Die größten Poker-Schlagzeilen des Jahres
Kontroverse Verpflichtung, Überraschungsklage und der Tod einer Pokerlegende starten den wohl ereignisreichsten Jahresrückblick, den die Pokerwelt bisher erlebt hat.
2020 war auch an den Pokertischen ein mehr als außergewöhnliches Jahr, sodass wir auch mit Leichtigkeit 30 verschiedene Schlagzeilen in den Rückblick hätten packen könnten. Viele große Storys werden nur am Rande erwähnt, darunter Negreanus Sperre bei Twitch, Mike McDonalds beeindruckende Freiwurf-Propbet, der Tod von Kenny Rogers, die Ghosting-Vorwürfe gegen Daniel Cates und Turniergewinne, die in Edelmetallen ausgezahlt werden sollten. In unsere Top 10 haben es derweil geschafft:
10. Der Fedor-Kruse-Skandal

Seitdem es Online-Poker gibt, gibt es auch die Sorge, dass Bots das Spiel an den virtuellen Tischen irgendwann kaputtmachen könnten. 2020 brachte jedoch erstmals tatsächlich eine kleine Existenzkrise für Poker.
Die Verbreitung von Software für Real Time Assistance an den Pokertischen rückte ins Rampenlicht, nachdem bekannt wurde, dass der deutsche Highstakes-Aufsteiger Fedor Kruse eine "Dream Machine" mit vorab gelösten Händen genutzt haben soll.
RTA-Software nimmt zwar nicht selbst Aktionen an den Tischen vor und im Falle von Kruse wurden keine Echtzeit-Daten eingespeist, allerdings soll er während des Spielens auf eine riesige Datenbank an vorab gelösten Händen zugegriffen haben, die sehr GTO-nahe Lösungen für knifflige Spots geliefert haben, in denen er sich wiederfand.
Wie genau die Anbieter gegen derartigen Betrug vorgehen können, wird weiterhin debattiert, mit harschen Einschnitten wie dem Verfolgen von Mausaktionen bis hin zum Totalverbot von jeglichen Preflop-Charts.
GGPoker hat am Rande für Schlagzeilen gesorgt, als man insgesamt 40 Spielerkonten sperrte, bei denen man von RTA-Nutzung während des Spielens ausging.
9. Der Tod von Mike Sexton

Wie im Leben abseits der Tische bringt jedes Jahr auch Todesfälle bekannter Größen der Pokerszene mit sich. Eine traurige Nachricht hatte es 2020 jedoch besonders in sich: Mike Sexton ist nach längerer Krankheit verstorben.
Der legendäre Kommentator und Spieler war für viele der beste Botschafter des Spiels, den man sich wünschen könnte, und wusste auch an den Tischen zu überzeugen.
Er war das Gesicht schlechthin der TV-Übertragungen von Poker während des Booms und verstand es wie kein Zweiter, das komplexe Spiel auch dem einfachen Zuschauer näherzubringen. Darüber hinaus hatte er während des Aufstiegs von Online-Poker eine tragende Rolle bei partypoker und der World Poker Tour.
Vor allem wird er in der Pokerszene jedoch für seinen einwandfreien Charakter und seine fast staatsmännische Art in Erinnerung bleiben, wie viele der etlichen Würdigungen nach seinem Tod zeigten.
8. Galfonds Comeback

Eine der wenigen Feelgood-Storys des Jahres (es sei denn man hat sich ausgerechnet den Screenname VeniVidi1993 ausgesucht) war das unglaubliche Comeback von Phil Galfond bei seiner ersten Highstakes-PLO-Challenge, die zu Beginn des Jahres ausgetragen wurde.
Zu keinem Zeitpunkt hatte er die Challenge angeführt, sodass er sogar kurz vor der Aufgabe stand, bis die letzten 73 Hände der Challenge über insgesamt 25.000 Hände gespielt wurden. Nachdem er im Verlauf bereits mit mehr als €900.000 in der Miese stand, konnte er das Duell am Ende tatsächlich noch mit einem Plus von €1.671 gewinnen.
Als Lohn gab es weitere €100.000 in einer Nebenwette und mehr als 22.000 Zuschauer waren dabei, als die finalen Hände gespielt wurden.
The monumental hand... @PhilGalfond has comeback from his €900k deficit and is now in the GREEN! 📉📈#GalfondChallenge #BigPots pic.twitter.com/tVOpnXLZfd
— Run It Once Poker (@RunItOncePoker) April 2, 2020
7. Mike Postle verklagt die Pokerwelt

Niemand hatte damit gerechnet, dass wir im Jahr 2020 viel von Mike Postle hören würden, insbesondere nachdem die Klage gegen ihn aus technischen Gründen vor Gericht abgewiesen wurde.
In der Folge machte sich der ehemalige Turnierdirektor der involvierten Stones Gambling Hall Justin Kuraitis wenige Freunde als er zum Rundumschlag gegen die Pokerwelt ausholte, Postle selbst hatte aber noch mehr auf Lager und verklagte kurzerhand praktisch jeden, der ihm öffentlich Betrug vorgeworfen hatte.
Unter den in seiner Klage genannten Personen und Unternehmen befinden sich Veronica Brill, Joe Ingram, Haralabos Voulgaris, Daniel Negreanu, Doug Polk, Bart Hanson, Jonathan Little, Phil Galfond, Todd Witteles, PokerNews und tatsächlich auch ESPN.
Noch absurder wurde es dann, als die Nachricht die Runde machte, dass eine Dokumentation über den Skandal grünes Licht bekommen hat und in Produktion gegangen ist, die Postle offenbar als Opfer bei dem Ganzen darstellen wird.
Zum Zeitpunkt des Schreibens sieht es danach aus, als würde sich das Ganze im Sande verlaufen, da sich mittlerweile Postles eigener Anwalt von seinem Klienten trennen will, aber weiß schon, was 2021 noch auf Lager hat...
6. GGPoker verpflichtet Dan Bilzerian

GGPoker hat in diesem Jahr viele fantastische Dinge auf die Beine gestellt, die wir auch in unserem Rückblick noch beleuchten werden. In die Kategorie "fantastisch" fällt die Verpflichtung von Dan Bilzerian als Markenbotschafter des aufstrebenden Pokerraums jedoch definitiv nicht.
Er mag zwar Millionen an Followern bei Instagram erreichen können, seine Haltung gegenüber Frauen, die man mindestens als toxisch bezeichnen könnte, vermittelte vielen Spielern den Eindruck, dass es sich GGPoker mit einem Großteil eines bisher nicht erschlossenen Marktes versaut hat.
Und wer dachte, Bilzerian würde in seiner neuen Rolle mit etwas mehr Bedacht agieren, hatte weit gefehlt. Direkt in seinem ersten Post in den sozialen Medien nach der Bekanntgabe seiner Verpflichtung hat er sich zu einer plumpen Beleidigung von Vanessa Kade hinreißen lassen. Bei GGPoker dürfte man die Hände über den Kopf geschlagen haben...
Bilzerian hat Reichweite, keine Frage. Aber wir sind überzeugt, dass der Deal am Ende GGPoker mehr kosten als bringen wird.
Schon bald folgen die fünf größten Schlagzeilen des Jahres im zweiten Teil unseres Rückblicks auf ein außergewöhnliches Jahr.