Phil Hellmuth mit Tirade zum Player of the Year
Sollte das POY-Rennen der WSOP in Richtung Final-Table-Teilnahmen oder erreichten Cashes gewichtet werden. Der Mann mit bisher fünf Finaltischen in diesem Jahr hat eine Meinung...
Das Rennen um den Titel "Player of the Year" der World Series of Poker ist eine eigentümliche Auszeichnung. Kaum jemand verfolgt ähnlich leidenschaftlich wie eine Bundesligasaison oder eine Formel-1-Weltmeisterschaft. Hauptsächlich gibt es nur Interesse seitens einer Handvoll Spieler, die im jeweiligen Jahr tatsächlich eine Chance auf den Titel haben. Dennoch zieht es Jahr für Jahr eine Debatte an, weil man sich offenbar nach wie vor nicht auf eine unumstrittene Bepunktung einigen kann.
In diesem Jahr hat nun einer der Hauptanwärter auf den Titel in Person von Phil Hellmuth Lunte gerochen und eine zu starke Gewichtung in Richtung Mincashes kritisiert. Es ist nicht das erste Mal, dass dieser Aspekt der Bepunktung von WSOP-Erfolgen in die Kritik gerät, nachdem Chris Ferguson zum WSOP Player of the Year 2017 wurde, indem er in beträchtlichem Ausmaß Gebrauch von der Late Reg bei etlichen Events machte und eine ganze Reihe an Mincashes einfuhr.
Sauer aufgestoßen ist Hellmuth dabei insbesondere, dass sich Shaun Deeb auf seinen Fersen befindet, obwohl sein Kontrahent in diesem Jahr deutlich weniger Final Table verbuchen konnte. Hellmuth hat 2021 bereits ein Bracelet und vier Finaltische erreicht, während Deeb bisher ein Bracelet, einen weiteren Finaltisch und insgesamt elf Cashes vorzuweisen hat. Der Unterschied in Punkten im Leaderboard ist zwischen beiden Anwärtern auf den Titel jedoch minimal.
2 another player has one Final Table (3rd in online tourn) and 2,000 pts! Who cares about 10th- and 14th- and 300th place?!? Who wrote @WSOP POY 2021 rules? It’s not right. POY isn’t about cashes! I’m calling on WSOP to make it right in 2022. We need new voices to be heard…
— phil_hellmuth (@phil_hellmuth) November 1, 2021
Wenig überraschend sieht Deeb hingegen die Gewichtung in Richtung vieler erreichter Preisgelder in deutlich besserem Licht und ist der Meinung, dass es ohnehin ein Leaderboard sein sollte, das dem WSOP-Grind mehr Wert als einzelnen Podestplatzierungen beimisst.
The prestigious @WSOP Player of the Year should be about cashes? This sounds absurd. Under current rules, someone winning 4 bracelets finishes in POY behind someone w 18 cashes/2 Final Tables: ridiculous. Surprised you’re defending these rules, even if it does heavily favor you https://t.co/kctIsbitmb
— phil_hellmuth (@phil_hellmuth) November 1, 2021
Spielvolumen, Teilnehmerfelder oder doch Podiumsplätze?
Die Debatte ereilt uns jedes Jahr und man kann ausschließen, dass beide Beteiligten dieses Mal unvoreingenommen argumentieren. Hätte Hellmuth seine aussichtsreiche Platzierung mit Mincashes erreicht, würde er gewiss mehr vom aktuellen Punktesystem halten. Dasselbe gilt für Deeb in die Gegenrichtung.
Teil der Diskussion in früheren Jahren war auch, dass beim Rennen zum Spieler der Turnierserie die Größe der Teilnehmerfelder mehr Relevanz haben sollte. Der Gewinner hat entweder jede Menge Mincashes vorzuweisen oder sich in einer Reihe an Mixed-Game-Events durchgesetzt, bei denen kleinere Felder unterwegs sind als bei den großen No-Limit-Turnieren. Ein Schwachpunkt wäre jedoch, dass das Punktesystem dann stark in Richtung des WSOP Main Event und anderen großen Turnieren gewichtet wäre.
Zum Zeitpunkt des Schreibens befindet sich Hellmuth jedenfalls auf Platz 3 im Leaderboard und Shaun Deeb auf Platz 4. Jake Schwartz liegt noch vor beiden mit 12 Cashes und fünf Final-Table-Teilnahmen, während Doppel-Braceletsieger Anthony Zinno aktuell Spitzenreiter ist mit acht weiteren Cashes neben seinen beiden Turniersiegen.
| Position | Spieler | Punkte |
|---|---|---|
| 1. | Anthony Zinno | 2.627,88 |
| 2. | Jake Schwartz | 2.614,45 |
| 3. | Phil Hellmuth | 2.598,59 |
| 4. | Shaun Deeb | 2.518,89 |
| 5. | Ari Engel | 2.329,61 |