Aktualisiert am 25 Feb. 26 von

McKenna: Mit Gelassenheit zum Erfolg

Egal ob Tiltvermeidung oder Abbau von Blockaden: Seit kurzem bietet Moderator und Contentproduzent McKenna auch Private Coaching an. Hier erzählt er, wie du erfolgreich deine Pokerkarriere in Angriff nehmen kannst.

Das Interview führte funmaker

PokerStrategy: Hallo McKenna! Stell Dich doch bitte einmal kurz der Community vor!

McKenna: Hallo! Ich heiße Robert, bin 42 und komme aus Saarbrücken.
PokerStrategy-Mitglied bin ich seit Juni 2006, seit Ende 2007 bin ich nun auch als Moderator und freier
redaktioneller Mitarbeiter tätig.

Porträt

Hier findest du Kontaktdaten und Arbeitsbeispiele unseres Mitarbeiters McKenna:


Kontakt:

Skype:
robert-psychologie
ICQ: 496616931


Kosten:

- $60 pro Coaching (45 bis 70 min.)
- $20 pro Supervision aufbauend auf bisherigen Stunden (ca. 20 min.)


McKennas -Artikel:

Tilt: Einführung


Tilt: Bad Beats und Varianz

Tilt: Scared Money


Tilt: Vielspieler


Tilt: Von Fischen und Haien

PokerStrategy: Du hast eine eigene Praxis als psychologischer Berater, Trainer und
Coach und arbeitest außerdem an einer Heilpraktikerschule als Dozent. Seit kurzem bietest Du für unsere Mitglieder auch Psychologie- u.
Mentaltraining
an. Was muss man sich darunter genau vorstellen?

McKenna: Es handelt sich um eine individuelle Betreuung und Beratung. Wir
suchen dabei nach konkreten Möglichkeiten und Ressourcen, um individuelle Ziele zu erreichen. Verhaltensmechanismen wie z. B. am Pokertisch werden dabei ganz genau untersucht. Der Film wird quasi „langsamer abgespult". Unbewusste Verhaltensweisen, die zu Problemen führen könnten, werden so sichtbar gemacht.

PokerStrategy: Wie wird das private Coaching bisher von den Mitgliedern angenommen?

McKenna: Die ganze Sache ist ja gerade erst angelaufen, doch die Resonanz ist vorhanden, und ich habe schon einige Coachings mit Communitymitgliedern durchgeführt. Andere Angebote, wie z.B. Strategieartikel werden mit Sicherheit von weitaus mehr PokerStrategen in
Anspruch genommen. Meine Coachings sollen dahingegen eine Nische zu füllen: Private Coaching macht weiter, wo Public Coaching und Content
aufhören. Es ist für Mitglieder gedacht, die eine individuelle Betreuung wünschen, um ihre Spielstärke zu erhöhen.

PokerStrategy: Mit Sorgenhotline und Frustabbau haben wir zwei Foren, in denen Rat und Hilfestellung angeboten werden. Was hältst Du davon?

McKenna: Es ist eine sehr gute Sache. Es fällt mir allgemein in der Beratungspraxis auf, dass vielen schon
geholfen ist, wenn sie sich einfach mal auskotzen, schimpfen oder Druck ablassen können. Viele wollen auch nicht unbedingt
profunden Rat, sondern allein das Reden hilft schon sehr. Dieser Effekt wird oft unterschätzt. Die Foren haben einen dementsprechendem Wert. Wenn allerdings konkret Hilfe
und Ratschläge gewünscht sind, sollte man möglichst klare und
spezifische Fragen stellen. Die Antworten sollten dann auch tatsächlich in Erwägung gezogen werden, selbst wenn sie manchmal unpassend, befremdlich oder
scheinbar schnoddrig daher kommen.

Ein Beispiel: In einem Thread
schreibt jemand als Tip: 'Spiel einfach weiter!' Jetzt könnte sich der Threadersteller denken: 'Warum schreibt der sowas?
Versteht der die Probleme nicht, die ich gerade mit dem Spielen habe - dass ich kaum spielen kann, weil es mir so schlecht geht?

Diese Art von Rat kann jedoch sehr hilfreich sein. In
diesem Fall heißt der Tipp: 'Ignoriere das Problem! Mach einfach
weiter, als ob nichts wäre!' Gerade für Spieler, die in jeder
Session angstvoll auf ihren Graphen starren und sich Sorgen um ihre
Leaks machen, könnten derartige Ratschläge goldrichtig sein. Einfach mal so tun als
ob. Einfach spielen.

Oft geht's ja genau da
lang, wo es wehtut oder anders ausgedrückt: Wir holen uns ja gerade deshalb Rat
bei anderen, weil die eigenen Ideen nicht funktionieren. Warum sollten
wir also nur das hören wollen, was wir uns eh schon vorstellen können
oder was wir eh schon tun?

PokerStrategy: PokerStrategy unterstützt ja nun dank Deines Engagements seine
Mitglieder noch mehr. Was gefällt Dir zusätzlich besonders an dem
System PokerStrategy?

McKenna: Seitdem ich Mitglied wurde, hat PokerStrategy nochmals enorm an Qualität zugelegt. Die didaktische Aufbereitung
des Materials ist inzwischen absolut vorbildlich und PokerStrategy
in dieser Sparte im Netz eindeutig führend. Woanders wird immer noch auf gestrickt
wirkende Websites gesetzt und die Foren bieten nur zusammengestückelte Informationen. PokerStrategy bewegt sich auf einer ganz anderen Ebene. Spürbar ist hier der Wunsch nach ständiger Weiterentwicklung, und das drückt sich
in der Qualität auch aus. Ich finde dies sehr beeindruckend.

PokerStrategy: Bleibt Dir Zeit, im Forum zu stöbern? Was interessiert Dich dort besonders?

McKenna: Ich lese vor allem in 'meiner' Sparte Selbstmanagement &
Gegnerpsychologie
mit sowie in Psychologie & Sorgenhotline
allgemein. Zudem lasse ich mich von aktuellen Forenthreads
inspirieren oder stöbere ein bisschen im Small Talk. Ansonsten sehe ich mir im Moment verstärkt Videos und auch
etwas Theorie an.

PokerStrategy: Der psychologische Faktor des Pokerns wird vielleicht manchmal
unterschätzt. Wieso ist es für viele so schwer, das Spiel
so zu akzeptieren, wie es ist?

McKenna: Viele Spieler „wissen" rational, was beim Pokern passiert: die Downs, die Varianz, die ständigen Beats, das
Auf und Ab. Die Gefühle sagen
jedoch etwas ganz anderes: Wir wollen für unser gutes Spiel unmittelbar
belohnt werden. Die Gewinne long term sind für unser jetziges
Wohlbefinden sehr weit weg.

Verstandesgemäß-kognitiv ordnen wir die Dinge ein und bauen sie zu einem
Vorstellungsgerüst, einem „Plan", zusammen. Wie auch in anderen Bereichen geht dieser Plan beim Pokern in der Regel nicht auf: Trotz
intensiver Ausbildung, zeitlicher Investition und besserem
Spiel gegenüber den Gegnern muss man Bad Beats einstecken - möglicherweise für mehrere Tage und Wochen hintereinander. Irgendwann verliert der Verstand
den Kampf gegen die Gefühle - diese sind tendenziell sowieso dominanter und bestimmen das Verhalten.

Konsequenzen könnten weakes Spiel, unsinniges Callen und überaggressive Moves sein. Hier kommt also der Antagonismus zwischen Denken und Fühlen zum Tragen. Wohlgemerkt: Dies ist alles menschlich und
verständlich. Trotzdem müssen wir an genau diesen Dingen arbeiten, um
langfristig gewinnen zu können. Und genau deswegen geht es beim Poker
nicht zuletzt um die Arbeit an sich selbst.

PokerStrategy: Was ist wichtiger? Spielerisches Können oder psychologische Stärke? Wie würdest Du das in Prozent ausdrücken?

McKenna: Die Grundlage für gutes Spiel ist auf jeden Fall eine solide Technik.
Ohne diese geht gar nichts. Als Anfänger und auf den niedrigen Limits
würde ich korrekte Anwendung der Basics zu 90% für den Erfolg
verantwortlich machen.

Mit zunehmender Erfahrung und auf den höheren
Limits wird jedoch die psychologische Komponente immer wichtiger - so die Kontrolle der eigenen Psyche und das Einschätzen der Gegner. Ich würde in den hohen Limits bei guten Spielern von gleichen Anteilen der Technik und
der Psychologie ausgehen. In bestimmten Situationen wie bei HU, hohen CG oder
Live-Turnierpoker könnten psychologische Aspekte sogar
in den Vordergrund treten.

PokerStrategy: Die meisten PokerStrategen gehören jüngeren Generationen an.
Haben ältere Spieler einen Vorteil in puncto Psyche, da man im real Life schon viel mehr schwierige Situationen erlebt hat?

McKenna: Das glaube ich ehrlich gesagt nicht. Ich möchte hier jetzt auch nicht
spekulieren. Junge Leute haben die Vorteile einer guten sensorischen
Wahrnehmung, eines hohes Lernvermögens und hoher Belastbarkeit.

Wichtig erscheint
mir jedoch, dass Poker für alle Generationen eine „Lebensschule" sein kann: Pokern fördert Dispziplin, emotionale Kontrolle, Kontrolle der Aggression, Fleiß,
Lernbereitschaft und Demut.

Das ist ein ganz wichtiger Punkt. Viele Probleme entstehen durch
Überidentifikation mit dem Spiel. Engagement ist wichtig, aber Poker ist und bleibt ein Spiel. Wenn jemand alle seine Erwartungen und Träume hiermit verbindet, dann wird die Last sehr schnell sehr
schwer. Zuviel Druck ist nicht gut für das eigene Spiel. Man muss akzeptieren, wenn es mal nicht so gut läuft.

Um eine Analogie zu benutzen: Wir stellen uns ja auch
nicht in einen Wildwasserfluss und versuchen, das Wasser aufzuhalten. Es ist wichtig, loslassen zu können und
sich treiben zu lassen, bis man wieder festen Boden unter den Füßen
hat. Von dort aus kann man weiter machen. Wenn wir aber partout kämpfen und uns dem Wasser entgegenstellen, besteht die Gefahr, gegen die
Felsen geschleudert zu werden und sich blaue Flecken zu holen.

PokerStrategy: Kannst Du Dein Pokerspiel stets kontrollieren, oder bist auch Du manchmal
unbeherrscht und auf Tilt?

McKenna: (lacht) Ja, auf jeden Fall! Sonst könnte ich ja gar nicht mitreden und
wissen, was den Leuten auf den Nägeln brennt! Man muss
allerdings auf einem Gebiet nicht selbst alles können, um
coachend helfen zu können. Wegen der mangelnden Selbstwahrnehmung übersieht man gerade oft die eigenen Fehler. Es ist deswegen gut, andere hinzuzuziehen, ob nun beim allgemeinen Coaching, beim Private Coaching oder
sonst wie. Und gerade im psychologischen
Bereich endet die Entwicklung sowieso nie.

PokerStrategy: Bleibt Dir bei all Deinen beruflichen Pflichten überhaupt noch ein wenig Freizeit?

McKenna: Ja, sicher. Ich bin ja sozusagen „stundenweise" beschäftigt. Ich muss daher
zwar „Gewehr bei Fuss" stehen und kann selten für längere Zeit weg, aber
zwischendurch ergeben sich immer wieder Pausen.

PokerStrategy: Was machst Du gern in Deiner freien Zeit?

McKenna: Ich gehe mit Freunden weg, bin jetzt im Sommer ziemlicher Biergartenfan
oder lade auch zum gut Kochen, Essen, Trinken und zusammen abfeiern ein.

 

PokerStrategy: Und was wünscht Du Dir für Deine private und berufliche Zukunft?


McKenna: Vielleicht, ein noch besserer Coach zu werden. Ansonsten bin ich bereits
zufrieden. Ein weiteres Ziel wäre, auf Dauer zufrieden zu sein und dankbar für das, was ist, und was das Leben im Moment für mich
bereithält.

PokerStrategy: Hast Du zum Ende des Interviews noch ein paar abschließende Worte oder Tipps an unsere Communitymitglieder, wie man z.B. die Dinge „in den Griff" bekommen kann?

McKenna: Wenn ich mir amerikanische Pokersendungen oder Aufzeichnungen der WSOP ansehe, stoße ich dort oft auf die Formulierung „confidence in my/his play".

Vertrauen in
das eigene Spiel bekomme ich als Spieler nicht von heute auf morgen.
Und kein Content der Welt kann es ersetzen, ich muss es in mir spüren. Dies ist ein Prozess, der mich schrittweise von einer Stufe zur nächsten führt.

Ich kann dabei jedoch nicht überblicken, wohin mich der
nächste Schritt bezüglich des Verständnisses des Spiels führen wird. Jeder glaubt stets, das Spiel zu beherrschen, doch auf jedem Skillevel entdeckt man Neues. Dieser Prozess endet wie auch bei
anderen komplexen Disziplinen nie.

Poker ist sozusagen ein hermetisch
verschlossenes Spiel. Man bekommt nur soviel zu sehen, wie es dem
eigenen momentanen Pokerbewusstsein entspricht. Irgendwann wird das
Spiel dann immer transparenter. Dinge und Zusammenhänge werden
sichtbar, die bis dato verborgen blieben.
Dieser Weg ist ungemein spannend oder kann spannend gestaltet werden.
Ein Spieler sollte versuchen, gutes Poker entlang seiner
Leistungsgrenze zu spielen. Alles andere stellt sich von selbst ein. So, wie die Athleten der Olympiade ihren
Körper, ihre Tagesform und Erfolgsaussichten genauestens kennen,
so kann auch ein Pokerspieler lernen, sich selbst einzuschätzen.

Beobachte dich selbst! Habe einen Blick auf die Details! Bekomm ein Gespür für die Qualität deines Spiels! Das geht nicht
von heute auf morgen, wird sich aber irgendwann einstellen - und
damit der Erfolg. Nicht kurzfristige Up and Downs haben Bedeutung,
sondern nur das langfristige Bewusstsein und das Bestreben, ein guter
Spieler werden zu wollen!

PokerStrategy: Vielen Dank für dieses ausführliche und interessante Interview! Mit
Deinen professionellen Ausführungen in diesem Interview hast Du
bestimmt schon sehr vielen Mitgliedern in ihrer Pokerkarriere weitergeholfen. Für Deine weitere Arbeit bei PokerStrategy
wünschen wir Dir alles Gute und viel Erfolg!