Aktualisiert am 26 Feb. 26 von

Der Preis des Perfektionismus

Es ist der Hauptgrund, warum so viele Kunden Jared Tendlers Arbeit in Anspruch nehmen. Deshalb möchte er heute mit uns allen teilen, warum man Perfektionismus für sich neu definieren sollte...

Poker coach Jared Tendler
Jared Tendler

"Wenn man nach Perfektion strebt, muss man stark genug sein, um mit Unvollkommenheit umgehen zu können." - Jared Tendler, Office Hours #14 (Ja, ich zitiere mich selbst, weil es ein guter Tipp ist).

Perfektionismus ist ein umfassendes, komplexes Problem, das sich auf verschiedene Weise äußert. Im vergangenen Monat habe ich in meinem Blog über eine Art davon gesprochen: Häufig wird mit einem Vorhaben oder einem Projekt gezögert, weil es noch nicht perfekt erscheint.

Das Problem mit dem Perfektionismus ist jedoch, dass man ihn nicht einfach als "schlecht" abstempeln kann, denn er ist auch ein starker Motivationsfaktor. Diese Motivation wiederum hilft, beeindruckende und manchmal sehr große Ziele zu erreichen.

Die Motivation, hohe Ziele zu verfolgen, ist wichtig, und ich möchte nicht, dass man damit aufhört. Aber man kann Perfektionismus auch nicht nur als gut bezeichnen, denn obwohl es toll ist, sich hohe Ziele zu setzen, kann es auch eine Reihe negativer Folgen haben. Vor allem kann Perfektionismus dem Selbstvertrauen schaden. Die Motivation bleibt hoch, aber das Selbstvertrauen sinkt.

Sollte der Perfektionismus so weit gehen, dass eine der folgenden Grenzen überschritten wird, hat man ein Problem:

  • Sich selbst unter starken Leistungsdruck setzen, aber mit dem Druck nicht umgehen können
  • Das Gefühl, dass nichts gut genug ist, selbst nach einem Sieg
  • Schwierigkeiten haben, sich aufgrund von innerem Druck zu entspannen
  • Niemals oder nicht sehr lange gute Ergebnisse würdigen
  • Den eigenen Fortschritt nicht erkennen
  • Es fällt einem schwer, weiterzumachen, loszulassen oder über einen Fehler hinwegzukommen
  • Alle Fehler als gleichwertig behandeln
  • Selbstkritisch bei den kleinsten Fehlern werden
  • Sich ständig mit anderen vergleichen
  • Von Fehlern besessen sein und nicht loslassen zu können

Wenn man sich darin wiedererkennt, ist man ganz sicher nicht allein. Perfektionismus ist eine der häufigsten Schwächen, die ich sehe. Die Frage ist, wie man die Motivation aufrechterhalten und gleichzeitig sicherstellen kann, dass das Selbstvertrauen weiter steigt. Dazu muss man aber tief in sich gehen und sich selbst einschätzen können.

Fehlerhafte Selbsteinschätzung

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Um Selbstvertrauen aufrechtzuerhalten, braucht man genaues Feedback zu den Fortschritten und Fähigkeiten sowie eine genaue Sicht auf die Ergebnisse. Das Problem ist, dass man als Perfektionist dies nicht besonders gut kann. Meistens versäumt man es, Fortschritte anzuerkennen oder sich selbst für Erfolge und Errungenschaften angemessen zu würdigen.

Warum? Weil man den unrealistischen Maßstäben, an denen man sich misst, nicht gerecht wird (werden kann). Da man den Maßstab nicht erfüllt, hat man dann das Gefühl, ständig zu versagen oder zumindest nicht gut genug zu sein.

Ein objektiver Beobachter würde vielleicht sagen, dass man erfolgreich war oder ist, aber man selbst sieht es nicht. Man konzentriert sich nur darauf, dass man hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist.

Infolgedessen wird man selbstkritisch und macht sich Vorwürfe. Oder man wird risikoscheu oder wütend. Wenn sich dieses Muster Tag für Tag wiederholt, kann das Selbstvertrauen nicht so wachsen, wie es im Verhältnis zu dem, was man tatsächlich erreicht hat, sein sollte. Schlimmstenfalls klafft im eigenen Selbstvertrauen ein großes, Loch, das den Perfektionismus noch weiter anheizt, weil man sich einredet, dass die Antwort auf mehr Zufriedenheit und Selbstvertrauen darin besteht, noch perfekter zu werden.

Die Realität ist, dass, solange diese Dynamik besteht, nichts jemals gut genug sein wird und man zu den erfolgreichen, aber unglücklichen Menschen gehören wird, die zwar viel erreicht haben, aber so unzufrieden sind, dass sie ständig reizbar und unglücklich sind. Vielleicht spürt man, dass das Leben aus dem Gleichgewicht geraten ist und man frustriert ist, weil man nicht wirklich gut genug ist, um mit dem Ungleichgewicht klarzukommen. Oder vielleicht erkennt man, dass diese Probleme mehr kosten, als man zu akzeptieren bereit ist.

Aber während das Problem mit Perfektionismus sehr intensiv sein kann und zu hoher emotionaler Volatilität und anderen ausführungsorientierten Problemen führen kann, ist das Gegenmittel eigentlich ganz einfach. Es erfordert zwar Arbeit, aber man kann einen Punkt erreichen, an dem man diesen starken Leistungswillen beibehält und gleichzeitig sein Selbstvertrauen mit seinen Leistungen steigert.

Perfektion von Zeit zu Zeit neu definieren

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In den Köpfen vieler Perfektionisten ist Perfektion etwas Einmaliges, ein Ergebnis oder ein Endpunkt, den sie sich vorstellen. Aber sie erkennen nicht, dass sich sogar ihre Definition von Perfektion mit der Zeit ändert. Ihr Bestmögliches ist größer geworden.

Angenommen, man ist in letzter Zeit so richtig in Fahrt gekommen und hat den eigenen Vorstellungen nach eine "perfekte" Leistung erbracht, sollte man dies auf keinen Fall mit Errungenschaften aus der Vergangenheit vergleichen. Es gibt keine Möglichkeit, dass die frühere Version von Perfektion dem Standard der heutigen Perfektion gerecht wird. Der Standard hat sich aufgrund der bisherigen Erfahrungen der Arbeit, die man investiert hat, und der Fähigkeiten, die man noch zusätzlich erworben hat, verändert. Die Definition von Perfektion wächst mit der Zeit.

Ob man sich dessen bewusst ist oder nicht, die frühere Version der Vollkommenheit hatte Schwächen, die man in der heutigen Version der Vollkommenheit nicht akzeptieren würde. Genauso muss man heute Schwächen haben, die die zukünftige Version der Vollkommenheit nicht akzeptieren würde.

Die Korrektur früherer Schwachstellen ist ein wesentlicher Bestandteil dessen, was zu mehr Perfektion geführt hat. Daher ist die Korrektur der heutigen Schwächen ein wichtiger Bestandteil dessen, was es braucht, um einen neuen Standard der Vollkommenheit zu erreichen.

Ein solcher Fortschritt geschieht in Etappen, nicht alles auf einmal. Wer meine Arbeit verfolgt, weiß, dass ich dies oft mit dem Konzept des A-Spiels, B-Spiels und C-Spiels erkläre. Das A-Spiel ist das Optimum (oder die Perfektion), das C-Spiel ist das Schlechteste, und das B-Spiel ist das durchschnittliche Leistungsniveau. Der Fortschritt, unabhängig davon, was man verbessern will, wird durch eine kleine Raupe, den so genannten "Inchworm", dargestellt, der sich auf eine besondere Art und Weise bewegt.

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Die Raube spiegeln

Der Kopf der Raupe ist ihre beste Seite. Der mittlere Teil ist das B-Game und der schlechteste Teil befindet sich am hinteren Ende. Der Inchworm ist die persönliche Kompetenz im Poker, im Trading oder einzelne Fähigkeiten, die das Können in diesen Bereichen ausmachen.

Um sich zu verbessern, macht man vorne einen Schritt nach vorne (das A-Game wird besser), gefolgt von einem weiteren Schritt nach hinten (wo das C-Spiel weniger schlecht wird). Im Laufe der Zeit bringt die Verbesserung auf beiden Seiten den gesamten Inchworm voran und damit auch die Definition von Perfektion.

Das ist es, was man bereits erlebt und vollbracht hat. Die alte Denkweise über Perfektion sollte sich fehlerhaft und veraltet anfühlen wie ein in die Jahre gekommenes Smartphone.

Jetzt gilt es, die eigene Perspektive zu überarbeiten. Das neuste Software-Update zu installieren, wie alle coolen Kids es tun. (Natürlich werde ich etwas Gruppenzwang ausüben, aber ich habe gelernt, dass Gruppenzwang bei Perfektionisten gut funktioniert ... was auch immer nötig ist, damit man die Arbeit erledigt).

Auch ihr habt Probleme mit Perfektionismus? Dann werft ruhig mal einen Blick auf das Worksheet zu Perfektionismus von Jared Tendler.