Interview mit dem Ameisenmann
Nachdem wir euch vor einiger Zeit schon den Ameisenthread in unserem Forum vorgestellt haben, spricht mit AbbAUbaR ein waschechter Koloniebesitzer mit uns.
Hallo AbbAubaR, zuallererst einmal Danke dafür, dass du an diesem Interview teilnimmst. Nachdem wir den Ameisenthread schon vorgestellt haben, ist ein Interview mit einem Ameisenhalter nur logisch. Doch der Reihe nach.
Wie bist du zu PokerStrategy.com gekommen und bist du noch ein aktiver Pokerspieler?
abbaubar: Zum Pokerspiel und letztendlich auch zu PokerStrategy.com bin ich durch Kellerlanplayer gekommen. Unsere Wege kreuzten sich zu Schulzeiten des Öfteren, am Ende waren wir sogar in einer Klasse und da hat er mir immer von seiner privaten Pokerrunde erzählt. Ich hatte zuvor mit Poker nichts am Hut und wie das genau abgelaufen ist, weiß ich auch nicht mehr. Aber am Ende saß ich bei ihm ihm Keller, habe mich über seinen TaF-Link angemeldet und die Dinge nahmen ihren Lauf.
Aktiver Pokerspieler bin ich eigentlich nicht mehr. Das letzte Mal habe ich 2015 gespielt, als ich in einer privaten Challenge von NL2 bis NL10 über jeweils 100.000 Hände eine Winrate von 10bb/100 schaffen wollte. Auf NL2 und NL4 hat das auch geklappt, nach ca. 30.000 Händen auf NL10 wurde es mir aber schon zu stressig und ich habe aufgehört. Für die großen Limits hat mein Pokertalent eben nie gereicht. Das heißt aber nicht, dass ich nicht irgendwann vielleicht doch noch einmal Lust bekomme, online ein wenig rumzudonken. Im Moment fehlt mir allerdings die Motivation dazu.
Kommen wir nun zu den Ameisen, ein eher ungewöhnliches Hobby und Haustier. Seit wann besitzt du denn deine eigene Kolonie und wie kam es dazu?
abbaubar: Vielleicht erkennt sich ja jetzt der ein oder andere Ameisenhalter wieder, aber mir kam eines Tages die Alf-Folge in den Sinn, in der Willie Alf eine Ameisenfarm schenkte, die diesem nach anfänglicher Skepsis dann doch ziemlich ans Herz gewachsen ist. Das, zusammen mit der Simpsons-Folge, in der Lisa Leben auf einem ausgefallenen Milchzahn erschaffen hat, war ausschlaggebend, dass ich mich in den gängigen Foren über die Ameisenhaltung erkundigt habe.
Mir gefiel der Gedanke einem eigenen kleinen "Universum" beim Wachsen zusehen zu können und so habe ich mir 2007 meine erste heimische Ameisenkolonie zugelegt. Aufgrund von Haltungsfehlern und Unerfahrenheit ist diese allerdings irgendwann eingegangen. Auch ein zweiter Versuch mit einer südeuropäischen Art ging schief. 2010 kehrte ich dann zu den heimischen Ameisenarten zurück und halte seitdem einigermaßen erfolgreich eine Kolonie der Braunschwarzen Rossameise.
Das große Krabbeln beim Ausbruch

Hast du die Anschaffung bisher bereut?
abbaubar: Direkt bereut eigentlich nie. Allerdings denkt man sich nach jeder größeren Ausbruchsaktion schon: „Mein Gott, was habe ich mir da nur angetan?“ Naja, klingt jetzt vielleicht dramatischer als es eigentlich ist.
Kannst du, abgesehen von der Königin, bestimmte Ameisen unterscheiden oder sehen sie dafür zu gleich aus und sind zu zahlreich?
abbaubar: Da die Braunschwarze Rossameise sehr unterschiedliche Arbeiterinnen produziert, was deren Größe betrifft, kann man manche große Ameise schon ziemlich gut von der breiten Masse unterscheiden. Dass ich allerdings einzelne Tiere wiedererkenne, das gelingt mir nicht. Vielleicht gibt es ja jemanden, der das kann, aber ich für meinen Teil habe ja schon Probleme, wenn in Filmen zwei Schauspielerinnen die gleiche Haarfarbe und eine ähnliche Frisur haben. Von daher ...
"Sie leben für die Gemeinschaft"

Was fasziniert dich am meisten an deinen Ameisen?
abbaubar: An den Ameisen allgemein fasziniert mich, dass sie ihr gesamtes Leben für das Wohl der Gemeinschaft leben. Das ist nicht wie bei den Menschen, die sich denken „och, heute mach' ich mal nichts“ oder „mach ich's halt später.“ Die Ameisen machen einfach immer das, was der Kolonie am meisten nützt.
Und schaut man sich ein wenig auf YouTube um, findet man noch viele weitere faszinierende Dinge, was diese Tiere betrifft: Feuerameisen, die sich zu einem Floß zusammenfügen, um über eine Wasserquelle zu schwimmen, Honigtopfameisen, die sich als lebende Speisekammer an die Nestdecke hängen, perfekt konstruierte unterirdische Nester mit Kaminen für Wärmeabfuhr und Sauerstoffzufuhr, und noch vieles mehr. Alleine, dass sich so manch einheimische Ameisenart Blattläuse als Nutztiere hält, um an deren süße Ausscheidungen zu kommen, ich doch wohl schon faszinierend genug.
Hast du vor dir eine weitere Kolonie zu kaufen oder deine jetzige zu vergrößern?
abbaubar: So eine Ameisenkolonie vergrößert sich ja eh von selbst, indem man stets für genug Nahrung, gute Haltungsbedingungen und Platz sorgt. Vergrößern in dem Sinn werde ich die Kolonie also nur, indem ich mir demnächst ein größeres Glasbecken und vielleicht ein paar Kunststoffröhren anschaffen werde, damit die Tiere mehr Auslauf haben. Eine zusätzliche Kolonie würde mich zwar schon auch reizen, z. B. eine südeuropäische Art, die Körner sammelt und für sich sogenanntes Ameisenbrot herstellt, aber ich bin mit meinen derzeitigen Ameisen eigentlich schon ziemlich gut ausgelastet. Außerdem fehlt mir auch ein wenig der Platz für eine weitere Kolonie.
"Eine Kolonie wird bis zu 30 Jahre alt"

Welche Dinge muss man als Interessierter denn nun beachten und wie teuer ist der Spaß? Das ist doch sicher kein Hobby für jeden?
abbaubar: Im Grunde ist dies ein Hobby für jeden, der sich für Insekten interessiert und der sich im Klaren ist, dass auch das Lebewesen sind, die es gut zu behandeln gilt. Wer sich nun für die Ameisenhaltung interessiert, sollte wissen, dass eine Kolonie durchaus bis zu 30 Jahre alt und auch ziemlich groß werden kann. In erster Linie ist es also wichtig, dass man über einen langen Zeitraum genügend Platz, Zeit und Motivation garantieren kann.
Kostentechnisch hält sich die Ameisenhaltung einigermaßen in Grenzen. Für das größere Becken mit Deckel und allem Drum und Dran werde ich im Fachhandel zwar locker über 100 Euro zahlen müssen, und auch eine Königin mit ein paar Arbeiterinnen kann je nach Art durchaus 250 Euro kosten. Das sind dann aber auch exotische Arten, die für einen Anfänger sowieso nicht in Frage kommen. Insgesamt ist es wohl wie bei jedem Hobby: Man wird nicht arm, aber wenn man möchte, kann man schon ordentlich Geld reinstecken.
Welche Tipps hast du für neue Ameisenhalter?
abbaubar: Das Wichtigste ist natürlich sich vorher gründlich zu informieren auf was man sich da eigentlich einlässt. Bevor man sich vorschnell eine Kolonie besorgt, sollte man sich also lieber gründlich in die Materie einlesen. Und man sollte sich ruhig trauen Fragen zu stellen, wenn man etwas wissen möchte.
Es gibt genügend Ameisenforen im Internet, die eine gute Anlaufstelle dafür sind. Und natürlich kann man auch hier im Thread mal etwas nachfragen. Außerdem möchte ich noch eine Lanze für unsere einheimischen Ameisenarten brechen. Man sollte nicht den Fehler machen und sich gleich auf die exotischen Arten stürzen, nur weil diese vermeintlich attraktiver sind. Auch unsere mitteleuropäischen Arten sind sehr interessant zu beobachten und vor allem leichter zu halten. Und wer zur rechten Zeit am rechten Ort ist, kann sogar selbst eine begattete Königin fangen.
Die Welt aus der Sicht der Ameise sehen

Wie haben denn deine Freunde und Verwandten auf die neuen Haustiere reagiert, da gibt es doch sicher wie beim Poker auch direkt Vorurteile?
abbaubar: Anfangs schlug mir zwar ein wenig Skepsis entgegen, der größte Streitpunkt war vor allem, dass die Ameisen doch bitte nicht ausbrechen sollen, aber eigentlich kamen überwiegend positive Reaktionen.
Die Ameisenhaltung ist jetzt zwar auch eher ein Nischenhobby aber da dürfte Poker gerade bei Außenstehenden schlechter weggekommen sein. Thema „illegales Glücksspiel“ und so ...
Eine etwas andere abschließende Frage: Wenn du dich in eine Ameise verwandeln könntest, an welchen Ort der Welt würdest du dich in dieser Form begeben, an dem du als Mensch nicht so einfach Zutritt hättest?
abbaubar: Im Beantworten solch hypothetischer Fragen bin ich immer besonders gut, darum fällt mir jetzt auch spontan bestimmt etwas ganz Kreatives ein. Hm, nein, natürlich nicht. Daher nehme ich das offensichtlichste, nämlich einen Ameisenbau. Ein Blattscheiderameisennest kann ziemlich große Dimensionen annehmen, das von Innen und mit den Augen einer Ameise sehen zu können wäre bestimmt interessant. Natürlich würde ich mir auch nur alles angucken und nicht selbst mitarbeiten.
Ich glaube, ich habe nicht zu viel versprochen.
Vielen Dank für das Gespräch. Wir hoffen, dass deine Kolonie dir noch viele Jahre Spaß bereitet!


