Aktualisiert am 26 Feb. 26 von

GTO-Ranges lassen sich nicht exploiten

Auch wenn manch einer denkt, dass man eine GTO-Range doch irgendwie aushebeln kann, ist der einzige tatsächliche Konter, ebenfalls eine GTO-Range zu wählen.

Vor ein paar Wochen bin ich über einen Tweet von Allen Kessler gestolpert, in dem er der Meinung war, einen Weg gefunden zu haben, eine GTO-Range zu exploiten:

Sein Tweet entflammte eine hitzige Diskussion. Die Tatsache, dass viele Spieler ihm zustimmten, bietet eine lehrreiche Lektion.

Laut Allen ist es zu offensichtlich, dass der Spieler nach einem Minraise ein Monster hält. Da alle anfälligen Hände der Range wie AJs oder 99 ein All-in wählen, verbleiben nach einem Minraise nur noch Premium-Hände in der Range, die sich durch einen Fold exploiten lassen, so Kessler. 

Es stimmt zwar, dass man mit einem Fold gegen das Minraise jede Konfrontation mit AA und KK vermeidet, doch das ist nur eine Seite der Medaille.

Schere/Stein/Papier

poker
Jede Option zu 33% auszuwählen führt zum Sieg

Alle schwächeren Hände als JJ, für die ein Minraise vorgeschlagen wird, sind im Grunde genommen Bluffs. Folden die Gegner jede Hand gegen das Minraise, läuft die Gelddruckmaschine auf Hochtouren. Zwar vermeidet Allen mit seinem angeblichen Exploit, Händen wie AA und KK Chips in den Rachen zu werfen, doch er schneidet sich dabei zu häufig ins eigene Fleisch, indem er starke Hände wie TT oder AKs foldet.

Wenn einem garantiert wird, dass die Gegner immer AKs und TT ablegen, wenn man mit A6s oder A9o minraist, man dafür aber auch immer nur die Blinds gewinnt, wenn man mit AA eröffnet, sollte man das Angebot dennoch annehmen. Gerade mit einem Stack von 10BB ist es bereits äußerst lukrativ, nur die Blinds und Antes zu gewinnen. 

Eine kurze Randnotiz für alle, die nicht mit GTO-Ranges für diesen Spot vertraut sind: Die Bluffs in dieser Range sind ATo/A9o/A8o/A8s/A7s/A6s/KJo/QJo/88/55/44. Mit Ausnahme von A6s wird bei all diesen Hände nur mit einer gewissen Frequenz ein Minraise gespielt, AA und KK werden jedoch immer geminraist. Auf diese Weise wird ein Gleichgewicht zwischen Bluffs und starken Händen geschaffen, sodass der Gegner nur noch raten kann. Der Solver schlägt derweil so viele verschiedene Hände für Bluffs vor, um sicherzustellen, dass im Falle eines Calls die Boardabdeckung erhöht wird und noch möglichst viele Boards getroffen werden. Denn die Zusammensetzung der Range erlaubt es, auf allen Boardstrukturen ohne 3 oder 2 einen möglichen Treffer zu repräsentieren. 

Betrachten wir ein analoges Beispiel bei einem Spiel, das wohl jeder kennt: Stellt euch vor, ihr spielt 999 Runden Schere, Stein, Papier gegen einen Gegner, der spieltheoretisch optimal agiert. Ihr hingegen entscheidet euch 500-mal für Stein. Das hätte zur Folge, dass ihr Schere beim Gegner dominieren würdet, allerdings auch überdurchschnittlich häufig gegen Papier beim Gegner das Nachsehen hättet. Daher besteht die spieltheoretisch optimale Strategie bei Schere, Stein, Papier schlichtweg, jede Option mit einer Wahrscheinlichkeit von 33% zufällig zu wählen.

Der Zweck von GTO-Ranges ist es, ein Gleichgewicht zu schaffen. Nur durch Aufrechterhalten dieses Gleichgewichtes verhindert man, exploitet zu werden. Foldet man zu häufig, wird eine GTO-Range durch ihren Bluffanteil einen Profit erzielen. Callt man hingegen zu oft, verliert man sein Geld an die starken Hände der GTO-Range. Der Profit wird also immer dann erzielt, wenn der Kontrahent das Gleichgewicht in die eine oder andere Richtung verlagert.

Seid ihr trotz allem in der Lage, GTO-Ranges zu exploiten? Wir freuen uns auf euer Erfolgsrezept!