Aktualisiert am 25 Feb. 26 von

Das Team PokerStrategy.com im Interview - Heute Trader

Erstmals starten vier PokerStrategen im Namen PokerStrategys bei der WSOP, um nach Ruhm, Titeln und dem großen Cash zu greifen. Natürlich mussten sich die Vier vorher noch unseren Fragen stellen. Heute im Interview: Trader.

Das Interview führte metaphysiker

Das vierte Team PokerStrategy.com-Mitglied, das wir euch vorstellen, ist Moritz '
trader' Schmejkal aus Kassel.

Quartalszocker, BlackMember, Highroller und nun auch Mitglied im Team PokerStrategy.com. trader hat es geschafft. In nur zwei, drei Jahren spielte sich der 23-jährige Student des Faches Marketing und internationales Management von den Lowlimit-SNGs in die Highstakes.

Das Team PokerStrategy.com vertritt er unter anderem im Mainevent, in einigen Omaha-Events, dem NLH 6-max-Event und im Heads-up-Championship.

Wir sprachen mit trader über das Team PokerStrategy.com, seine Ziele für die WSOP, den BlackMember-Status, wie man acht Tische Heads-up spielt, wann man anfängt von Poker zu träumen und mehr.

Das Team PokerStrategy im Interview - Heute Trader

PokerStrategy:
Hi Trader! Danke, dass du Zeit für unsere Fragen findest.

trader: Immer wieder gerne.

PokerStrategy:
Du gehörst mittlerweile zum erlesenen Kreis der BlackMember. Verrätst du uns, wie
lange du für den höchsten Status bei PokerStrategy.com brauchtest? Und gab es besondere Schlüsselmomente auf deinem Weg dorthin?

trader: Also angemeldet bin ich nun schon seit über drei Jahren bei PokerStrategy.com, aber wirklich effektiv Punkte erspielt habe ich wohl so seit knappen zwei Jahren. Echte Schlüsselmomente im Bezug auf das Erreichen des BM-Status hatte ich aber eigentlich nicht - ich bin es eher nebenbei geworden.

PokerStrategy:
Nebenbei BlackMember geworden? Auf welchen Limits kann man dich denn so antreffen?

trader: Ich hab lange Zeit Fullring-SNGs gespielt - immer alles was ab $100 aufging. Seit etwa einem halben Jahr bin ich praktisch komplett auf Heads-up-SNGs umgestiegen, wo ich alle Turniere ab $500 aufwärts spiele. Die $5.000er kommen aber nur selten vor, wenn ich stuck oder tilted bin. Rake und Punkte lassen sich so auf jeden Fall recht zügig sammeln.

PokerStrategy: Und wie viel zockst du so in der Woche?

trader: Das ist ganz unterschiedlich. Ich würde mal sagen, im Schnitt spiele ich ca. anderthalb Stunden pro Tag. Das setzt sich dann aber aus Pausen, wo ich gar nicht spiele, und aus Phasen in denen ich sehr motiviert spiele, zusammen.

PokerStrategy:
Also ein Quartalsspieler sozusagen?

trader: Ganz genau. Ich wünschte zwar, es wären mehr von den motivierten Phasen, aber es gibt so viele andere schöne Dinge im Leben - und ich bin leider auch ein fauler Sack! 😉

PokerStrategy:
Gab es während deines rasanten Aufstieges auch Limits, bei denen du dachtest: "Oh Mann, hier liegt ja doch ne Menge Geld auf dem Tisch?"

trader: Wenn ich Omaha spiele, kommt das schon des Öfteren mal vor. Aber im Gegensatz zum Cashgame hat man bei SNGs den Wert des Geldes nicht so direkt vor Augen, sondern es geht praktisch nur ums Gewinnen an sich. Ich würde aber auch mal behaupten, dass ich inzwischen so professionell bin, dass ich weitgehend eine emotionale Distanz zum Spiel aufgebaut habe und mich auch nur auf den Limits bewege, auf denen ich mich aufgrund meiner Bankroll absolut wohl fühle. Auch wenn ich in den $5.000ern bisher recht gut gerunnt bin, habe ich da immer das Gefühl, mein Spiel wäre negativ durch die Höhe des Buy-ins beeinflusst. Ansonsten denkt man aber eigentlich gar nicht über das Geld nach.

TraderPokerStrategy:
Wie gelang es dir die Distanz zum Buy-in aufzubauen, bzw. die Abstraktion der Geldsummen?

trader: Ich würde es mal Schocktherapie nennen! ^^ Ich hab früher mal, als ich absolut nicht die BR hatte, und erst recht nicht den Skill, für kurze Zeit wie ein Verrückter an den Omaha-Tischen rumgedonkt. Dabei verlor ich in kurzer Zeit mehr Geld, als ich jemals bei einem Down an den SNG-Tischen verloren hatte. Das härtet ab und lässt einen gleichzeitig über die Beziehung zum Spiel nachdenken. Viel ist natürlich auch einfach nur Erfahrung und die damit verbundene Einstellung.

PokerStrategy:
Täglich melden sich hunderte PokerStrategen in unserer Community an. Wie kamst du erstmals mit PokerStrategy.com in Berührung?

trader: Damals, als die DSF-Pokersendungen liefen, hatte PokerStrategy.com Werbung geschaltet, und Freunde machten mich darauf aufmerksam. Einmal angemeldet kam ich nicht mehr von der Seite los.

PokerStrategy:
Was fesselte dich so an PokerStrategy.com?

trader: Wie die meisten, war ich auch einer von denen, die, als sie Poker das erste Mal spielten, sich gar nicht vorstellen konnten, dass dieses Spiel tiefgründig strategiebasiert sein könnte. Somit war es für mich wie ein kleines Abenteuer, mich mit den SHC und ersten Strategieempfehlungen in eine unbekannte Welt hineinzutasten.

PokerStrategy:
Seitdem hast du dich zu einem Pokerfachmann entwickelt. Was glaubst du, zeichnet dich am Filz besonders aus?

trader: Oh danke, nette Formulierung. 🙂 Ich denke meine Stärken sind vor allem, dass ich sehr diszipliniert und konzentriert spiele, und dass ich in der Lage bin, sehr schell Denkweisen meiner Gegner zu erkennen. Und dass ich mein Spiel dementsprechend daran anpassen kann.

PokerStrategy:
Wie gelingt es dir online Denkweisen deiner Gegner zu erkennen?

trader: Gerade im Heads-up ist es besonders wichtig, die Gegner möglichst exakt einzuschätzen. Mit der Erfahrung kann man Spieler relativ schnell in Kategorien einordnen. Dabei hilft es darüber nachzudenken, wie der Gegner seine eigene Hand einschätzt. Valuebettet er dünn, weil er im Gegenzug meine Handrange gut einschätzen kann? Valuebettet er groß oder lieber klein? Wie reagiert er auf bestimmte Setzmuster bei bestimmten Boardentwicklungen? Diese Liste ließe sich noch beliebig lange weiterführen. Alle kleinen Punkte die mir auffallen, fasse ich zusammen, um meinen Gegner möglichst gut einzuschätzen.

PokerStrategy:
Bei so einer intensiven Spielbeobachtung lässt sich natürlich nicht mehr gut multitablen. Wie viele Tische spielst du noch parallel?

trader: Das ist wohl wahr. Wo ich früher noch bis zu acht Tische Heads-up parallel spielte, einfach weil ich möglichst viel Rake generieren wollte, bevorzuge ich es mittlerweile nur noch zwei bis drei Tische zu spielen. Dadurch spielt man einfach bewusster und läuft nicht Gefahr abzustumpfen und die Freude am Spiel zu verlieren.

PokerStrategy:
Acht Tische Heads-up gleichzeitig? Das haut aber schon rein!

trader: Ja, da hab ich total stupide einfach ein gegnerunabhängiges aggressives Spiel abgeliefert. Mit der Zeit gewöhnt man sich an alles, aber jetzt wo ich höhere Limits spiele, und dadurch auch die Gegner meist besser sind, ist es nicht nur für den Geist profitabler weniger Tische zu spielen.

PokerStrategy:
Das glaube ich gerne. Hast du bei einem so hohem Spielpensum nicht schon von Poker geträumt?

trader: Wenn ich zuviel gespielt habe, kam es tatsächlich manchmal vor, dass ich von Poker träumte. Am nächsten Tag kam ich mir deswegen so nerdig vor, dass ich es erst einmal wieder etwas zurückgestellt habe mit Poker. 😉

PokerStrategy:
Was unternimmst du als Ausgleich zu solchen Sessions?

trader: Die Standardantwort ist jetzt wohl Sport, aber auch das ist bei mir sehr Phasenweise. Ich spiele gerne mit Freunden Fifa, gehe raus, betrinke mich, chatte, surfe, oder gebe Geld aus, einfach um zu wissen wofür ich mir den ganzen Stress antue.

PokerStrategy:
Was hast du dir vom Pokergeld denn schon alles geleistet?

trader: Können wir die Frage streichen? Ich mag es nicht so mit Wertsachen zu protzen. Ich denke das muss auch nicht sein.

PokerStrategy:
Na sicher doch. Kommen wir zum Livepoker. Du konntest unter anderem bei der Asia Poker Tour und der Grosvenor Poker Tour in England cashen. Wie verlief dein Einstieg in die Welt des Livepokers?

trader: Die Turnierserie in England, war mein erstes großes Live-Turnier und es lief ganz okay sag ich mal. Es waren, wenn ich mich recht erinnere, fünf Turniere mit 100+ Spielern, und ich habe zwei Final Tables erreicht, wo dann allerdings das Glück nicht mit mir war.

An die APT erinnere ich mich nicht mehr wirklich gerne. Ich hatte schon den Großteil des Feldes hinter mir gelassen, um dann bei 13 left mit Kings vs. 9-9 ein Preflop-All-in um den Chiplead zu verlieren. Auf dem River kam eine Neun, und ein paar Hände später war dann Schluss. Aber die großen Erfolge hab ich mir ja ohnehin für Vegas aufgehoben. 😉

Las VegasPokerStrategy: Du sprichst Vegas an. Dieses Jahr vertrittst du PokerStartegy.com im ersten Pro-Team unserer Community auf der WSOP. Was ist das für ein Gefühl?

trader: Es ist natürlich ein tolles Gefühl eine ganze Community hinter sich stehen zu haben, wie auch deren Betreiber, die solch ein Vertrauen in mein Pokervermögen haben, dass sie bereit sind viel Geld in mich zu investieren! Gleichzeitig möchte man aber jetzt auch ganz besonders gerne gute Leistungen abliefern, aber da haben ja leider auch die Karten ein paar Worte mitzureden.

PokerStrategy:
Auch wenn die Karten ein Wort mitzureden haben, was sind deine Ziele für die WSOP?

trader: Ich muss eingestehen, dass ich gar nicht so genau weiß, wie viele Leute bei den jeweiligen Events mitspielen. Aber ich denke ein Final Table wäre schon ein großer Erfolg!

PokerStrategy:
In welchen Turnieren dürfen wir dich bei der WSOP denn erwarten?

trader: In den Größten. 🙂 Das Heads-up-Event, welches auch schon gleich mein Favorit ist, die Omaha-Events, das 6max-Tourney, und last but not least das Mainevent. Eventuell werden dann auch noch ein paar kleinere Turniere eingeschoben.

PokerStrategy:
Was macht für dich den besonderen Reiz des Heads-Up-Events aus?

trader: Da ich online meistens Heads-up spiele, liegt die Antwort recht nahe denke ich. Gleichzeitig ist es aber auch das Turnier, an welches ich die höchsten Erwartungen habe. Wobei der Final Table hier etwas schwerer werden könnte.

PokerStrategy:
Angenommen du erreichst das Finale des Heads-up-Events. Auf welchen Spieler würdest du da gerne treffen?

trader: Auf den größten Fisch, der in dem Turnier mitgespielt hat. 😀 Wenn es nicht um Geld ginge, dann wäre es definitiv Tom Dwan.

PokerStrategy:
Für viele ist Tom Dwan der vielleicht aktuell beste NLH-Spieler der Welt. Was denkst du über den derzeitigen Superstar des Onlinepokers?

trader: Ich muss eingestehen, dass ich schon mal gelegentlich bei Full Tilt raile, weil ich denke, dass man so auch sein eigenes Spiel verbessern kann. Vor allem hat er mich aber in der aktuellen Staffel von High Stakes Poker beeindruckt. Er ist einer der wenigen Spieler, die mich zu neuen Gedanken über das Spiel inspirieren.

PokerStrategy:
Woher holst du dir sonst Inspiration für dein Spiel?

trader: Ganz persönlich kann ich dann hier mal Franni aka Bandelfanie grüßen, der eigentlich so der einzige Deutsche ist, den ich kenne, der auch regelmäßig die Heads-up-SNGs ab $500 aufwärts spielt. Ob man seine Ansichten als Inspiration bezeichnen kann, ist da aber wieder eine andere Frage. 😉 Ansonsten denke ich einfach gerne selbstständig über das Spiel nach und probiere auch gelegentlich ganz unorthodoxe Spielzüge aus. Einfach um nie in eine automatisiertes Spiel zu verfallen.

PokerStrategy:
Wie nahm dein Umfeld die Nachricht auf, dass du nun ein echter
Pokerpro bist?

trader: Da ich die meisten schon vorher für das Thema Poker sensibilisiert hatte, waren die Reaktion bisher eigentlich durchweg positiv

PokerStrategy:
Verrätst du uns, wie es zu deinem Nickname kam?

trader: Ich bin ein Mensch der es gerne einfach hat! Damals als ich mich bei Ebay anmeldete um Magic-Karten zu verticken, dacht ich mir Trader wäre ein ganz treffender Name. Seitdem heiße ich der Einfachheit halber fast überall so.

PokerStrategy:
Möchtest du sonst noch etwas loswerden oder jemanden Grüßen?

trader: Ich glaub ich bin schon viel zu viel losgeworden, aber noch ganz nette Grüße an meinen Gruppenchat im Skype! Hab euch lieb!

PokerStrategy:
Danke für das Gespräch und alles Gute in Vegas.

trader: Ich danke! 🙂

Wir stellen vor: Das Team PokerStrategy.com