Wann sollte man in Turnieren limpen?
Dara O'Kearney erläutert das Warum hinter eine Limpstrategie in Turnieren... bevor er euch hoffentlich voll und ganz davon abbringen kann!
Ich habe zuvor schon einen Artikel dazu geschrieben, wie man gegen Limper agieren sollte. Wann aber sollte man selbst in Turnieren limpen? Es gibt durchaus Konstellationen, in denen eine Limpstrategie Sinn macht, wenn man aber schlichtweg niemals in einem Turnier limpt, würde man ebenfalls keinen großen Fehler machen.
Die Oldschool-Perspektive aufs Limpen ist, dass man so mit einer spekulativen Hand einen günstigen Blick auf einen Flop werfen kann, während die Stacks deep sind. Kommt nichts auf dem Flop zustande, kann man sich problemlos verabschieden. Trifft man das erhoffte Monster, kann man den Druck erhöhen.
Die Solver haben aber gezeigt, dass ein solcher Ansatz keinen Sinn macht. Wenn die Stacks im Vergleich zu den Blinds deep ausfallen, will man erhöhen, damit ein vernünftiger Pot zustande kommt. Nur wenn Stacks niedriger werden, kann das Limpen eine sinnvolle Option darstellen.
Nachfolgend zum Beispiel eine GTO-Openingrange für 30BB in früher Position:

Und das ist die Range in derselben Position mit nur 20 Big Blinds:

Bei der simplen Strategie bleiben

Solver limpen häufiger bei kleineren Stacksizes, weil sie so mehr Hände spielen können. Im Beispiel will der Solver eine Hand wie K6s spielen und nicht folden. Um das zu erreichen, wird gelimpt.
Dass es überhaupt möglich ist, solche Hände bei niedrigeren Stacks noch zu limpen, ist der Tatsache geschuldet, dass ein Limp es für den Gegner weniger profitabel macht, mit einem Shove zu kontern. Schiebt man gegen einen Limp seinen Stack in die Mitte, gibt es weniger direkt zu gewinnen als gegen ein Openraise. Als Limper wiederum verliert man weniger Geld, wenn man in der Folge einen Shove kassiert und folden muss.
Bei effektiven Stacks von 20BB könnte ein Gegner bei einem gewöhnlichen Pot mit Antes 4,5BB einsammeln, wenn er gegen ein Raise von uns in die Mitte stellt. 22,5% des eigenen Stacks zu gewinnen, macht einen derartigen Shove mit einer weiten Range sehr profitabel. Mit einem Limp würden wir den Pot auf 3,5BB verringern, sodass ein Shove nur noch 17,5% direkt einbringen könnte.
Die Hände, die ein Solver für einen Limp wählt, sind typischerweise Kombos, die einen Flop sehr gut treffen können. Hinzu kommen ein paar höhere Paare, um die Range zu protecten. Insgesamt unterscheiden sich die 20BB- und 30BB-Range nicht merklich voneinander. In beiden Fällen liegt eine Gewichtung hin zu hohen Suited-Karten vor, da man bei kleineren effektiven Stacks hauptsächlich darauf achtet, Top Pair zu treffen und in die Mitte zu stellen.
Jetzt, wo die Logik hinter einer Limpstrategie bei niedrigen Stacks erläutert ist, lautet mein Ratschlag: Gar nicht erst in Erwägung ziehen! Das Konstruieren einer gebalancten Limprange kann sehr kompliziert werden und grundsätzlich tendieren die Gegner ohnehin dazu, zu viel zu folden und zu wenig zu 3-betten, sodass ein Openraise die bessere Option darstellt. Das mag zwar bedeuten, dass man ein paar Hände weniger spielt, aber das ist ein kleiner Preis, den man für eine deutlich simplere Strategie zahlen muss.
Weitere strategische Einblicke von Dara O'Kearney findet ihr jederzeit auch in seinem neuesten Buch Endgame Poker Strategy: The ICM Book.