eine Genauigkeit von 99%. Dass man nie 100-prozentige Sicherheit erreichen kann, tatsächlich die richtigen Betrüger erwischt, ist klar und damit kann ich leben. Es muss aber ein nahezu perfektes Maß an Genauigkeit bei der Erkennung vorliegen.

Wo genau liegt für dich die Grenze zwischen erlaubter und betrügerischer Nutzung eines Solvers?

Samy89: Für mich liegt Betrug vor, wenn die Nutzung von Software in Echtzeit für eine Steigerung der Winrate eines Spielers sorgen kann, ohne dass dabei das Wissen oder Spielverständnis des Spielers eine Rolle spielt. Das beinhaltet für mich auch eine Reihe an ausgedruckten Preflop-Ranges, wenn sie sich komplex genug gestalten, allerdings nicht die Nutzung von einem statischen HUD.

Poker Scientist ist eine Datenbank von vorab gelösten Händen. Wie genau unterscheidet sich die Software von der "Dream Machine", die Fedor Kruse während des Spielens genutzt haben soll?

Samy89: Eine Dream Machine beinhaltet zwei Dinge: Eine Datenbank an GTO-Lösungen und eine Anwendung, die automatisch die Informationen von gespielten Tischen transferiert (Postionen der Spieler, Potsize etc.).

Poker Scientist hat eine eigene Datenbank, mit der dem Nutzer Zugriff auf ein Lernumfeld geboten wird. Das bietet eben jenen Zugang zur Datenbank mit mehreren implementierten Features, einem Trainingsmodus gegen den GTO-Bot usw. Es gibt bei Poker Scientist jedoch keine Anwendung, die eine Nutzung von Lösungen in Echtzeit ermöglichen würde.

Was denkst du, wie verbreitet derartige Dream Machines sind?

Samy89Ich denke, dass sie auf Limits durchaus verbreitet sind, wo sich die Nutzung in Relation zu den Kosten bezahlt machen kann. Aktuell gehe ich daher davon aus, dass sie vor allem auf den höchsten Stakes relativ weitverbreitet sind.

"Ein Quantencomputer wäre nötig für perfekte Lösungen in Echtzeit"

GTO
Die vermeintliche "Dream Machine" von Fedor Kruse

Wie weit entfernt sind wir deiner Meinung nach von einem Solver, der vollständige Lösungen in Echtzeit bieten kann?

Samy89Theoretisch ist das schon möglich mit einem Quantencomputer. Praktisch gesehen hat darauf natürlich niemand Zugriff und die Kosten belaufen sich ins Unendliche.

Generell hängt es sehr von der Qualität der GTO-Lösungen ab, die man erreichen will. Die geläufigen Solver kalkulieren im Grunde nur Flop, Turn und River in separater Abfolge. Parameter wie die Anzahl verschiedener Betsizings, die Höhe der Einsätze an sich, wie viele Erhöhungen pro Street möglich sind usw. verringern weiter die Qualität der GTO-Lösungen aktuell gängiger Tools.

Von Lösungen, die dem Spieler direkt an den Tischen einen relativen Vorteil bieten, sind wir noch viele Jahre entfernt. Wir haben zum Beispiel berechnet, dass der bei Poker Scientist genutzte Gameplan eine Speicherkapazität von 16 Terabyte erfordern und eine Berechnungszeit von mehr als einem Monat benötigen würde. Um den Gameplan in Echtzeit anzuwenden, bräuchte man eine CPU mit einer enormen Anzahl an Kernen, die ohne Zugang zu einem Quantencomputer schlichtweg nicht realisierbar ist.

Wie nah kann sich deiner Meinung nach ein guter Spieler am GTO bewegen? Und was können die Anbieter tun, um die RTA-Nutzung zu verhindern?

Samy89Ich denke, dass es ein natürliches Limit gibt, in welchem Ausmaß man als Mensch GTO-Lösungen in seinem Spiel umsetzen kann. Je komplexer eine Situation wird, desto höher ist auch die Wahrscheinlichkeit, dass ein Mensch einen Fehler macht. Genau diese Diskrepanz kann man messen und es fällt RTA-Nutzern sehr schwer, diese Diskrepanz auch in ihrem Spiel einzubinden, damit sie nicht auffallen.

Die Anbieter brauchen schlichtweg Zugang zu einem qualitativ hochwertigen GTO-Gameplan, um entsprechende Algorithmen zur Erkennung zu entwickeln. Wir von Poker Scientist wären jederzeit dazu bereit, unseren Gameplan zu diesem Zweck zur Verfügung zu stellen, wenn sich ein Anbieter an uns wenden würde.

Was ist das größte Missverständnis, von dem die allgemeine Pokergemeinschaft, die keine Solver nutzt, mit Blick auf die Lösungstools ausgeht?

Samy89Poker ist komplex genug. Öffentliche Solver haben das Problem, dass sie auf normalen Desktop-PCs umsetzbar sein müssen. Das führt wiederum zu dem Problem, dass der Nutzer alle Einstellungen selbst konfigurieren muss. Eine optimale automatische Konfiguration für sämtliche Spots macht die Berechnung deutlich komplexer, weshalb wir auch für unseren Gameplan eine derart hohe Speicherkapazität benötigen würden. Deshalb bin ich der Meinng, dass die effiziente Nutzung von gängigen Solvern schlichtweg zu kompliziert für die meisten Spieler ausfällt. Das war auch für mich persönlich, eins der größten Probleme, die ich mit Blick auf Solver hatte, was mich letztlich motiviert hat, Poker Scientist zu entwickeln.

Im nächsten Teil unseres Interviews mit Samy89 erfahren wir noch mehr über den Nutzen und mögliche Gefahren von Pokersolvern.

Was ist Poker Scientist?

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Poker Scientist hilft euch dabei, euer Verständnis der Prinzipien von Poker so effizient wie möglich weiterzuentwickeln.

Die browserbasierte Software verschafft euch sofortigen Zugriff auf einen GTO-Gameplan mit Milliarden an Strategien für jedes relevante Heads-up-Szenario. Der Gameplan wurde mit einem Fokus auf Simplifizierung entwickelt, wobei insbesondere Clustering einen innovativen Ansatz liefert, um neue Strategien zu verstehen und zu verinnerlichen.

Der Gameplan von Poker Scientist wird mithilfe von Computern kalkuliert, die ein Mehr an Leistung in mehreren Größenordnungen im Vergleich zu gewöhnlichen Desktop-PCs stemmen können. Die akkuraten Lösungen greifen dabei auf die optimale Höhe an Bet- und Raisesizing zurück. Die Kalkulation derart genauer Lösungen für entsprechende Spots ist für durchschnittliche Solver, die man am eigenen PC verwendet, schlichtweg nicht zu erreichen.

Durch zwei Simplifizierungen in Form von Line Elimination und Runout Clustering konnte Poker Scientist eins der wesentlichen Probleme anderer Solvertools bewältigen, wenn es um effizientes Lernen und die effektive Weiterentwicklung des eigenen Spiels geht.

Alles in allem bietet Poker Scientist einen GTO-Gameplan mit einem innovativen Lernansatz, mit dem ihr euer eigenes Spiel auf ein völlig neues Niveau befördern könnt.

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Clustering & Simplifizierung helfen dabei die tiefgreifendsten Prinzipien von GTO auf einfache Weise zu verstehen
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