Drei Gründe gegen die Big-Blind-Ansicht
Es macht zwar Entscheidungen deutlich einfacher, aber es gibt dennoch Situationen, in denen ein Blick auf die tatsächliche Anzahl der Chips deutlich nützlicher ist.

Bei den meisten Pokerräumen kann man sich die tatsächliche Anzahl seiner Chips direkt in Big Blinds umrechnen und anzeigen lassen.
Es ist ein nützliches Feature für jeden, der sich auch mit theoretischen Ansätzen des Spiels beschäftigt. So ist es leichter möglich, eine Hand zu analysieren und dadurch objektivere Entscheidungen zu treffen, wie man einen Spot bestmöglich spielt. Es hat auch den Vorteil, dass man sich durch die Anzeige in Big Blinds nicht zu sehr auf die Turnierphase oder die tatsächlichen Geldbeträge konzentriert, um die es geht.
Es gibt jedoch auch Fälle, in denen die Ansicht in Big Blinds tatsächlich nicht von Vorteil ist und man zumindest die Alternative in Betracht ziehen sollte.
Bessere Übung für Live-Turniere

An den Live-Tischen hat man grundsätzlich nicht den Luxus, dass der eigene Stack oder die gegnerischen in Big Blinds angezeigt werden.
Wenn man bei Live-Turnieren also noch recht unerfahren ist, könnte man Schwierigkeiten bekommen, wenn man es aus Online-Partien gewohnt ist, dass man den Stack direkt in Big Blinds angezeigt bekommt. Dadurch kann es kompliziert werden, schnelle und korrekte Berechnungen durchzuführen, die für eine korrekte Entscheidung benötigt werden.
Es kann also nützlich sein, auch online ohne die Big-Blind-Ansicht zu spielen, um das Kopfrechnen zu trainieren, das beim Live-Poker unabdingbar ist, denn dadurch wird es deutlich einfacher, schnelle Entscheidungen zu treffen.
In jedem Bounty-Turnier

Egal, ob es sich um ein reguläres Bounty-Turnier, PKO oder Mystery Bounty handelt, man muss immer, wenn es ein Kopfgeld zu gewinnen gibt, eine komplexe Berechnung durchführen. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, beispielsweise die Chip-Conversion-Methode oder die Bounty-Discount-Methode, die wir in unserem Buch PKO Poker Strategy beschrieben haben.
Unabhängig von der Methode muss man in diesen Formaten wissen, wie viele Chips ein Kopfgeld wert ist. Ein 20-Dollar-Bounty kann zum Beispiel 5.000 Chips wert sein.
Man kann in Bounty-Turnieren keine fundierten Entscheidungen treffen, wenn die Stacks in Big Blinds angezeigt werden. Um korrekt zu berechnen, welche Range man spielen sollte, um ein Kopfgeld zu gewinnen, benötigt man die Anzahl der Chips. Daher sollte man in diesen Turnieren komplett auf die Big-Blind-Ansicht verzichten.
In Satellite-Turnieren

Keine Sorge, ich werde nun nicht noch ein weiteres meiner Bücher anpreisen, aber es gibt einen guten Grund, die Big-Blind-Ansicht auch in Satellites zu vermeiden. Man bekommt kein höheres Preisgeld, wenn man ein Satellite mit den meisten Chips beendet. Sobald der Stack groß genug ist, kann man sich häufig in die Preisgeldränge folden.
Wenn zum Beispiel einer von zehn Spielern einen Platz gewinnt und man zum Start des Satellites 10.000 bekommt, ist das Ziel 100.000 Chips zu generieren. Das wird der durchschnittliche Stack sein, wenn die Satellite-Bubble platzt. Sobald man 70% erreicht hat, sollte man also anfangen, etwas vorsichtiger zu agieren.
Wenn man in Satellites nun die Big-Blind-Ansicht verwendet, weiß man nicht, wie nah man diesem "Zielstack" tatsächlich ist, obwohl man es wahrscheinlich auch anhand der verbleibenden Spieler und der durchschnittlichen Stacks herausfinden könnte. Um jegliche Zweifel also in derartigen Spots zu vermeiden, ist es definitiv einfacher und sinnvoller, die normale Ansicht zu verwenden.
Wann sollte man darüber hinaus die Finger von der Big-Blind-Ansicht lassen? Wir freuen uns auf eure Meinung!