Das Team PokerStrategy.com im Interview - Heute PokerNoob
Erstmals starten vier PokerStrategen im Namen PokerStrategys bei der WSOP, um nach Ruhm, Titeln und dem großen Cash zu greifen. Natürlich mussten sich die Vier vorher noch unseren Fragen stellen. Heute im Interview: PokerNoob.
Das dritte Team PokerStrategy.com-Mitglied, das wir euch vorstellen, ist Tobias '
pokernoob' Reinkemeier.
Mit pokernoob konnten wir den vermutlich bekanntesten Pokerauswanderer unserer Community für das Team PokerStrategy.com gewinnen. Nach drei Semestern BWL in Münster zieht es den 21-jährigen gebürtigen Cuxhavener nach Malta und England, um dort ein Leben als Pokerpro auszuprobieren.
Immer flexibel und nie auf eine Sache festzulegen fand pokernoob insbesondere im Heads-up seine liebste Spielvariante, und spätestens mit seinem Sieg im Heads-up-Event des SCOOP sollte auch die internationale Pokerprominenz gewarnt sein.
Trotz seines jungen Alters kann pokernoob schon auf einen großen Erfahrungsschatz zurückgreifen. Unter anderem cashte er bei der EPT Prag, dem WPT Spanish Championship, der CAPT Velden und bei der EPT Dortmund. Dazu spielte er unter anderem das Grand Final in Monte Carlo und das PCA auf den Bahamas. Solch eine Erfahrung in so jungen Jahren konnten wir uns natürlich nicht entgehen lassen.
Wir sprachen mit pokernoob über Malta und das UK, Heads-up-Poker, Reg-Battles auf Full Tilt, das Team PokerStrategy.com, die WSOP und mehr.
Das Team PokerStrategy im Interview - Heute PokerNoob
PokerStrategy: Hi PokerNoob. Cool, dass wir uns so kurz vor der WSOP noch in deiner alten Heimat Münster treffen können.
pokernoob:
Hi und danke. Freut mich auch dich zu treffen.
PokerStrategy:
Du bist einer der bekanntesten Pokerauswanderer unserer Community. Wie kamst du auf die Idee nach Malta zu ziehen und von dort zu pokern?
pokernoob:
Das hatte verschiedene Gründe. Zum einen weil ich sehr flexibel bin, und zum anderen reizt mich natürlich auch das Wetter auf Malta. Und dann die Tatsache, dass dort Englisch gesprochen wird. Das ist auch noch mal ganz positiv.
PokerStrategy:
Und dann hast du dir dort eine Wohnung gemietet?
pokernoob:
Ja genau, mit meiner Freundin zusammen. Die Wohnung liegt ziemlich nah am Strand, nur etwa zehn Minuten zu laufen - also wirklich super. Die ersten zwölf Monatsmieten sind auch schon überwiesen.
Aber um Missverständnisse von vornherein zu vermeiden: meinen Hauptwohnsitz habe ich in England, in der Nähe von London. Da habe ich eine Wohnung direkt an der Küste. Man geht aus der Tür und steht am Meer.
PokerStrategy:
Wann fiel denn der Entschluss auszuwandern?
pokernoob:
Also eigentlich war das ganze sehr spontan. Anfang des Jahres hatten wir die Idee und machten uns dann an die Planungen. Ich finde so lange man noch jung und flexibel ist und keinen festen Job hat, sollte man das einfach mal machen. Ich sehe da jetzt auch kein so großes Risiko. Wie es weiter geht hängt natürlich auch von meinen weiteren Erfolgen ab, aber ich kann mir auch Vorstellen zum nächsten Sommersemester wieder zu studieren. Wie gesagt, ich bin recht flexibel.
PokerStrategy:
So ein Schritt benötigt natürlich dennoch Vertrauen ins eigene Spiel. Was glaubst du zeichnet dich als Pokerspieler aus?
pokernoob:
Ich glaube insbesondere durch die vielen Heads-up-Partien gelingt es mir recht gut, mich in andere Spieler hineinzuversetzten und zu verstehen, wie sie gerade denken. Das hilft besonders in kniffligen Situationen die richtigen Entscheidungen zu treffen.
PokerStrategy:
Du hast deine Leidenschaft zum Heads-up angesprochen. Was reizt dich besonders an der Königsdisziplin?
pokernoob:
Heads-up finde ich einfach mit Abstand am Interessantesten. Ich habe mit SNGs angefangen, und obwohl es auch profitabler zu spielen war, hatte ich da relativ schnell kein Bock mehr drauf. Sorry an alle SNG-Spieler, aber es ist auf Dauer einfach langweilig. Ich war auch nie so der krasse Grinder, der endlos viele Hände gespielt hat. Ich spiele vor allem für den Spaß am Spiel, und nicht primär um damit Geld zu verdienen.
Dazu hat Heads-up etwas persönliches, so etwas wie einen Western-Charakter. Da besitze ich dann auch ein gewisses Ego. Ich registriere mich zum Beispiel immer first, und wer sich dann hinsetzt, gegen den Spiele ich dann auch. Wenn man neu auf einer Seite ist, oder lange nicht mehr dort gespielt hat, muss man in den Highstakes sowieso erst einmal jeden Reg spielen, bis die dich in Ruhe lassen - da muss man dann durch.
PokerStrategy:
Fallen dir da spontan irgendwelche heißen Matches ein?
pokernoob:
Ja klar, vor kurzem erst. Da hatte ich wieder ein wenig Cash auf Full Tilt verschoben, und gleich in einem der ersten Matches hat mich livb geregt – einer der profitabelsten HU-SNG-Spieler der vergangenen Jahre. Am ersten Tag haben wir zehn Matches gespielt, von denen ich sieben gewinnen konnte. Er hat dann immer instant das Rematch requested, aber irgendwann habe ich gequittet. Am nächsten Tag war er direkt wieder der Erste, der sich zu mir an den Tisch setzte. Er hat dann die ersten zwei Matches gewonnen und seinerseits auf meine Rematch-Requests gequittet. Fürs erste dürfte das Gefecht also ausgefochten sein - und man lässt sich in Ruhe.
PokerStrategy:
Das hört sich nach interessanten Duellen an. Wie kamst du eigentlich zum Pokern?
pokernoob: Ich bin einfach wie die meisten irgendwie von der Welle erfasst worden. Bei PokerStrategy.com habe ich mich Anfang 2006 angemeldet. Ich hatte schon ein paar Homegames gespielt, und dann habe ich auf DSF tatsächlich die berühmte Werbung von PokerStrategy gesehen und dachte, da meldest du dich einfach mal an - kann ja nicht schaden.
So ist übrigens auch mein Nickname entstanden, einfach weil ich neu war beim Pokern - also ein Pokernoob. Dass ich unter dem Nick irgendwann mal bei der WSOP spiele, oder dass es sonst irgendwelche Bewandtnisse haben würde, hätte ich damals nicht erwartet.
PokerStrategy: Du konntest dann sehr schnell in Liveturnieren Fuß fassen. Wie verlief dein Einstieg?
pokernoob:
Das war Anfang 2007 während einer Kursfahrt in Prag. Das war jetzt kein so großes Turnier, aber mein erstes in einem Casino. Ein Meilenstein war dann im März 2007 ein €500 Sideevent der EPT Dortmund. €500 für ein Buy-in war damals nicht wenig Geld für mich - und das Turnier habe ich für €30.000 gewonnen. Vom Gefühl her war das mein bisher größter Erfolg. Da habe ich mich auch noch Tage danach wie ein König gefühlt.
PokerStrategy:
Und nun geht es für dich zum ersten Mal zur WSOP. Bist du aufgeregt?
pokernoob:
Ehrlich gesagt nicht. Ich glaube im September 2007 habe ich in Baden meine erste EPT gespielt, und das liegt ja auch schon einige Zeit zurück. Seitdem habe ich noch einige größere Events gespielt, zweimal das Grand Final in Monte Carlo und verschiedene andere EPT-Events. Das $40k gleich zu Beginn ist natürlich eine Herausforderung. Ein Event mit so einem hohen Buy-in habe ich auch noch nie gespielt, und das wird sicherlich spannend.
PokerStrategy: Was bedeutet es dir PokerStrategy.com in Vegas zu vertreten?
pokernoob:
Ja, also ein bisschen Stolz bin ich auf jeden Fall. Das ganze Team ist schon wirklich sehr stark, und wenn uns die Varianz nicht allzu böse kommt, erwarte ich einiges von uns. Also ein Bracelet wäre schon nicht verkehrt. Ich weiß natürlich, dass es auch ganz anders kommen kann, dem muss man sich als Pokerspieler durchaus bewusst sein, aber ich wäre schon enttäuscht, wenn jetzt gar kein Cash oder so was dabei rausspränge.
PokerStrategy:
Wie nahm dein Umfeld die Nachricht auf, dass du nun ein waschechter Pokerpro bist?
pokernoob: Meine Eltern stehen zu 100% hinter mir was das angeht. Sogar meine Großeltern, die da eher etwas konservativer eingestellt sind, finden es inzwischen gut was ich mache. Ich würde es zwar auch machen, wenn sie nicht hinter mir ständen, aber so ist es natürlich noch viel entspannter.
Meine Mutter ist inzwischen sogar mein größter Fan. Bei fast jeder Livecoverage sitzt sie hinter dem Monitor und guckt was ich mache, schickt mir in den Pausen SMS und fiebert richtig mit. Und langsam ist auch meine Freundin beim Pokern erfolgreich. Vor ein paar Tagen erst hat sie in ihren ersten Turnieren gecasht und besitzt schon ne ganz schöne Bankroll.
PokerStrategy:
In welchen Turnieren dürfen wir dich denn dieses Jahr erwarten?
pokernoob:
In Vegas spiele ich definitiv das $40.000 NLH-Event, das Mainevent, das $5.000 Shooutout, das $5.000 6-max-Event, und natürlich das Turnier, auf das ich mich schon am meisten freue: das $10.000 Heads-up Champion-Event.
Im Heads-up hat man live die meiste Action. Besonders wenn man vom Onlinepoker kommt, sind mehrtägige 9-max- oder 10-max-Events wirklich anstrengend und langwierig. Beim Heads-up, oder in den 6-max-Events geht es da schon deutlich mehr zur Sache.
Die sind natürlich von der Organisation her viel aufwendiger, wenn beispielsweise sechs Spieler einen Dealer brauchen, anstelle von zehn, oder neun. Man braucht mehr Tische, dass bedeutet mehr Kosten und so weiter - von den Heads-up-Events ganz zu schweigen. Aber wenn es mehr solcher Turniere gäbe, wäre das schon ein Spaß.
PokerStrategy:
Bereitest du dich auf die unterschiedlichen Turniere irgendwie besonders vor?
pokernoob:
Darum mache ich mir im Vorfeld eigentlich keinen Kopf. Ich gehe dahin, gucke mir den Tisch an, gucke mir die Gegner an, und passe dann mein Spiele daran an. Es bringt ja nichts, sich vorher eine Taktik zurechtzulegen, und dann sind die Bedingungen doch nicht so wie geplant.
PokerStrategy:
Verrätst du uns deine drei goldenen Regeln fürs Turnierpoker?
pokernoob:
Puh, darüber habe ich mir noch gar keine Gedanken gemacht. Aber ich denke vor allem erstens flexibel zu sein, zweitens diszipliniert zu spielen, und drittens… Ausnahmen bestätigen die Regel. Ich glaube es macht wenig Sinn nach absoluten Regeln zu suchen. Die Antwort muss man in der jeweiligen Spielsituation suchen.
PokerStrategy:
Würdest du dich als einen intuitiven Spieler bezeichnen?
pokernoob:
Ich denke schon, dass ich sehr intuitiv spiele. Also Intuition ist ja auch irgendwie mathematisch. Sie ist aus verschiedenen Situationen gereift, die man analysiert und entsprechend verinnerlicht hat. Wenn ich jedenfalls – warum auch immer - denke ein Spieler ist weak, dann starte ich auch mal einen Bluffshove. Hin und wieder zeigt er einem zwar die Aces, aber in der Regel liege ich mit meinen Einschätzungen ganz gut.
PokerStrategy: In deiner Zeit als Pokerspieler hast du bestimmt schon einige skurrile, lustige und interessante Momente erlebt. Gibt es eine Hand oder einen Moment, der dir besonders in Erinnerung geblieben ist?
pokernoob:
Also da fällt mir die Geschichte von der EPT Prag ein. Das war ein €2.000 Sideevent, und da kam ein Pärchen zusammen an meinen Tisch. Der Mann raiste, und die Frau ging all-in, woraufhin der Mann überlegte und überlegte, und dann sagte "Ich kann das nicht machen", und die Aces offen foldete. Was er dabei aber nicht bedacht hatte, war die Tatsache, dass es sich dabei um Collusion handelt, und er deswegen für zwei Orbits aussetzten musste und noch eine Verwarnung erhielt. Da hatte der Floorman kein Mitleid mit ihm.
PokerStrategy:
Kommen wir zu einem anderen Thema. Wie sieht ein normaler Tag in deinem Leben als Pokerspieler aus?
pokernoob:
Na ja, ich habe in letzter Zeit ehrlich gesagt etwas wenig gespielt, und so sieht mein Tag im Moment eigentlich immer wieder ganz unterschiedlich aus und ist nicht unbedingt so krass auf Poker bezogen. Ansonsten habe ich derzeit aber auch keinen geregelten Tagesablauf. Wenn ich los war, penne ich bis tief in den Tag, oder wenn ich auf einem Turnier war, dann ist das eh alles schwierig zu planen. Das kommt dann immer flexibel, was ich auch ganz schön finde.
PokerStrategy:
Hast du einen "favorite Pro"?
pokernoob:
Einen Lieblingsspieler oder so was habe ich nicht. Es gibt mit Sicherheit ne Menge starker Spieler, aber da möchte ich mich nicht festlegen.
PokerStrategy:
Auf welchen Spieler würdest du denn gerne am Final Table des Mainevents treffen?
pokernoob:
Auf möglichst schlechte Spieler natürlich. (lacht)
PokerStrategy: Okay, so kommen wir nicht weiter (lacht). Aber verrätst du uns noch deine Hobbys?
pokernoob:
Da wäre zum einen natürlich Sport zu nennen. Aber vor allem esse ich sehr gerne gutes Essen. Auf den Bahamas gab es zum Beispiel ein richtig gutes Steakhouse, das hat wirklich gut geschmeckt, da erinnere ich mich dann auch noch nach Jahren dran. Wenn das Ambiente stimmt, das Essen gut ist, dazu ein schöner Wein auf dem Tisch steht, dann ist das etwas, woran ich mich lange erinnere. Ansonsten habe ich auf Malta vor kurzem mit dem Windsurfen begonnen. Und mich reizt noch ein Bootsführerschein, aber ob ich das in nächster Zeit realisieren kann, ist noch eine andere Frage.
PokerStrategy:
Wir danken dir für das Gespräch und wünschen dir alles Gute für Vegas!
pokernoob:
Ja, danke ebenfalls.
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